Schleswig-Holstein Testbericht

Schleswig-holstein
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Erfahrungsbericht von LoMei

Seefahrt 18: Ein Schiffsneubau verlässt die Werft.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Dieser Bericht aus Lübeck könnte ebenso von Kiel, Rensburg oder Flensburg handeln, denn dort liegen (oder lagen?) die Werften Schleswig-Holsteins.

Mein Heimaturlaub ging nach 20-tägigem Daheimsein am 4. November zuende. Am 2. November kam die Order, dass ich am 4. November in Lübeck auf dem Neubau „Wolfgang Russ“ antreten sollte. Das Schiff hatte eine Ladefähigkeit von 5300 tdw (2969 BRT) und eine Geschwindigkeit von 14 Knoten.
Im Laufe des Vormittags erreichte ich die Flender-Werft und meldete mich beim II. Ingenieur.


INHALT

1. Restarbeiten
2. Werft-Probefahrt
3. Fazit


1. RESTARBEITEN

Nachdem ich mich umgezogen hatte, inspizierte ich zuerst einmal den Maschinenraum. Er glich einem brodelnden Ameisenhaufen. Hier schweißte einer, dort hämmerte jemand, andere bauten Rohrleitungen an oder verrichteten Anstreicharbeiten. Die beiden Deutz-Dieselmotoren machten gerade ihren Probelauf und waren von viel Intelligenz umgeben. Siemens-Monteure erledigten die letzten Arbeiten an der Schalttafel und andere Spezialisten erprobten die Kompressoren. Alle drei Hilfsdiesel liefen. Es herrschte ein unbeschreiblicher Lärm. In den Wohnkammern war es ähnlich. Tischler, Maler, Elektriker und was weiß ich sonst noch arbeiteten nebeneinander und standen sich im Wege. Alles handelte nach dem Motto: Der Termin muss gehalten werden, und Zeit ist Geld.

Am Sonnabend-Abend fuhr ich heim nach Pinneberg. Am Sonntag machte ich mit meiner damaligen Freundin, mit der ich nun seit 38 Jahren verheiratet bin, eine Radtour durch die Holmer Sandberge, und abends besuchten wir eine geistliche Abendmusik.

Am 9.11. war ich morgens wieder an Bord. Wir bekamen unsere Ersatzteile und die Ausrüstung für den Maschinen-Store und hatten mit dem Verstauen dieser Dinge genug zu tun. Die Werft arbeitete immer noch auf Hochtouren. Unsere Kammern waren jetzt so ziemlich fertig und wirkten schon recht gemütlich.


2. WERFT-PROBEFAHRT

Am Nachmittag des 9.11. ging es von der Flenderwerft zum Kompensieren nach Travemünde. Kompensieren bedeutete hier das Einjustieren des neuen Kreiselkompass. Dabei war das Schiff an den Pfählen fest und veränderte seine Position so lange immer wieder, bis alle Himmelsrichtungen „abgetastet“ waren.
Am Donnerstagvormittag ging es mit vielen Gästen und Ehrengästen hinaus auf die Ostsee zur Probefahrt. Ich wunderte mich, dass die Maschinen es überhaupt wagten, im Beisein von so viel Intelligenz zu laufen. Aber sie liefen. Auf See wurde kurz geankert, und es erfolgte die feierliche Übergabe an die Reederei.
Während der Rückfahrt nach Travemünde wurden die Wachen bereits von uns gegangen. Im Laderaum III waren lange Tische aufgebaut, wo wir es uns auf Kosten der Flenderwerft gut schmecken ließen. Bei Ankunft in Travemünde wurde dann dort bebunkert. Die Werft schaffte ihre Tische und Bänke an Land, und wir liefen aus zur Jungfernfahrt nach Finnland.


3. FAZIT

Für uns als einem Teil der Maschinenbesatzung war die Probefahrt eine rein technische Angelegenheit Den gesellschaftlichen Aspekt mit diversen Ansprachen und manchem Toast erlebten wir nicht mit.

23 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Mathias.Belka

    10.04.2002, 20:57 Uhr von Mathias.Belka
    Bewertung: sehr hilfreich

    nette Berichte die de da hast!!!

  • aroza

    08.04.2002, 18:52 Uhr von aroza
    Bewertung: sehr hilfreich

    so eine art richtfest, was?