Schloß Schönbrunn Testbericht



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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von Geradine
Ein Durch-Wien-gehen hat Folgen
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
-----> die einem einfachen Menschen auf die Leber schlagen....
Tradition ist überall, man kann sich aussuchen, welche man will.
Und wenn ein Fiaker seinen mundoffenen Amerikanern erzählt,
dass Beethoven im Burgtheater geboren wurde,
hat er völlig recht.
Georg Kreisler
Die liebe Geradine hat 2 wunderschöne Tage auf Schloss Schönbrunn verbracht... Wieso zwei Tage, reicht da nicht auch einer? Wien hat doch noch soviel mehr zu bieten... Das stimmt schon, ich habe sehr wahrscheinlich auch wenig gesehen, obwohl ich jeden Tag bestimmt 15 Stunden auf den Beinen war und mir das festgelegte Programm „angetan“ habe.
Geradine in Schönbrunn
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An unserem zweiten Tag sind wir das erste Mal nach Schloss Schönbrunn gefahren, und haben einen Rundgang durch die Innenräume gemacht. Wir hatten als Gruppe die kleinere Tour gewählt, entschieden uns aber an ihrem Ende sie zur großen auszuweiten. Wir waren also 3 Leute, die sich dann noch die letzten, öffentlich zugänglichen Räume angeschaut haben.
Als wir nach knapp 4 Stunden dann daraus kamen (keine Angst für alle, die jetzt denken dass es soooooooo viele Räume sind, an und für sich kommt man da auch noch schneller raus, aber wir standen zum Beispiel 45 Minuten unter einem Deckenfresko (aber dazu später), und haben interpretiert was das Zeug hält!
Natürlich wollten wir noch in den Schlosspark, doch unser Lehrer (er war einer von uns dreien) war nach dem gemeinsamen Kaffee, den er uns noch ausgegeben hatte, zu müde und wollte sich vor der für ihn sehr wichtigen Aida Aufführung am Abend noch etwas ausruhen.
Also sind wir zwei noch in den Garten gegangen, doch ein Blick auf die Uhr verriet uns, dass auch wir uns verziehen mussten, denn wir mussten den Master noch wecken, uns fertig machen und zum Essen. Schweren Herzens verließen wir dann den wunderschönen, noch mit blühenden Blumen bestückten Garten und machten uns auf unsere ungefähr 9-minütige Rückfahrt mit der U-Bahn.
Da sowohl wir, als auch unser Master noch unbedingt in den Park wollten, beschlossen wir, am letzten Tag, wo für unseren Kurs ja sowieso kein Pflichtprogramm angesetzt war, noch einmal zu dritt dorthin zu fahren. Und so kam es, dass wir am Freitag, den 27.9. noch mal das Schloss vor uns sahen.
Wir liefen sage und schreibe 5 Stunden durch den Garten: Wir erklommen den Hügel zur Gloriette. Ich klaute dem Master die Kamera und er hat geschmollt wie Sau. Er wollte zum Klangspielplatz flüchten – wir hielten ihn fest – er entkam uns aber dennoch – blieb aber schockiert vor dem Eingang stehen da er kein Geld mehr ausgeben wollte und man (man glaubt es kaum) wahrlich Eintritt dafür bezahlen musste. Des weiteren haben wir die ganze Zeit nach einer Wiese gesucht, wo wir uns für ein Stündchen in die Sonne hätten legen können, haben aber keine gefunden, legten uns dann an den Schönen Brunnen und setzten uns anschließend noch 3 Stunden ins Café vor dem Schloss. Irgendwie haben wir uns alle drei ganz furchtbar in dieses Gebäude verliebt.
Geschichte des Schlosses Schönbrunn
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Schon um 1400 gab es ein Gebäude auf dem Grundstück, wo heute Schloss Schönbrunn zu finden ist, war damals aber unter dem Namen „Katterburg“ oder Kattermühle. Kaiser Matthias soll im Jahre 1612 den Schönen Brunnen entdeckt haben, was dem Anwesen seinen heutigen Namen verlieh. Zu dieser Zeit diente das Schloss noch als Jagdschloss inmitten der vom Adel für die Jagd geliebten Wälder.
Erst 1642 wird es von Eleonora von Gonzaga (Gonzaga = italienisches Fürstengeschlecht) zu einem Lustschloss umgebaut und erstmalig historisch erwähnt. 1683 wurden sowohl der Tiergarten, als auch das Schloss während der Türkenbelagerung zerstört. Drei Jahre später fiel es in den Besitz von Kaiser Leopold, der es seinem Sohn, dem Thronfolger Joseph überließ nachdem es neu aufgebaut wurde. 1700 war der große Mitteltrakt fertig und konnte fortan bewohnt werden.
Kaiser Karl der 6. erwarb 1728 das Schloss, besuchte es aber nur zur Fasanjagd. Erst als er es seiner Tochter Maria Theresia schenkte, wurde es seinem Antlitz entsprechend geehrt, denn sie hatte schon immer eine Vorliebe für Schönbrunn gehabt. Erst jetzt wurde es selbst für politische und höfische Zwecke genutzt. Das ehemalige Jagdschloss wurde nun von Nicolaus Pacassi unter strenger Bewachung und Einfluss von Maria Theresia zu einem wahren Residenzschloss umgebaut. Maria Theresia stirbt 1780 in Wien und nach ihrem Tod bleibt das Schloss mit dem schonen Brunnen unbewohnt.
Anfang 1800 eignet sich Kaiser Franz der Zweite/der Erste Schönbrunn an und hält es als Sommerresidenz. 1805 und 1809 besetzt Kaiser Napoleon Schloss Schönbrunn. Da 1814 der Wiener Kongress (Zusammenkunft der europäischen Monarchen und Staatsmänner zum Zweck der politischen Neuordnung Europas nach dem Sturz Napoleons in Wien) stattfinden sollte, bedurfte Schönbrunn einer Generalüberholung. Der Hofarchitekt Aman entfernte das reiche Fassadendekor und verlieh dem Schloss das noch heute freundliche „Schönnbrunner-Gelb“. Die Fassade verlos viele Elemente und zeigt nun nur noch einige einzelne Elemente des Schmucks.
1830 wird der spätere Kaiser Franz Joseph im Schloss geboren. Er wurde von Kind-auf auf seine Rolle als Thronfolger vorbereitet und dementsprechend erzogen. Die Sommermonate, die er jedes Jahr auf Schönbrunn verbrachte, zählte er zu den schönsten seiner Jugend und Kindheit. Als er mit 18 Jahren den Thron besteigt, erlebt Schönbrunn wieder eine Glanzzeit. Er erklärt das Schloss zu seinem Lieblingswohnsitz und lässt vor der Weltausstellung 1873 das gesamte Schloss restaurieren. Ende des 19. Jahrhunderts überwacht Thomas Edison persönlich den Einbau der Elektrizität um Schloss, Johann Strauß gibt Abendkonzerte.
Das Schloss und der Park wurden 1996 zum Weltkulturerbe von der UNESCO erklärt.
Die Geschichte des Schönbrunner Gartens
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Zu Zeiten, als Schönbrunn noch als Jagdschloss galt, war der Garten ein einfaches Wildgehege. Erst 1695 wird er in französischem Stil zu einem zum „Lustschloss“ passenden „Lustgarten“ ausgebaut. Schon damals im überschwänglich barocken Stil gehalten, bauten ihn die Gartenarchitekten Nicolaus Jadot und Adrian von Steckhofen unter Maria Theresias Anweisungen und strengem Blick zu seiner heutigen Form aus.
1775 und in den folgenden fünf Jahren wurden die 3 mächtigsten, größten und heute noch bekanntesten Werke erbaut: Der schöne Neptunbrunnen, die Gloriette und die römische Ruine. 1880 wurde unter Leitung von Kaiser Franz Joseph innerhalb von 15 Monaten das Palmenhaus erbaut. Bei seiner Eröffnung beinhaltete es die weltweit reichste Sammlung an exotischen Pflanzen.
Der Gang durch die Innenräume
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Das Schloss Schönbrunn bietet 3 verschiedene Möglichkeiten an, um sich die Innenräume anzuschauen. (Preise in ATS und für Erwachsene)
1. Die Imperialtour: Hier bekommt der Gast kostenlos einen Tonbandführer, durch den er in jedem Raum etwas zur Inneneinrichtung oder zur Geschichte erfährt. (105 ATS ~ 15 DM)
Man wird durch 22 Räume geführt:
- Gardezimmer,
- Billardzimmer (Wartezimmer für Audienzen und Freizeitspiel des Kaisers),
- Nussholzzimmer (Audienzzimmer für Minister, Beamte, Regierung und zwei Tage die Woche auch für die Bürger),
- Schreibzimmer von Kaiser Franz Joseph dem Ersten (Arbeitszimmer, zeitweise auch einziger Platz für die Mahlzeiteinnahme),
- Schlafzimmer von K. Franz Joseph dem Ersten (Platz für die Morgentoilette, das Gebet –streng katholisch war er-; hier starb er 1916),
- Stiegenkabinett (Schreibzimmer Elisabeths),
- Toilettezimmer (Platz für die Schönheitspflege der Kaiserin (stundenlanges Kämmen der haare von Nöten)),
- Gemeinsames Schlafzimmer von Kaiser Franz Joseph dem Ersten und Elisabeth (wurde nur in den ersten Ehejahren benutzt, sie ging ihr eigenes leben, er vereinsamte da er sie abgöttisch liebte),
- Salon der Kaiserin Elisabeth (Empfangsalon der Kaisern),
- Marie Antionette Zimmer (Familienspeisezimmer, wenn der Kaiser fertig war, wurde abgedeckt, egal ob die anderen noch aßen),
- Kinderzimmer,
- Gelber Salon (Beginn der Appartements auf der Gartenseite),
- Spiegelzimmer (erste Konzerte des sechsjährigen Mozarts),
- Rosa-Zimmer (benannt nach dem Künstler Joseph Rosa),
- Große und kleine Galerie (komme ich später noch dazu),
- Rundes und ovales chinesisches Kabinett (Holzvertäfelungen, chinesisches Porzellan und kleinen Anrichten an den Wänden),
- Karussellzimmer (Warteraum vor den Audienzen von Franz Stephan und Maria Theresia),
- Zeremoniensaal (riesige Gemälde).
2. Die Grandtour: entweder ungeführt (mit Tonbandgeräten, Eintritt: 135 ATS ~ 19
DM ) oder geführt (170 ATS ~ 24 DM) durch 40 Räume
- Blauer chinesischer Salon (Beginn der privaten Zimmer von Franz Stephan, Verhandlungen zu Verzichtserklärung Kaiser Karl des Ersten),
- Vieux- Laque- Zimmer (Gedächtnisraum Maria Theresias nach dem Tod ihres Mannes),
- Napoleonzimmer (vermutlich Schlafzimmer Napoleons, später Zimmer seines Sohnes der mit 21 in Schönbrunn starb),
- Porzellanzimmer (Spiel und Arbeitszimmer Maria Theresias),
- Millionenzimmer (Collagenzimmer -> Millionen von Bildern in vergoldeten Vertäfelungen),
- Gobelinzimmer (Gobelins über Hafenarbeiten),
- Schreibzimmer der Erzherzogin Sophie (Sophie -> Mutter von Franz Joseph),
- Roter Salon (Kaiser portraits),
- Schlafzimmer (Geburtsbett Kaiser Franz Josephs - Paradebett),
- Schreibzimmer von Franz Karl (Wohnort des Vaters von Franz Joseph, Portrait der Erzieherin und Freundin Maria Theresias -> einzige Nicht-Habsburgerin in der Kapuzinergruft),
- Jagdzimmer.
MEINER MEINUNG NACH IST EINE FÜHRUNG NICHT VON NÖTEN, DA MAN SICH, WENN MAN ALLEINE GEHT, SO VIEL MEHR ZEIT NEHMEN KANN UND AUF JEDEN FALL ALLES SIEHT, WAS BEI EINER FÜHRUNG NICHT UNBEDINGT SO SEIN MUß, AUßER MAN IST IMMER GANZ VORNE DABEI
Zur Großen und Kleinen Galerie
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Ich möchte auf diese beiden Räume etwas genauer eingehen, oder zumindest möchte ich ein kleines Erlebnis dazu schildern. Erst mal objektive Informationen: Die große Galerie ist 40 Meter lang und 10 Meter breit und wurde für Bälle und größere Veranstaltungen genutzt. Die Kronleuchter und Kerzenhalter am Rand waren früher natürlich mit Kerzen bestückt, heute leuchten hier Glühbirnen, die dem Flackern der Kerzen nahe kommen sollen.
1961 haben sich hier John F. Kennedy und Chruschtschow getroffen
Hier ist der von Maria Theresia so geliebte Rokoko Stil noch erhalten und zeigt einen riesiges Gesamtkunstwerk welches die großen Fenster, die tagsüber den Saal durchfluteten, die Stuckdekoration und die 4 Deckenfresken beinhaltete.
Die kleine Galerie wurde eher für familiäre Festegenutzt, und zeigt im Gegensatz zur Großen, die den Ausblick auf den eher offiziellen teil erlaubt, den Garten mit der über allem ragenden Gloriette.
Die Deckenfresken werden uns drein wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Die drei, die in der großen Galerie zu finden sind, sind auf kleinen Nachahmungen erklärt. Die vierte jedoch, die man in der kleinen Galerie findet ist nicht erklärt, und so standen wir wirklich eine Dreiviertel Stunde darunter, haben uns einen ziemlich steifen Nacken geholt und haben interpretiert was das Zeug hält. War ziemlich lustig und vor allem spannend. Möchte nicht wissen was die Leute gedacht haben, die uns da gesehen haben. Aber was solls, es war ne tolle Erfahrung.
Schönstes Zitat aus einem Bericht über Schönbrunn
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„Erst wer auf der Gloriette, dem alles überragenden, von Maria Theresia erbauten klassizistischen Kolonnadenbaus steht, im Rücken die noch recht naturbelassenen Wälder des Fasangartens, vor sich das weite, wenn auch inzwischen verbaute Wienflusstal, kann verstehen, warum sich Maximilian der Zweite anno 1569 in diesen Landstrich verliebte, die sogenannte Kattermühle samt Gutshof, Wiesen und Äcker erstand und in ein Jagdschloss mit Garten und Teichen umbauen ließ.
Erst wer an der Westseite durch den Botanischen und den Tiroler Garten auf diesen Hügel gestiegen ist, erahnt, warum sich Franz Stephan, Maria Theresias Gatte, und nach ihm Erzherzog Johann, der Sohn Leopolds des Zweiten, bevorzugt in diesen Refugien der Stille und Wissenschaft aufhielten.
Und erst wer von dort oben auf die imperiale Pracht zu seinen Füßen hinabschaut, kann sich vorstellen, wovon der Hofarchitekt Johann Bernhard Fischer von Erlach träumte, als er – die belagernden Türken hatten das Jagdschloss inzwischen zerstört – 1692/93 seinen legendären ersten Entwurf für den Neubau vorlegte: ein gigantomanisches, auf der heutigen Gloriette gelegenes Gebäude mit schier endlos langen Seitentrakten, Tempelsäulen, pompösen Wasserfällen, Triumphbrunnen und Turnierplätzen so groß wie Fußballfelder – eine Art Über-Versailles, mit dem Bauherr Joseph dem Ersten dem feindlichen Frankreich Paroli bieten und die Größe Karls des Fünften beschwören sollte...“
ALS ich diese Textstelle gelesen habe, fand ich mich in meiner Vorstellung wieder sitzend auf der Brüstung des Balkons mit meinem Lehrer und meiner Freundin, und sinnend über das damalige und noch heute so bezaubernde Bild dieser Anlage. Aus diesem Grund wollte ich euch dieses, wenn auch etwas langes, Zitat nicht vorenthalten, denn vielleicht denken ja einige von euch genauso wie ich und haben sich wie viele Adlige und weniger Adlige in dieses Schloss verliebt.
Die Zeit die man sich nehmen sollte
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Es stimmt mich ein wenig traurig, dass viele Menschen schon behaupten Schönbrunn gesehen zu haben, obwohl sie gerade mal ein paar Schritte durch den Garten gemacht haben, um die Fassade und die Gloriette zu fotografieren.
Gesehen hat man Schönbrunn zwar wenn man die typischen Touristensachen gemacht hat, was meint den Rundgang durch die Innenräume und den für viele Leute nichtsagenden Gang durch die ersten Hecken des Gartens. Dann kann man sagen, man hat Schönbrunn gesehen. Aber wirklich gesehen und GEFÜHLT?
Nein, wie gesagt, wir sind einige Stunden durch den Garten getapst, haben geredet über die Schönheit und die unglaubliche Anziehungskraft, die dieses Gebäude doch hat. Wie kann man so fasziniert sein von einem Ding aus Stein?
Man sollte sich wirklich so an die 2 Stunden für die Innenräume Zeit nehmen, sofern man nicht vorhat Deckenfresken zu interpretieren oder sich in die kaiserlichen Betten zu legen. Der Garten ist so groß, um wirklich alles zu entdecken und auszukundschaften, kann man echt nen ganzen Nachmittag da verbringen. Will man Schönbrunn richtig kennen lernen, erleben und fühlen, sollte man sich mindestens einen ganzen Tag Zeit nehmen.
Mein Fazit
°°°°°°°°°°°
Ich freue mich wahnsinnig auf meinen nächsten Wien Aufenthalt, und werde Schönbrunn auf jeden Fall wieder einen Besuch abstatten. Schon allein die drei Stunden, die wir in dem Café saßen waren traumhaft, denn es dämmerte gerade, und der Schimmer der letzten Sonnenstrahlen auf dem Schloss mit dem Laub davor ist einfach wunderschön.
Wer in Wien nicht Schloss Schönbrunn besucht hat, war nicht wirklich in Wien.
Tradition ist überall, man kann sich aussuchen, welche man will.
Und wenn ein Fiaker seinen mundoffenen Amerikanern erzählt,
dass Beethoven im Burgtheater geboren wurde,
hat er völlig recht.
Georg Kreisler
Die liebe Geradine hat 2 wunderschöne Tage auf Schloss Schönbrunn verbracht... Wieso zwei Tage, reicht da nicht auch einer? Wien hat doch noch soviel mehr zu bieten... Das stimmt schon, ich habe sehr wahrscheinlich auch wenig gesehen, obwohl ich jeden Tag bestimmt 15 Stunden auf den Beinen war und mir das festgelegte Programm „angetan“ habe.
Geradine in Schönbrunn
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An unserem zweiten Tag sind wir das erste Mal nach Schloss Schönbrunn gefahren, und haben einen Rundgang durch die Innenräume gemacht. Wir hatten als Gruppe die kleinere Tour gewählt, entschieden uns aber an ihrem Ende sie zur großen auszuweiten. Wir waren also 3 Leute, die sich dann noch die letzten, öffentlich zugänglichen Räume angeschaut haben.
Als wir nach knapp 4 Stunden dann daraus kamen (keine Angst für alle, die jetzt denken dass es soooooooo viele Räume sind, an und für sich kommt man da auch noch schneller raus, aber wir standen zum Beispiel 45 Minuten unter einem Deckenfresko (aber dazu später), und haben interpretiert was das Zeug hält!
Natürlich wollten wir noch in den Schlosspark, doch unser Lehrer (er war einer von uns dreien) war nach dem gemeinsamen Kaffee, den er uns noch ausgegeben hatte, zu müde und wollte sich vor der für ihn sehr wichtigen Aida Aufführung am Abend noch etwas ausruhen.
Also sind wir zwei noch in den Garten gegangen, doch ein Blick auf die Uhr verriet uns, dass auch wir uns verziehen mussten, denn wir mussten den Master noch wecken, uns fertig machen und zum Essen. Schweren Herzens verließen wir dann den wunderschönen, noch mit blühenden Blumen bestückten Garten und machten uns auf unsere ungefähr 9-minütige Rückfahrt mit der U-Bahn.
Da sowohl wir, als auch unser Master noch unbedingt in den Park wollten, beschlossen wir, am letzten Tag, wo für unseren Kurs ja sowieso kein Pflichtprogramm angesetzt war, noch einmal zu dritt dorthin zu fahren. Und so kam es, dass wir am Freitag, den 27.9. noch mal das Schloss vor uns sahen.
Wir liefen sage und schreibe 5 Stunden durch den Garten: Wir erklommen den Hügel zur Gloriette. Ich klaute dem Master die Kamera und er hat geschmollt wie Sau. Er wollte zum Klangspielplatz flüchten – wir hielten ihn fest – er entkam uns aber dennoch – blieb aber schockiert vor dem Eingang stehen da er kein Geld mehr ausgeben wollte und man (man glaubt es kaum) wahrlich Eintritt dafür bezahlen musste. Des weiteren haben wir die ganze Zeit nach einer Wiese gesucht, wo wir uns für ein Stündchen in die Sonne hätten legen können, haben aber keine gefunden, legten uns dann an den Schönen Brunnen und setzten uns anschließend noch 3 Stunden ins Café vor dem Schloss. Irgendwie haben wir uns alle drei ganz furchtbar in dieses Gebäude verliebt.
Geschichte des Schlosses Schönbrunn
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Schon um 1400 gab es ein Gebäude auf dem Grundstück, wo heute Schloss Schönbrunn zu finden ist, war damals aber unter dem Namen „Katterburg“ oder Kattermühle. Kaiser Matthias soll im Jahre 1612 den Schönen Brunnen entdeckt haben, was dem Anwesen seinen heutigen Namen verlieh. Zu dieser Zeit diente das Schloss noch als Jagdschloss inmitten der vom Adel für die Jagd geliebten Wälder.
Erst 1642 wird es von Eleonora von Gonzaga (Gonzaga = italienisches Fürstengeschlecht) zu einem Lustschloss umgebaut und erstmalig historisch erwähnt. 1683 wurden sowohl der Tiergarten, als auch das Schloss während der Türkenbelagerung zerstört. Drei Jahre später fiel es in den Besitz von Kaiser Leopold, der es seinem Sohn, dem Thronfolger Joseph überließ nachdem es neu aufgebaut wurde. 1700 war der große Mitteltrakt fertig und konnte fortan bewohnt werden.
Kaiser Karl der 6. erwarb 1728 das Schloss, besuchte es aber nur zur Fasanjagd. Erst als er es seiner Tochter Maria Theresia schenkte, wurde es seinem Antlitz entsprechend geehrt, denn sie hatte schon immer eine Vorliebe für Schönbrunn gehabt. Erst jetzt wurde es selbst für politische und höfische Zwecke genutzt. Das ehemalige Jagdschloss wurde nun von Nicolaus Pacassi unter strenger Bewachung und Einfluss von Maria Theresia zu einem wahren Residenzschloss umgebaut. Maria Theresia stirbt 1780 in Wien und nach ihrem Tod bleibt das Schloss mit dem schonen Brunnen unbewohnt.
Anfang 1800 eignet sich Kaiser Franz der Zweite/der Erste Schönbrunn an und hält es als Sommerresidenz. 1805 und 1809 besetzt Kaiser Napoleon Schloss Schönbrunn. Da 1814 der Wiener Kongress (Zusammenkunft der europäischen Monarchen und Staatsmänner zum Zweck der politischen Neuordnung Europas nach dem Sturz Napoleons in Wien) stattfinden sollte, bedurfte Schönbrunn einer Generalüberholung. Der Hofarchitekt Aman entfernte das reiche Fassadendekor und verlieh dem Schloss das noch heute freundliche „Schönnbrunner-Gelb“. Die Fassade verlos viele Elemente und zeigt nun nur noch einige einzelne Elemente des Schmucks.
1830 wird der spätere Kaiser Franz Joseph im Schloss geboren. Er wurde von Kind-auf auf seine Rolle als Thronfolger vorbereitet und dementsprechend erzogen. Die Sommermonate, die er jedes Jahr auf Schönbrunn verbrachte, zählte er zu den schönsten seiner Jugend und Kindheit. Als er mit 18 Jahren den Thron besteigt, erlebt Schönbrunn wieder eine Glanzzeit. Er erklärt das Schloss zu seinem Lieblingswohnsitz und lässt vor der Weltausstellung 1873 das gesamte Schloss restaurieren. Ende des 19. Jahrhunderts überwacht Thomas Edison persönlich den Einbau der Elektrizität um Schloss, Johann Strauß gibt Abendkonzerte.
Das Schloss und der Park wurden 1996 zum Weltkulturerbe von der UNESCO erklärt.
Die Geschichte des Schönbrunner Gartens
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Zu Zeiten, als Schönbrunn noch als Jagdschloss galt, war der Garten ein einfaches Wildgehege. Erst 1695 wird er in französischem Stil zu einem zum „Lustschloss“ passenden „Lustgarten“ ausgebaut. Schon damals im überschwänglich barocken Stil gehalten, bauten ihn die Gartenarchitekten Nicolaus Jadot und Adrian von Steckhofen unter Maria Theresias Anweisungen und strengem Blick zu seiner heutigen Form aus.
1775 und in den folgenden fünf Jahren wurden die 3 mächtigsten, größten und heute noch bekanntesten Werke erbaut: Der schöne Neptunbrunnen, die Gloriette und die römische Ruine. 1880 wurde unter Leitung von Kaiser Franz Joseph innerhalb von 15 Monaten das Palmenhaus erbaut. Bei seiner Eröffnung beinhaltete es die weltweit reichste Sammlung an exotischen Pflanzen.
Der Gang durch die Innenräume
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Das Schloss Schönbrunn bietet 3 verschiedene Möglichkeiten an, um sich die Innenräume anzuschauen. (Preise in ATS und für Erwachsene)
1. Die Imperialtour: Hier bekommt der Gast kostenlos einen Tonbandführer, durch den er in jedem Raum etwas zur Inneneinrichtung oder zur Geschichte erfährt. (105 ATS ~ 15 DM)
Man wird durch 22 Räume geführt:
- Gardezimmer,
- Billardzimmer (Wartezimmer für Audienzen und Freizeitspiel des Kaisers),
- Nussholzzimmer (Audienzzimmer für Minister, Beamte, Regierung und zwei Tage die Woche auch für die Bürger),
- Schreibzimmer von Kaiser Franz Joseph dem Ersten (Arbeitszimmer, zeitweise auch einziger Platz für die Mahlzeiteinnahme),
- Schlafzimmer von K. Franz Joseph dem Ersten (Platz für die Morgentoilette, das Gebet –streng katholisch war er-; hier starb er 1916),
- Stiegenkabinett (Schreibzimmer Elisabeths),
- Toilettezimmer (Platz für die Schönheitspflege der Kaiserin (stundenlanges Kämmen der haare von Nöten)),
- Gemeinsames Schlafzimmer von Kaiser Franz Joseph dem Ersten und Elisabeth (wurde nur in den ersten Ehejahren benutzt, sie ging ihr eigenes leben, er vereinsamte da er sie abgöttisch liebte),
- Salon der Kaiserin Elisabeth (Empfangsalon der Kaisern),
- Marie Antionette Zimmer (Familienspeisezimmer, wenn der Kaiser fertig war, wurde abgedeckt, egal ob die anderen noch aßen),
- Kinderzimmer,
- Gelber Salon (Beginn der Appartements auf der Gartenseite),
- Spiegelzimmer (erste Konzerte des sechsjährigen Mozarts),
- Rosa-Zimmer (benannt nach dem Künstler Joseph Rosa),
- Große und kleine Galerie (komme ich später noch dazu),
- Rundes und ovales chinesisches Kabinett (Holzvertäfelungen, chinesisches Porzellan und kleinen Anrichten an den Wänden),
- Karussellzimmer (Warteraum vor den Audienzen von Franz Stephan und Maria Theresia),
- Zeremoniensaal (riesige Gemälde).
2. Die Grandtour: entweder ungeführt (mit Tonbandgeräten, Eintritt: 135 ATS ~ 19
DM ) oder geführt (170 ATS ~ 24 DM) durch 40 Räume
- Blauer chinesischer Salon (Beginn der privaten Zimmer von Franz Stephan, Verhandlungen zu Verzichtserklärung Kaiser Karl des Ersten),
- Vieux- Laque- Zimmer (Gedächtnisraum Maria Theresias nach dem Tod ihres Mannes),
- Napoleonzimmer (vermutlich Schlafzimmer Napoleons, später Zimmer seines Sohnes der mit 21 in Schönbrunn starb),
- Porzellanzimmer (Spiel und Arbeitszimmer Maria Theresias),
- Millionenzimmer (Collagenzimmer -> Millionen von Bildern in vergoldeten Vertäfelungen),
- Gobelinzimmer (Gobelins über Hafenarbeiten),
- Schreibzimmer der Erzherzogin Sophie (Sophie -> Mutter von Franz Joseph),
- Roter Salon (Kaiser portraits),
- Schlafzimmer (Geburtsbett Kaiser Franz Josephs - Paradebett),
- Schreibzimmer von Franz Karl (Wohnort des Vaters von Franz Joseph, Portrait der Erzieherin und Freundin Maria Theresias -> einzige Nicht-Habsburgerin in der Kapuzinergruft),
- Jagdzimmer.
MEINER MEINUNG NACH IST EINE FÜHRUNG NICHT VON NÖTEN, DA MAN SICH, WENN MAN ALLEINE GEHT, SO VIEL MEHR ZEIT NEHMEN KANN UND AUF JEDEN FALL ALLES SIEHT, WAS BEI EINER FÜHRUNG NICHT UNBEDINGT SO SEIN MUß, AUßER MAN IST IMMER GANZ VORNE DABEI
Zur Großen und Kleinen Galerie
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Ich möchte auf diese beiden Räume etwas genauer eingehen, oder zumindest möchte ich ein kleines Erlebnis dazu schildern. Erst mal objektive Informationen: Die große Galerie ist 40 Meter lang und 10 Meter breit und wurde für Bälle und größere Veranstaltungen genutzt. Die Kronleuchter und Kerzenhalter am Rand waren früher natürlich mit Kerzen bestückt, heute leuchten hier Glühbirnen, die dem Flackern der Kerzen nahe kommen sollen.
1961 haben sich hier John F. Kennedy und Chruschtschow getroffen
Hier ist der von Maria Theresia so geliebte Rokoko Stil noch erhalten und zeigt einen riesiges Gesamtkunstwerk welches die großen Fenster, die tagsüber den Saal durchfluteten, die Stuckdekoration und die 4 Deckenfresken beinhaltete.
Die kleine Galerie wurde eher für familiäre Festegenutzt, und zeigt im Gegensatz zur Großen, die den Ausblick auf den eher offiziellen teil erlaubt, den Garten mit der über allem ragenden Gloriette.
Die Deckenfresken werden uns drein wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Die drei, die in der großen Galerie zu finden sind, sind auf kleinen Nachahmungen erklärt. Die vierte jedoch, die man in der kleinen Galerie findet ist nicht erklärt, und so standen wir wirklich eine Dreiviertel Stunde darunter, haben uns einen ziemlich steifen Nacken geholt und haben interpretiert was das Zeug hält. War ziemlich lustig und vor allem spannend. Möchte nicht wissen was die Leute gedacht haben, die uns da gesehen haben. Aber was solls, es war ne tolle Erfahrung.
Schönstes Zitat aus einem Bericht über Schönbrunn
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„Erst wer auf der Gloriette, dem alles überragenden, von Maria Theresia erbauten klassizistischen Kolonnadenbaus steht, im Rücken die noch recht naturbelassenen Wälder des Fasangartens, vor sich das weite, wenn auch inzwischen verbaute Wienflusstal, kann verstehen, warum sich Maximilian der Zweite anno 1569 in diesen Landstrich verliebte, die sogenannte Kattermühle samt Gutshof, Wiesen und Äcker erstand und in ein Jagdschloss mit Garten und Teichen umbauen ließ.
Erst wer an der Westseite durch den Botanischen und den Tiroler Garten auf diesen Hügel gestiegen ist, erahnt, warum sich Franz Stephan, Maria Theresias Gatte, und nach ihm Erzherzog Johann, der Sohn Leopolds des Zweiten, bevorzugt in diesen Refugien der Stille und Wissenschaft aufhielten.
Und erst wer von dort oben auf die imperiale Pracht zu seinen Füßen hinabschaut, kann sich vorstellen, wovon der Hofarchitekt Johann Bernhard Fischer von Erlach träumte, als er – die belagernden Türken hatten das Jagdschloss inzwischen zerstört – 1692/93 seinen legendären ersten Entwurf für den Neubau vorlegte: ein gigantomanisches, auf der heutigen Gloriette gelegenes Gebäude mit schier endlos langen Seitentrakten, Tempelsäulen, pompösen Wasserfällen, Triumphbrunnen und Turnierplätzen so groß wie Fußballfelder – eine Art Über-Versailles, mit dem Bauherr Joseph dem Ersten dem feindlichen Frankreich Paroli bieten und die Größe Karls des Fünften beschwören sollte...“
ALS ich diese Textstelle gelesen habe, fand ich mich in meiner Vorstellung wieder sitzend auf der Brüstung des Balkons mit meinem Lehrer und meiner Freundin, und sinnend über das damalige und noch heute so bezaubernde Bild dieser Anlage. Aus diesem Grund wollte ich euch dieses, wenn auch etwas langes, Zitat nicht vorenthalten, denn vielleicht denken ja einige von euch genauso wie ich und haben sich wie viele Adlige und weniger Adlige in dieses Schloss verliebt.
Die Zeit die man sich nehmen sollte
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Es stimmt mich ein wenig traurig, dass viele Menschen schon behaupten Schönbrunn gesehen zu haben, obwohl sie gerade mal ein paar Schritte durch den Garten gemacht haben, um die Fassade und die Gloriette zu fotografieren.
Gesehen hat man Schönbrunn zwar wenn man die typischen Touristensachen gemacht hat, was meint den Rundgang durch die Innenräume und den für viele Leute nichtsagenden Gang durch die ersten Hecken des Gartens. Dann kann man sagen, man hat Schönbrunn gesehen. Aber wirklich gesehen und GEFÜHLT?
Nein, wie gesagt, wir sind einige Stunden durch den Garten getapst, haben geredet über die Schönheit und die unglaubliche Anziehungskraft, die dieses Gebäude doch hat. Wie kann man so fasziniert sein von einem Ding aus Stein?
Man sollte sich wirklich so an die 2 Stunden für die Innenräume Zeit nehmen, sofern man nicht vorhat Deckenfresken zu interpretieren oder sich in die kaiserlichen Betten zu legen. Der Garten ist so groß, um wirklich alles zu entdecken und auszukundschaften, kann man echt nen ganzen Nachmittag da verbringen. Will man Schönbrunn richtig kennen lernen, erleben und fühlen, sollte man sich mindestens einen ganzen Tag Zeit nehmen.
Mein Fazit
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Ich freue mich wahnsinnig auf meinen nächsten Wien Aufenthalt, und werde Schönbrunn auf jeden Fall wieder einen Besuch abstatten. Schon allein die drei Stunden, die wir in dem Café saßen waren traumhaft, denn es dämmerte gerade, und der Schimmer der letzten Sonnenstrahlen auf dem Schloss mit dem Laub davor ist einfach wunderschön.
Wer in Wien nicht Schloss Schönbrunn besucht hat, war nicht wirklich in Wien.
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