Oskar und die Dame in Rosa (gebundene Ausgabe) / Eric-Emmanuel Schmitt Testbericht

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ab 8,56
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Erfahrungsbericht von alteSchwedin

Sich vom Gedanken an den Tod...

Pro:

berührt, wunderbar geschrieben, einfach alles !

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

... das Leben nicht verderben lassen.

Mit einem Buch als Geschenk kann man bei mir wenig falsch machen, da ich so ziemlich alles lese, was mir zwischen die Finger kommt. Die einzige Gefahr dabei ist, dass ich das Buch schon gelesen habe. Zum Geburtstag bekam ich dann auch einen Roman geschenkt, den ich mir wahrscheinlich nicht selbst gekauft hätte: "Oskar und die Dame in Rosa" von Eric-Emmanuel Schmitt. Wahrscheinlich hätte ich das Buch nicht einmal in die Hand genommen, wenn ich es irgendwo gesehen hätte, vielleicht habe ich das sogar. Jedenfalls ist die Aufmachung des Buches nicht dazu angetan, mich dazu zu bringen, den Klappentext zu lesen. Doch man soll ja nicht nach Äußerlichkeiten urteilen und da ich den Roman mit den wärmsten Empfehlungen geschenkt bekam, war völlig klar, dass ich ihn wohlwollend lesen würde. Ihr sollt wie immer zunächst erfahren, worum es geht, bevor ich euch mitteile, wie es mir gefallen hat.

Oskar ist ein Kind, er hat Krebs und weiß, dass er nur noch wenige Tage zu leben hat. Die Operation, die ihm das Leben retten sollte, ist leider nicht geglückt. Nun muss Oskar nicht nur begreifen, dass er bald sterben wird, dass sein letztes Weihnachtsfest bald stattfindet, sondern er muss auch noch mit seinen Eltern klar kommen. Diese können mit der Gewissheit, dass ihr Sohn sterben wird, nicht umgehen. Sie schauen an ihm vorbei, wollen Optimismus verbreiten und merken dabei gar nicht, wie sehr sie Oskar mit ihrer gespielten Zuversicht auf die Nerven gehen.
Viel besser gefällt ihm da die Dame in Rosa, eine der Schwestern der Station. Diese redet ganz offen mit Oskar über den Tod, mit dem er sich abfinden muss. Sie regt Oskar dazu an, über Gott nachzudenken, obwohl er nie gläubig war und auch seine Eltern ihm nie so etwas vorgelebt haben. Die Dame in Rosa ist es auch, die Oskar vorschlägt, in den ihm bleibenden ungefähr zehn Tagen ein ganzes Leben zu leben. Jeden Tag zehn Jahre. Dann hätte Oskar mit über 100 Jahren ein sehr stattliches Alter erreicht.
So erlebt er am nächsten Tag seine Jugend, verliebt sich zum ersten Mal, streitet um ein Mädchen und erlebt ganz erstaunliche Dinge. Auch die nächsten Tage bieten allerlei Überraschungen. Denn auch Heiraten gehört für Oskar zu einem ganz normalen Leben dazu. Zum Glück gibt es Peggy Blue, ein Mädchen, das ganz blaue Haut hat und das es Oskar angetan hat. Doch auch zum Leben gehört die Zeit, in der scheinbar nichts passiert, genauso wie das Altern, wo man plötzlich immer schwächer wird und die Dinge, die einem sonst selbstverständlich erschienen, anstrengend werden.
Und in der ganz normalen Zeitrechnung, die auch alle anderen kennen, ist schon fast Weihnachten. Doch Oskar hat gar keine Lust, mit seinen Eltern in der Klinik Weihnachten zu feiern. Also haut er kurzerhand ab, versteckt sich im Auto der Dame in Rosa und fährt mit ihr nach Hause. Sie bringt ihn dazu, seine Eltern anzurufen und zusammen verbringen sie einen ganz normalen Weihnachtsabend, sogar Oskars Eltern legen ihre Befangenheit ab.


Obwohl bei "Oskar und die Dame in Rosa" schon von Beginn an klar ist, was am Ende passiert, ist die Geschichte doch wunderbar überraschend und wird wohl auch wegen ihrer Kürze nie langweilig. Wie schon erwähnt, hatte ich den Roman des öfteren bei meinen Streifzügen durch Buchladen gesehen, ihn aber nie zu Hand genommen. Mein Desinteresse erwieß sich im Endeffekt als unbegründet, denn schon die ersten Seiten des Romans fesselten mich. Eric-Emmanuel Schmitt versteht es, den Leser mit einfachsten Worten und einer minimal komplexen Handlung zu fesseln.
Der Beginn des Romans vermochte mich sofort für sich einzunehmen. Damit ihr einen Eindruck bekommt: [Zitat] Lieber Gott, ich bin Oskar, ich bin zehn Jahre alt, und ich habe die Katze den Hund und das Haus angezündet (ich glaube, ich habe sogar die Goldfische gegrillt), und das ist der erste Brief, den ich dir schicke... [Zitat Ende]
Sofort war ich mittendrin und konnte mich auf die weitere Handlung des Romans einstellen: Briefe an Gott. Schon diese ungewöhnliche Art - ein Roman der nur aus Briefen an Gott besteht - erregte von Beginn an meine Aufmerksamkeit. So etwas hatte ich nie zuvor gelesen und da war ich natürlich doppelt neugierig auf diese Geschichte. In wohlgesonnener Stimmung machte ich mich also ans Lesen und ließ mir Zeit damit. Ich brauchte für die gerade mal 105 Seiten mehrere Tage, denn irgendwie trotz meiner Neugier auf den "Osker und die Dame in Rosa" hatte ich das Bedürfnis, langsam zu lesen. So, als könnte mir etwas entgehen, wenn ich es nicht täte. Das kommt bei mir bei eher wenigen Romanen vor, denn normalerweise siegt bei mir die Neugier immer!

Ich ließ der Story also die Zeit, sich zu entfalten und ich muss gestehen, dass es sich gelohnt hat. Das sind einfach die Vorteile einer Geschichte, die einfühlsam und bewegend, anstatt spannend und rasant ist. Eric-Emmanuel Schmitt begeistert nicht mit ungewöhnlichen Wendungen, sondern mit einer ungewöhnlich nachdenklich machenden Geschichte. Der junge Erzähler macht gleich zu Beginn unmissverständlich klar, dass er sterben muss. Ich rechnete dann nahezu damit, dass mich der Roman danach kaum noch fesseln könnte, denn schließlich kennt man ja das Ende schon.
So könnte man durchaus argumentieren, jedoch ist "Oskar und die Dame in Rosa" ein überaus hoffnungsvolles Buch. Es zeigt eine ungeheure Fülle an Möglichkeiten, die Oskar in nur 10 Tagen zulässt und damit sein Leben bereichert. Dieser kleine Junge erlebt in so kurzer Zeit ein ganzes Leben, was er und auch ich nie für möglich gehalten hätte. Oskars Leben ist zwar idealisiert und sicherlich finden viele Leser seine Sichtweise ziemlich naiv, doch mag es sein, dass man erst ab einem gewissen Alter desillusioniert wird. Mir gefiel es jedenfalls sehr gut, mich in die Geschichte hineinzuversetzen, auch eingefahrene Gedankengänge beiseite zu schieben.
Hier kommt dem Roman natürlich auch die Figur des kleinen Jungen zu Gute, denn dieser hat eine von der eines Erwachsenen stark abweichende Sicht auf das Leben. Ihm eröffnet sich mit der Jugend und seiner ersten großen Liebe eine völlig neue Welt, der er aufgeschlossen und neugierig entgegen tritt. Bei Oskar fallen pubertäre Übellaunigkeit und Existenzprobleme in der Midlife-Crisis sehr knapp aus, hat er doch gar keine Zeit, seines Lebens überdrüssig zu werden. Dem Leser öffnet er dabei in gewissem Sinne die Augen über die Wertschätzung des Lebens, bringt ihn dazu, auch die kleinen Dinge auf eine andere Art zu betrachten. Ich empfand das als sehr erfrischend und genoss auch aus diesem Grund jedes Wort.

Amüsant ist natürlich auch die Kombination von Charakteren und vor allem die Art, wie Oskar sie beschreibt. Allen voran ist da die Dame in Rosa zu nennen, die ja schon im Titel des Romans zu finden ist. Sie gibt an, Wrestlerin gewesen zu sein, und erzählt von ihren vielen Kämpfen, verpackt darin meist Allegorien, mit denen sie die Fragen Oskars beantwortet. So eine Art Figur ist gänzlich ungewöhnlich und genauso verhält es sich mit den meisten anderen Kindern, die sich noch in diesem Trakt des Krankenhauses befinden. Oskar nähert sich ihnen völlig vorurteilsfrei und beschreibt sie auf amüsante und ungewöhnliche Weise. So begegnete ich beim Lesen den unterschiedlichsten Charakteren, die ich gar nicht erwartete, und hatte viel Spaß dabei.
Nachdem Romane im Tagebuchstil zwar immer noch eine nette Abwechslung, aber nicht mehr wirklich selten sind, ist "Oskar und die Dame in Rosa" mal etwas wirklich Neues. Oskar schreibt Briefe an Gott, und zwar ohne wirklich gläubig zu sein. Er wendet sich dabei nicht als letzte Lösung an Gott, um sein Leben zu erflehen, sondern stellt vielmehr die "großen" Fragen und merkt, dass er die Antworten in sich selbst findet. Eric-Emmanuel Schmitt drückt sich dabei durch Oskar wunderbar ungekünstelt und ganz und gar schnörkellos aus. Ich mochte das sehr gern, denn so wirkt der Roman sehr authentisch. Ich konnte mich so stets auf das Wesentliche konzentrieren und die eindringlichen Worte auf mich wirken lassen. Ich bin jedenfalls restlos begeistert vom Schreibstil des Autors.


Insgesamt kann ich euch "Oskar und die Dame in Rosa" nur wärmstens empfehlen. Die Geschichte ist innovativ und berührt. Die Charaktere sind vielfältig und ungewöhnlich und Oskar erzählt einfach wunderbar und ohne jede Sentimentalität. Ich möchte dem Roman aus all diesen und noch einigen mehr Gründen volle Punktzahl geben!

"Oskar und die Dame in Rosa" von Eric-Emmanuel Schmitt erschien 2005 im Fischer Verlag. Meine gebundene Ausgabe trägt die ISBN 3-596-16131-2 und kostete 7 €. Die französische Originalausgabe mit dem Titel "Oscar et la dame rose" erschien 2002 in der Editions Albin Michel, Paris.

75 Bewertungen, 21 Kommentare

  • giselamaria

    06.12.2008, 17:23 Uhr von giselamaria
    Bewertung: besonders wertvoll

    bw! - super erzählt! - LG Gisela

  • LiFo

    18.11.2008, 20:54 Uhr von LiFo
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich! Liebe Grüße, Lifo

  • anonym

    02.11.2008, 17:57 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich. LG Just86

  • doelau

    23.09.2008, 21:27 Uhr von doelau
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein schöner Bericht, Gruß doelau

  • ingoa09

    31.08.2008, 18:26 Uhr von ingoa09
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein rundum guter Bericht! Liebe Grüße, Ingo

  • linki7

    31.08.2008, 16:02 Uhr von linki7
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, liebe Grüße von linki7

  • campino

    28.03.2008, 22:04 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gruß, Andrea

  • anonym

    09.03.2008, 14:53 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Damaris

  • huber19

    02.03.2008, 20:46 Uhr von huber19
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gruß Michael

  • paula2

    02.03.2008, 12:20 Uhr von paula2
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße

  • anonym

    02.03.2008, 12:10 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg

  • Mondlicht1957

    02.03.2008, 01:43 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH LG Pet

  • Puenktchen3844

    02.03.2008, 00:22 Uhr von Puenktchen3844
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH, LG

  • dirwil1

    01.03.2008, 18:25 Uhr von dirwil1
    Bewertung: sehr hilfreich

    ein schöner Bericht,Liebe Grüße Tatjana

  • Kamikaze71

    22.02.2008, 01:07 Uhr von Kamikaze71
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH UND LG RON

  • bigmama

    19.02.2008, 00:21 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anett

  • lueckingb

    18.02.2008, 12:53 Uhr von lueckingb
    Bewertung: sehr hilfreich

    lieben Gruß

  • Wegeno

    18.02.2008, 11:36 Uhr von Wegeno
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gruß Werner

  • mu4you

    17.02.2008, 23:33 Uhr von mu4you
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...liebe Grüße...mu4you

  • morla

    17.02.2008, 23:12 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg. petra

  • frankensteins

    17.02.2008, 22:46 Uhr von frankensteins
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schön, liebe Grüße Werner