Schüler-/Jugendaustausch Testbericht

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Erfahrungsbericht von Ellen20

MEIN JAHR IN NEW YORK!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ein Jahr in den USA- dieser Wunsch äußerte sich bei mir im „zarten“ Alter von 15 Jahren. Doch wie sollte ich meine Eltern überzeugen. Mich „wegzulassen“ und alles zu bezahlen?! Das erste Gespräch holte mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Nein, hieß es, dass sei zu teuer.
Doch wenige Wochen später der erste Erfolg. Meine Eltern wollten noch mal drüber nachdenken. Gesagt, getan! Wieder einige Zeit darauf, teilten sie mir mit, dass sie einverstanden sein... und ich machte Luftsprüngen.
Dann kam das nächste Problem. Wie geht man die ganze Sache an?! Eine Organisation, welche Auslandsaufenthalte anbietet musste her. Gleichzeitig sollte sie seriös und das Jahr natürlich nicht zu teuer sein. Unsere Wahl fiel auf Treff International Exchange e.V., eine kleine Organisation mit Sitz in Reutlingen. Ein Jahresaufenthalt sollte mir rund 10000,- DM kosten plus Taschengeld.
Nach Bestehen eines Englischtestes und Ausfüllen diverser Fragebögen, stand seitens Treff fest, dass ich mich für ein Auslandsjahr „qualifiziert“ hatte und sie sofort mit der Suche nach einer passenden Gastfamilie beginnen würden.
In der Zwischenzeit stand eine Vorbereitungsveranstaltung für Eltern und Schüler auf dem Programm, denn schließlich es im Herbst 1998 losgehen.
Die Zeit verstrich, es wurde Sommer und ich hatte immer noch keine Gastfamilie. Ich rief permanent bei Treff an um zu wissen, ob sie endlich genaueres wüssten, aber Fehlanzeige. Dann Anfang August 1998 abends um halb elf, kam der erlösende Anruf. Ich würde zu einer Familie im Staat New York kommen, genauer gesagt am Lake Ontario.
Am 22. August hieß es dann mit gepackten Koffern Abschied nehmen...und weg war ich.

Ich wurde direkt vom Flughafen in Syracuse abgeholt von meinen Gasteltern sowie meiner Gastschwester. Im Nachhinein kann ich gar nicht mehr sagen, was ich gedacht und gefühlt hab, es kam mir nur ziemlich unreal vor.
Meine Gastfamilie bestand insgesamt aus 9 Mitgliedern... als Einzelkind wie ich es bin, bedeutet dass wirklich eine Riesenumgewöhnung! Dennoch bekam i ein Einzelzimmer, worüber ich recht glücklich war.
Die erste Zeit verlief sehr langsam. Die Schule sollte erst im Oktober starten und den direkten Kontakt zu meinen Gastgeschwistern hatte ich auch noch nicht gefunden.
Dann endlich ging die Schule los!
Von da an änderte sich auch alles. Ich lernte jede Menge Leute kennen und mir war gar nicht mehr langweilig. Meine Gastschwester begann hinter meinem Rücken über mich zu lästern und beachtete mich mit keinem Blick. Leider wirkungslos, denn wie sich später herausstellte war sie eifersüchtig, auf was auch immer. Meine Gasteltern schienen das auch nicht zu bemerken und stempelten das einfach als Laune ihrer Tochter ab. Dennoch nahmen sie mich auf, als sei ich ihr eigenes Kind. Hatte ich Probleme in der Schule halfen sie mir stets und auch bei anderen Dingen.
Als das Jahr sich dem Ende zuneigte traten jedoch Probleme auf, die nur auf die Kultur zurück zuführen sind. Ich war es gewohnt lange weg zugehen, da meine Eltern mir in Deutschland nie gesagt hatten, dass ich dann und dann wieder daheim sein sollte. In den USA durfte ich spätestens bis Mitternacht weggehen... was mich frustig machte. Dort lernte ich auch meinen damaligen Freund kennen. Mein Gastvater verbot mir aber jeglichem Kontakt zu ihm , weil er ihn nicht kannte und er sich nicht bei ihm vorgestellt hatte. Alle Anrufe von ihm wurden abgewiesen, nur mein Gastbruder half mir. Wir trafen uns dennoch heimlich weiter. Ob es richtig war oder nicht kann ich im Nachhinein nicht sagen, zu diesem Zeitpunkt fand ich es in Ordnung.
Gegen Ende des Jahres kamen meine Eltern und wir verbrachten noch 2 Wochen und reisten durch die USA... und dann am 10. Juli 1999 flog ich zurück nach Deutschland.
Mittlerweile habe ich immer noch Kontakt zu meiner Gastfamilie... und irgendwann möchte ich noch mal zurück und alle besuchen.

Das war natürlich nur eine kurze Zusammenfassung meines Jahres in New York. Alles aufzuschreiben würde den Platz und meine Erinnerungen sprengen.
Für alle die in Erwägung ziehen ein Jahr ins Ausland zu gehen, sollten sich die folgenden Tipps genau durchlesen, können sie doch eine Entscheidungshilfe geben:

1. Es ist wichtig dass der Wunsch von einem selber kommt und nicht etwa von den Eltern oder weil ein Freund es macht.
2. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass in einem anderen Land andere kulturelle Anschauungen herrschen und andere Sitten, denen man sich anpassen sollte!
3. Man muss bereit sein, seine Familie und seinen gewohnten Freundeskreis für ein Jahr zu verlassen.
4. Die Ansprüche an das jeweilige Land sowie die Familie dürfen nicht zu hoch sein, denn oft werden „Durchschnittsfamilien“ gewählt! Wer also denkt er könne in Kalifornien am hauseigenen Pool liegen, denkt falsch.
5. Des weiteren sollte man offen genug sein, auf andere Menschen zugehen zu können und diese zu akzeptieren.

Danach folgt die Wahl einer Organisation, welche Austauschprogramme anbietet. Ganz wichtig hierbei ist, dass man sich verschiedene Infos zu denen einholen sollte, damit man auch an einen seriösen Anbieter gerät.

Es ist ebenso ratsam, sich Literatur über Auslandsaufenthalte zu besorgen oder mit einem zu sprechen, der bereits an einem Programm teilgenommen hat und welcher einem bei wichtigen Fragen (z.B. Zum Thema Schule, Religion etc) zur Seite stehen kann.

Um zum Ende zu kommen, möchte ich noch sagen, dass ein Jahr im Ausland sehr empfehlenswert ist. Natürlich werden auch Probleme auftreten, bei denen man Hilfe braucht, aber das trägt im wesentlichen zur persönlichen Entwicklung bei... und entwickeln tut sich dabei jeder.
Auch wenn ich manchmal unter Heimweh litt, weil ich mit manchen Problemen nicht fertig werden zu wusste, möchte ich dieses Jahr im Nachhinein nicht missen.

Falls jemand Fragen zum Auslandsaufenthalt hat, steh ich natürlich zur Verfügung.

27 Bewertungen, 2 Kommentare

  • ABVOIGT

    25.03.2002, 19:48 Uhr von ABVOIGT
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr schöner Bericht, real und nichts verschönert. Finde ich wirklich gut. Obwohl Du letztendlich von New York selber gar nichts geschrieben hast, so stört das in diesem Bericht überhaupt nicht! Gruß Birgit

  • SebastianusII

    20.03.2002, 13:23 Uhr von SebastianusII
    Bewertung: sehr hilfreich

    Habe auch schon länger drüber nachgedacht, aber mit 20 mache ich das auch nicht mehr!