Die Hexe und die Heilige (gebundene Ausgabe) / Ulrike Schweikert Testbericht

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Erfahrungsbericht von Luthien87

Hexenverbrennung

Pro:

Interessantes Thema, das Mittelalter wird sehr realistisch dargestellt, sehr ergreifende und teilweise grausame Geschichte, von der vieles wirklich geschehen ist

Kontra:

nix

Empfehlung:

Ja

Liebe Leser!

Wie einige von euch vielleicht wissen, liebe ich Lesen :) Ich bestelle regelmäßig bei Amazon Bücher und habe eigentlich schon mehr ungelesene als gelesene..naja jedenfalls interessieren mich historische Romane zur Zeit sehr, besonders Geschichten aus dem Mittelalter. Als Weihnachtsgeschenk für mich selbst (*g*) hab ich mir dann beim Weltbild Verlag das Buch \"Die Hexe und die Heilige\" besorgt, da es dort als gebundene Ausgabe relativ günstig zu haben war und der Titel klang auch sehr vielversprechend...
Nun aber zum Buch:

Wie gesagt hab ich das Buch beim Weltbild Verlag gekauft, ein schön gebundenes Buch mit einem special Einband. Den kriegt man bei Amazon zum Beispiel nicht, da das Buch ein Weltbild Reader ist ;) Gekostet hat es rund 20 Euro. Bei Amazon gibts auch die Taschenbuchausgabe ab 8 Euro.

Die ISBN lautet: 3828971008 (NUR bei Weltbild)

Das Cover kann ich euch kurz beschreiben, da meine Version der gängigen doch sehr ähnelt:

Auf der Vorderseite sieht man auf einem braunroten Hintergrund die Portraits zweier Frauen, eben die beiden Zwililnge, von denen das Buch handelt. Die Frauen sehen sich sehr ähnlich und man kann optisch keine relevanten Unterschiede erkennen. Die Portraits sind typisch im Mittelalter Stil gezeichnet, weiche Frauen mit vollen Wangen und roten Locken- damals ein Schönheitsideal. In gelben, verschnörkelten Buchstaben zieren Autor und Titel die Buchvorderseite. Alles in allem ein schlichtes, aber schönes Cover, das uns gleich ein Bild von den Hauptpersonen des Buches gibt, und dazu noch getreu der Zeit ist in der sich die Geschichte abspielt.

Vom gängigen Taschenbuch habe ich euch unten ein Bild eingefügt. Dieses Cover werde ich nicht weiter beschrieben.

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DIE STORY
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Ellwangen irgendwann im frühen Mittelalter. Die Gastwirtin Sibylla Schenk bekommt Zwillinge, zwei Mädchen die sie Sybilla und Helena tauft. Die beiden wachsen in der Stadt auf, sorgen aber schon bald für Unruhe: Die Mädchen haben eine hellseherische Gabe und sagen den Tod von anderen voraus. Die Bürger fürchten sich vor den unheimlichen Mädchen, besonders vor Sybilla, die immer laut und kräftig ihre Meinung sagt und Helena so in ihren Schatten stelllt. In der Stadt werden die beiden schnell zum Gespräch und allerhand Gerede macht den Umlauf.
Die Mutter lässt sich schließlich von den Bürgern überzeugen, dass Sybilla in ein Kloster gehen sollte, was das kluge Mädchen allerdings schnell durchschaut als ihre Mutter es in die Tat umsetzen will- sie verschwindet einfach. So muss nun Helena an ihrer Stelle die Reise antreten.
Allerdings ist das Gerede über die Familie Schenk trotzdem nicht zu stoppen, und so wird schließlich auch Sybilla weggeschickt. Ihre Ziehmutter, von Beruf Hebamme, kümmert sich in Leonberg um sie und bringt ihr auch den Beruf der Hebamme ein, den Sybilla schnell und eifrig erlernt.

Als sie aber immer wieder in ihren Träumen ihre Mutter auf dem Scheiterhaufen brennen sieht, kehrt sie zurück nach Ellwangen, allerdings kann sie ihre Mutter nicht vor dem Hexentod retten. Nach diesem schrecklichen Erlebnis will Sybilla erst einmal bei ihren Geschwistern in Ellwangen bleiben und arbeitet schließlich als Hebamme in der Stadt.
Sie lernt auch viele nette Menschen kennen und lieben. Allerdings landen viele ihrer weiblichen Freunde auf dem Scheiterhaufen, weil sie der Hexerei beschuldigt worden waren.
Sybilla versucht dagegen anzukämpfen, merkt aber dass es keinen Sinn macht, da sie sich nur selbst in den Verdacht bringt, eine Hexe zu sein.
Weiterhin verfolgen schlimme Träume die junge Frau: Sie sieht immer wieder wie sie in eine Folterkammer läuft..und sie spürt in ihren Träumen, wie ihr ganzer Körper brennt. Anfangs lässt sich Sybilla nicht von diesen Träumen beunruhigen..

Als sie sich auch noch in den Pfarrer verliebt und von ihm schwanger wird, weiß sie sich nicht anders zu helfen und treibt ihr Kind mit Kräutertränken ab, wobei sie fast ihr Leben verliert.

Da Sybilla mit ihren Kräutern und zweifelhaften Freundschaften für Gerede in der Stadt sorgt, bleibt es nur eine Frage der Zeit bis sie selbst als Hexe angeklagt wird. Sie wird in ein Verlies gesperrt und grausam gefoltert, so wie sie es schon oft in ihren Träumen gesehen hat.
Es scheint keinen Ausweg mehr zu geben, doch Helena, die im Kloster aufgrund ihrer Vorhersagen als Heilige gefeiert wird, spielt hier noch eine entscheidene Rolle..ob sie ihre Schwester vor dem Scheiterhaufen retten kann?

Wird nicht verraten ;)

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MEINE MEINUNG
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Die Hexenverfolgung- sicher ein dunkles Kapitel im sowieso schon dunklen Mittelalter. Was mit den Menschen getrieben wurde ist wirklich nur unbeschreiblich grausam, aber gerade deshalb finde ich es so interessant, nicht dass ich eine makabre Art an mir habe, aber das Leben im Mittelalter ist so grausam dass es einfach schon wieder einen Reiz hat, sich da mit zu beschäftigen. Die Menschen damals waren völlig anders orientiert als wir heute, sie glaubten an Dinge bei denen uns die Ohren wackeln, unschuldige Menschen wurden grausam gefoltert und hingerichtet, ganz zu schweigen von dem Lebensbedingunge, mit denen die Leute leben mussten.

Das alles wird in diesem Roman wunderbar beschrieben. Er handelt nicht nur von der Hexenverbrennung- es ist eine Geschichte einer Frau, die in dieser dunklen Zeit versucht ihren eigenen Weg zu gehen, mit allen Höhen und Tiefen.
Sybilla, von der die Geschichte hauptsächlich handelt, da sie schlicht und einfach das interessantere Leben der beiden Schwestern führt, ist eine selbstbewusst Frau, die weiß was sie will. Aus ihrer Sicht wird die Geschichte erzählt, allerdings nicht in der Ich-Perspektive. Innerhalb der Geschichte von Sybilla werden immer kleine Kapitel, die von Helena erzählen, in die Geschichte eingeflochten.
Während Helena aber als \"Heilige\" nur im weniger aufregenden Kloster festsitzt, erlebt Sybilla das bunte Stadtleben. Sie lernt Menschen kennen und lieben, übt ihren Beruf als Hebamme aus (sehr interessant beschrieben, wie damals Kinder auf die Welt gebracht wurden), erlebt aber auch harte Schicksalsschläge, von daher wird die Geschichte eigentlich nie langweilig.
In dem Roman muss Sybilla mehr als eine geliebte Person an den Scheiterhaufen verlieren, sie ist völlig machtlos dagegen und lehnt sich trotzdem auf. Vielleicht ist es teilweise übertrieben wie mutig sie sich teilweise verhält, aber auf jeden Fall kann man sich mit Sybilla identifizieren, da sie die Ungerechtigkeit und vor allem die Motive der Hexenverbrennug erkennt und etwas dagegen unternehmen will.

Dieses grausame Vergehen ist unter anderem für die Machtinhaber (Probst) in den Städten eine gute Gelegenheit, den Stadtbewohnern das Geld aus der Tasche zu ziehen, indem sie Frauen aus deren Familien ohne Beweise (die erfinden sie dann natürlich) als Hexe anklagen. Ist das erst einmal geschehen, hat so eine Frau keine Chance mehr. Sie wird so lange gefoltert (was in dem Buch auch höchst eindrucksvoll beschrieben wird), bis sie schließlich vor lauter Schmerzen alles gesteht was man ihr vorwirft, seien es noch sie absurde Dinge wie auf dem Besen reiten, sich mit dem Teufel treffen oder tote Kinder aus der Erde graben. Durch eine Hexenverbrennung können die Machtausübenden dann so eine Art \"Bestattungskosten\" verlangen, die die meisten Bürger völlig in den Ruin treiben, weil fast unbezahlbar.
Es wird aber vermutet, dass vor allem die Machtgier und das Ansehen in der Stadt Ellwangen eine Rolle spielten.
So war das damals mit der Hexenverbrennung, und ich bin froh dass dieses Buch mich darüber aufgeklärt hat, über die machthungrigen Motive bei der ganzen Sache habe ich jedenfalls nicht Bescheid gewusst.

Als Sybilla schließlich, so musste es ja kommen, selbst der Hexerei bezichtigt wird, macht ihr zuvor so interessantes Leben eine jähe Wende. Sehr schön und auch schön grausam leidet man mit der junge Frau mit, wie sie aus dem Haus gezerrt und in die dunklen, dreckigen Verliese gesperrt wird. Nicht zu vergessen die Folterungen und die peinlichen Befragungen. Die Autorin nimmt hier kein Blatt vor den Mund und es geschehen teilweise wirklich so grausame Dinge, dass ich auch Gänsehaut bekommen habe und froh war, nicht im Mittelalter zu leben ;)

Ich finde jedenfalls, dass Urlike Schweikert das Leben im Mittelalter mit allem was dazu gehört sehr lebensnah und authentisch rübergebracht hat in diesem Roman. Auch die Sprache, mit teilweise stark veralteten Ausdrücken, ist perfekt an die Geschichte angepasst. Man zweifelt keine Sekunde, dass man sich im Mittelalter befindet. Facettenreich wird die Mittelalterliche Stadt beschrieben, auch die mangelnden Hygieneverhältnisse und die Bedingungen, in denen die Menschen teilweise hausten.
Es wirkt alles so echt, als wäre man wirklich da. Und ich sags euch, man kriegt schonmal eine Gänsehaut oder einen Klos im Hals wenn man das Buch liest. Wie schwer und grausam die mittelalterliche Zeit war, wird in diesem Buch wirklich ausgezeichnet rübergebracht, das ist es auch was mich daran so fasziniert hat. Mit Worten kann ich es nicht beschreiben, aber ich kann auf jeden Fall sagen, dass die Autorin eine tolle Stimmung gezaubert hat. Eine dunkle, irgendwie unwohle und alte Stimmung, genauso wie man sich das Mittelalter eben vorstellt. Und dazu braucht sie auch keine große Spannung, allein schon das Erzählte an sich ist sehr ergreifend. Spannend ist es letztendlich nur, wenn man sich gegen Ende fragt, was aus Sybilla wird, dass sie auf den Scheiterhaufen kommen soll ist ja dem Leser schnell klar. Ansonsten würde ich das Buch als eher durchschnittlich Spannend einstufen.

Eine wirklich extrem leichte Kost ist dieser Roman nicht, aber ihr braucht euch auch nicht zu scheuen ihn zu lesen. Damit will ich nur andeuten dass es vielleicht nicht so flüssig zu lesen ist wie z.B. ein Hohlbein, was eben am altmodischen Schreibstil liegt. Ich würde diess Buch nur nicht unbedingt Kindern unter 12 empfehlen, da einem die Geschichte schon sehr zu Herzen geht.
Wie ergreifend das Schicksal der Zwillinge wirklich ist, erfährt man zwar erst gegen Ende, dafür ist es aber umso tragischer, aber irgendwie auch umso schöner...

Am Schluss möchte ich noch anmerken, dass in diesem Buch zwar die Zwillinge Helena und Sybilla erfunden wurden, es jedoch viele der Personen aus der Geschichte wirklich gab und diese Personen wurden auch wirklich auf den Scheiterhäufen verbrannt. Am Ende des Buches gibt es eine Namensliste mit all den Personen plus dem Datum an dem sie hingerichtet wurden. Es ist also keinesfalls eine aus der Nase gezogene Geschichte- die grausamen Dinge und vor allem die vielen Menschen die sterben mussten gab es vor ein paar hundert Jahren wirklich (z.B. die am Anfang erwähnte Mutter Sybilla Schenk)
Die Autorin erklärt am Schluss kurz, wie das Leben einiger Personen von denen sie es etwas verändert hat, wirklich gewesen ist, was für Schicksale sie erleiden mussten (oder auch nicht) und wie ihr Leben zu Ende ging. Mich hat das sehr beeindruckt, da man doch einen gewissen Draht zu den Figuren im Buch entwickelt. Wenn diese Personen dann auch noch real waren, ist es umso trauriger zu lesen, was mit ihnen geschah..

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FAZIT
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Eine wirklich einfach nur wunderbare Geschichte, die im dunklen Mittelalter spielt und eine sehr grausame Tatsache thematisiert, die Hexenverbrennung. Mittelalterfans werden dieses Buch sicher lieben, aber auch wer einfach einen guten, dramatischen und etwas traurigen Roman lesen möchte, sollte sich \"Die Hexe und die Heilige\" unbedingt zulegen.

Ich war jedenfalls restlos begeistert von dem Buch und so erhält es von mir auch 5 Sterne!


Ich wünsche euch viel Spass beim Lesen :)
Schaltet ruhig mal den Fernseher ab und gönnt euch ein gutes Buch ;)
Ciao,

Eure Claudi

19 Bewertungen, 1 Kommentar

  • lucky83

    16.05.2005, 22:54 Uhr von lucky83
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich liebe hexen:-) haben die Wohnung voll, aufhängend, stehend, einen brunnen mit einer hexe ....