Die Hexe und die Heilige (Taschenbuch) / Ulrike Schweikert Testbericht
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Erfahrungsbericht von vampire-lady
mittelalterliche Bruzzelküche
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ich habe das Buch „die Hexe und die Heilige“ von Ulrike Schweikert bereits vor einiger Zeit gelesen und seither einige Meinungen und Berichte zu dem Thema gehört. Meistens positive, selbst von einer guten Freundin. Ich selbst bin darüber erstaunt, fand ich es doch im Grunde ziemlich Wischiwaschi. Ich weiß nicht, wie ich auf die Idee kam es lesen zu müssen, trotzdem habe ich mir eingebildet, das müsse sein und lag daher ganz versessen bei buchticket.de auf der Lauer, was sich auch lohnte. Sonst hätte ich ja jetzt nichts zu knöttern, ne?
Ich kann gerade nicht viel zu der Taschenbuchausgabe sagen, weil ich noch darauf warte, daß ich das Buch zurückgeschickt bekomme.
Bei der Geschichte handelt es sich um einen historischen Roman, dessen wichtigste Ereignisse sich hauptsächlich im mittelalterlichen Ellwangen abspielen. Schweikert hat sich hier von wahren Begebenheiten inspirieren lassen, die man im Nachwort kurz nachlesen kann. In relativ kurzer Zeit sind zahlreiche Bürger als Hexen angeklagt, gefoltert und angefackelt worden – teilweise mehrere Mitglieder einer Familie. Es ist übrigens ein merkwürdiges Gefühl, wenn man überlegt, daß Buchcharaktere wirklich gelebt und grausam geendet haben. Hintergrund der Aktion: die verantwortlichen von Staat und Kirche haben sich mal wieder vetternwirtschaftlich vereint, um sich gegenseitig den großen Reibach zuzuschieben. Der Besitzer eines gutlaufenden Geschäfts wurde abgeurteilt und verbrannt, den Erben eine dicke Gebühr dafür aufgedrückt, weshalb sie das Geschäft an die kirchliche Staatsmafia verkaufen mussten, für einen Spottpreis. Dieser Hintergrund grenzt an einen Krimi und hat mir wirklich noch ganz gut gefallen.
In Ellwangen nun werden Zwillinge geboren (fiktiv, die beiden gab es nicht wirklich): rothaarige (was ein Zufall) Mädchen namens Sybilla und Helena, was für sich schon schlimm genug wäre, aber beide Mädels entwickeln bald hellseherische Kräfte. Hinzu kommt, daß Sybilla ein ziemlicher Wildfang mit eigenen Ansichten ist. Nun kommt es zu der Idee, die ich ziemlich reizvoll fand: die brave Helena wird die Heilige im Kloster, wo die Pfaffen ihre Kräfte als göttlich definieren. Die temperamentvolle Sybilla dagegen landet außerhalb in der Lehre bei einer Hebamme, wo sie alles lernt, was aus einer rothaarigen und recht eigenwilligen Frau eine Hexe werden lässt. Eine Vision führt Sybilla zurück nach Ellwangen, gerade noch um zu erleben, wie ihre Mutter als Hexe verbrannt wird. Da der Job als Hebamme in Ellwangen frei ist, nimmt Sybilla sich – oh Skandal – ein Zimmer um ihrem Beruf nachzugehen. Nicht ohne die ein oder andere Abtreibung vorzunehmen, Tinktürchen zu mischen, sich mit der Dorfnutte anzufreunden und den örtlichen Pfarrer zu poppen. Eine prima Kandidatin also für ein Grillfest – würde nicht die Heilige ihren Sinn fürs Märtyrertum entdecken.
Wenn man einen Mittelalter-Roman liest, muß man sich wohl zwangsläufig mit dem einen oder anderen Scheiterhäufchen abfinden. Was bei Schweikert ganz interessant ist, bleibt die Beschäftigung mit dem historischen Hintergrund. Auch wenn mir das Thema Hexenverbrennung langsam aus den Ohren kommt, muß man sagen, daß die Autorin sich bemüht dem Leser besonders die Lebensumstände und –zusammenhänge der Figuren nahezubringen. Auch zum Thema Folter hat die Autorin einiges zu sagen, tut dies aber so, daß sich der Ekelfaktor in Grenzen hält.
Wenig überraschend ist aber die Geschichte der Zwillinge. Die Heilige landet im Kloster und verschwindet bis zum Schluss nahezu völlig aus dem Buch. Genau das finde ich schade. Ich hätte gern mehr über den ruhigen Zwilling erfahren, der so aber völlig zu kurz kommt, auch wenn ein Klosterleben vielleicht nicht wirklich spannend ist. Fast habe ich den Eindruck sie wurde nachträglich erfunden, um der Heldin zum Schluss aus der Patsche zu helfen. Das Ende selbst fand ich dann eher konstruiert und enttäuschend.
Die Erzählung handelt demnach von der eigenwilligen Sybilla. Als ich feststellte, daß sie den Hexenpart des Romans darstellen sollte, wartete ich ja nur auf eines und lies den Kopf frustriert auf die Tischplatte knallen, als es dann tatsächlich passierte: Sybilla wird Hebamme und Kräuterweiblein. Das beste Klischee um Hexe zu werden. Nebenbei gibt sie auch noch eine wunderbare Mittelalteremanze ab, wie sie in vielen historischen Romanen gern genommen wird. Na gut, über das Heimchen am Herd will auch niemand lesen. Im Gegentum wird das Heimchen in dieser Geschichte übel geprügelt und von Sybilla gerettet, weshalb ich vermute, daß letztere nach Beendigung der Geschichte, auf dem Lande ein Frauenhaus gründet, Bioschafe anbaut und..... aber ich schweife von dannen. Sybilla wird aufgrund ihres Helfersyndroms in eine tiefreichende Intrige verwickelt, deren Ausmaße sich ihr zu spät erschließen. Da sie die Mutter nicht retten konnte, versucht sie anderen Opfern zu helfen, da sie einige medizinische Kenntnisse hat. Leider fällt sie den falschen Leuten immer wieder unangenehm auf. Sie ist nicht die Type, die einfach die Klappe halten kann, womit man sich bekanntlich nicht unbedingt Freunde macht.
Gestört haben mich hin und wieder Formulierungen, denn Schweikert benutzt teilweise alte Bezeichnungen, die heute unbekannt geworden sind (Wehmutter = Hebamme). Einige erklären sich von selbst, andere werden erklärt und einige wohl vorausgesetzt – ohne sich jetzt mir völlig zu erschließen. Mir fällt gerade das konkrete Beispiel nicht mehr ein. Eigentlich tun derlei Formulierungen nicht wirklich Not (außer um der Atmosphäre willen), wenn dann sollten sie aber konsequent erklärt werden.
So wirklich spannend fand ich die Geschichte dann überhaupt nicht. Meiner Ansicht nach war einfach zu vieles vorhersehbar. Inclusive der Tatsache, daß sich gleich zwei Männer für Sybilla interessieren. Ein adeliger, aber leider verheirateter Charmebolzen, der krampfhaft versucht sie flachzulegen und der schnöde junge Priester, der dabei mehr Erfolg hat. Ich habe mich immer mal wieder dabei erwischt, wie ich einige Seiten nicht direkt überblättert, aber unbewusst nur sehr locker überlesen habe, weil sich ein Aha-Effekt einfach nicht einstellen wollte.
Der Pluspunkt des Romans liegt definitiv in der Schilderung der geschichtlichen Hintergründe und des historischen Flairs. Dieser Teil kommt durchaus realistisch rüber. Von der Story hätte ich mir aber mehr versprochen. Dabei ist der Stoff nicht schlecht und gäbe einiges für einen knallharten Thriller her. Letztendlich besonders schade fand ich aber, daß der Gegensatz zwischen den Schwestern nicht weiter ausgearbeitet wurde. Darin hätte durchaus noch eine Menge Potential für weitere Seiten und spannende Wendungen gelegen.
Ich kann gerade nicht viel zu der Taschenbuchausgabe sagen, weil ich noch darauf warte, daß ich das Buch zurückgeschickt bekomme.
Bei der Geschichte handelt es sich um einen historischen Roman, dessen wichtigste Ereignisse sich hauptsächlich im mittelalterlichen Ellwangen abspielen. Schweikert hat sich hier von wahren Begebenheiten inspirieren lassen, die man im Nachwort kurz nachlesen kann. In relativ kurzer Zeit sind zahlreiche Bürger als Hexen angeklagt, gefoltert und angefackelt worden – teilweise mehrere Mitglieder einer Familie. Es ist übrigens ein merkwürdiges Gefühl, wenn man überlegt, daß Buchcharaktere wirklich gelebt und grausam geendet haben. Hintergrund der Aktion: die verantwortlichen von Staat und Kirche haben sich mal wieder vetternwirtschaftlich vereint, um sich gegenseitig den großen Reibach zuzuschieben. Der Besitzer eines gutlaufenden Geschäfts wurde abgeurteilt und verbrannt, den Erben eine dicke Gebühr dafür aufgedrückt, weshalb sie das Geschäft an die kirchliche Staatsmafia verkaufen mussten, für einen Spottpreis. Dieser Hintergrund grenzt an einen Krimi und hat mir wirklich noch ganz gut gefallen.
In Ellwangen nun werden Zwillinge geboren (fiktiv, die beiden gab es nicht wirklich): rothaarige (was ein Zufall) Mädchen namens Sybilla und Helena, was für sich schon schlimm genug wäre, aber beide Mädels entwickeln bald hellseherische Kräfte. Hinzu kommt, daß Sybilla ein ziemlicher Wildfang mit eigenen Ansichten ist. Nun kommt es zu der Idee, die ich ziemlich reizvoll fand: die brave Helena wird die Heilige im Kloster, wo die Pfaffen ihre Kräfte als göttlich definieren. Die temperamentvolle Sybilla dagegen landet außerhalb in der Lehre bei einer Hebamme, wo sie alles lernt, was aus einer rothaarigen und recht eigenwilligen Frau eine Hexe werden lässt. Eine Vision führt Sybilla zurück nach Ellwangen, gerade noch um zu erleben, wie ihre Mutter als Hexe verbrannt wird. Da der Job als Hebamme in Ellwangen frei ist, nimmt Sybilla sich – oh Skandal – ein Zimmer um ihrem Beruf nachzugehen. Nicht ohne die ein oder andere Abtreibung vorzunehmen, Tinktürchen zu mischen, sich mit der Dorfnutte anzufreunden und den örtlichen Pfarrer zu poppen. Eine prima Kandidatin also für ein Grillfest – würde nicht die Heilige ihren Sinn fürs Märtyrertum entdecken.
Wenn man einen Mittelalter-Roman liest, muß man sich wohl zwangsläufig mit dem einen oder anderen Scheiterhäufchen abfinden. Was bei Schweikert ganz interessant ist, bleibt die Beschäftigung mit dem historischen Hintergrund. Auch wenn mir das Thema Hexenverbrennung langsam aus den Ohren kommt, muß man sagen, daß die Autorin sich bemüht dem Leser besonders die Lebensumstände und –zusammenhänge der Figuren nahezubringen. Auch zum Thema Folter hat die Autorin einiges zu sagen, tut dies aber so, daß sich der Ekelfaktor in Grenzen hält.
Wenig überraschend ist aber die Geschichte der Zwillinge. Die Heilige landet im Kloster und verschwindet bis zum Schluss nahezu völlig aus dem Buch. Genau das finde ich schade. Ich hätte gern mehr über den ruhigen Zwilling erfahren, der so aber völlig zu kurz kommt, auch wenn ein Klosterleben vielleicht nicht wirklich spannend ist. Fast habe ich den Eindruck sie wurde nachträglich erfunden, um der Heldin zum Schluss aus der Patsche zu helfen. Das Ende selbst fand ich dann eher konstruiert und enttäuschend.
Die Erzählung handelt demnach von der eigenwilligen Sybilla. Als ich feststellte, daß sie den Hexenpart des Romans darstellen sollte, wartete ich ja nur auf eines und lies den Kopf frustriert auf die Tischplatte knallen, als es dann tatsächlich passierte: Sybilla wird Hebamme und Kräuterweiblein. Das beste Klischee um Hexe zu werden. Nebenbei gibt sie auch noch eine wunderbare Mittelalteremanze ab, wie sie in vielen historischen Romanen gern genommen wird. Na gut, über das Heimchen am Herd will auch niemand lesen. Im Gegentum wird das Heimchen in dieser Geschichte übel geprügelt und von Sybilla gerettet, weshalb ich vermute, daß letztere nach Beendigung der Geschichte, auf dem Lande ein Frauenhaus gründet, Bioschafe anbaut und..... aber ich schweife von dannen. Sybilla wird aufgrund ihres Helfersyndroms in eine tiefreichende Intrige verwickelt, deren Ausmaße sich ihr zu spät erschließen. Da sie die Mutter nicht retten konnte, versucht sie anderen Opfern zu helfen, da sie einige medizinische Kenntnisse hat. Leider fällt sie den falschen Leuten immer wieder unangenehm auf. Sie ist nicht die Type, die einfach die Klappe halten kann, womit man sich bekanntlich nicht unbedingt Freunde macht.
Gestört haben mich hin und wieder Formulierungen, denn Schweikert benutzt teilweise alte Bezeichnungen, die heute unbekannt geworden sind (Wehmutter = Hebamme). Einige erklären sich von selbst, andere werden erklärt und einige wohl vorausgesetzt – ohne sich jetzt mir völlig zu erschließen. Mir fällt gerade das konkrete Beispiel nicht mehr ein. Eigentlich tun derlei Formulierungen nicht wirklich Not (außer um der Atmosphäre willen), wenn dann sollten sie aber konsequent erklärt werden.
So wirklich spannend fand ich die Geschichte dann überhaupt nicht. Meiner Ansicht nach war einfach zu vieles vorhersehbar. Inclusive der Tatsache, daß sich gleich zwei Männer für Sybilla interessieren. Ein adeliger, aber leider verheirateter Charmebolzen, der krampfhaft versucht sie flachzulegen und der schnöde junge Priester, der dabei mehr Erfolg hat. Ich habe mich immer mal wieder dabei erwischt, wie ich einige Seiten nicht direkt überblättert, aber unbewusst nur sehr locker überlesen habe, weil sich ein Aha-Effekt einfach nicht einstellen wollte.
Der Pluspunkt des Romans liegt definitiv in der Schilderung der geschichtlichen Hintergründe und des historischen Flairs. Dieser Teil kommt durchaus realistisch rüber. Von der Story hätte ich mir aber mehr versprochen. Dabei ist der Stoff nicht schlecht und gäbe einiges für einen knallharten Thriller her. Letztendlich besonders schade fand ich aber, daß der Gegensatz zwischen den Schwestern nicht weiter ausgearbeitet wurde. Darin hätte durchaus noch eine Menge Potential für weitere Seiten und spannende Wendungen gelegen.
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