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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von willibald-1
Demenz
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Wir waren zu einer Tauffeier eingeladen.
Der Großvater des kleinen Kindes leidet seit einiger Zeit an Demenz (oder Alzheimer, obwohl ich nicht genau weiß, ob das eigentlich dasselbe ist).
Ich hatte schon ein paar mal darüber gehört, wie es ihm gerade ging. Und vor allem auch, wie es seiner Frau mit ihm erging. Ich war auf wirklich Schlimmes gefaßt.
Ich muß gleich vorweg sagen: so schlimm war es dann am Nachmittag nicht. Er hatte wohl einen guten Tag, und das bestätigte seine Frau und auch er selbst.
Sicherlich, es ist traurig anzusehen, wenn ein Mensch, der sicherlich als intelligent galt, der im Berufsleben auch Verantwortung hatte, der seine beiden Söhne immerhin zu ganz passablen Menschen erzogen hat, wenn dieser Mensch also nun da sitzt und in vielen Dingen wie ein kleines Kind ist.
Aber dennoch war dieser Nachmittag für mich irgendwie ein Gewinn. Denn ich habe (mal wieder) gelernt, daß auch dieses Leben durchaus noch etwas wert ist.
Ganz rührend wurde der alte Mann von seiner Frau betreut. Es war schön zu sehen, wie liebevoll sie mit ihm umgeht. Nein, \"weggeben\" würde sie ihn gewiß nie. Wenn sie Unterstützung bei der Pflege braucht, kann sie ihren jüngeren Sohn immer anrufen, und auch dessen Frau (obowhl die beiden selber drei Kinder haben). Und auch den älteren Sohn kann sie eigentlich immer anrufen. (Von dessen Frau war dann allerdings nicht mehr die Rede... und das finde ich fast noch am traurigsten an der ganzen Geschichte.)
Doch, ihren Mann morgens anzuziehen, das dauert wahrscheinlich länger als bei dem kleinen Baby. Die Sachen sind ja auch viel größer. - Und der Mann nickte mit einem schelmischen Lächeln dazu.
Und manchmal, dann hat er richtig Phantasie. Dann erfindet er ganz neue Flugzeuge, mit denen er ganz interessante Flüge machen kann. - Man konnte schon merken, daß sie gelernt hatte, mit der Phantasie ihres Mannes auf humorvolle Art umzugehen.
Die wirklich traurigen Seiten kamen in dem Gespräch nicht zur Sprache: wie es ist, wenn er mal wieder nicht weiß, wo er eigentlich ist, wenn die Frau ihren Mann nicht mal für einen Gang in den Keller allein in der Wohnung lassen kann, wenn sie ihn nicht überzeugen kann, daß mit der Heizungsanlage alles in Ordnung ist ...
Eine Ahnung von den alltäglichen Schwierigkeiten konnte man bekommen, wenn man beobachtete, wie die Frau ihren Mann mit dem Kuchen fütterte, wie sie ihm Krümel vom Anzug oder Schokolade von der Hand wischen mußte...
Manch ein Gespräch ging an ihm sicherlich vorbei. Manchmal wurde er einbezogen - seine Antworten machten immer irgendwie Sinn, wenn sie auch manchmal etwas unerwartet waren. Einmal kam eine jüngere Frau darauf, daß er im selben Jahr geboren war wie ihr Vater. Es stellte sich heraus, daß beide alten Männer im Krieg in Rußland gewesen waren. \"Das war eine schlimme Zeit,\" sagte er dann auf einmal ganz lebhaft, \"und da bin ich auch lange nicht mit fertig geworden. Da habe ich oft von geträumt.\" Und man merkte, wie die Bilder vor seinem geistigen Auge wieder da waren.
Ich hatte mit ihm auch noch ein paar nette Gesprächsfetzen:
Ganz zu Anfang saßen wir in dem Lokal nebeneinander, und er meinte, er müsse wohl schon früher mal dagewesen sein, aber er würde es nicht wiedererkennen. Ich tröstete ihn: ich könnte mir vorstellen, daß ja auch ein paar mal was renoviert worden wäre, und daß es jetzt ganz anders aussähe als vor 10 oder 15 Jahren. Das fand er logisch.
Und kurz danach meinte ich: \"Ich kenne hier ja nicht so viele von den Leuten. Aber bei manchen kann man richtig am Gesicht sehen, daß sie zur Familie gehören.\" - \"Ja\", sagte er, \"das habe ich vorhin in der Kirche auch gedacht!\" Dabei blieb offen, ob er auch die meisten Leute nicht erkannt hatte, oder ob er nur über die Familienähnlichkeit nachgedacht hatte...
Der Großvater des kleinen Kindes leidet seit einiger Zeit an Demenz (oder Alzheimer, obwohl ich nicht genau weiß, ob das eigentlich dasselbe ist).
Ich hatte schon ein paar mal darüber gehört, wie es ihm gerade ging. Und vor allem auch, wie es seiner Frau mit ihm erging. Ich war auf wirklich Schlimmes gefaßt.
Ich muß gleich vorweg sagen: so schlimm war es dann am Nachmittag nicht. Er hatte wohl einen guten Tag, und das bestätigte seine Frau und auch er selbst.
Sicherlich, es ist traurig anzusehen, wenn ein Mensch, der sicherlich als intelligent galt, der im Berufsleben auch Verantwortung hatte, der seine beiden Söhne immerhin zu ganz passablen Menschen erzogen hat, wenn dieser Mensch also nun da sitzt und in vielen Dingen wie ein kleines Kind ist.
Aber dennoch war dieser Nachmittag für mich irgendwie ein Gewinn. Denn ich habe (mal wieder) gelernt, daß auch dieses Leben durchaus noch etwas wert ist.
Ganz rührend wurde der alte Mann von seiner Frau betreut. Es war schön zu sehen, wie liebevoll sie mit ihm umgeht. Nein, \"weggeben\" würde sie ihn gewiß nie. Wenn sie Unterstützung bei der Pflege braucht, kann sie ihren jüngeren Sohn immer anrufen, und auch dessen Frau (obowhl die beiden selber drei Kinder haben). Und auch den älteren Sohn kann sie eigentlich immer anrufen. (Von dessen Frau war dann allerdings nicht mehr die Rede... und das finde ich fast noch am traurigsten an der ganzen Geschichte.)
Doch, ihren Mann morgens anzuziehen, das dauert wahrscheinlich länger als bei dem kleinen Baby. Die Sachen sind ja auch viel größer. - Und der Mann nickte mit einem schelmischen Lächeln dazu.
Und manchmal, dann hat er richtig Phantasie. Dann erfindet er ganz neue Flugzeuge, mit denen er ganz interessante Flüge machen kann. - Man konnte schon merken, daß sie gelernt hatte, mit der Phantasie ihres Mannes auf humorvolle Art umzugehen.
Die wirklich traurigen Seiten kamen in dem Gespräch nicht zur Sprache: wie es ist, wenn er mal wieder nicht weiß, wo er eigentlich ist, wenn die Frau ihren Mann nicht mal für einen Gang in den Keller allein in der Wohnung lassen kann, wenn sie ihn nicht überzeugen kann, daß mit der Heizungsanlage alles in Ordnung ist ...
Eine Ahnung von den alltäglichen Schwierigkeiten konnte man bekommen, wenn man beobachtete, wie die Frau ihren Mann mit dem Kuchen fütterte, wie sie ihm Krümel vom Anzug oder Schokolade von der Hand wischen mußte...
Manch ein Gespräch ging an ihm sicherlich vorbei. Manchmal wurde er einbezogen - seine Antworten machten immer irgendwie Sinn, wenn sie auch manchmal etwas unerwartet waren. Einmal kam eine jüngere Frau darauf, daß er im selben Jahr geboren war wie ihr Vater. Es stellte sich heraus, daß beide alten Männer im Krieg in Rußland gewesen waren. \"Das war eine schlimme Zeit,\" sagte er dann auf einmal ganz lebhaft, \"und da bin ich auch lange nicht mit fertig geworden. Da habe ich oft von geträumt.\" Und man merkte, wie die Bilder vor seinem geistigen Auge wieder da waren.
Ich hatte mit ihm auch noch ein paar nette Gesprächsfetzen:
Ganz zu Anfang saßen wir in dem Lokal nebeneinander, und er meinte, er müsse wohl schon früher mal dagewesen sein, aber er würde es nicht wiedererkennen. Ich tröstete ihn: ich könnte mir vorstellen, daß ja auch ein paar mal was renoviert worden wäre, und daß es jetzt ganz anders aussähe als vor 10 oder 15 Jahren. Das fand er logisch.
Und kurz danach meinte ich: \"Ich kenne hier ja nicht so viele von den Leuten. Aber bei manchen kann man richtig am Gesicht sehen, daß sie zur Familie gehören.\" - \"Ja\", sagte er, \"das habe ich vorhin in der Kirche auch gedacht!\" Dabei blieb offen, ob er auch die meisten Leute nicht erkannt hatte, oder ob er nur über die Familienähnlichkeit nachgedacht hatte...
9 Bewertungen, 1 Kommentar
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17.01.2007, 20:00 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichsh & lg Sarah
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