Erfahrungsbericht von Swinja
Showdown im Kellerraum: Daisy und ich
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Wenn ich sie mir in die Jackentasche stecke, sieht es aus, als hätte ich einen Pflasterstein gestohlen.
Sie heißt Beretta 92 und ist ein Produkt der Firma Daisy, die vor allem bei Luftgewehren ein bekannter Name ist.
Im Gegensatz zu \"richtigen\" Feuerwaffen benötigt man für Luftdruckwaffen (bislang) keinen Waffenschein und auch keine sonstige Genehmigung, eine für Deutschland eigentlich völlig untypische Tatsache.
Das Prinzip dieser Art von Waffen ist das gleiche wie bei größeren Luftgewehren. Während man allerdings bei diesen den erforderlichen Luftdruck manuell herstellt (durch das Knicklauf-Prinzip), wird hier mit kleinen Druckbehältern gearbeitet, die CO2 enthalten. Ähnliche Druckkapseln sind übrigens auch für Kleinzapfanlagen (für 5-l-Fäßchen) gebräuchlich.
Das Äußere der Waffe ist dem Original gut nachgearbeitet, zumindest was die Konturen angeht. Allerdings: zum einen glänzt es doch in einer sehr plastiktypischen Art, man sieht eigentlich sofort, daß es sich um keine echte Schußwaffe handelt. Außerdem sind Teile, die am Original beweglich sind (wie etwa der Schlitten, oder auch einige Hebelchen zum Zerlegen) angegossen ausgeführt, und auch das sieht ein Kenner sofort. Ich habe eine Version mit der Nachbildung von Metallgriffschalen in schwarz, aber auch sie glänzen auf eine eher spielzeughafte Weise. Sichtbares Metall sind eigentlich nur der Hahn, der Abzug und das Chassis. Sie liegt gut und schwer in der Hand.
Bei einer echten Pistole sitzt das Magazin mit der Munition im Griff. Hier muß der Griff die CO2-Kartusche aufnehmen. Eine der Griffschalen ist abnehmbar, darunter wird eine Nische sichtbar, wo die Miniaturgasflasche eingelegt wird. Unten am Griff sitzt eine kleine Drehschraube - beim Original gibt es die so nicht - mit der man beim Festdrehen die Kartusche gegen einen kleinen Dorn drückt, der sie \"entjungfert\". Ein leises Zischen verrät einem: \"Ozapft is.\"
Die Projektile selber sind unter dem Lauf angeordnet. Es ist die übliche 4,5 mm-Luftdruckwaffenmuni mit Flachkopf. Sie werden mittels eines kleinen Plastikröhrchens eingefüllt und sitzen dann hintereinander, mit \"Gesicht nach vorn\", also in Abschußrichtung. Beim Abschuß wird durch den Aufschlag des Hahns nicht nur ein kurzer Druckgasstoß freigegeben, sondern auch eine Mechanik betätigt, die das nächste Projektil wie mit einem Essensaufzug eine Etage nach oben zum Lauf weiterschiebt.
Nun stehe ich auf Papas Dachspeicher und beschließe, den Kleiderschrank der seligen Großmutter kleinzuschroten. Entsichert wird mit einem Plastikhebel über dem Schlagbolzen, den man am besten mit allen Fingern anfaßt, da er sonst entweder klemmt oder abbricht. Theoretisch kann man sowohl von links wie von rechts mit einem Finger entsichern, aber in der Praxis geht das nur mühsam. Also dann: FEUER!!!
Sagte ich schon, daß die Projektile aus Blei bestehen? Beim Auftreffen auf Material wie Sperrholz können sie, obwohl plastisch deformierbar, wie bei einem elastischen Stoß zurückgefeuert werden. Etwas fliegt mit hoher kinetischer Energie gegen meine Bauchdecke und hinterläßt einige Tage lang ein schmerzendes rotviolettes \"Veilchen\". Verdammt, das hätte auch ins Auge gehen können.
Nach den allerersten Schüssen bereits fällt mir auf: Der Druckpunkt liegt ziemlich weit hinten, das heißt, man muß den Hebel \"weit durchziehen\", bevor man an den Punkt kommt, wo nur noch ein leichter Anstoß reicht, um den Schuß zu lösen. Das ist für den Zeigefinger natürlich relativ anstrengend. Außerdem führt es dazu, daß man beim Combatschießen, wo es auf Tempo ankommt, kaum mehr eine vernünftige Trefferrate zusammenbekommt, da man verreißt. Also taugt die Waffe eigentlich eher für ruhiges gemütliches Zielschießen - anvisieren, zielen, durchatmen, langsam durchziehen, Schuß kommen lassen. Und genau dafür ist sie dann nun auch wieder nicht geeignet. Warum? Nun, Kimme und Korn sind äußerst flach eingeschnitten, eigentlich sind sie nicht mehr als ein Pickel auf dem Lauf, und damit ist Zielen natürlich eine diffizile Sache. Also, was nun?
Ich habe mir angewöhnt, beim Anlegen bereits den Zeigefinger krumm zu machen - der Schlagbolzen geht dann schon in Lauerstellung - und nicht über Kimme und Korn, sondern nur grob über den Lauf hinweg zu zielen. Das einzig sinnvolle für diese Waffe sind Schießübungen \"aus der Hüfte\", und aufgrund der Reichweite wie auch der Zielmöglichkeiten sollte man sich dabei auf Ziele innerhalb eines Radius von maximal 10 m beschränken. Zwar fliegen die Projektile bis zu 150 m weit, aber das Treffen ist dann eher ein Glücksspiel. Man kann froh sein, wenn man - nur kurz übers Rohr angepeilt - aus 10 m Entfernung einen Bieruntersetzer trifft.
Bei der Munition sollte man darauf achten, nur \"Flachköpfe\" zu verwenden. Die gelegentlich zur Kleintierjagd eingesetzten \"Spitzköpfe\" würden - einfach durch die Anordnung der Projektile hintereinander im Magazin - zu Ladehemmungen führen.
Der Inhalt einer derartigen Kartusche reicht für mindestens 10 bis 15 Magazine aus, allerdings bemerkt man dann schon einen deutlichen Druckverlust. Schmerzhafter ist da schon das Altern des Materials, vor allem der Dichtringe: ich habe Frau Beretta jetzt über 10 Jahre, und sie ist eigentlich nicht mehr verwendungsfähig, da das Druckgas schneller herauspfeift, als man drei Schuß abfeuern kann.
Ebenfalls sollte man sich Gedanken machen, wozu man so ein Stück einsetzt. Gleich vorneweg: als Verteidigungswaffe, etwa für den nächtlichen Spaziergang an dunklen Hausfluren vorbei, ist sie so wenig geeignet wie ein Vorderlader mit Zündschnur. Egal, wem man begegnet, er wird einem kaum die Zeit lassen, erst einmal die Kartusche einzudrehen und zu entsichern. Sie einem eventuellen Angreifer mit aller Kraft auf die Rübe zu hauen, dürfte noch das effizienteste sein. Am ehesten taugt sie für Combatschießen im eigenen Kellerraum und selbstgebauten Klappfallscheiben. Zu loben ist die Verarbeitung, es ist bis heute im rauhen Betrieb nichts abgebrochen oder kaputtgegangen (außer, wie gesagt, den Dichtringen, die einfach spröde und porös werden). Ärgerlich sind die zahlreichen Ladehemmer (bedingt durch die aufwendige Nachlademechanik) und das anschließende umständliche Zerlegen der Waffe, bei der man eine eventuell eingelegte volle Kartusche \"deaktivieren\" muß, sprich: wegwerfen.
Und natürlich ist sie nicht ganz ungefährlich. Zwar reicht die Schußkraft nicht aus, um eine Schädelplatte aus 8 m Entferung kaputtzuschlagen, ich habe es ausprobiert (nein, nicht an meiner eigenen Birne. Ein Förster überließ mir den Schädel eines bedauernswerten Hasen). Aber schmerzhafte Wunden kann man auf jeden Fall erzielen (siehe mein Selbstversuch mit Omas Schrank) und auch ein Auge ist schnell zerstört. Allerdings verwende ich trotzdem keine Schutzbrille: zum einen schießt man nicht in die eigene Richtung, zweitens nur (zumindest nach solchen Erfahrungen) auf Ziele, die das Projektil nicht zurückwerfen. Und drittens kenne ich gar keine Schutzbrille, die gegen so etwas schützen würde. Eher hätte man dann zusätzlich zu einer Bleikugel noch Plastik- oder Glassplitter im Auge.
Gekostet hat mich die Zimmerflak - bei einem in Oberfranken ansässigen Militaria-Versand - damals ca. 120 DEM.
Sie heißt Beretta 92 und ist ein Produkt der Firma Daisy, die vor allem bei Luftgewehren ein bekannter Name ist.
Im Gegensatz zu \"richtigen\" Feuerwaffen benötigt man für Luftdruckwaffen (bislang) keinen Waffenschein und auch keine sonstige Genehmigung, eine für Deutschland eigentlich völlig untypische Tatsache.
Das Prinzip dieser Art von Waffen ist das gleiche wie bei größeren Luftgewehren. Während man allerdings bei diesen den erforderlichen Luftdruck manuell herstellt (durch das Knicklauf-Prinzip), wird hier mit kleinen Druckbehältern gearbeitet, die CO2 enthalten. Ähnliche Druckkapseln sind übrigens auch für Kleinzapfanlagen (für 5-l-Fäßchen) gebräuchlich.
Das Äußere der Waffe ist dem Original gut nachgearbeitet, zumindest was die Konturen angeht. Allerdings: zum einen glänzt es doch in einer sehr plastiktypischen Art, man sieht eigentlich sofort, daß es sich um keine echte Schußwaffe handelt. Außerdem sind Teile, die am Original beweglich sind (wie etwa der Schlitten, oder auch einige Hebelchen zum Zerlegen) angegossen ausgeführt, und auch das sieht ein Kenner sofort. Ich habe eine Version mit der Nachbildung von Metallgriffschalen in schwarz, aber auch sie glänzen auf eine eher spielzeughafte Weise. Sichtbares Metall sind eigentlich nur der Hahn, der Abzug und das Chassis. Sie liegt gut und schwer in der Hand.
Bei einer echten Pistole sitzt das Magazin mit der Munition im Griff. Hier muß der Griff die CO2-Kartusche aufnehmen. Eine der Griffschalen ist abnehmbar, darunter wird eine Nische sichtbar, wo die Miniaturgasflasche eingelegt wird. Unten am Griff sitzt eine kleine Drehschraube - beim Original gibt es die so nicht - mit der man beim Festdrehen die Kartusche gegen einen kleinen Dorn drückt, der sie \"entjungfert\". Ein leises Zischen verrät einem: \"Ozapft is.\"
Die Projektile selber sind unter dem Lauf angeordnet. Es ist die übliche 4,5 mm-Luftdruckwaffenmuni mit Flachkopf. Sie werden mittels eines kleinen Plastikröhrchens eingefüllt und sitzen dann hintereinander, mit \"Gesicht nach vorn\", also in Abschußrichtung. Beim Abschuß wird durch den Aufschlag des Hahns nicht nur ein kurzer Druckgasstoß freigegeben, sondern auch eine Mechanik betätigt, die das nächste Projektil wie mit einem Essensaufzug eine Etage nach oben zum Lauf weiterschiebt.
Nun stehe ich auf Papas Dachspeicher und beschließe, den Kleiderschrank der seligen Großmutter kleinzuschroten. Entsichert wird mit einem Plastikhebel über dem Schlagbolzen, den man am besten mit allen Fingern anfaßt, da er sonst entweder klemmt oder abbricht. Theoretisch kann man sowohl von links wie von rechts mit einem Finger entsichern, aber in der Praxis geht das nur mühsam. Also dann: FEUER!!!
Sagte ich schon, daß die Projektile aus Blei bestehen? Beim Auftreffen auf Material wie Sperrholz können sie, obwohl plastisch deformierbar, wie bei einem elastischen Stoß zurückgefeuert werden. Etwas fliegt mit hoher kinetischer Energie gegen meine Bauchdecke und hinterläßt einige Tage lang ein schmerzendes rotviolettes \"Veilchen\". Verdammt, das hätte auch ins Auge gehen können.
Nach den allerersten Schüssen bereits fällt mir auf: Der Druckpunkt liegt ziemlich weit hinten, das heißt, man muß den Hebel \"weit durchziehen\", bevor man an den Punkt kommt, wo nur noch ein leichter Anstoß reicht, um den Schuß zu lösen. Das ist für den Zeigefinger natürlich relativ anstrengend. Außerdem führt es dazu, daß man beim Combatschießen, wo es auf Tempo ankommt, kaum mehr eine vernünftige Trefferrate zusammenbekommt, da man verreißt. Also taugt die Waffe eigentlich eher für ruhiges gemütliches Zielschießen - anvisieren, zielen, durchatmen, langsam durchziehen, Schuß kommen lassen. Und genau dafür ist sie dann nun auch wieder nicht geeignet. Warum? Nun, Kimme und Korn sind äußerst flach eingeschnitten, eigentlich sind sie nicht mehr als ein Pickel auf dem Lauf, und damit ist Zielen natürlich eine diffizile Sache. Also, was nun?
Ich habe mir angewöhnt, beim Anlegen bereits den Zeigefinger krumm zu machen - der Schlagbolzen geht dann schon in Lauerstellung - und nicht über Kimme und Korn, sondern nur grob über den Lauf hinweg zu zielen. Das einzig sinnvolle für diese Waffe sind Schießübungen \"aus der Hüfte\", und aufgrund der Reichweite wie auch der Zielmöglichkeiten sollte man sich dabei auf Ziele innerhalb eines Radius von maximal 10 m beschränken. Zwar fliegen die Projektile bis zu 150 m weit, aber das Treffen ist dann eher ein Glücksspiel. Man kann froh sein, wenn man - nur kurz übers Rohr angepeilt - aus 10 m Entfernung einen Bieruntersetzer trifft.
Bei der Munition sollte man darauf achten, nur \"Flachköpfe\" zu verwenden. Die gelegentlich zur Kleintierjagd eingesetzten \"Spitzköpfe\" würden - einfach durch die Anordnung der Projektile hintereinander im Magazin - zu Ladehemmungen führen.
Der Inhalt einer derartigen Kartusche reicht für mindestens 10 bis 15 Magazine aus, allerdings bemerkt man dann schon einen deutlichen Druckverlust. Schmerzhafter ist da schon das Altern des Materials, vor allem der Dichtringe: ich habe Frau Beretta jetzt über 10 Jahre, und sie ist eigentlich nicht mehr verwendungsfähig, da das Druckgas schneller herauspfeift, als man drei Schuß abfeuern kann.
Ebenfalls sollte man sich Gedanken machen, wozu man so ein Stück einsetzt. Gleich vorneweg: als Verteidigungswaffe, etwa für den nächtlichen Spaziergang an dunklen Hausfluren vorbei, ist sie so wenig geeignet wie ein Vorderlader mit Zündschnur. Egal, wem man begegnet, er wird einem kaum die Zeit lassen, erst einmal die Kartusche einzudrehen und zu entsichern. Sie einem eventuellen Angreifer mit aller Kraft auf die Rübe zu hauen, dürfte noch das effizienteste sein. Am ehesten taugt sie für Combatschießen im eigenen Kellerraum und selbstgebauten Klappfallscheiben. Zu loben ist die Verarbeitung, es ist bis heute im rauhen Betrieb nichts abgebrochen oder kaputtgegangen (außer, wie gesagt, den Dichtringen, die einfach spröde und porös werden). Ärgerlich sind die zahlreichen Ladehemmer (bedingt durch die aufwendige Nachlademechanik) und das anschließende umständliche Zerlegen der Waffe, bei der man eine eventuell eingelegte volle Kartusche \"deaktivieren\" muß, sprich: wegwerfen.
Und natürlich ist sie nicht ganz ungefährlich. Zwar reicht die Schußkraft nicht aus, um eine Schädelplatte aus 8 m Entferung kaputtzuschlagen, ich habe es ausprobiert (nein, nicht an meiner eigenen Birne. Ein Förster überließ mir den Schädel eines bedauernswerten Hasen). Aber schmerzhafte Wunden kann man auf jeden Fall erzielen (siehe mein Selbstversuch mit Omas Schrank) und auch ein Auge ist schnell zerstört. Allerdings verwende ich trotzdem keine Schutzbrille: zum einen schießt man nicht in die eigene Richtung, zweitens nur (zumindest nach solchen Erfahrungen) auf Ziele, die das Projektil nicht zurückwerfen. Und drittens kenne ich gar keine Schutzbrille, die gegen so etwas schützen würde. Eher hätte man dann zusätzlich zu einer Bleikugel noch Plastik- oder Glassplitter im Auge.
Gekostet hat mich die Zimmerflak - bei einem in Oberfranken ansässigen Militaria-Versand - damals ca. 120 DEM.
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