Bei lebendigem Leib (Taschenbuch) / Souad Testbericht

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Erfahrungsbericht von sanyo1981

Ehrenmord - eine Überlebende erzählt ihr Leben

Pro:

ein fantastisches Buch über ein totgeschwiegenes Thema

Kontra:

für zartbesaitete Leser eher nicht geeignet

Empfehlung:

Nein

In diesem Buch beschreibt Souad ein Mädchen aus dem Westjordanland ihr Leben bis zum Tag an dem versucht wurde sie zu verbrennen und wie sie danach ins Leben zurückkehrte.

Am Anfang des Buches wird genau beschrieben, wie das Leben damals im Westjordanland abläuft. Wenn ein Mädchen geboren wird, ist das ein Tag des Trauerns. Denn ein Mädchen ist dort weniger wert als das Vieh.
Der Aufgabenbereich erstreckt sich von Hausarbeit und Viehhüten bis zur Ernte des selbst angebauten Gemüse und Obst, das auf dem Markt verkauft wird.
Immer müssen lange Hosen und langärmelige Kleidung getragen werden. Ein Mädchen darf nie einen Mann ansehen oder mit ihm sprechen. Niemals ohne Begleitung auf die Strasse und dann immer auf den Boden sehen und schnell gehen.
Sollte etwas nicht nach den Vorstellungen der Männer im Haus laufen, werden die Frauen geschlagen und misshandelt. Besonders dies wird in diesem Buche auf sehr eindringliche Weise beschrieben.
Sollte eine Frau gegen jegliche "Bräuche" verstossen, gilt sie als unrein und wird verstossen - der so genannte Ehrenmord, weil die Frau somit die ganze Familie beschmutzt hat.

Als Souads ältere Schwester Kainat aber immer noch keinen Mann abbekommen hat und Souad reif ist zu heiraten, wird Souad immer unruhiger. Schließlich muss die ältere zuerst verheiratet werden. In Souads Dorf ist es normal, mit 14 Jahren zu heiraten. Als sie sich schon als alte Jungfer enden sieht verliebt sie sich in den Nachbarsjungen. Und auch dieser spricht auf Souad an.

Schließlich beginnen die beiden eine Liebesbeziehung, die aber vor den anderen Leuten und Souads Familie streng geheim gehalten werden muss. Faiez und Souad möchten gerne heiraten und er verspricht, mit Ihrem Vater zu sprechen. Bevor jedoch etwas entschieden wird, stellt Souad fest, dass sie schwanger ist. Zunächst steht Faiez zu ihr, aber eines Tages ist er aus dem Dorf verschwunden.
Souads Eltern bemerken schließlich die Schwangerschaft und der Schwager kommt um Souad zu verbrennen.
Die damals 17-jährige Souad kann über die Felder fliehen und wird von anderen Frauen im Dorf gelöscht. Danach kommt sie in ein Krankenhaus, wo sie aber nur geduldet und nicht behandelt wird. Ihr Sohn Marouan wird dort geboren, ihr aber sofort weggenommen. Und ihre Mutter versucht noch, sie zu vergiften, um den Mord endgültig abzuschließen und die Ehre wieder herzustellen.

Dort wird Jaqueline, eine Mitarbeiterin von Terre des Hommes, auf Souad aufmerksam und möchte ihr helfen. Mit viel Geschick schafft sie es mit Hilfe der Behörden die Zustimmung der Eltern zu bekommen, Souad aus dem Westjordanland zu schaffen. Den Eltern ist geholfen, weil die Tochter dadurch ja kein Ehren-Problem mehr darstellt. Jaqueline findet auch Souads Sohn Marouan wieder und bringt die beiden in die Schweiz, wo Souad 9 Monate behandelt wird und immer wieder Transplantationen der Haut vorgenommen werden.

Nach dieser Zeit kommt Souad mit ihrem Sohn in eine Pflegefamilie. Dort lernt sie, mit dem Leben hier zurechtzukommen und ihre schlimme Kindheit zu verarbeiten. Sie gibt Marouan zur Adoption frei und ihre Pflegeeltern adopitieren ihn.
Schließlich möchte Souad dann herausfinden, ob sie noch Frau ist und verliebt sich wieder in einen Mann. Nach langer Zeit heiraten die beiden weil Souad sich ein Kind wünscht und dies aber nur in geregelten Verhältnissen für sie vorstellbar ist. Erst wird ihre Tochter Laetizia und später dann noch Nadia geboren.
Sie führt Ihre Töchter ganz langsam an Ihre Vergangenheit hin und je älter sie werden, um so mehr erfahren sie. Jedoch von ihrem Bruder Marouan wissen sie nichts.

Erst als Souad anfängt im Radio ihre Geschichte zu erzählen und auch für Hilfsorganisationen spricht, erfahren die Mädchen immer mehr über ihre Mutter.
Schließlich nimmt auch Marouan, den Souad nie vergessen hat und die auch immer über sein Leben informiert wurde, wieder Kontakt zu seiner Mutter auf, um mehr über sein Leben uns seine Vergangenheit zu erfahren.

Am Ende lernen sich Souads "neue" Familie und Ihr Sohn kennen und wohnen unter einem Dach.

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Das Buch beschreibt am Anfang sehr ausführlich die Geschichte von Souad aus Ihrer eigenen Sicht. Ab dem Tag des Ehrenmordes erzählt Jaqueline das Buch weiter, weil Souad ja im Krankenhaus mehr tot als lebendig war.
Zum Schluss berichtet Souad wieder selbst, wie sie sich in das Leben in Europa nur schwer integrieren konnte und auch ihre Vergangenheit nie ganz hinter sich lassen kann.

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Das Buch ist teilweise sehr brutal geschrieben, wer schlechte Nerven hat sollte es sich überlegen.
Man wird jedoch nicht leicht einen so nahen Bericht über ein solch ernstes Thema bekommen.
Nach diesem Buch kann man sich vorstellen, warum das dort funktioniert, die Frauen zu unterdrücken - sie kennen nichts anderes, also muss es normal sein.

Für uns völlig unvorstellbar und leider doch wahr - um am schlimmsten: Noch immer werden Frauen deshalb ermordet.

Das Buch hat 286 Seiten aufgeteilt auf 19 Kapitel. Die ersten 10 werden von Souad erzählt. Dann erzählt Jaqueline 2 Kapitel, anschließend wieder Souad. Das drittletzte Kapitel erzählt dann nochmal Jaqueline aus ihrer Sicht.
Das Buch ist sehr einfach in der Wortwahl, erklärt sehr gut und lässt sich absolut flüssig lesen, ohne immer nachlesen zu müssen, wer wer ist.

18 Bewertungen, 9 Kommentare

  • gerrhosaurus1978

    17.07.2007, 00:06 Uhr von gerrhosaurus1978
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG, Daniela

  • Puenktchen3844

    16.07.2007, 01:51 Uhr von Puenktchen3844
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH Liebe Grüße Wilfriede

  • margy

    15.07.2007, 21:49 Uhr von margy
    Bewertung: sehr hilfreich

    superbericht und eine eindeutige eigene meinung. lg margy hab selbst das buch schon gelesen und fand es einfach erschütternd und menschenunwürdig, wie im westjordanland mit mädchen und frauen umgegangen wird

  • Prisca

    15.07.2007, 17:35 Uhr von Prisca
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich finde auch, Bücher dieser Art solte jeder von Zeit zu Zeit mal lesen, damit man nicht vergisst, das so etwas leider auch heute noch immer wieder passiert. In diesem zusammenhang kann ich auch: Mein Schmerz trägt deinen Namen sehr empfehlen, ist themati

  • Nina1805

    15.07.2007, 16:55 Uhr von Nina1805
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hey! Wie wärs mit Gegenlesen? 20=20 Berichte? Schönen Sonntag noch. SH!

  • Mondlicht1957

    15.07.2007, 16:30 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH LG pet

  • tozimmer

    15.07.2007, 15:49 Uhr von tozimmer
    Bewertung: sehr hilfreich

    S.H. . lg Tobias

  • swissghostly

    15.07.2007, 15:12 Uhr von swissghostly
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreicht. Würde mich übrigens über Gegenlesungen sehr freuen.

  • Gemeinwesen

    15.07.2007, 15:01 Uhr von Gemeinwesen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Vor und nach dem Wort Ehrenmord fehlen An- bzw. Abführungeszeichen, finde ich. Beste Grüße vom Gemeinwesen.