Sozialwissenschaften Allgemein Testbericht
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Erfahrungsbericht von Anachronistin
Pädagogische Möglichkeiten...
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Pädagogische Möglichkeiten der Einflussnahme gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt
(geschrieben im 1. Semester des Studienganges Sozialarbeit/-pädagogik)
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. Grundlegende pädagogische Fragestellung:
Wo liegen mögliche Ursachen für die Zunahme rechtsextremistischer Gewalttaten?
3. Vorurteile und Fakten
4. Pädagogische Leitlinien
4.1. Persönlichkeitsprofil demokratischer Sozialpädagogen
4.2. Der demokratische Lehr- und Erziehungsstil
4.3. Entwicklung einer Streitkultur als Aufgabe der Erziehung
5. Schlussbetrachtungen
6. Literaturquellen
1. Einleitung
Das von mir gewählte Thema stellt eine breite Problematik dar, welcher noch immer nicht die Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, die hier angemessen wäre.
Die Worte : „Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt“ lösen bei vielen Menschen Abwehr aus.
In dem von mir u.a. bearbeiteten Buch, “Pädagogik gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt“, ist die Rede von Lehrern, doch gemeint sind alle pädagogisch arbeitenden Menschen. Sie haben einen Beruf gewählt, in dem sie die Möglichkeit haben, Einfluss zu nehmen, auf Menschen einzuwirken, und deren Sinne zu schärfen für die lebendige Umwelt, die uns umgibt. Diese unsere Umwelt bietet mittlerweile ein immer „besseres“ Milieu für nicht geahndetes Unrecht. Menschen werden aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Sprache, wegen ihres nicht deutsch genug - Seins verfolgt, verprügelt und totgeschlagen. „Neonazis marschieren auf, verkünden ihre ausländerfeindlichen und antisemitischen Parolen und präsentieren ihre Embleme“ (Becker/Coburn-Staege, 1994, S.7). Angesichts dieser Situation ist es nötig, endlich die Augen zu öffnen und mit dem nötigen Ernst an das Problem heranzugehen.
Mit dem Zitat einer Definition des Verfassungsschutzes will ich auf die problematische Thematik meiner Hausarbeit überleiten.
„Das Ziel von Rechtsextremisten ist ein autoritärer oder totalitärer Staat. Sie predigen einen Nationalismus oder Rassismus, der sich gegen die Völkerverständigung richtet. Viele Rechtsextremisten zeigen eine aggressive Juden- und Fremdenfeindlichkeit. Anschläge auf Asylbewerberheime und jüdische Gedenkstätten, die Ermordung ausländischer Mitbürger beweisen ihre Gefährlichkeit.“ (http://www.verfassungsschutz.de/aufgaben2.htm)
2. Grundlegende pädagogische Fragestellung
Wo liegen mögliche Ursachen für die Zunahme rechtsextremistischer Gewalttaten?
Georg E. Becker, einer der Autoren des vorliegenden Buches (siehe Literaturquellen), hat sich insbesondere mit dieser Frage befasst. Er gibt zu bedenken, dass es aufgrund der Multikausalität längst nicht mehr möglich ist, alle erdenklichen Ursachen zu betrachten und anzuführen. Jedoch sollen vor allem jene Verursachungsschwerpunkte beleuchtet werden, die für pädagogisch arbeitende Menschen von Interesse sind.
Optimistisch ist, wer an das Gute im Menschen glaubt, doch wenn man täglich die Bilder in den Medien verfolgt, gerät man leicht ins Zweifeln. Und dies nicht grundlos.
„Unsere Schüler sind nicht nur lieb und nett, sofern wir ihnen mit Liebe und Verständnis begegnen – so wie es uns die Vertreter humanistischer Ansätze des Lehrens und Lernens suggerieren möchten (vgl. Gage/Berliner 1979, S.604ff.). Sie können auch zu Bestien und Ungeheuern werden, Brandflaschen basteln, Unterkünfte abfackeln, wehrlose Menschen mit Springerstiefeln traktieren. In bestimmten Konstellationen werden Menschen destruktiv und bestialisch. Wir haben diese Bestien in Gestalt der SS-Schergen und Massenmörder erlebt, und es gibt sie heute unter den Kriegsverbrechern im ehemaligen Jugoslawien. Und hin und wieder entpuppen sich auch Kinder oder Jugendliche als Ungeheuer, wenn sie Aufhängen spielen, sich an den Ängsten ihrer Opfer weiden oder ihre Spielkameraden umbringen.“ (Becker/Coburn-Staege, 1994, S.14/15)
Die Ursachen für rechtsradikale Gewalttaten sind breit gestreut, weshalb es auch in Zukunft schwierig sein wird, gegen diese Gewalttäter vorzugehen. Die alten Nazis erzählen ihre Geschichten vom guten Adolf, der die Arbeitslosen von der Straße holte, der die Autobahnen bauen ließ, die Kriminalität erfolgreich bekämpfte, der nach dem Diktat von Versailles Deutschland wieder zu nationaler Größe führte, und der für die Judenvernichtung nicht verantwortlich gemacht werden darf, weil es sie gar nicht gab.
Im Zeitalter der Massenarbeitslosigkeit, in dem wir uns befinden, sind die Kinder und Jugendlichen verunsichert. Sie schauen einer perspektivlosen Zukunft entgegen, vielen von ihnen mangelt es an Vorbildern und wirklichen Bezugspersonen. Besonders benachteiligte Jugendliche, die im sozialen Abseits stehen und zu Außenseitern gemacht werden, suchen wie alle anderen nach sozialer Bestätigung, nach Anerkennung durch eine Gruppe, nach dem
Wir-Gefühl. Einige dieser Jugendlichen geraten in die Fänge rechtsextremer Gruppierungen. Diese Gruppen sind gekennzeichnet durch ihre hierarchische Struktur, ähnlich einer Hackordnung. Es ist erschreckend, mit welcher großen Bereitschaft ein „Führer“ oder ein „Führerkollektiv“ anerkannt und akzeptiert wird. Die meisten Mitglieder ordnen sich bereitwillig unter, bei anderen wird es mehr oder weniger erzwungen. Das Gemeinschaftsgefühl wird aufrechterhalten durch Rituale und scheinbare Kameradschaft der Mitglieder untereinander. In Wirklichkeit ist der Einzelne nicht mehr als ein kleines Licht, ersetzbar und problemlos austauschbar. Die Strenge und Härte wird von den Unteren als wichtig und richtig angesehen. Diese hierarchische Struktur mit all ihren Regelungen bringt Ordnung und neue Ziele in das Leben der abgelehnten Außenseiter.
Unter den Mitverursachern rechter Gewalt finden sich die auf Profitmaximierung fixierten Medienproduzenten, sensationslüsterne Reporter und auf hohe Einschaltquoten bedachte Programmdirektoren. Unkontrollierbare Sozialisationsprozesse laufen durch übermäßigen Fernsehkonsum ab; modellhaft bekommen die Kinder Gewalttaten vorgeführt, wobei die Täter erfolgreich erscheinen.
„Die fremdenfeindlichen Aktionen werden vermutlich so lange weitergehen, bis sich im Bewusstsein der Politiker, Bürger und Lehrer die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass wir auf den Zuzug von Ausländern angewiesen sind, wir schon längst in einer multikulturellen Gesellschaft leben und zur Problembewältigung ein Einwanderungsgesetz benötigen, das dem unkontrollierten Zuzug entgegenwirkt.“ (Becker/Coburn-Staege, 1994, S.20)
Besonders hervorzuheben ist die besondere Problematik der Fehler, die bei der Vereinigung Deutschlands gemacht worden sind. Zwar gab es rechte Gewalt schon vor dem Mauerfall im Jahre 1989, aber es ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, seit der Auflösung der DDR, weshalb ein Zusammenhang zu vermuten ist. Den neuen Bürgern wurde vollmundig sehr viel versprochen, entsprechend hoch waren die Erwartungshaltungen, adäquat dazu entwickelten sich die Enttäuschungen. Das Wegbrechen der Märkte im Osten, die Verzögerung des Aufbaus Ost, der ganz Deutschland betreffende Konjunkturrückgang, das sinkende Bruttosozialprodukt, die Privatisierung der Betriebe um jeden Preis, die Schließung einiger Betriebe zur Ausschaltung innerdeutscher Konkurrenz, die Treuhand- und Einigungsgewinnler, Immobilienhaie und Versicherungsbetrüger, Wendehälse und Stasiseilschaften, die unkritische Übernahme aller westdeutschen Rechts- und
Verwaltungsvorschriften ließen in weiten Kreisen der ostdeutschen Bevölkerung ein resignatives Sozialklima und Mutlosigkeit aufkommen.
Familienangehörige wurden plötzlich arbeitslos und die Jugendlichen finden keinen angemessenen Ausbildungsplatz. Da die sozialistischen Freizeitangebote gestrichen worden sind, ohne Alternativen anzubieten, tat sich vor den Jugendlichen eine große Leere auf. Damit war eine spezifische Empfänglichkeit gegeben, die einen Teil der Jugendlichen dazu veranlasste, sich rechten Gruppierungen anzuschließen.
Lange Zeit wurde die Brisanz der rechtsradikalen Situation unterschätzt, von Seiten des Staates, aber auch von einem Großteil der Bevölkerung. Rechte Gewalttaten wurden verharmlost, während Polizei und Justiz ratlos, unsicher und überfordert waren. Es gab Versäumnisse in der Sozial-, Familien- und Wohnungspolitik. Mit dem besonderen Phänomen der Nation, der nationalen Identität und dem Nationalgefühl fand eine nur unzureichende Auseinandersetzung statt. Ebenso wenig Beachtung schenkte man den Sozialisationsdefiziten, welche die Gewaltbereitschaft erhöhen.
Dies sind bei weitem nicht alle Ursachen der rechtsextremen Gewalt. Und trotz der erdrückenden Fülle von Ursachen darf man nicht müde werden, nach weiteren zu suchen, denn nur so können die Fehler und Schwachstellen unseres Sozialsystems aufgedeckt werden, damit künftigen gewalttätigen Bewegungen entgegengewirkt werden kann, und systemische Änderungen erreicht werden.
3. Vorurteile und Fakten
Vorurteile gegenüber „den Anderen“ vermehren sich wie ein Lauffeuer in Deutschland. Sie breiten sich rasend schnell aus, und setzen sich in den Köpfen derer fest, die nicht nachdenken wollen, die angewiesen sind auf diese Art der primitiven Propaganda gegen ausländische Menschen.
Vorurteile lassen sich mit Argumenten bekämpfen.
Im Folgenden werden die häufigsten, zur Diskriminierung führenden Vorurteile dargestellt und beleuchtet, um die wahren Hintergründe mit Fakten zu belegen.
a) „Die Ausländer nehmen uns die Wohnungen weg.“
Preiswerter Wohnraum ist Mangelware für alle Bevölkerungsgruppen. Und für Ausländer gestaltet sich die Wohnungssuche oftmals schwieriger als für Deutsche, da viele Wohnungen noch immer nicht an Menschen anderer Nationalität vermietet werden. Lange Jahre haben Ausländer notgedrungen den Wohnraum genutzt, den niemand wollte: Aufgrund ihrer Einkommenssituation und aufgrund von Vorurteilen bei vielen Deutschen war ihnen auch oft der Zugang zu besseren Wohnungen verwehrt. So waren sie gezwungen, die für die Deutschen weniger attraktiven Wohnungen zu beziehen.
Viele Altbauten wären damals ohne Vermietung sicher abgerissen worden. Noch heute kann man anhand der Konzentration ausländischer Mieter in bestimmten Bezirken Berlins erkennen, wo der höchste Bestand an Wohnräumen mit geringem Komfort besteht.
Wohnungsbauprogramme müssen Abhilfe schaffen, und zwar für alle, unabhängig von ihrer Nationalität.
b) „Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg.“
Trotz der hohen Arbeitslosigkeit gibt es in Deutschland unbesetzte Arbeits- und Ausbildungsplätze.
Ausländer schaffen zunehmend Arbeitsplätze auch für Deutsche. Rund 8000 ausländische ehemalige Arbeitnehmer sind inzwischen Berliner Unternehmer.
Ein Wegzug von Ausländern aus Berlin würde Arbeitsplätze kosten. Der Verlust an
Bevölkerung würde einen einschneidenden Nachfrageverlust für Konsumgüter und
Dienstleistungen bedeuten. Und schwindende Nachfrage führte als erstes zu Produktionseinschränkungen und Stellenabbau.
c) „Die Ausländer senken unseren Bildungsstandard.“
Entspräche dies der Realität, müssten die Hauptschulen von deutschen Schülern überlaufen sein. Aber das Gegenteil ist der Fall: Der Anteil der deutschen Schüler, die auf ein Gymnasium oder eine Realschule überwechseln, ist in den letzten Jahren enorm gestiegen.
Auch wenn immer mehr ausländische Schüler einen höheren Schulabschluss erreichen, ist das angestrebte Ziel der Chancengleichheit noch lange nicht erreicht.
d) „Wir brauchen die Ausländer nach der Vereinigung Deutschlands gar nicht mehr.“
Die Bezeichnung „Ausländer“ wird den meisten hier lebenden Menschen, die nicht im Besitz eines deutschen Passes sind, schon lange nicht mehr gerecht. Viele von ihnen sind hier geboren und leben in 2. oder 3. Generation in Deutschland.
e) „Es gibt zu viele Ausländer in Deutschland.“
Deutschland ist keineswegs ein Land mit besonders hohem Ausländeranteil; in Luxemburg, in der Schweiz, in Belgien und in Frankreich ist der Anteil ausländischer Bürger wesentlich höher.
Natürlich kann die Bundesrepublik Deutschland kein Land mit offenen Grenzen für Einwanderer sei. Integration und Begrenzungspolitik gehören zusammen. Nur so kann das Zusammenleben gelingen.
f) „Die Ausländer überschwemmen unser Land.“
Die Bundesrepublik hat in der Zeit von 1955 bis 1973 rund 14 Millionen Ausländer als Arbeitskräfte angeworben. Arbeitskräfte wurden derzeit in vielen Bereichen der Industrie dringend benötigt, obwohl es auch damals eine nicht unerhebliche Zahl an Arbeitslosen gab. Doch für die zu besetzenden Stellen konnten die Arbeitslosen nicht gewonnen werden, daher suchte man Arbeitskräfte im Ausland.
Von den 14 Millionen ausländischen Arbeitnehmern sind übrigens 11 Millionen freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt.
Die von der ehemaligen DDR angeworbenen ausländischen Vertragsarbeitnehmer lag,
prozentual gesehen im Vergleich zu anderen Industriestaaten, bei der verschwindend geringen Zahl von 1%.
g) „Die Ausländer überfremden uns.“
Wie soll ein Ausländeranteil von 8,4% der gesamtdeutschen Bevölkerung 91,6% der Bevölkerung überfremden (http://www.brill.de/eschweiler/auslaend.htm, 4/1999)? Selbst da, wo der Ausländeranteil höher ist, z.B. in Berlin-Kreuzberg, kann jeder selbstbestimmt leben. Und auch an den Döner-Kebab-Imbissständen kann sich wohl niemand stören, denn diese existieren zum Großteil wegen der Nachfrage deutscher Bürger.
Weiterhin ist zu bedenken, dass die meisten Ausländer, die hier geboren wurden, ihre Muttersprache wesentlich schlechter sprechen als die deutsche.
h) „Die Ausländer wollen sich nicht anpassen.“
Gerade das Leben in einer modernen Industriegesellschaft erfordert ein hohes Maß an Anpassung: z.B. an die Sprache, an die Arbeitsteilung, an Unterricht und Ausbildung, an die Gesetze, an die Arbeitsdisziplin, an die strenge Zeiteinteilung, an den Straßenverkehr und vieles mehr.
Doch innerhalb der von unserer Verfassung und von den Gesetzen vorgegebenen Grenzen hat jeder ein Recht auf Selbstbestimmung, sei es die Kleidung, die Religion, die Frisur oder die politische Meinung.
i) „Wo viele Ausländer leben, wächst die Ausländerfeindlichkeit.“
Dort, wo Ausländer und Deutsche enger zusammenleben, kommen sie in der Regel gut miteinander aus. Fremdenfeindliche Parolen fallen dort auf keinen guten Nährboden, denn das Zusammenleben ist schon zur Selbstverständlichkeit geworden.
Dort aber, wo man sich nicht kennt, können Feindbilder erfunden werden. Wenn dann noch ohnehin vorhandene Ängste und Aggressionen genutzt werden, finden menschenverachtende Thesen, Überfremdungsängste und Konkurrenzneid ein offenes
Ohr.
Und gerade in den neuen Bundesländern und den östlichen Bezirken Berlins gibt es ein höheres Maß an Vorbehalten, Ablehnung und Ausländerfeindlichkeit. Kontakte zu Ausländern waren in der DDR vom Staat unerwünscht oder gar verboten. Ausländische Arbeitnehmer wohnten isoliert vom Rest der Bevölkerung in Wohnheimen. Aufgrund dessen haben die Menschen keine Gelegenheit gehabt, ein normales Zusammenleben mit ausländischen Zuwanderern zu erfahren.
j) „Ausländer sind krimineller als Deutsche.“
Die Belastungsziffer wird zuungunsten der ausländischen Wohnbevölkerung erhöht. Dies geschieht dadurch, dass den hier lebenden Ausländern die Straftaten von Illegalen, Durchreisenden und Touristen angelastet wird.
Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht, die von den Deutschen nicht begangen werden können, tauchen in der Kriminalitätsstatistik auf und verzerren die Belastungsziffer.
Die Tatsache, dass zur deutschen Bevölkerung anteilig sehr viel mehr ältere und weniger jüngere Menschen zählen als zur ausländischen Bevölkerung, müsste bei einem Kriminalitätsvergleich berücksichtigt werden. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Straftaten mit zunehmendem Alter wesentlich seltener begangen werden.
Die Kriminalität des einzelnen ist stark abhängig von seiner gesellschaftlichen Stellung. Da die Deutschen durchschnittlich über weit bessere Bildungs-, Erwerbs- und Einkommensvoraussetzungen verfügen als Ausländer, fällt ihre Belastungsziffer günstiger aus.
Keinesfalls jedoch darf Kriminalität verharmlost werden; die Nationalität der Straftäter spielt dabei keine Rolle.
k) „Unsere Wirtschaftskraft zeigt unsere Überlegenheit gegenüber den Ausländern.“
Die Wirtschaftskraft ist nicht das Ergebnis des Nationalcharakters, sondern gründet sich auf die freiheitliche Verfassung und die soziale Marktwirtschaft.
Dass sich die Bundesrepublik Deutschland zu einem der führenden Industriestaaten entwickeln konnte, ist natürlich auch auf den Einsatz der in ihrer Wirtschaft und
Verwaltung Beschäftigten zurückzuführen. Selbstverständlich gehören dazu auch Ausländer, die unseren Wohlstand mit erarbeitet haben.
Zum Aufbau der Wirtschaft in Ostdeutschland werden sowohl von Ausländern wie von Deutschen Investitionen, Initiative und Flexibilität benötigt.
l) „Die Ausländer liegen uns auf der Tasche.“
Von den in der durch die Bundesrepublik angeworbenen 14 Millionen Ausländern, sind 11 Millionen freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt.
Wer hier geblieben ist, der zahlt Steuern, Beiträge zur Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung. Aufgrund dessen hat auch jeder Ausländer ein Recht auf die Nutzung von Sozialleistungen, wie z.B. der Altenbetreuung. Diese Leistungen werden jedoch von Ausländern weit weniger in Anspruch genommen, denn viele Ausländer der ersten Generation kehren bei erreichen des Rentenalters wieder in die Heimat zurück.
m) „Die Zahl der Ausländer könnte durch Rotation begrenzt werden.“
Für ein Industrieland ist ein Rotationsmodell, nach dem Arbeitnehmer für einen begrenzten Zeitraum hier arbeiten könnten, und dann wieder ausreisen müssten, blanker Unsinn. Welcher Betrieb wollte permanent Arbeitskräfte einarbeiten, um sie dann rauszuwerfen?
n) „Der Asylmissbrauch muss ein Ende finden.“
Westeuropa wird mit seinem hohen Lebensstandard von vielen Menschen aus der Dritten Welt und aus Osteuropa als neuer Einwanderungskontinent angesehen.
Eine Herausforderung, auf die wir noch ungenügend vorbereitet sind.
4. Pädagogische Leitlinien
4.1. Persönlichkeitsprofil demokratischer Sozialpädagogen
Die Kennzeichen lauten:
- intellektuelle Neugier und Freude an geistiger Arbeit,
- Empathie und Freude am Umgang mit Klienten,
- Engagement und Interesse an deren fortschreitender Entwicklung,
- Bereitschaft zur Übernahme einer Modellfunktion,
- Autonomie und emotionale Ausgeglichenheit,
- Widersprüche in beruflichen Situationen gelassen ertragen, dabei unterschiedliche
Erwartungen prüfen, aber doch autonom handeln (Ambiguitätstoleranz),
- Zivilcourage und Bereitschaft zum Widerstand.
Die Ursachenforschung zur Problematik wird intensiv betrieben, was sehr wichtig ist. Doch sollte darüber hinaus nicht vergessen werden, dass endlich gehandelt werden muss. Nur so können wir gegen die zum Großteil bestehende Hilflosigkeit und Mutlosigkeit angehen. Sozialarbeit braucht pädagogische Leitlinien, Wege, die aus der Gewalt führen.
„Widerstand ist angesagt, wenn Skins, Alt- und Neonazis die Grundrechte außer Kraft setzen und diesen Staat verändern wollen, wenn Ausländer um ihr Leben bangen müssen, Menschen anderer Hautfarbe ermordet, Behinderte angepöbelt, Gedenkstätten und jüdische Friedhöfe geschändet werden. Voraussetzung ist die Kenntnis demokratisch legitimierter Formen des Widerstandes, das Recht, sich zu solidarisieren, sich zu versammeln, zu diskutieren, zu demonstrieren, zu publizieren, sich in Eingaben an die politisch Verantwortlichen zu richten oder durch ein entsprechendes Wahlerhalten dem Protest Ausdruck zu verleihen. Widerstand ist auf allen Ebenen gefordert, so z.B. im Klassenzimmer, wenn Nazi-Symbole auftauchen, Türken- oder Judenwitze erzählt werden, wenn es zu Gewalttätigkeiten kommt oder ausländische Mitschüler gehänselt werden.“ (Becker/Coburn-Staege, 1994, S.50)
4.2. Der demokratische Lehr- und Erziehungsstil
Der genannte „Führungsstil“ kennzeichnet sich durch die besagte demokratische Grundhaltung. Diese basiert auf der grundlegenden Akzeptanz und Toleranz der Individualität und Eigenständigkeit eines jeden Menschen. Die Wertschätzung des Einzelnen, die Achtung und der Schutz der Menschenwürde haben oberste Priorität.
Ziel ist die Förderung autonomer Handlungsweisen, das sich bewusst- sein der Eigen- und Selbständigkeit, sowie die Herausbildung einer kritischen und problembewussten Grundhaltung.
Jeder Führungsstil beinhaltet, dass ab und an Anordnungen gegeben werden müssen. Diese sollten jedoch stets zum besten Verständnis begründet werden. Es sollen keine Befehle befolgt werden, sondern im Einvernehmen der gesamten Gemeinschaft oder Gruppe beschlossene Regeln.
4.3. Entwicklung einer Streitkultur als Aufgabe der Erziehung
Konflikte zwischen einzelnen und Gruppen sind in dieser Welt Normalität. Sie sind die natürliche Folge menschlichen Zusammenlebens. Das Problem ist nicht, ob es Konflikte gibt, sondern, wie diese ausgetragen werden, d.h. wie die Konfliktpartner miteinander streiten.
Das Problem der Gewalt wird nicht durch Ächtung oder Tabuisierung des Streitens aus der Welt geschafft, sondern dadurch, dass Menschen eine Streitkultur entwickeln. Wenn Menschen richtig streiten können, brauchen sie nicht gewalttätig zu werden.
Streiten-Können setzt eine Reihe von Fertigkeiten voraus. Das Vorhandensein dieser setzt eine gewisse Entwicklung voraus, deren Gelingen abhängig ist von lebensgeschichtlichen Hintergründen des „Streitenden“, Standards seiner Peergroup und den Werten und Normen der näheren und weiteren gesellschaftlichen Umgebung.
Eine entscheidende Voraussetzung für richtiges Streiten ist eine nicht bedrohliche, akzeptierende Grundhaltung der Streitpartner, welche allerdings bei den wenigsten Menschen anzutreffen ist. Das Erlernen dieser „Kunst“ des Streitens erfordert Zeit und Geduld, denn wie in jedem Entwicklungsprozess kommt es auch hier häufig zum „Rückfall“ in alte, gewohnte Verhaltensmuster.
„In der Methodik des Streiten-Lehrens haben sich u.a. folgende Maßnahmen bewährt, die freilich nicht ausnahmslos für alle Situationen passen:
- Perspektiv-Wechsel einüben, d.h. die Lerner anleiten, sich in die Gefühle, Wünsche und Ängste des Streitpartners hineinzuversetzen.
- Die Fähigkeit, eigene Wünsche und Gefühle zu erkennen und zu formulieren, wird gefördert, wenn die Lerner über Gefühle sprechen, meditativ in sich selbst hineinhören, ihre Gefühle aussprechen oder in Bildern und Symbolen ausdrücken.
- Üben, im Streit kreativ Lösungen zu suchen und zu finden, die für alle Beteiligten befriedigend wirken: in Gruppengesprächen, Rollenspielen, bildnerischen Formen etc.
- Wichtig ist auch das Vorleben einer akzeptablen Streitkultur durch die Erzieher selbst: Partnerschaftlichkeit, Argumentation und akzeptierendes Verhalten als Prinzip des Umgangs miteinander müssen konsequent aufrechterhalten werden.
- Aufklären über Störungen in der Streitkultur: z.B. über Sündenbock-Rollen, die Bedeutung von Vorurteilen für Gewaltbereitschaft, die Bedeutung von struktureller Gewalt für das soziale Klima.
- Konsequente Konfrontation mit unangemessenem Streitverhalten und – bei allen sich bietenden Gelegenheiten – Einüben von richtigem Streiten.“
(Becker/Coburn-Staege, 1994, S.293/294)
5. Schlussbetrachtungen
Im Rahmen dieser Hausarbeit ist es nicht möglich, alle Bereiche tiefgründig und mit dem nötigen Umfang zu bearbeiten. Doch galten meine Bemühungen insbesondere der praxisbezogenen Anwendbarkeit, den Möglichkeiten, pädagogisch einzugreifen. Und genau das ist der springende Punkt.
Es gilt, das Schweigen zu brechen, Tabus an die Öffentlichkeit zu tragen, zum Nachdenken anregen, helfend eingreifen, wenn einem anderen Unrecht geschieht.
Die Aufgabe der Sozialpädagogik liegt darin, Menschen wachzurütteln, zum Nachdenken anzuregen. Es ist erschreckend, wie viele Menschen schon aufgegeben haben, wie viele nicht mehr denken. Diese Leute suchen direkt nach einem Führer, zu dem sie aufschauen können, dem sie sich unterordnen wollen, wobei sie sich der Verantwortung entziehen. Aus dieser Position ist es sehr einfach, dem Trend des „gegen etwas seins“ zu folgen.
Es müssen erreichbare Ziele geschaffen werden, die für jeden einzelnen greifbar sind, die einen Anreiz zur Eigeninitiative bieten.
Die Bundesrepublik Deutschland steht vor einer großen Aufgabe, denn es sind gesamtpolitische Veränderungen vonnöten, um der Gewalt entgegenzutreten.
An dieser Stelle möchte ich Karlheinz Ohle zitieren, der in seinem Buch, „Das Ich und das Andere – Grundzüge einer Soziologie des Fremden“, (1978), von folgenden Hauptprämissen ausgeht:
„1. Fremdes ist eine wichtige Wurzel für alles Soziale, gewissermaßen als konstituierendes
Merkmal.
2. Fremdheit ist deshalb auch unbedingt notwendig für die Entwicklung der individuellen
Identität und Verhaltenssicherheit.
3. Das Fremde hat sowohl abschreckende wie auch reizvolle, d.h. attraktive Valenz. Konkret
sei erinnert an unsere touristischen Verhaltensweisen, wobei der Reiz des Fremden die
deutschen zu Reiseweltmeistern gemacht hat, andererseits die deutsche Gesellschaft
ziemlich verstört reagiert, wenn viele Fremde unser Land mindestens genauso attraktiv
finden. – Ist Ambivalenz bzw. Widersprüchlichkeit menschlicher Verhaltensweisen auf
diesem Hintergrund eigentlich noch steigerbar?“
6. Literaturquellen
1. Becker/Coburn-Staege (1994): Pädagogik gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und
Gewalt
Beltz Verlag
Weinheim und Basel
2. John, Barbara (1991): Ich hab nichts gegen Ausländer, aber...
7. überarbeitete und aktualisierte Ausgabe
Verwaltungsdruckerei Berlin
3. http://www.verfassungsschutz.de/aufgaben2.htm
4. http://www.brill.de/eschweiler/auslaend.htm
20 Bewertungen, 4 Kommentare
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03.01.2006, 12:04 Uhr von Angelina88
Bewertung: sehr hilfreichSchöner Bericht. <br/>LG, Angelina (würd mich über Gegenlesungen freuen ;-)
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08.06.2002, 13:38 Uhr von LoMei
Bewertung: sehr hilfreichViele waren oft Fremde im Ausland. Daran sollten sie sich erinnern. Gruß, Lothar.
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05.06.2002, 05:30 Uhr von Andreas68
Bewertung: nicht hilfreichFremdes bereichert. Bleibt zu hoffen, dass es in der Zukunftswelt noch Fremdes gibt. In Hellersdorf wurden am 1. Mai die Demonstranten wieder mit Steinen beworfen. Insgesamt: Danke.
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04.06.2002, 17:38 Uhr von Indigo
Bewertung: sehr hilfreichAngesichts dessen, was hier sonst so veröffentlicht wird, müßte in viele Gästebücher geschrieben werden, wie nützlich es doch wäre, diese Hausarbeit zu lesen.
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