Star Trek - Enterprise (Serie V) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Rebba

Überraschungen und Bewährtes

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

An einem Sonntag im Mai ging ich in die Videothek, um mir etwas für einen gemütlichen, faulen Nachmittag auszuleihen.
Völlig überrascht sah ich die Pilotfolge des neuen Star Trek Ablegers "Enterprise" in den Regalen stehen, lieh es schnell aus (Sci-Fi ist bei uns in der Videothek immer so schnell vergriffen) und freute mich sehr darauf.
Naja, es waren eher gemischte Gefühle, da gerade Piloten sich oft durch eine Zähigkeit der Geschichte auszeichnen. Ist ja auch klar, die handelnden Personen müssen vorgestellt werden und eine Einführung in den allgemeinen Serienzusammenhang gibt es meistens auch noch.
Aber ich wurde angenehm überrascht.
Ohne großes Tamtam tauchten die entsprechenden Protagonisten auf und die Handlung wurde auch flott vorangetrieben.

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Allgemeines
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Gene Roddenberry (Der "Erfinder" von Star Trek) vertrat lange Zeit seines Lebens die Ansicht, dass es nicht klug sei, gegen eine Legende wie das "Star-Trek" Original anzutreten. Es wäre wohl besser, weiterhin eine Reihe von in sich abgeschlossenen Fernsehfilmen dieser Serie zu drehen.
Tja , ich denke, dass schon die diversen Ableger wie Next Generation, Voyager und Deep Space Nine mehr oder weniger gezeigt haben, dass Mr. Roddenberry irrte.

So und nun wieder zum neuesten Produkt, der "Enterprise".
Womit wir ja bei einem kleinen Problemchen wären. Hieß denn die alte Serie vor über 30 Jahren nicht schon so? Stimmt! Hierzulande denkt man sich ja oft unpassende Titel für eine Serie aus, obwohl sie im Original treffend beschrieben wird. So war es auch hier.
Aus der von 1966 bis 1969 von der Produktionsfirma Desilu (für die ersten beiden Staffeln) und (für die 3. und gleichzeitig letzte Season) von Norway Corp. Paramount gedrehten Fernsehserie "Star Trek" wurde in Deutschland "Raumschiff Enterprise". Und nun heißt sie wieder Enterprise, aber ohne Raumschiff.

Diese neue Serie spielt auch noch verwirrenderweise im zeitlichen Ablauf vor der allerersten Staffel, also ein sogenanntes Prequel.


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Inhalt
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(nur kurz, weil gerade die Handlung von Serienteilen meiner Meinung nach eigentlich nicht vorher verraten werden sollte)

Ganz allgemein tauchen in dieser Folge altbekannte Weltraumspezies auf: Die Menschen, die Vulkanier und die Klingonen.
Ein schwerverletzter, im Koma liegender Klingone soll auf seinen Heimatplaneten gebracht werden. Dazu wird die neueste technische Errungenschaft der Menschen gebraucht, nämlich die Enterprise.
Auf dem Flug dorthin geschehen nun allerlei technische Pannen, mysteriöse Dinge und zwischenartliche Verwicklungen.


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Hau ptrollen und ihre Darsteller
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1. Captain Jonathan Archer [-Scott Bakula-]
Bekannt aus der Serie "Zurück in die Vergangenheit"; hat lobenswerterweise seine Synchronstimme daraus übernommen. Man muss sich also nicht an eine neue Stimme gewöhnen . Der klassische Chef eines solchen Schiffes. Neu ist der Hund des Captains. Aber nicht das erste Tier der Serie. Data, der Android aus "Next Generations", hatte schließlich eine Katze.

2.Chefingenieur Charlie Tucker [-Connor Trinneer-]
Kann ich noch nichts weiter zu schreiben , außer daß ich während der Sendung ihn öfter mit ---->

3. Lieutnant Malcom Reed [-Dominic Keating-] verwechselt habe.
Darum kann ich eigentlich nicht genau sagen , wer denn nun die
übertrieben lange Duschszene (sollte das erotisch?, ironisch? sein oder auf eine
zukünftige Beziehung der beiden hindeuten?) mit ---->

4. Sub-Commander T`Pol [-Jolene Blalock-] hatte.
Das ist die erste Vulkanierin an Bord. Sehr logisch, sehr (wahrscheinlich nur vordergründig) gefühlsarm und ohne (wie sonst schon fast penetrant in den anderen Ablegern) großartig hervorstechende Eigenschaften à la D 95. (Ihr wisst schon, was ich meine, oder?)

5. Fähnrich Hoshi Sato [-Linda Park-]
Weil es den Universalkommunikator noch nicht gibt, bzw. er noch nicht so ausgereift ist, braucht das Schiff ein Sprachgenie.
Nach Lieutnant Barklay von Next Generation bzw. Voyager der zweite Angsthase/häsin der Serie. Bringt Witz und Fehlbarkeit hinein. Sowas kommt seit Barklay immer an.

6. Doktor Phlox [-John Billingsley-]
Der Schiffsarzt mit seinen schon fast mittelalterlich anmutenden Behandlungsmethoden. Eine Methode sind z. B. komische Tierchen, die das Aussehen großer bunter Blutegel haben, und auf eine Wunde gesetzt weden.
Aber trotzdem ist er auf der Höhe seiner Zeit und sehr fortschrittlich und wissbegierig.

7. Fähnrich Travis Mayweather [-Anthony Montgomery-]
Aufgewachsen auf Raumschiffen, hat die Technik also mit der Muttermilch aufgesogen und kennt klasse Tricks. So wie die Stelle in jedem Schiff, an der die Schiffsanziehungskraft aufgehoben ist und man dadurch problemlos überkopf an der Decke schweben kann.
Und da sitzt er und denkt. Worüber? Das weiss ich noch nicht, vielleicht bekommt die Serie ja mal einen richtig netten Philosophen.

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Und was sonst noch?
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Ich glaube, alte Trekkies und neue Zuseher haben gleichermaßen etwas von diesem Pilotfilm.
Man kann sich die Geschichte ansehen, ohne dass man die vorherigen Teile kennen muss. Wir fangen sozusagen alle erst beim Anfang an.

Einfach genial finde ich das Problem des Designs gelöst!
Der 70er Jahre-Look bringt das richtige Retro-Feeling. Back to the Future. Sogar die damals allgegenwärtigen Sechsecke tauchen kurz in einer Szene wieder auf. Die Gesichter der Schauspieler sind nicht so stark mit Make-up zugekleistert und die Uniformen lassen wieder Bequemlichkeit ahnen. Und die Titelmusik ist keineswegs noch bombastischer geworden. Nein, Überraschung: Sie wird gesungen.

Obwohl, ich muss zugeben: Zuerst hatte ich mit diesem Stil Probleme. Wo ist das Helle, Lichte, Großzügige und Durchgestylte der anderen Ableger? Aber ich finde, es passt und ich werde mich daran gewöhnen, denn die Geschichte von den alten und den neuen Feinden fand ich gar nicht so schlecht.

Die Fans der Serie werden so manches Aha-Erlebnis haben.
- Aha, so fing das also mit dem Beamen an
- Guck mal, kein Traktorstrahl, sondern nur zwei große Haken
- Ui, gemalte Vorläufer der Enterprise in der Kapitänskajüte
- San Francisco spielt auch wieder mit
- Den Strand kenn ich doch irgendwo her?
- Und wieder so eine Art Handys zum Kommunizieren, nichts mit den schönen Abzeichen über der Brust
- Die obligatorischen Röhren sind auch wieder da, haben sie da eigentlich schon ihren Namen?
- Grübel--- warum wollen die Vulkanier eigentlich nicht, dass die Erdlinge über Warp 5 fliegen? Wurde das schon mal irgendwo erwähnt?
- Der Erfinder des Warp-Antriebes (kennen wir aus einem Star Trek Spielfilm) taucht auch mal im Hintergrund auf.
- Es gibt bestimmt noch mehr, aber mir fällt nichts mehr dazu ein.

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Fazit:
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Ansehen lohnt sich. Die anderen Serienteile werde ich mir bestimmt ausleihen. Dann kann ich auf die nervige Werbeunterbrechung verzichten.

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1. Nachtrag (ein paar Wochen später)
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Ich habe inzwischen noch 4 Folgen gesehen und alles oben erwähnte gilt immer noch.
Bis auf die Oberweite von T`Pol. Die ist wohl doch hervorstechend, da habe ich mich in der Pilotfolge wohl verguckt.
Ganz besonders gefällt mir an diesem Serienableger, dass Star-Trek wieder zu alten "Tugenden" zurückfindet.

Die Story von der Eroberung des Weltraums steht wieder mehr im Vordergrund und verdrängt die allzu soapigen und Political-Correctness lastigen Inhalte der Vorgänger wohltuend.



2. Nachtrag (noch etwas später)
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In den letzten Monaten habe ich acht weitere Folgen gesehen und meine anfängliche Begeisterung hat sich ziemlich verflüchtigt. Wenn ich ehrlich bin, ist nur meine Treue zu dieser Serie und für den Sci-Fi-Bereich im Allgemeinen dafür verantwortlich, dass ich mir noch mehr davon in der Videothek meines Vertrauens ausleihen werde.
Von diesen acht Teilen waren vier grauenerregend langweilig. Ich war mehr als genervt von den simplen Cowboygeschichten, in denen es nur um Gut oder Böse geht und die Schauspieler dämliche Abziehbilder vom amerikanischen Good-Guy verkörpern sollen. Muss ein solcher Charakter sich zwangsweise benehmen wie der Elefant im Porzellanladen, obwohl oder weil er nur Gutes tun will für offensichtlich geistig, moralisch und sozial Unterentwickelte? Mit einer Arroganz und Überheblichkeit, die fast schon an Größenwahn grenzt? Diese Sorte terranischer Gutmensch richtet mehr nachhaltigen Schaden an als nachweislichen Nutzen, aber Hauptsache ist, s e i n Gewissen ist für eine Weile ruhig gestellt.
Nunja, in jeder Serie gibt es halt Folgen, die einfach nur schlecht sind. Und "Star-Treck" hat da noch nie eine Ausnahme gemacht. Insofern hätte ich eigentlich darauf vorbereitet sein müssen.
Die anderen vier Folgen verfügen über eine Qualität, die als mittelmäßig bis gut zu bezeichnen ist. Immer vom Standpunkt des Verfassers dieser Meinung aus gesehen!
Die Geschichten gewähren wieder mehr Einblicke in die Anfänge der Sternenflotte, wobei der Hauptspass teilweise nur Treckkies zugänglich sein dürfte. Interessiert es denn auch andere Zuseher, lebende Würmer als Lieblingsspeise der Klingonen zu identifizieren und mit Erstaunen festzustellen, diese gewalttätigen Aliens haben eine Schwäche für ehrenvolles Sterben?
Vulkanier bekommen Karies, Menschen entwickeln zu den absonderlichsten Dingen eine emotionale Bindung und bei "Casablanca" heult sogar der abgebrühteste Astronaut Rotz und Wasser.
Solche Erkenntnisse vervollständigen meine Allgemeinbildung, und das ist gut so.
Insgesamt sind wieder mehr Soap-Elemente zu erkennen, aber Gott-sei-dank werden diese zwischenmenschlichen Einlagen schneller abgehandelt als beim Vorgänger "Voyager".
Bei "Enterprise" zieht sich eine Liebesgeschichte nicht zäh wie Kaugummi über mehrere Folgen, sondern kommt mit einer aus.
Leider sind viele gute Ansätze aus der Pilotfolge vollkommen verschwunden. Man kann wohl nicht zu viel Neues in einer altbewährten Serie unterbringen. "Das wird treue Stammseher erschrecken.", so lautet bestimmt eine These der Produzenten dieser Serie. Schade, mir hätte das gefallen.

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