Ring (Taschenbuch) / Koji Suzuki Testbericht

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Erfahrungsbericht von winterspiegel

Geistreiches aus Nippon

Pro:

Fesselnde Handlung, Kompakte Horror-Story

Kontra:

Etwas flache Charaktere

Empfehlung:

Ja

In Japan ist die „Ringu-Manie“ schon seit Jahren ein ähnlicher Kult, wie es zum Beispiel die „X-Files“ in unseren westlichen Gefilden sein mögen. Koji Sukuki schrieb 1991 den Roman „Ring“, der im Land der aufgehenden Sonne sehr schnell ein überwältigender Erfolg wurde. Weitere Roman-Fortsetzungen folgten und die Mystery-Reihe um rätselhafte Phänomene, wurde darauf hin auch fürs Fernsehen und die große Leinwand umgesetzt.
Natürlich entging die fast schon hysterische Begeisterung der Japaner an dieser Thematik, auch nicht den hellhörig gewordenen Filmemachern aus Hollywood. Und so beglückte Gore Verbinski mit der Filmadaption „The Ring“, ein verhältnismäßig begeistertes Lichtspiel-Publikum.

Doch dies alles sei nur am Rande erwähnt, denn ich möchte die Aufmerksamkeit wieder auf den Ausgangspunkt richten - auf Suzukis erstes Buch, mit dem alles begann.



Handlung


Für den Journalisten Kazuyuki Asakawa wäre es wohl besser gewesen, er hätte an diesem Tag nicht das Taxi, sondern die Bahn genommen, als er zur fraglichen Stunde auf dem Weg von der Arbeit nach Hause unterwegs war. Denn der redselige Taxifahrer erzählte ihm von einem seltsamen Vorfall, der ihm erst kürzlich wiederfuhr.
Ein Motorradfahrer kippt auf einer Kreuzung ohne ersichtlichen Grund gegen den Wagen des Taxifahrers und war sofort tot – Herzversagen. Asakawa erinnert sich an eine Verwandte, die am selben Tag ums Leben gekommen – und welch Zufall - auch an plötzlichem Herzversagen gestorben ist. Dem Journalisten lässt die Sache nicht mehr los und so findet er heraus, dass zwei weitere junge Leute am gleichen Tag, zur exakt selben Zeit, auch an einem rätselhaften Herzstillstand umgekommen sind.


Asakawas weiteren Nachforschungen ergeben schließlich auch, dass die vier Jugendlichen sich gemeinsam in der Hütte einer abgelegenen Feriensiedlung übers Wochenende aufgehalten haben. Der Journalist will sich selber ein Bild von den Örtlichkeiten machen, und so beschließt er sich auch in dem Haus einzuquartieren, in dem die vier Teenager übernachtet haben, bevor sie innerhalb einer Woche alle sterben mussten.
Als Asakawa abends im Wohnzimmer der Hütte sitzt und sich schon fragt, ob er einem Hirngespinst hinterher jagt, entdeckt er im Schacht des Videorekorders eine Kassette, die dort wohl jemand vergessen haben muss. Ohne groß darüber nachzudenken drückt er auf der Fernbedienung auf Play.

Als das Video am Ende angelangt ist muss sich Asakawa übergeben, denn was er soeben gesehen hat, kann er immer noch nicht vollständig begreifen. Aber das wichtigste war eine eindringliche Botschaft am Schluss des Bandes, die da lautet: Wer diese Kassette gesehen hat, muss etwas bestimmtes tun, um dem Fluch zu entgehen, der einen sonst unweigerlich innerhalb einer Woche trifft. Doch genau an der Stelle, wo die wichtigen Anweisungen eigentlich sein müssten, wurde das Band fataler Weise überspielt.
Der Journalist wendet sich an seinen exzentrischen Freund Ryuji, der sich mit solchen Angelegenheiten, wie übersinnlichen Schnickschnack ein wenig auskennt. Sein Freund besteht sofort und trotz Warnung darauf, die verstörenden Aufnahmen mit eigenen Augen zu sehen.
So beginnt auch für Ryuji nach Begutachtung der äußerst verwirrenden Bilder die Uhr zu ticken, die innerhalb von sieben Tagen unerbittlich abläuft. Gemeinsam versuchen sie diesem Rätsel auf die Schliche zu kommen, um nicht weniger als ihr Leben zu retten...



Kritik


Koji Suzukis Roman hebt sich, wenn man es sich genau betrachtet, eigentlich gar nicht so sehr von der Dutzendware im Bereich der Spannungs- und Horrorliteratur ab. Er bedient sich - wenn auch sehr geschickt - althergebrachter Muster. So ist sein Stil beeinflusst von den Ideen aus diversen Teenie-Horror-Filmen, aber vor allem auch von Klassikern des Genres, wie etwa „Poltergeist“. Diese Anleihen schimmern immer wieder zwischen den Zeilen seines Buches hindurch und sind durchaus zu erkennen.
Doch Suzuki hat auch einiges aus der reichhaltigen Sagen- und Geisterwelt Japans ausgegraben und es recht geschickt mit den westlichen Elementen verwoben, sodass ein durchaus interessanter Stil-Mix der Kulturen entstanden ist.

Die eigentliche Leistung der Geschichte, die sicher zu ihrem großen Erfolg beigetragen hat, ist aber der relativ fesselnde Handlungsstrang, der einen schon nach wenigen Seiten beim Kragen packt und einen dazu veranlasst, unbedingt wissen zu wollen, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. So war es natürlich sehr geschickt von Suzuki am Anfang seines Okkult-Thrillers ein Geheimnis zu stellen, dessen Rätsel im Verlauf des Geschehens nach und nach aufgedeckt wird und, dessen grausige Wahrheiten vom gespannten Leser schon in Ansätzen erahnt werden, bevor sie sich in ihrem ganzen hässlichen Ausmaß schließlich präsentieren.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig dürften die japanischen Namen der Figuren im Buch zu Anfang sein. Gerade für den westlichen Betrachter sind sie unter Umständen schwer zuzuordnen, da sie halt ein wenig gleich und ungewohnt klingen, sodass man sich eventuell einmal mehr orientieren muss, um welche Person es sich jetzt tatsächlich handelt. Doch da es sich um eine verhältnismäßig kleine Anzahl der Hauptfiguren handelt, dürfte diese kleine Hürde verhältnismäßig schnell genommen sein.

Ansonsten schreibt der Autor in klaren verständlichen, nicht zu ausschmückenden Sätzen, die einen leicht auf das Geschehen konzentrieren lassen. Leider geht dadurch aber auch einiges an Tiefe verloren, mit der eine umfassendere Charakterisierung der Personen sicherlich möglich gewesen wäre. Doch immerhin ist mir dieser Stil dann doch lieber, als ein z.B. durch unmotivierte Abschweifungen geprägtes Ausufern der Geschichte, in dem sich der Autor mangels Talent, haltlos zu verzetteln beginnt.



Resümee


Auf 300 unterhaltsamen Seiten hat Koji Suzuki eine Gespenstergeschichte in der Art eines Stephen King – mit dem er auch sogleich verkaufsfördernd auf der Buchvorderseite verglichen wird – geschaffen. Zwar schafft er es bei weitem nicht die Intensität oder Tiefgründigkeit des Meisters des Horrors zu erreichen, oder eine wünschenswerte größere Komplexität seiner Charaktere zu vermitteln -, eine interessante Variante von Horror, Mystik und die Welt der Dämonen, wird aber dem begeisterten Leser des Unheimlichen dennoch geboten.
Des Rätsels Lösung am Ende der Geschichte kann und will ich natürlich nicht verraten, und obwohl die Grundidee eigentlich nicht neu und noch nicht einmal besonders originell ist, hat Suzuki diese wohlbekannte funktionsweise in ein apokalyptisch angehauchtes Ausmaß gestellt, dass auch nach beenden der Lektüre vielleicht noch zum weiteren „sich Gedanken machen“ anregt.




Koji Suzuki

The Ring

Roman

Wilhelm Heyne Verlag

Preis: ca. 9 Euro


(c) winterspiegel für Ciao & Yopi

36 Bewertungen, 1 Kommentar

  • catmother

    09.08.2004, 22:50 Uhr von catmother
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich hab mir diese amerikanische Verfilmung ansehen müssen - das reichte mir.