Tabaluga & Lilli Testbericht

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Erfahrungsbericht von Musical-World

Tabaluga & Lilli im TheatrO CentrO

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

"Es war einmal und es ist...
Die märchenhafte Geschichte von TABALUGA & LILLI
Tagtäglich gibt es ganz banale Dinge, die uns begegnen, zum Beispiel eine Wolke am Himmel, die beim Betrachten auf geheimnisvolle Weise zu leben beginnen. Und plötzlich bemerkt man, dass sie eine Geschichte erzählt...

Also: Es war einmal vor Millionen von Jahren, als Drachen die Welt bevölkerten. Sie konnten fliegen, Feuer spucken und sprechen. Mit der Wärme des Feuers verteidigen sie alles Leben gegen die tödliche Erstarrung in der Kälte. Doch es kam die Zeit, da drohte die ewige Stille des Eises, alles Lebendige zu vernichten.

Besonders in jenen Tagen setzt TYRION, der alte Drachenvater, alle Hoffnungen auf seinen Sohn TABALUGA, den letzten Bewahrer des Feuers. Als sorgender Vater stellt er dem kleinen Drachen den Magier als weisen, beschützenden Ratgeber zur Seite. Früh schon muss TABALUGA erfahren, mit welch eiskalter Entschlossenheit ARKTOS, der Herrscher im Reich der Kälte, seine Macht auszudehnen versucht. TABALUGA versteht: Nur wenn es ihm gelingt, das wahre Feuer zu finden, kann er ARKTOS aufhalten.
Auf seiner Suche erfährt er die Schönheit fahlen Mondlichts und die glutvolle Lebensfreude der Bienen, neugierig unterliegt er der Verlockung des Kratermanns, den roten Knopf zu drücken. Mit Kühnheit und Unschuld überrascht er die schwarze Spinne, die von ihrem vampirhaften Handwerk ablässt, weil TABALUGA in ihr die schmerzliche Erinnerung an ein verlorengegangenes Gefühl auflodern lässt.
Leider fasst ARKTOS, beunruhigt von TABALUGAs Existenz, den Plan, ihn für immer auszuschalten. Er erschafft ein wunderschönes Wesen aus Eis, LILLI. Ihrem Bann soll TABALUGA erliegen. Doch der erste Versuch misslingt, da die Ameisen ihn mit ihrem tugendhaften Ordnungssinn dem Kälteschlaf entreißen und zum Baum des Lebens bringen. TABALUGA weiß diese Tat nicht zu schätzen, denn fern von LILLI erscheint ihm nun sein Leben sinnlos.

Unterkühlte Langeweile ist ARKTOS' Alltag. Seine Übellaunigkeit hellt sich auf, als TABALUGA forsch in seinem Palast erscheint, unerschrocken auf der Suche nach LILLI. Ein abgekartetes Spiel beginnt. TABALUGA gewinnt und darf endlich LILLI seine Gefühle offenbaren. Doch jetzt schnappt ARKTOS' Falle zu: Als Gebieter über die vier Winde hetzt er sie mit aller Macht gegen den kleinen Drachen. Im Augenblick der höchsten Not erscheint TYRION, seinen Sohn zu beschützen.
Er muss seine Vaterliebe mit dem Leben bezahlen.
Ganz viel Mühe kostet es den Magier, den trauernden Sohn zu trösten. Erst die ermutigenden Worte von TYRIONs Geist, niemals aufzugeben, verleihen TABGALUGA die Kraft, einem letzten Angriff von ARKTOS zu trotzen und mit der Macht des wahren Feuers, der Liebe, um LILLI zu kämpfen.

ARKTOS oder TABALUGA?
Wer wird am Ende der Sieger sein?
Wird das Feuer über das ewige Eis siegen?”

So beschreiben die Autoren den Inhalt des "phantastischen Musicals" um den bei den Kindern so beliebten Drachen Tabaluga, der im TheatrO CentrO in Oberhausen vor gerade mal knapp 2 Jahren zum ersten mal aus seinem Ei schlüpfte. Doch obwohl nahe des großen Einkaufszentrums eine ideale Spielstätte für ein Musical sein sollte, kämpfte der kleine Drache von Anbeginn nicht nur gegen seinen Erzfeind mit der Möhrennase Arktos, sondern auch gegen schwindelerregend geringe Besucherzahlen, die die 1700 Plätze in 10 geplanten Vorstellungen pro Woche in arktischer Kälte zurückließen.

Und so entschloss man sich zu Beginn des Jahres 2001, aus dem Kindermusical eine Show für Erwachsene zu stylen: Tabaluga durfte sein Drachenkostüm mit dem feuerspeienden Kopf an den Nagel hängen und sich statt dessen in grünem Leder mit nur angedeutetem Drachenschwanz nun auch mit Gesichtsmimik dem Publikum zeigen.
Ganze Szenen inklusive zweier Songs, die noch auf der CD-Einspielung (siehe unten!) mit Andreas Bieber und Paul Kribbe zu hören sind, mussten dem schlankeren Konzept weichen: die Rettung Tabalugas vor dem eiskalten Schlaf durch die ewig hungrigen Ameisen ("Arbeit ist das halbe Leben"), die den Jungdrachen fälschlicherweise für ein gefundenes Fressen halten, wurde genauso ersatzlos gestrichen wie der Aufmunterungssong der Delphine ("Lied der Delphine").
"Tabaluga ist erwachsen geworden!" lautete die Schlagzeile in der Presse, doch dies ist nach dem Titelsong der Show "Ich wollte nie erwachsen sein" ein Widerspruch an sich. Und so blieben die Plätze unter der drachengrünen Theaterkuppel immer noch leer...

Nun ist das Schicksal des Drachen besiegelt, denn am 30.06.01 haucht auch Tabaluga seinen Feueratem auf Deutschlands Musicalbühnen aus (gerüchteweise sollte danach Webbers "Phantom der Oper" nach Hamburg in Oberhausen sein neues Heim finden, doch zunächst spukt es in Stuttgart weiter und "Falco Meets Amadeus" zieht im Frühjahr 2002 nach Oberhausen).
Ein Grund für mich, das Sterben des Drachen mit eigenen Augen zu beurteilen. Durch die relativ schlechte Presse hatte ich für den kurzfristig eingeplanten Theaterabend, bei der ich an einem Freitag Abend eine Stunde vor Vorstellungsbeginn einen super Platz in Reihe 5 ergattern konnte(!), keine allzu großen Erwartungen. Doch gerade deshalb habe ich mich wohl so köstlich unterhalten...

Auch wenn "Tabaluga & Lilli" zu Beginn nur langsam in Fahrt kommt - grausam der Versuch des Magiers, der aus einer Mülltonne steigt und uns mit BILD-Zeitung-Schlagzeilen vor Augen führen will, wie schlecht wir Menschen mit der Welt umgehen und dann auch noch das Publikum mit peinlich gekünstelten Reden zu brausendem Applaus animieren soll - startet sie spätestens mit dem "Bienensong" so richtig durch (hier klatschen die Zuschauer auch ohne Aufforderung mit den flotten Bienen im stampfenden Sambarhythmus).
Gerade die ausgeklügelt originellen Tanzsequenzen in immer neuen phantasievollen Kostümen machen den Reiz von "Tabaluga" aus. Hinzu kommt das überwältigende Lichtdesign mit einer Lasershow a la STAR WARS, die den "Starlight Express" wie eine antiquierte Vorstadt-Disco aussehen lässt und den Zuschauer erst gar nicht ein pompöseres Bühnenbild vermissen lässt. Überhaupt wird man als Zuschauer durch die 3 Bühnen vor der Hauptbühne wie kaum in einer anderen Show ins Geschehen integriert.

Das I-Tüpfelchen ist die knisternde Erotik der Spinnenfrau Tarantula, die mit "Eis im September" so manchen Zuschauer vergebens auf den "Kuss der Spinnenfrau" warten lässt oder das muskelstrotzende Männerballet zu Arktos "Schlüssel zur Macht".
Ebenfalls ein Pluspunkt der Show sind die durchweg überzeugenden Hauptdarsteller, allen voran der sympathische Ex-Rusty Bernie Blanks, der nicht nur mit einem doppelten Salto rückwärts begeistert, und der “Rent” geprüfte Alex Melcher als Magier (für seinen peinlichen Einstieg ist wohl eher der Regisseur verantwortlich): hier bekommt man eine gute Mischung aus Rock- und Popsongs präsentiert, die zwar nicht musicaltauglich, aber überzeugend unterhaltsam sind.

Sollten sich demnach alle Kritiker grundlegend in "Tabaluga & Lilli" geirrt haben (selbst ich höre die CD-Einspielung nach dem optischen Genuss der Show mit anderen Ohren), oder bin ich nur für 125 Minuten wieder ein Kind geblieben?
Sicherlich hat die Show immer noch mit inhaltlichen Schwächen zu kämpfen (ein Mädchen klärte ihre Eltern in der Pause über so manche Ungereimtheit auf und bemerkte selbst noch einige Fehler), und gerade der Schneemann Arktos, der als einigster die Vermenschlichung der Charaktere verpasst hat, wirkt seltsam deplatziert, vermag das Musical trotzdem glänzend zu unterhalten - gerade wenn man kein bedingungsloser Maffay-Fan ist.
Aber natürlich bleibt die Frage offen, welches Zielpublikum das Stück eigentlich unterhalten soll.
Jedenfalls schienen selbst die Darsteller überrascht, dass sie während 15 min Standing Ovation 2 Zugaben geben mussten - auch wenn das Haus nur zu einem Drittel voll war...

Fazit: "Die Geschichte von Feuer, Eis und Liebe" kann jeden Erwachsenen wieder in die Kindheit zurückversetzen, denn so mancher reifere Zuschauer quetschte sich nach der Vorstellung durch den winzigen Kinderausgang!

Technische Daten:
TheatrO CentrO Oberhausen
Musik & Texte: Peter Maffay, Gregor Rottschalk, Rolf Zuckowski, Helme Heine
Aufführungsdauer: ca.125 min
Uraufführung: 24. September 1999
Letzte Vorstellung: 30. Juni 2001

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Die CD zur Musicalshow:

"Irgendwo tief in mir bin ich ein Kind geblieben" - wer das von sich behaupten kann, ist mit dieser CD bestens bedient, denn einige Songs richten sich in bester Benjamin Blümchen-Manier an das sehr jugendliche Publikum. Jeder Erwachsene verbindet mit Tabaluga vorrangig Peter Maffay, aber der wird von den Sängern auf der Einspielung mehr schlecht als recht kopiert. Tabaluga ohne Maffay - kann das funktionieren?

Beim ersten Hören definitiv nein: obwohl ich kein Maffay-Fan bin, klingen doch Songs wie "Ich wollte nie erwachsen sein" in dieser Musicalfassung ungewohnt - zumal Herr Bieber offensichtlich vom Joseph-Kinderchor weiterhin verfolgt wird. Alle Fans werden froh sein, mal was Neues von Ihren persönlichen Stars Bieber, Blanks und Kribbe zu hören. Deshalb ist es eine Schande, daß bei einigen Liedern deren durchaus angenehme Stimmen fast bis zur Unkenntlichkeit verfremdet wurden (z.B. im "Lied der Delphine" oder im "Schlüssel zur Macht").
Syntheziser verstärkt rockig und sehr bassbetont dröhnt es musical-untypisch aus den Lautsprechern - ist "das phantastische Musical" nicht doch eher ein Rockkonzert? Eingängiger und fast besinnlich wird es beim "Lied des Mondes", "Baum des Lebens" oder gar in dem netten FSK-freien Liebesduett "Ich fühl wie du".

Aber irgendwie scheint die Rechnung wohl aufzugehen, habe ich mich doch gestern bereits dabei ertappt, beim rhythmischen "Bienensong" mitzuschnippen und beim Titelsong sogar mitzusingen...was dem Hobby-Musicalstar aufgrund eines unvollständigen Librettos im CD-Booklet, in dem zu wenigen Photos nur Textauszüge abgedruckt sind, nicht leicht gemacht wird.

Fazit: Nettes, gewöhnungsbedürftiges Maffay-freies Album für kindliche Gemüter.

Technische Daten:
Original Cast CD mit Andreas Bieber, Bernie Blanks, Paul Kribbe, Anne Haigis, Yamil Borges
Songs aus der Aufführung im TheatrO CentrO Oberhausen
Autoren: Helme, Heine, Andras Fricsay Son, Peter Maffay, Gregor Rottschalk
54 min 46 sec
BMG Ariola 1999

7 Bewertungen, 1 Kommentar

  • anonym

    09.03.2002, 01:09 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Besser kann man es nicht sagen! Gruß daka79