Taking Lives (VHS) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 10/2004
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Erfahrungsbericht von linnie
Ich bin du und du bist tot
Pro:
düstere und spannende Atmosphäre, anfangs guter Spannungsbogen, gelungener Soundtrack
Kontra:
eher durchschnittliche schauspielerische Leistungen, Spannung lässt am Ende stark nach, Ende ist vorhersehbar, nur Durchschnitts-Thrillerkost
Empfehlung:
Ja
Da Kill Bill Vol.2 immer noch nicht angelaufen ist, musste nun Filmersatz her und da entschieden mein Freund und ich uns für "Taking Lives", den wir neulich in der Vorschau gesehen hatten und der mit einem vielversprechenden Trailer aufwarten konnte.
** Inhalt
Der Film beginnt 1983 in Kanada, wo Martin Asher ein Busticket löst, um von zu Hause wegzukommen. Im Bus lernt er einen gleichaltrigen Jungen kennen, der von der Army geflohen ist, weil er sich nicht herumkommandieren lassen will und der auf dem Weg nach Seattle ist, um dort Musik zu machen. Es gibt eine Buspanne und die beiden Jungs
beschließen, sich ein Auto zu nehmen und zu zweit weiterzufahren. Unterwegs platzt allerdings ein Reifen und als der fremde Junge den Reifen wechseln will und ein anderes Auto vorbeikommt, stößt Martin den Jungen vor das vorbeirasende Auto. Anschließend schlägt er mit einem Stein das Gesicht des Jungen kaputt, um dessen Leben einzunehmen.
19 Jahre später hält eine Reihe von Morden die Polizei in Montreal in Atem. Die FBI-Agentin Illeana Scott wird zu Hilfe gerufen, um die Polizei in der Aufklärung der Mordserie zu unterstützen. Mit ihren unkonventionellen Methoden stößt sie bei ihrem Kollegen Paquette nicht gerade auf Gegenliebe, doch erkennt sie bald, dass der Mörder die Identitäten seiner Opfer zerstört, indem er ihr Gesicht zerschlägt und ihre Hände abtrennt, um anschließend deren Leben anzunehmen und in deren Rolle zu schlüpfen. Als ein weiterer Mord geschieht, kann ein Zeuge den Mörder beobachten. Der Zeuge Costa ist von Beruf Maler und zeichnet ein so gutes Phantombild vom Täter, dass bald ein Verdächtiger gefunden werden kann, in dessen Wohnung unter anderem ein abgeschnittener Finger gefunden wird. Doch bleibt der Verdächtige verschwunden, will aber offenbar Kontakt zu Costa aufnehmen, um den Zeugen aus dem Weg zu schaffen. Unvermittelt findet Costa sich in der Rolle des Köders wieder.
Dann taucht auch noch Mrs. Asher auf und behauptet, ihren totgeglaubten Sohn Martin gesehen zu haben. Ihrer Meinung nach ist Martin sehr gefährlich, da er auch schon als kleiner Junge schwierig war und ihren gesamten Schmuck gestohlen hat, um von zu Hause weglaufen zu können. Aber Mrs. Asher hat etwas zu verbergen, denn in ihrem Haus gibt es eine versteckte Tür, die zu einem Kellerraum führt. Was wird Illeana Scott dort finden? Und kann die Polizei den Täter mit Hilfe eines Köders schnappen?
** Cast & Crew
Angelina Jolie: Illeana Scott
Ethan Hawke: Costa
Kiefer Sutherland: Hart
Gena Rowlands: Mrs. Asher
Olivier Martinez: Paquette
Tchéky Karyo: Leclair
Jean-Hugues Anglade: Duval
Paul Dano: Young Asher
Justin Chatwin: Matt Soulsby
Regie: D.J. Caruso
Produzent: Bruce Berman
Musik: Philip Glass
Basiert auf einem Roman von Michael Pye
Genre: Thriller
Länge: 103 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Offizielle Filmhomepage:
http://takinglives.warnerbros.com/
** Kritik
Der Trailer zeigte bereits deutlich die düstere und spannende Atmosphäre des Filmes, die sich auch gleich zu Beginn offenbart, wenn auf einer Baustelle eine Leiche ausgegraben wird und Illeanna sich in das Grab legt, um sich dort inspirieren zu lassen. Selbstverständlich regnet es recht häufig in diesem Film, um die düstere Atmosphäre noch zu unterstreichen, außerdem untermalt die Musik recht deutlich das Filmgeschehen, so werden Schreckeffekte immer musikalisch angekündigt, sodass man als Zuschauer immerhin keinen Herzinfarkt bekommt, wenn der Grusel besonders groß wird.
Im Mittelpunkt des Filmes steht Illeanna Scott, die mit ihrer weiblichen Intuition und ihrem vom FBI angelernten Wissen der Polizei in Montreal unter die Arme greifen will. Kann Angelina Jolie diesem Anspruch gerecht werden, die Hauptrolle in einem Thriller zu spielen? Meine Antwort darauf lautet "nein", denn ich war von der Jolie ziemlich enttäuscht, sie beherrscht für meine Begriffe etwa zwei verschiedene Gesichtsausdrücke und auch das nicht besonders überzeugend, meist dominieren die großen Augen und aufgespritzten Lippen ihre Mimik, schaffen es aber nicht, unterschiedliche Gefühlsregungen in Jolies Gesicht zu zaubern. Bei ihr habe ich immer mehr den Eindruck, dass sie weiterhin von ihrem Oscar aus dem Film "Girl interrupted" zehrt und vor allem von ihren aufgespritzen Lippen und der zugegebenermaßen sehr guten Figur. Ich vergleiche ihre Rolle in "Taking lives" mit der aus "der Knochenjäger" und finde, dass sie nichts dazugelernt hat. In beiden Filmen mimt sie die toughe Ermittlerin in einem Mordfall, schafft es für meine Begriffe aber nicht, überzeugend verschiedene Gefühlsregungen wie Angst, Verzweiflung oder Trauer darzustellen. Meist sieht sie aus wie die überlegene und überhebliche Polizistin, das ist mir allerdings zu wenig für eine Hauptrolle.
Jolies männlicher Gegenpart ist Ethan Hawke in seiner Rolle als der Maler Costa, der einen Mord beobachtet hat und den Täter identifizieren kann. Zunächst wird er besonders von Paquette misstrauisch beäugt, weil dieser ihm nicht glaubt, dass er den Mord beobachtet hat, aber schnell zerstreut Scott die Verdachtsmomente, vielleicht auch deshalb, weil sie sich immer mehr zu Costa hingezogen fühlt. Hawke macht verschiedene Stadien in seiner Rolle durch, zunächst ist er der Zeuge in einem Mordfall, der verzweifelt versucht hat, das Opfer wiederzubeleben. Hier zeigt Hawke recht überzeugend seine Verzweiflung und auch seinen Schockzustand. Später dominiert eher die Angst, da Costa schnell zum Ziel des Mörders geworden ist. Hawkes Leistung ist überzeugend, wenn auch nicht überragend, dennoch gefiel er mir gut in der Rolle, da er gezeigt hat, dass er in der Lage ist, unterschiedliche Gefühle überzeugend zu präsentieren.
In den Nebenrollen spielen unter anderem Gena Rowlands, Oliver Martinez und Kiefer Sutherland, deren Rollen allerdings eher klein sind und die ich daher nicht näher erwähnen möchte. Ich persönlich war von der durchschnittlichen schauspielerischen Leistung in diesem Film ein wenig enttäuscht, zumal Angelina Jolie bereits mit dem Oscar ausgezeichnet wurde und eigentlich besser spielen können sollte.
Die Regiearbeit dagegen empfand ich als solide Leistung. Der Film arbeitet mit sämtlichen Effekten, die in einem Thriller nicht fehlen sollten. So spielt sich ein Großteil der Handlung in düsteren Räumen ab, zum Beispiel als die Polizei die Wohnung des Verdächtigen durchsucht und ihn dort aber nicht antrifft. In der Wohnung hätte es sicherlich elektrisches Licht gegeben, aber dann wäre die Durchsuchung natürlich nicht so gruselig gewesen. Auch der Dauerregen wird immer gerne in spannenden Szenen eingesetzt. Besonders eindrucksvoll fand ich eine Verfolungsjagd durch die belebten Straßen von Montreal, in der die Polizei zu Fuß dem verdächtigen Täter hinterherläuft. Die Kamera ist hier sehr wackelig, man kann kaum etwas erkennen, nur zwischendurch sind kurzzeitig scharfe Bilder zu sehen, wenn die Kamera still gehalten wird und auf Angelina Jolie zeigt, die in der Menschenmenge den Täter sucht. Diese Wackeleffekte sind zwar einfach, aber durchaus effektvoll.
Auch die Musik empfand ich als recht gut, da sie jeder Situation stets angepasst war und auch in ihrer Lautstärke immer zur Szene passte. Wurde es spannend, so steigerte sich natürlich auch die Musiklautstärke, jeder Krimi- und Thrillerfan kennt diese Crescendi, die Zeichen dafür sind, sich nun an den Arm der Kinobegleitung oder ans Kissen zu krallen.
Erwähnenswert ist bei einem Thriller auch der Spannungsbogen. Zunächst beginnt der Film recht harmlos an einem Schalter, wo ein ziemlich hässlicher Junge sich eine Fahrkarte kauft. Im Prinzip sieht der Junge ganz unschuldig aus, da der Film aber mit einer Einstellung auf ihn beginnt, hat man ihn natürlich sofort in Verdacht. Und das bestätigt sich auch, als er seine Reisebegleitung vor das rasende Auto schuppst und ihn dabei umbringt. Schon befindet man sich mitten in der Geschichte, denn bereits in der ersten Szene wurde man dem Täter vorgestellt. Doch wird erst nach und nach klar, wie viele Morde Martin Asher wirklich begangen hat, um verschiedene Identitäten annehmen zu können. Als ein Zeuge ein Phantombild vom Mörder zeichnen kann, kommt die Polizei dem Täter immer näher, sie durchsucht seine Wohnung und kann schließlich auch die Verfolgung aufnehmen, als der Mörder bei Costa auftaucht. Der Kreis schließt sich hier immer enger um den Täter und der Film wird immer spannender, da zwischendurch der Verdächtige eingeblendet wird, wenn Scott Costa nach Hause bringt, aber bereits im benachbarten Hauseingang eine Gestalt wartet. Auch als Scott das Haus von Mrs. Asher durchsucht, um dem Geheimnis der verborgenen Tür auf die Spur zu kommen, sind Gruseleffekte vorprogrammiert. Hier enttäuscht der Film nicht, denn bis zu einem gewissen Punkt steigert sich die Spannung immer mehr. Doch auf ihrem Siedepunkt verpufft die Spannung leider völlig. Ich möchte hier nicht zu viel verraten, da Thrillerfans selbstverständlich selbst beim Film mitraten wollen, jedoch fand ich den Film in der letzten halben Stunde ziemlich vorhersehbar. Wer der Täter ist, wird dann recht schnell klar und dann kann auch der Film nur noch ein einziges Ende nehmen, was er schließlich auch tut. Diese Entwicklung finde ich persönlich recht enttäuschend, denn ich mag Filme, die in der Schlusszene noch zu überraschen wissen, wie z.B. "die üblichen Verdächtigen" oder auch "Zwielicht", beide Filme enden mit einer überraschenden Wende, die den Filmen erst das gewisse Etwas geben. Damit kann "Taking Lives" leider nicht dienen.
Zwischendurch fallen auch kleinere Logikfehler auf, ich hatte den Eindruck, dass der Mörder mehr Opfer als Identitäten hatte. Wenn er aber doch nur mordet, weil er eine andere Identität annehmen will, wieso ermordet er dann zu viele Menschen? In einer Szene ist zu sehen, wie irgendwelche Fingerabdrücke gemacht werden und dem Zuschauer scheinbar vermittelt werden soll, dass der Mörder auch die Fingerabdrücke seiner Opfer kopiert, es ist weiterhin zu sehen, wie sich jemand Kontaktlinsen einsetzt. Dabei bildete ich mir ein, dass der Täter sich auch optisch seinen Opfern angleichen will, was aber nicht der Fall war. Was sollten dann aber diese Einblendungen mit den Fingerabdrücken und den Kontaktlinsen?
Dennoch würde ich den Film als solide Thrillerkost mit teilweise etwas unmotivierten Schauspielern bezeichnen. Der Film weiß 103 Minuten lang ganz gut zu unterhalten, auch wenn die Handlung zum Ende hin etwas vor sich hinplätschert und man im Kinosaal eigentlich nur noch ungeduldig auf den Abspann wartet, damit man endlich nach Hause gehen kann.
** Fazit
Taking Lives ist schön anzusehen, wartet mit düsterer Atmosphäre und gutem Soundtrack auf, kann allerdings keine Highlights bieten. So konnte mich der Film zwar recht gut unterhalten, aber nicht beeindrucken. Der Film wird mir bestimmt nicht im Gedächtnis bleiben, er ist leider nur Durchschnitts-Thrillerkost. Auch aufgrund der teils mageren schauspielerischen Leistungen kann ich daher nur 3 Sterne und auch nur eine bedingte Empfehlung für absolute Thrillerfans aussprechen.
Geschrieben am 14. April für www.ciao.de
** Inhalt
Der Film beginnt 1983 in Kanada, wo Martin Asher ein Busticket löst, um von zu Hause wegzukommen. Im Bus lernt er einen gleichaltrigen Jungen kennen, der von der Army geflohen ist, weil er sich nicht herumkommandieren lassen will und der auf dem Weg nach Seattle ist, um dort Musik zu machen. Es gibt eine Buspanne und die beiden Jungs
beschließen, sich ein Auto zu nehmen und zu zweit weiterzufahren. Unterwegs platzt allerdings ein Reifen und als der fremde Junge den Reifen wechseln will und ein anderes Auto vorbeikommt, stößt Martin den Jungen vor das vorbeirasende Auto. Anschließend schlägt er mit einem Stein das Gesicht des Jungen kaputt, um dessen Leben einzunehmen.
19 Jahre später hält eine Reihe von Morden die Polizei in Montreal in Atem. Die FBI-Agentin Illeana Scott wird zu Hilfe gerufen, um die Polizei in der Aufklärung der Mordserie zu unterstützen. Mit ihren unkonventionellen Methoden stößt sie bei ihrem Kollegen Paquette nicht gerade auf Gegenliebe, doch erkennt sie bald, dass der Mörder die Identitäten seiner Opfer zerstört, indem er ihr Gesicht zerschlägt und ihre Hände abtrennt, um anschließend deren Leben anzunehmen und in deren Rolle zu schlüpfen. Als ein weiterer Mord geschieht, kann ein Zeuge den Mörder beobachten. Der Zeuge Costa ist von Beruf Maler und zeichnet ein so gutes Phantombild vom Täter, dass bald ein Verdächtiger gefunden werden kann, in dessen Wohnung unter anderem ein abgeschnittener Finger gefunden wird. Doch bleibt der Verdächtige verschwunden, will aber offenbar Kontakt zu Costa aufnehmen, um den Zeugen aus dem Weg zu schaffen. Unvermittelt findet Costa sich in der Rolle des Köders wieder.
Dann taucht auch noch Mrs. Asher auf und behauptet, ihren totgeglaubten Sohn Martin gesehen zu haben. Ihrer Meinung nach ist Martin sehr gefährlich, da er auch schon als kleiner Junge schwierig war und ihren gesamten Schmuck gestohlen hat, um von zu Hause weglaufen zu können. Aber Mrs. Asher hat etwas zu verbergen, denn in ihrem Haus gibt es eine versteckte Tür, die zu einem Kellerraum führt. Was wird Illeana Scott dort finden? Und kann die Polizei den Täter mit Hilfe eines Köders schnappen?
** Cast & Crew
Angelina Jolie: Illeana Scott
Ethan Hawke: Costa
Kiefer Sutherland: Hart
Gena Rowlands: Mrs. Asher
Olivier Martinez: Paquette
Tchéky Karyo: Leclair
Jean-Hugues Anglade: Duval
Paul Dano: Young Asher
Justin Chatwin: Matt Soulsby
Regie: D.J. Caruso
Produzent: Bruce Berman
Musik: Philip Glass
Basiert auf einem Roman von Michael Pye
Genre: Thriller
Länge: 103 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Offizielle Filmhomepage:
http://takinglives.warnerbros.com/
** Kritik
Der Trailer zeigte bereits deutlich die düstere und spannende Atmosphäre des Filmes, die sich auch gleich zu Beginn offenbart, wenn auf einer Baustelle eine Leiche ausgegraben wird und Illeanna sich in das Grab legt, um sich dort inspirieren zu lassen. Selbstverständlich regnet es recht häufig in diesem Film, um die düstere Atmosphäre noch zu unterstreichen, außerdem untermalt die Musik recht deutlich das Filmgeschehen, so werden Schreckeffekte immer musikalisch angekündigt, sodass man als Zuschauer immerhin keinen Herzinfarkt bekommt, wenn der Grusel besonders groß wird.
Im Mittelpunkt des Filmes steht Illeanna Scott, die mit ihrer weiblichen Intuition und ihrem vom FBI angelernten Wissen der Polizei in Montreal unter die Arme greifen will. Kann Angelina Jolie diesem Anspruch gerecht werden, die Hauptrolle in einem Thriller zu spielen? Meine Antwort darauf lautet "nein", denn ich war von der Jolie ziemlich enttäuscht, sie beherrscht für meine Begriffe etwa zwei verschiedene Gesichtsausdrücke und auch das nicht besonders überzeugend, meist dominieren die großen Augen und aufgespritzten Lippen ihre Mimik, schaffen es aber nicht, unterschiedliche Gefühlsregungen in Jolies Gesicht zu zaubern. Bei ihr habe ich immer mehr den Eindruck, dass sie weiterhin von ihrem Oscar aus dem Film "Girl interrupted" zehrt und vor allem von ihren aufgespritzen Lippen und der zugegebenermaßen sehr guten Figur. Ich vergleiche ihre Rolle in "Taking lives" mit der aus "der Knochenjäger" und finde, dass sie nichts dazugelernt hat. In beiden Filmen mimt sie die toughe Ermittlerin in einem Mordfall, schafft es für meine Begriffe aber nicht, überzeugend verschiedene Gefühlsregungen wie Angst, Verzweiflung oder Trauer darzustellen. Meist sieht sie aus wie die überlegene und überhebliche Polizistin, das ist mir allerdings zu wenig für eine Hauptrolle.
Jolies männlicher Gegenpart ist Ethan Hawke in seiner Rolle als der Maler Costa, der einen Mord beobachtet hat und den Täter identifizieren kann. Zunächst wird er besonders von Paquette misstrauisch beäugt, weil dieser ihm nicht glaubt, dass er den Mord beobachtet hat, aber schnell zerstreut Scott die Verdachtsmomente, vielleicht auch deshalb, weil sie sich immer mehr zu Costa hingezogen fühlt. Hawke macht verschiedene Stadien in seiner Rolle durch, zunächst ist er der Zeuge in einem Mordfall, der verzweifelt versucht hat, das Opfer wiederzubeleben. Hier zeigt Hawke recht überzeugend seine Verzweiflung und auch seinen Schockzustand. Später dominiert eher die Angst, da Costa schnell zum Ziel des Mörders geworden ist. Hawkes Leistung ist überzeugend, wenn auch nicht überragend, dennoch gefiel er mir gut in der Rolle, da er gezeigt hat, dass er in der Lage ist, unterschiedliche Gefühle überzeugend zu präsentieren.
In den Nebenrollen spielen unter anderem Gena Rowlands, Oliver Martinez und Kiefer Sutherland, deren Rollen allerdings eher klein sind und die ich daher nicht näher erwähnen möchte. Ich persönlich war von der durchschnittlichen schauspielerischen Leistung in diesem Film ein wenig enttäuscht, zumal Angelina Jolie bereits mit dem Oscar ausgezeichnet wurde und eigentlich besser spielen können sollte.
Die Regiearbeit dagegen empfand ich als solide Leistung. Der Film arbeitet mit sämtlichen Effekten, die in einem Thriller nicht fehlen sollten. So spielt sich ein Großteil der Handlung in düsteren Räumen ab, zum Beispiel als die Polizei die Wohnung des Verdächtigen durchsucht und ihn dort aber nicht antrifft. In der Wohnung hätte es sicherlich elektrisches Licht gegeben, aber dann wäre die Durchsuchung natürlich nicht so gruselig gewesen. Auch der Dauerregen wird immer gerne in spannenden Szenen eingesetzt. Besonders eindrucksvoll fand ich eine Verfolungsjagd durch die belebten Straßen von Montreal, in der die Polizei zu Fuß dem verdächtigen Täter hinterherläuft. Die Kamera ist hier sehr wackelig, man kann kaum etwas erkennen, nur zwischendurch sind kurzzeitig scharfe Bilder zu sehen, wenn die Kamera still gehalten wird und auf Angelina Jolie zeigt, die in der Menschenmenge den Täter sucht. Diese Wackeleffekte sind zwar einfach, aber durchaus effektvoll.
Auch die Musik empfand ich als recht gut, da sie jeder Situation stets angepasst war und auch in ihrer Lautstärke immer zur Szene passte. Wurde es spannend, so steigerte sich natürlich auch die Musiklautstärke, jeder Krimi- und Thrillerfan kennt diese Crescendi, die Zeichen dafür sind, sich nun an den Arm der Kinobegleitung oder ans Kissen zu krallen.
Erwähnenswert ist bei einem Thriller auch der Spannungsbogen. Zunächst beginnt der Film recht harmlos an einem Schalter, wo ein ziemlich hässlicher Junge sich eine Fahrkarte kauft. Im Prinzip sieht der Junge ganz unschuldig aus, da der Film aber mit einer Einstellung auf ihn beginnt, hat man ihn natürlich sofort in Verdacht. Und das bestätigt sich auch, als er seine Reisebegleitung vor das rasende Auto schuppst und ihn dabei umbringt. Schon befindet man sich mitten in der Geschichte, denn bereits in der ersten Szene wurde man dem Täter vorgestellt. Doch wird erst nach und nach klar, wie viele Morde Martin Asher wirklich begangen hat, um verschiedene Identitäten annehmen zu können. Als ein Zeuge ein Phantombild vom Mörder zeichnen kann, kommt die Polizei dem Täter immer näher, sie durchsucht seine Wohnung und kann schließlich auch die Verfolgung aufnehmen, als der Mörder bei Costa auftaucht. Der Kreis schließt sich hier immer enger um den Täter und der Film wird immer spannender, da zwischendurch der Verdächtige eingeblendet wird, wenn Scott Costa nach Hause bringt, aber bereits im benachbarten Hauseingang eine Gestalt wartet. Auch als Scott das Haus von Mrs. Asher durchsucht, um dem Geheimnis der verborgenen Tür auf die Spur zu kommen, sind Gruseleffekte vorprogrammiert. Hier enttäuscht der Film nicht, denn bis zu einem gewissen Punkt steigert sich die Spannung immer mehr. Doch auf ihrem Siedepunkt verpufft die Spannung leider völlig. Ich möchte hier nicht zu viel verraten, da Thrillerfans selbstverständlich selbst beim Film mitraten wollen, jedoch fand ich den Film in der letzten halben Stunde ziemlich vorhersehbar. Wer der Täter ist, wird dann recht schnell klar und dann kann auch der Film nur noch ein einziges Ende nehmen, was er schließlich auch tut. Diese Entwicklung finde ich persönlich recht enttäuschend, denn ich mag Filme, die in der Schlusszene noch zu überraschen wissen, wie z.B. "die üblichen Verdächtigen" oder auch "Zwielicht", beide Filme enden mit einer überraschenden Wende, die den Filmen erst das gewisse Etwas geben. Damit kann "Taking Lives" leider nicht dienen.
Zwischendurch fallen auch kleinere Logikfehler auf, ich hatte den Eindruck, dass der Mörder mehr Opfer als Identitäten hatte. Wenn er aber doch nur mordet, weil er eine andere Identität annehmen will, wieso ermordet er dann zu viele Menschen? In einer Szene ist zu sehen, wie irgendwelche Fingerabdrücke gemacht werden und dem Zuschauer scheinbar vermittelt werden soll, dass der Mörder auch die Fingerabdrücke seiner Opfer kopiert, es ist weiterhin zu sehen, wie sich jemand Kontaktlinsen einsetzt. Dabei bildete ich mir ein, dass der Täter sich auch optisch seinen Opfern angleichen will, was aber nicht der Fall war. Was sollten dann aber diese Einblendungen mit den Fingerabdrücken und den Kontaktlinsen?
Dennoch würde ich den Film als solide Thrillerkost mit teilweise etwas unmotivierten Schauspielern bezeichnen. Der Film weiß 103 Minuten lang ganz gut zu unterhalten, auch wenn die Handlung zum Ende hin etwas vor sich hinplätschert und man im Kinosaal eigentlich nur noch ungeduldig auf den Abspann wartet, damit man endlich nach Hause gehen kann.
** Fazit
Taking Lives ist schön anzusehen, wartet mit düsterer Atmosphäre und gutem Soundtrack auf, kann allerdings keine Highlights bieten. So konnte mich der Film zwar recht gut unterhalten, aber nicht beeindrucken. Der Film wird mir bestimmt nicht im Gedächtnis bleiben, er ist leider nur Durchschnitts-Thrillerkost. Auch aufgrund der teils mageren schauspielerischen Leistungen kann ich daher nur 3 Sterne und auch nur eine bedingte Empfehlung für absolute Thrillerfans aussprechen.
Geschrieben am 14. April für www.ciao.de
87 Bewertungen, 3 Kommentare
-
19.03.2009, 21:21 Uhr von LiFo
Bewertung: sehr hilfreichSehr schön geschrieben! Liebe Grüße, Lifo
-
06.03.2006, 11:47 Uhr von jamesi_bg
Bewertung: sehr hilfreichIch find die Jolie auch nicht besonders....lg, Bianca
-
05.03.2006, 00:48 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreich...sh...*g*...Lg, Christina
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