Erfahrungsbericht von Hoernchen16
EGBERT BEGREIFT!
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Heute möchte ich euch von Egbert erzählen, einem 43-jährigen Elektriker aus Niederkleckersheim im Ruhrpott. Egbert ist nämlich letzte Woche von der Arbeit nach Hause gekommen, hat seinen Blaumann unter keifenden Protesten seiner langjährigen Frau Gitta in die Garderobe gehängt, auf der Stelle einen entspannenden Furz losgelassen, der seinen 120 Kilo-Körper bei 172 cm Körpergröße mitsamt einer nicht unerheblichen Menge des über den Tag angestauten Arbeitsstresses erleichtert.
Mit schon viel seeligerem Ausdruck in den Augen, als er eben noch seine Wohnungstür im 4. Stock der Peter-Lustig-Strasse aufschloss, betritt Egbert sein Zuhause und saugt mit 50 Dezibel Lautstärke schnaufend den heimischen Duft von destilliertem Wasser aus dem Bügeleisen, Hausstaub und den Bratkartoffeln mit Dinkel ein, die seine Frau unter wildem Gestikulieren und Luftmachen des weiblichen Konversationstriebes zum Abendbrot brutzelt.
Egbert lässt sich - die Ohren auf den Sparmodus des Jägers und Sammlers eingestellt - auf seinen grünen Ohrensessel plumpsen, den er von seinem Vati geerbt hat, um bald darauf zur dreifach mit Tesafilm reparierten Fernbedienung zu fischen, die unter dem aktuellen \"Goldenen Blatt\" von Gitta liegt. Dass seine (Haus-) Frau in diesem Moment klagt, wie viel Stress sie doch hat und er gleichzeitig den unwiederlegbaren Beweis ausfindig gemacht hat, dass sie vorhin die ganze zeit auf seinem Sessel gelesen hat, registriert Egbert längst nicht mehr. 18 Jahre Ehe und zwei Töchter hinterlassen eben ihre Spuren.
Egbert fühlt Unzufriedenheit in sich aufsteigen. Das Fernsehen scheint heute mal wieder ans Klo angschlossen zu sein: Man sieht nur Scheisse! Programm für Programm durchzappt der Familienvater, dessen Bauch sich inzwischen enspannt gewölbt und dessen Mund mit seinen spröden Lippen sich unwillkürlich geöffnet hat.
Aber was ist das?
Ein Musiksender, den Egbert sonst nicht sieht weil er eher auf Truck Stop-Musik abfährt: Drei junge, echt heisse Frauen stehen auf einem Tisch an irgend so einem Urlaubsort für junge Leute, die Egbert aus den 22:15 Uhr-Reportagen kennt und hampeln, als hätten sie Juckpulver im Slip. Als sich 5 Sekunden verzögert auch der Ton des Blaupunkt-Fernsehers hinzuschaltet, schwebt Egbert ein heisser Rhytmus aus verschiedenen Instrumenten, die er nicht erkennen kann und will. Dazu fangen die drei Mädels nun auch noch an, auf englisch zu singen. allerdings recht schnell und undeutlich, sodass Egbert und wohl auch kaum ein anderer mit normalen Englischkenntnissen den Sinn des Textes versteht. Und dann geht es - mitgerissen von der Musik - auch noch auf spanisch weiter.
Egbert bleibt auf dem Programm und stellt mit einem routinierten Blick über die Sesselohren sicher, dass seine Frau nichts von den halbnackten Früchtchen auf der Mattscheibe merkt.
Latino-Pop heisst diese Musikrichtung, die Egbert schon kennt, weil aus ihr eigentlich jedes Jahr die grossen Sommerhits hervorgehen, die dann auf jedem Radiosender rauf- und runtergespielt werden. Egbert erkennt jetzt auch dieses Lied als dieses eine komische aber gute, dass er immer aus dem Radio seines VW-Kombis hört.
Nun ist es auch schon vorbei und unser Familienvater hätte gerne mehr davon gehört denn die Musik hat ihm gefallen. Und die Damen sowieso, obwohl sie viel zu jung für ihn wären. Und zu schlank wohl auch. Egbert seufzt auf und spannt aber noch dabei seinen Oberkörper an, um den Titel des Liedes nicht zu verpassen, der jetzt über den Bildschirm flimmer. Ketchup Song von Las Ketchup. Nicht gerade einfallsreich. Aber Egbert versteht es. Mit den Namen anderer moderner Lieder kann er soinst wenig anfangen.
Naja, weitergezappt...
Nächster Musiksender. Und schon wieder dieses Lied! Egbert rechnet eins und eins zusammen und denkt sich, dass das Lied wohl ziemlich beliebt ist. Nach dem Video, von dem er jetzt mehr mitbekommt ist er sich sicher: Er versteht nichts davon, dass das Lied von einem lockeren Typen handelt, der Musik über alles liebt und Rap und Hip Hop favorisiert, aber er mag den Song.
Nächster Sender: Bayern 3. Bilder vom Oktoberfest. Und die Leute da im Bierzelt, von denen immer mehr mit roten Augen und auffällig dicken selbstgedrehten Zigaretten und Cola statt Bier herumlaufen, wackeln auch so herum wie in dem Musikvideo. Und aus den riesigen Boxen neben den Gogo-Girls in Lederhosen dröhnt: Der Ketchup Song! Langsam macht sich Egbert Sorgen, ob er heute noch einmal eine Sendung ohne den Song sehen darf. Er stellt aber fest, dass dieser Tanz jetzt wohl auch beliebt oder \"angesagt\" ist, wie seine Töchter das immer sagen.Diese Sommerhits bringen wohl immer ihre Tänze gleich mit in den Urlaub oder auf ihre Partys. Aber schon jetzt hängt Egbert, der dann grundsätzlich doch lieber seine vollbärtigen Truck Stop-Sänger mag, das Lied ein bisschen zum Hals raus. Es hat ja irgendwie keinen Sinn und klingt immer gleich. Aber schlecht ist es nicht.
Egbert freut sich irgendwie, dass ihm das Lied auch ein bisschen gefällt. So fern ist man der Jaugend dann doch nicht. Und jetzt gibts Bratkartoffeln mit Dinkel und Bier dazu.
Wir wollen es ihm gönnen. Oder?
Mit schon viel seeligerem Ausdruck in den Augen, als er eben noch seine Wohnungstür im 4. Stock der Peter-Lustig-Strasse aufschloss, betritt Egbert sein Zuhause und saugt mit 50 Dezibel Lautstärke schnaufend den heimischen Duft von destilliertem Wasser aus dem Bügeleisen, Hausstaub und den Bratkartoffeln mit Dinkel ein, die seine Frau unter wildem Gestikulieren und Luftmachen des weiblichen Konversationstriebes zum Abendbrot brutzelt.
Egbert lässt sich - die Ohren auf den Sparmodus des Jägers und Sammlers eingestellt - auf seinen grünen Ohrensessel plumpsen, den er von seinem Vati geerbt hat, um bald darauf zur dreifach mit Tesafilm reparierten Fernbedienung zu fischen, die unter dem aktuellen \"Goldenen Blatt\" von Gitta liegt. Dass seine (Haus-) Frau in diesem Moment klagt, wie viel Stress sie doch hat und er gleichzeitig den unwiederlegbaren Beweis ausfindig gemacht hat, dass sie vorhin die ganze zeit auf seinem Sessel gelesen hat, registriert Egbert längst nicht mehr. 18 Jahre Ehe und zwei Töchter hinterlassen eben ihre Spuren.
Egbert fühlt Unzufriedenheit in sich aufsteigen. Das Fernsehen scheint heute mal wieder ans Klo angschlossen zu sein: Man sieht nur Scheisse! Programm für Programm durchzappt der Familienvater, dessen Bauch sich inzwischen enspannt gewölbt und dessen Mund mit seinen spröden Lippen sich unwillkürlich geöffnet hat.
Aber was ist das?
Ein Musiksender, den Egbert sonst nicht sieht weil er eher auf Truck Stop-Musik abfährt: Drei junge, echt heisse Frauen stehen auf einem Tisch an irgend so einem Urlaubsort für junge Leute, die Egbert aus den 22:15 Uhr-Reportagen kennt und hampeln, als hätten sie Juckpulver im Slip. Als sich 5 Sekunden verzögert auch der Ton des Blaupunkt-Fernsehers hinzuschaltet, schwebt Egbert ein heisser Rhytmus aus verschiedenen Instrumenten, die er nicht erkennen kann und will. Dazu fangen die drei Mädels nun auch noch an, auf englisch zu singen. allerdings recht schnell und undeutlich, sodass Egbert und wohl auch kaum ein anderer mit normalen Englischkenntnissen den Sinn des Textes versteht. Und dann geht es - mitgerissen von der Musik - auch noch auf spanisch weiter.
Egbert bleibt auf dem Programm und stellt mit einem routinierten Blick über die Sesselohren sicher, dass seine Frau nichts von den halbnackten Früchtchen auf der Mattscheibe merkt.
Latino-Pop heisst diese Musikrichtung, die Egbert schon kennt, weil aus ihr eigentlich jedes Jahr die grossen Sommerhits hervorgehen, die dann auf jedem Radiosender rauf- und runtergespielt werden. Egbert erkennt jetzt auch dieses Lied als dieses eine komische aber gute, dass er immer aus dem Radio seines VW-Kombis hört.
Nun ist es auch schon vorbei und unser Familienvater hätte gerne mehr davon gehört denn die Musik hat ihm gefallen. Und die Damen sowieso, obwohl sie viel zu jung für ihn wären. Und zu schlank wohl auch. Egbert seufzt auf und spannt aber noch dabei seinen Oberkörper an, um den Titel des Liedes nicht zu verpassen, der jetzt über den Bildschirm flimmer. Ketchup Song von Las Ketchup. Nicht gerade einfallsreich. Aber Egbert versteht es. Mit den Namen anderer moderner Lieder kann er soinst wenig anfangen.
Naja, weitergezappt...
Nächster Musiksender. Und schon wieder dieses Lied! Egbert rechnet eins und eins zusammen und denkt sich, dass das Lied wohl ziemlich beliebt ist. Nach dem Video, von dem er jetzt mehr mitbekommt ist er sich sicher: Er versteht nichts davon, dass das Lied von einem lockeren Typen handelt, der Musik über alles liebt und Rap und Hip Hop favorisiert, aber er mag den Song.
Nächster Sender: Bayern 3. Bilder vom Oktoberfest. Und die Leute da im Bierzelt, von denen immer mehr mit roten Augen und auffällig dicken selbstgedrehten Zigaretten und Cola statt Bier herumlaufen, wackeln auch so herum wie in dem Musikvideo. Und aus den riesigen Boxen neben den Gogo-Girls in Lederhosen dröhnt: Der Ketchup Song! Langsam macht sich Egbert Sorgen, ob er heute noch einmal eine Sendung ohne den Song sehen darf. Er stellt aber fest, dass dieser Tanz jetzt wohl auch beliebt oder \"angesagt\" ist, wie seine Töchter das immer sagen.Diese Sommerhits bringen wohl immer ihre Tänze gleich mit in den Urlaub oder auf ihre Partys. Aber schon jetzt hängt Egbert, der dann grundsätzlich doch lieber seine vollbärtigen Truck Stop-Sänger mag, das Lied ein bisschen zum Hals raus. Es hat ja irgendwie keinen Sinn und klingt immer gleich. Aber schlecht ist es nicht.
Egbert freut sich irgendwie, dass ihm das Lied auch ein bisschen gefällt. So fern ist man der Jaugend dann doch nicht. Und jetzt gibts Bratkartoffeln mit Dinkel und Bier dazu.
Wir wollen es ihm gönnen. Oder?
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