The Metal Opera - Avantasia Testbericht
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Summe aller Bewertungen
- Cover-Design:
- Klangqualität:
Erfahrungsbericht von ausforming_von_ciao
Was für ein Werk!
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Vor einiger Zeit legte ich mir Tobias Sammet’s Metal Opera „Avantasia“ zu. Da sich diese aus zwei Teilen zusammensetzt, kommen natürlich auch zwei Berichte, aber beginnen möchte ich logischerweise bei Part I. Zuerst sollte vielleicht der Begriff der Metal Oper geklärt werden. Wer hier ein Werk im klassischen Stil erwartet wird herb enttäuscht, denn was man hier zu hören bekommt, ist Metal in bester Qualität. Die Bezeichnung Oper bezieht sich wohl darauf, dass wir es mit einem Konzeptalbum zu tun haben. Die Scheibe erzählt eben eine Geschichte, die im zweiten Teil fortgesetzt wird. Zum Verständnis der Erzählung sollte man aber über die Vorgeschichte informiert sein. Da diese im Booklet nur in Englisch geschrieben steht, möchte ich eine kurze Zusammenfassung auf deutsch geben.
VORGESCHICHTE
Wir befinden uns im Mainz des Jahres 1602 nach Christus. Gabriel Laymann ist Novize im Dominikanerkloster und „rettet“ im Namen der Kirche, zusammen mit seinem Mentor Jakob, verlorene Seelen. Er ist mit voller Begeisterung bei der Sache und freut sich, dass ihm der erste Fall alleine anvertraut wurde. Diese Begeisterung wird jedoch getrübt, als er eines Tages in den Hexenturm geht, um eine weitere Hexe zu erretten. Als er nämlich dort ankommt, erkennt er in der beschuldigten Frau seine Stiefschwester Anna. Er läuft also zurück ins Kloster und versucht die Unschuld Annas zu beweisen. Als er wegen seiner Zweifel zu Jakob geht, findet er diesen in der Bibliothek über einem Buch brüten, das sein Interesse weckt, da Jakob den Wälzer offensichtlich vor ihm geheim halten will. In einem unbeobachteten Moment schleicht er sich also zurück und schaut sich das geheimnisvolle Buch genauer an. Er stellt fest, dass es der vor kurzem verbrannten Hexe Else Vogler gehört hat. Im Buch findet er einen Brief von einem gewissen Lugaid Vandroiy, der an Else adressiert ist. Aus dem Brief geht zwar hervor, dass Lugaid das Buch gehört hat und er es zurück haben möchte, aber um was genau es in dem Buch selbst geht, bleibt für Gabriel ein Rätsel. Etwas enttäuscht legt er das Buch zurück und begibt sich wieder in seinen Raum. Jakob kommt jedoch dahinter, dass Gabriel ohne seine Erlaubnis im Buch des Teufels gelesen hat und wirft ihn daraufhin in den Kerker, damit er über seine Tat nachdenken kann.
An dieser Stelle endet die Vorgeschichte, der Rest wird nun auch mit Hilfe der Lieder dargestellt.
DIE WEITERE GESCHICHTE
AKT 1:
Der erste Akt beginnt im Kerker. Gabriel sitzt zusammen mit einem älteren Druiden ein. Wie sich bald herausstellt, handelt es sich bei diesem Druiden um Lugaid, also den eigentlichen Inhaber des ominösen Buches. Dieser führt Gabriel dann in die fast vergessene Welt der Mythologie ein. Daraufhin beginnt Gabriel über sein bisheriges Leben nachzudenken und erkennt die Fehler, die von der Kirche und auch von ihm selbst begannen wurden. Lugaid verspricht Gabriel ihm bei der Befreiung Annas zu helfen und nach ein paar Tagen beschließen die beiden schließlich zu fliehen. Da es in Mainz zu gefährlich ist beschließen die beiden einigen hochrangigen Vertretern zu folgen, die das besagte Buch nach Rom zum Papst Clemens VII. bringen sollen. Diese „Reisegruppe“ besteht aus Jakob, Falk von Kronberg (Mainzer Gerichtsvollzieher) und Johann Adam von Bicken, dem Prinz-Bischof. Kurz hinter Mainz wird die Reise von Gabriel und Lugaid jedoch jäh gestoppt, als sie von einer Räuberbande angegriffen werden. Dadurch verlieren sie den Anschluss an die Reisegruppe und Lugaid sieht sich gezwungen Gabriel die ganze Geschichte des Buches zu erzählen. Auf dem Buch ist eines von sieben Siegeln, die das Tor in die phantastische Welt Avantasia öffnen. Wenn der Papst und seine Gefolgsleute aber nach Avantasia gelangen, um eine Prophezeiung zu erfüllen, nach der sie angeblich die absolute Weisheit erlangen, wird dieses Tor für immer geschlossen. Um dies zu verhindern, muss Gabriel auf einem zweiten Weg nach Avantasia, nämlich durch pure Geisteskraft. Dies ist natürlich nur an einem heiligen Ort möglich und wie es der Zufall so will, kennt Lugaid ganz in der Nähe natürlich einen solchen Ort. Gesagt getan, die eiden begeben sich auf diese übernatürliche Lichtung und Gabriels Seele tritt nach Avantasia über. Zur gleichen Zeit öffnen die Geistlichen in Rom das Tor und betreten ebenfalls Avantasia.
AKT 2:
In Avantasia erhält Gabriel dann schnurstracks einen neuen Körper (die liegen da anscheinend in Massen rum) und wird vom Zwerg Regrin in die Elfenstadt Sesidhbana (ist kein Schreibfehler) gebracht. Dort lernt er den Elfenkönig Elderane kennen, der ihm die angespannte Lage in Avantasia erklärt. Eine teuflische Armee ist ins friedliche Avantasien eingefallen und kann nur gestoppt werden, wenn die sieben Siegel zurückgebracht werden und nicht, wie es der Papst will, über die Mauern eines dunklen Turmes geworfen werden. (Und dreimal darf der geneigte Leser raten wem diese Aufgabe zuteil wird) Richtig, natürlich Gabriel, denn die Bewohner von Avantasia dürfen keine Gewalt gegen Menschen anwenden. Um die Geistlichkeit einzuholen wird Gabriel ein Flugobjekt (ob das nun ein Drache oder ein Flugzeug ist steht nirgends) zur Verfügung gestellt und so macht sich Gabriel sofort auf den Weg. Nach einem kurzen Flug gelangt er zum dunklen Turm, vor dem die römische Delegation bereits steht. Eigentlich wäre Gabriel schon zu spät, aber die Geistlichen sind von der zornigen Stimme im Turm ziemlich irritiert, hatten sie doch den Allmächtigen höchstpersönlich erwartet (in Wirklichkeit ist es aber ein gefangener böser Zauberer, der mit den Siegeln wieder zur alten Macht zurückkehrt), so dass Gabriel sich das Siegel heimlich unter den Nagel reißen kann. Als die anderen den Diebstahl bemerken, hebt Gabriel gerade wieder Richtung Sesidhbana ab. Dort angekommen wird er von den Bewohnern gefeiert, nur bei ihm will keine richtige Freude aufkommen, da sein Hauptziel (die Befreiung seiner Stiefschwester) noch in weiter Ferne liegt.
Hier endet der erste Teil der Metal-Opera.
Nachdem ich nun den inhaltlichen Teil abgearbeitet habe, stelle ich jetzt erst einmal die beteiligten Musiker vor.
MITWIRKENDE
ROLLENBESETZUNG
Gabriel Laymann – Tobias Sammet (Edguy)
Lugaid Vandroiy – Ernie (Michael Kiske, ehemals Helloween)
Zwerg Regrin – Kai Hansen (Gamma Ray)
Mönch Jakob – David DeFeis (Virgin Steele)
Elf Elderane – André Matos (ehemals Angra)
Papst Clemens VII. – Oliver Hartmann (At Vance)
Anna Held – Sharon Den Adel (Within Temptation)
Bischof von Bicken – Rob Rock (Warrior)
Falk von Kronberg – Ralf Zdiarstek
Stimme im Turm – Timo Tolkki (Stratovarius)
MUSIKER
Gitarren – Henjo Richter (Gamma Ray)
Bass – Markus Grosskopf (Helloween)
Schlagzeug – Alex Holzwarth (Rhapsody)
Klavier – Frank Tischer
Akustik-Gitarre – Norman Meiritz
Klavier, Keybord, Orchestrierung – Tobias Sammet
Gitarre – Jens Ludwig (Edguy)
Der eigentliche Macher von Avantasia ist, wie der Name vollständige Name schon sagt, Tobias Sammet, seines Zeichens Frontmann der fuldaer Band Edguy. Neben dem Komponieren und Schreiben aller Titel übernahm er noch die Hauptrolle des Gabriel und die Produktion der Sccheibe. Die restlichen Plätze wurden, wie oben ersichtlich ist, recht namhaft besetzt So, genug der Vorrede, kommen wir nun zum eigentlichen Werk, der Musik.
DIE EINZELNEN LIEDER
PRELUDE 1:11
Der instrumentale Titel ist eher klassisch gehalten und wird hauptsächlich vom Keybord bestritten. Der Charakter ist sehr ruhig ehe eine Gitarre einsetzt, da sind wir dann aber auch schon im zweiten Titel, der nahtlos folgt.
REACH OUT VOR THE LIGHT 6:33
Der immer noch ruhige Titel wird plötzlich von treibenden Gitarrenriffs, die messerscharf daherkommen, abgelöst. Beim Gesang wechseln sich dann Gabriel und Lugaid ab. Man hört hier also eine Art Zwiesprache, manchmal dürfen dann auch beide gleichzeitig ran. Der Gesang bewegt sich in den oberen Gefilden der Tonleiter, die von den Sängern aber mühelos erreicht werden. Die Untermalung mit den schnellen Stakkato-Riffs bleibt eigentlich bis zum Schluss aufrechterhalten, sieht man einmal von ein, zwei kürzeren keybordlastigen Passagen ab, die etwas langsamer daherkommen.
Geschichtlich befinden wir uns im Mainzer Kerker, wo sich Gabriel und Lugaid gerade kennen gelernt haben und sich über das Wirken der Druiden unterhalten.
SERPENTS OF PARADISE 6:15
Wie der Vorgänger beginnt auch dieses Stück im Up-Tempo-Bereich. Dieses Mal hört man eine Unterhaltung von Gabriel und Jakob, die wiederum in bester gesanglicher Qualität abgeliefert wird. Neben den einzelnen Strophen, in denen man nur einen der beiden hört, wird der Refrain in einer Art Chor gesungen, was ihm äußerst gut bekommt. Im Mittelteil wird das Tempo zwar wieder etwas gesenkt, steigt allerdings nach kurzer Pause erneut an. Plötzlich wird dann der Stil des Liedes völlig gewechselt und der einsetzende Rhythmuswechsel gefällt mir eigentlich ausgesprochen gut. Diese Passage mit Hintergrundchor ist schlichtweg gelungen.
Dieses Gespräch findet nur auf Gedanklicher Ebene statt. Das heißt Gabriel und Jakob sind nicht im gleichen Raum, man sieht nur die Gedanken, die jeder zu seinem Beruf hat.
MALLEUS MALEFICARUM 1:43
Sakrale Töne, also ein Gebetsende und ein paar Glocken führen uns in den Folterkeller, wo Else Vogler Von Falk von Kronenberg „verhört“ wird. Außer einigen Schreien und einer Orgeluntermalung hört man nichts mehr.
Diese Szene spielt sich ebenfalls in den Gedanken Gabriels ab, er erinnert sich an die Folterung Elses, der er beigewohnt hatte.
BREAKING AWAY 4:34
Nach einem kurzen Drum-Intro legen die Gitarren wieder richtig los und breiten einen Klangteppich aus, den die Charaktere abermals gekonnt überlaufen. Abermals wird der Refrain mehrstimmig gesungen und erhält dadurch wieder mehr Glanz. Im Großen und ganzen dominieren wieder über die ganze Spieldauer stakkatoartige Riffs, die durch fulminante Solos unterstützt werden.
In diesem Stück fassen die beiden Gefangenen den Entschluss zu fliehen, um die Befreiung Annas vorzubereiten.
FAREWELL 6:32
Mit einem balladesken Anfang, der von einer Flöte bestritten wird, beginnt dieser Titel. Wir bewegen uns auch im weiteren Verlauf des Stückes im langsamen bis Mid-Tempo-Bereich, was für die Platte eher selten der Fall ist. Eingängige ruhige Riffs und ein Refrain den man getrost mitsingen könnte. Neben Gabriel und Lugaid kommt hier auch Anna zum Einsatz (leider das einzige Mal auf der Platte).
Thematisch geht’s hier um die Trennung der beiden Geschwister und die Hoffnungen die Anna in ihren Stiefbruder setzt.
(Dieser Titel ist auch auf dem Sampler „Metal Dreams 4“ enthalten)
THE GLORY OF ROME 5:28
Genug der Ruhe, auf nach Rom und die Schönheit und Macht der Stadt Preisen. Neben Gabriel tauchen hier erstmals die Kleriker auf, die sich beim Papst versammelt haben. Und da sich Farewell in langsameren Gefilden bewegt hatte, legt man mal wieder einen Zahn zu und schickt schnelle, harte Riffs aus den Boxen. Neben den einzelnen „Gesprächsabschnitten“ sticht natürlich erneut der Refrain heraus, der abermals als Chor arrangiert wurde. Besonders herauszuheben ist auch noch der Mittelteil, der etwas getragener, aber nicht desto Trotz bombastisch daherkommt. Man spürt richtig wie die Charaktere aus Ehrfurcht vor Rom fast erstarren.
Die Thematik ist denke ich in den obigen Erläuterungen abgedeckt.
IN NOMINE PATRIS 1:04
Diesel rein in strumentale Titel steht am Übergang der Kleriker nach Avantasia und wirkt daher wieder etwas sakral. Ansonsten kann man über diesen ziemlich kurzen Titel nichts mehr sagen.
AVANTASIA 5:32
Ferne Töne erklingen, ehe die Intensität zunimmt und wir uns in einem Mid-Tempo-Song befinden. Die musikalische Untermalung des Gesangs übernimmt ein recht angenehmer Beat und einige Riffs. Während in den Strophen der Gesang deutlich im Vordergrund steht, ist die Instrumentierung des Refrains erheblich voller und kräftiger. In alter Manier ist der Refrain auch wieder als kraftvoller Chor gestaltet.
Eigentlich haben wir es hier wieder mit einer Lobpreisung zu tun, nur eben nicht auf Rom, sondern auf Avantasia.
A NEW DIMENSION 1:39
Ebenfalls ein rein instrumentales Stück im klassischen Stil, das die Ankunft Gabriels in Avantasia untermalt. Klingt recht harmonisch und passt perfekt in die momentane Atmosphäre der Handlung.
INSIDE 2:24
Mit recht hohem Gesang steigt man in den Song ein. Als Begleitung dient hier nur ein Klavier, was sich natürlich auch auf das Tempo auswirkt, das bleibt nämlich dementsprechend langsam und Härte kommt selbstverständlich auch nicht auf.
Thematisch beschäftigt sich der Song mit der Existenz Avantasias und den Ängsten Gabriels um seine Schwester.
SIGN OF THE CROSS 6:24
Ein Anfang, der sehr wuchtig daherkommt. Keybordklänge, die von einigen Gitarren untermalt werden, später dreht sich das Spiel dann um. In diesem Titel legen alle Beteiligten ihre Beweggründe dar, so dass man eine Vielzahl an Sängern zu hören bekommt. Im Laufe des Stückes wechseln sich dann Solo- und Chorgesänge in verschiedenen Tempolagen sowie einige Instrumental-Abschnitte ab.
THE TOWER 9:43
Das längste und abwechslungsreichste Stück. Nach einem kurzen Klavierintro und sphärischen Keybordklängen brettern wieder die Gitarren los und mit ihnen ein gewaltiger Chor. Das dramatische Ende des ersten Teils wird hier effektvoll in Szene gesetzt. Die Spannung steigert sich immer weiter, Melodiebögen werden gespannt und die Szenerie wandert zum Turm in dem der böse Zauberer sitzt. Das Tempo wird gedrosselt und düstere Klänge bringen die Atmosphäre gekonnt rüber. Der genialste Gesangspart dieses Stückes ist meiner Ansicht nach der von Lugaid, wie da „Go all the way to the tower“ geschmettert wird ist einfach grandios. Am Ende steht dann ein weiterer Chor, ehe eine gesprochene langsame Passage, den ersten Teil beendet.
COVER
Auf derVorderseite ist ein steinernes Wappen vor einer Lagerfeuerszene zu sehen. Das Booklet enthält die gesamte Story (aber halt auf englisch), sowie alle Songtexte und ein Vorwort von Tobias Sammet. Auf der Rückseite findet man eine Auflistung der Titel mit Laufzeit und die ganze Besetzungsliste.
FAZIT
Was hier abgeliefert wurde, ist etwas vom Besten was man aus deutschen Landen seither zu Gehör bekommen hat. Auf Grund der teilweise doch recht harten Songs, dürfte ein Nicht-Metal-Fan zwar seine Probleme mit dieser „Oper“ haben, aber alle die auf guten, melodischen Metal stehen, dürfen diese CD schlichtweg nicht verpassen. Man wird den Kauf auf keinen Fall bereuen, denn die komplexe Story und der abwechslungsreiche Songaufbau garantieren einen lang anhaltenden Hörgenuss. In diesem Sinne
Bis demnächst, oder wie Tobias Sammet sagen würde:
Wir sehen uns in Teil zwei!
!Dieser Bericht ist auch bei ciao veröffentlicht!
VORGESCHICHTE
Wir befinden uns im Mainz des Jahres 1602 nach Christus. Gabriel Laymann ist Novize im Dominikanerkloster und „rettet“ im Namen der Kirche, zusammen mit seinem Mentor Jakob, verlorene Seelen. Er ist mit voller Begeisterung bei der Sache und freut sich, dass ihm der erste Fall alleine anvertraut wurde. Diese Begeisterung wird jedoch getrübt, als er eines Tages in den Hexenturm geht, um eine weitere Hexe zu erretten. Als er nämlich dort ankommt, erkennt er in der beschuldigten Frau seine Stiefschwester Anna. Er läuft also zurück ins Kloster und versucht die Unschuld Annas zu beweisen. Als er wegen seiner Zweifel zu Jakob geht, findet er diesen in der Bibliothek über einem Buch brüten, das sein Interesse weckt, da Jakob den Wälzer offensichtlich vor ihm geheim halten will. In einem unbeobachteten Moment schleicht er sich also zurück und schaut sich das geheimnisvolle Buch genauer an. Er stellt fest, dass es der vor kurzem verbrannten Hexe Else Vogler gehört hat. Im Buch findet er einen Brief von einem gewissen Lugaid Vandroiy, der an Else adressiert ist. Aus dem Brief geht zwar hervor, dass Lugaid das Buch gehört hat und er es zurück haben möchte, aber um was genau es in dem Buch selbst geht, bleibt für Gabriel ein Rätsel. Etwas enttäuscht legt er das Buch zurück und begibt sich wieder in seinen Raum. Jakob kommt jedoch dahinter, dass Gabriel ohne seine Erlaubnis im Buch des Teufels gelesen hat und wirft ihn daraufhin in den Kerker, damit er über seine Tat nachdenken kann.
An dieser Stelle endet die Vorgeschichte, der Rest wird nun auch mit Hilfe der Lieder dargestellt.
DIE WEITERE GESCHICHTE
AKT 1:
Der erste Akt beginnt im Kerker. Gabriel sitzt zusammen mit einem älteren Druiden ein. Wie sich bald herausstellt, handelt es sich bei diesem Druiden um Lugaid, also den eigentlichen Inhaber des ominösen Buches. Dieser führt Gabriel dann in die fast vergessene Welt der Mythologie ein. Daraufhin beginnt Gabriel über sein bisheriges Leben nachzudenken und erkennt die Fehler, die von der Kirche und auch von ihm selbst begannen wurden. Lugaid verspricht Gabriel ihm bei der Befreiung Annas zu helfen und nach ein paar Tagen beschließen die beiden schließlich zu fliehen. Da es in Mainz zu gefährlich ist beschließen die beiden einigen hochrangigen Vertretern zu folgen, die das besagte Buch nach Rom zum Papst Clemens VII. bringen sollen. Diese „Reisegruppe“ besteht aus Jakob, Falk von Kronberg (Mainzer Gerichtsvollzieher) und Johann Adam von Bicken, dem Prinz-Bischof. Kurz hinter Mainz wird die Reise von Gabriel und Lugaid jedoch jäh gestoppt, als sie von einer Räuberbande angegriffen werden. Dadurch verlieren sie den Anschluss an die Reisegruppe und Lugaid sieht sich gezwungen Gabriel die ganze Geschichte des Buches zu erzählen. Auf dem Buch ist eines von sieben Siegeln, die das Tor in die phantastische Welt Avantasia öffnen. Wenn der Papst und seine Gefolgsleute aber nach Avantasia gelangen, um eine Prophezeiung zu erfüllen, nach der sie angeblich die absolute Weisheit erlangen, wird dieses Tor für immer geschlossen. Um dies zu verhindern, muss Gabriel auf einem zweiten Weg nach Avantasia, nämlich durch pure Geisteskraft. Dies ist natürlich nur an einem heiligen Ort möglich und wie es der Zufall so will, kennt Lugaid ganz in der Nähe natürlich einen solchen Ort. Gesagt getan, die eiden begeben sich auf diese übernatürliche Lichtung und Gabriels Seele tritt nach Avantasia über. Zur gleichen Zeit öffnen die Geistlichen in Rom das Tor und betreten ebenfalls Avantasia.
AKT 2:
In Avantasia erhält Gabriel dann schnurstracks einen neuen Körper (die liegen da anscheinend in Massen rum) und wird vom Zwerg Regrin in die Elfenstadt Sesidhbana (ist kein Schreibfehler) gebracht. Dort lernt er den Elfenkönig Elderane kennen, der ihm die angespannte Lage in Avantasia erklärt. Eine teuflische Armee ist ins friedliche Avantasien eingefallen und kann nur gestoppt werden, wenn die sieben Siegel zurückgebracht werden und nicht, wie es der Papst will, über die Mauern eines dunklen Turmes geworfen werden. (Und dreimal darf der geneigte Leser raten wem diese Aufgabe zuteil wird) Richtig, natürlich Gabriel, denn die Bewohner von Avantasia dürfen keine Gewalt gegen Menschen anwenden. Um die Geistlichkeit einzuholen wird Gabriel ein Flugobjekt (ob das nun ein Drache oder ein Flugzeug ist steht nirgends) zur Verfügung gestellt und so macht sich Gabriel sofort auf den Weg. Nach einem kurzen Flug gelangt er zum dunklen Turm, vor dem die römische Delegation bereits steht. Eigentlich wäre Gabriel schon zu spät, aber die Geistlichen sind von der zornigen Stimme im Turm ziemlich irritiert, hatten sie doch den Allmächtigen höchstpersönlich erwartet (in Wirklichkeit ist es aber ein gefangener böser Zauberer, der mit den Siegeln wieder zur alten Macht zurückkehrt), so dass Gabriel sich das Siegel heimlich unter den Nagel reißen kann. Als die anderen den Diebstahl bemerken, hebt Gabriel gerade wieder Richtung Sesidhbana ab. Dort angekommen wird er von den Bewohnern gefeiert, nur bei ihm will keine richtige Freude aufkommen, da sein Hauptziel (die Befreiung seiner Stiefschwester) noch in weiter Ferne liegt.
Hier endet der erste Teil der Metal-Opera.
Nachdem ich nun den inhaltlichen Teil abgearbeitet habe, stelle ich jetzt erst einmal die beteiligten Musiker vor.
MITWIRKENDE
ROLLENBESETZUNG
Gabriel Laymann – Tobias Sammet (Edguy)
Lugaid Vandroiy – Ernie (Michael Kiske, ehemals Helloween)
Zwerg Regrin – Kai Hansen (Gamma Ray)
Mönch Jakob – David DeFeis (Virgin Steele)
Elf Elderane – André Matos (ehemals Angra)
Papst Clemens VII. – Oliver Hartmann (At Vance)
Anna Held – Sharon Den Adel (Within Temptation)
Bischof von Bicken – Rob Rock (Warrior)
Falk von Kronberg – Ralf Zdiarstek
Stimme im Turm – Timo Tolkki (Stratovarius)
MUSIKER
Gitarren – Henjo Richter (Gamma Ray)
Bass – Markus Grosskopf (Helloween)
Schlagzeug – Alex Holzwarth (Rhapsody)
Klavier – Frank Tischer
Akustik-Gitarre – Norman Meiritz
Klavier, Keybord, Orchestrierung – Tobias Sammet
Gitarre – Jens Ludwig (Edguy)
Der eigentliche Macher von Avantasia ist, wie der Name vollständige Name schon sagt, Tobias Sammet, seines Zeichens Frontmann der fuldaer Band Edguy. Neben dem Komponieren und Schreiben aller Titel übernahm er noch die Hauptrolle des Gabriel und die Produktion der Sccheibe. Die restlichen Plätze wurden, wie oben ersichtlich ist, recht namhaft besetzt So, genug der Vorrede, kommen wir nun zum eigentlichen Werk, der Musik.
DIE EINZELNEN LIEDER
PRELUDE 1:11
Der instrumentale Titel ist eher klassisch gehalten und wird hauptsächlich vom Keybord bestritten. Der Charakter ist sehr ruhig ehe eine Gitarre einsetzt, da sind wir dann aber auch schon im zweiten Titel, der nahtlos folgt.
REACH OUT VOR THE LIGHT 6:33
Der immer noch ruhige Titel wird plötzlich von treibenden Gitarrenriffs, die messerscharf daherkommen, abgelöst. Beim Gesang wechseln sich dann Gabriel und Lugaid ab. Man hört hier also eine Art Zwiesprache, manchmal dürfen dann auch beide gleichzeitig ran. Der Gesang bewegt sich in den oberen Gefilden der Tonleiter, die von den Sängern aber mühelos erreicht werden. Die Untermalung mit den schnellen Stakkato-Riffs bleibt eigentlich bis zum Schluss aufrechterhalten, sieht man einmal von ein, zwei kürzeren keybordlastigen Passagen ab, die etwas langsamer daherkommen.
Geschichtlich befinden wir uns im Mainzer Kerker, wo sich Gabriel und Lugaid gerade kennen gelernt haben und sich über das Wirken der Druiden unterhalten.
SERPENTS OF PARADISE 6:15
Wie der Vorgänger beginnt auch dieses Stück im Up-Tempo-Bereich. Dieses Mal hört man eine Unterhaltung von Gabriel und Jakob, die wiederum in bester gesanglicher Qualität abgeliefert wird. Neben den einzelnen Strophen, in denen man nur einen der beiden hört, wird der Refrain in einer Art Chor gesungen, was ihm äußerst gut bekommt. Im Mittelteil wird das Tempo zwar wieder etwas gesenkt, steigt allerdings nach kurzer Pause erneut an. Plötzlich wird dann der Stil des Liedes völlig gewechselt und der einsetzende Rhythmuswechsel gefällt mir eigentlich ausgesprochen gut. Diese Passage mit Hintergrundchor ist schlichtweg gelungen.
Dieses Gespräch findet nur auf Gedanklicher Ebene statt. Das heißt Gabriel und Jakob sind nicht im gleichen Raum, man sieht nur die Gedanken, die jeder zu seinem Beruf hat.
MALLEUS MALEFICARUM 1:43
Sakrale Töne, also ein Gebetsende und ein paar Glocken führen uns in den Folterkeller, wo Else Vogler Von Falk von Kronenberg „verhört“ wird. Außer einigen Schreien und einer Orgeluntermalung hört man nichts mehr.
Diese Szene spielt sich ebenfalls in den Gedanken Gabriels ab, er erinnert sich an die Folterung Elses, der er beigewohnt hatte.
BREAKING AWAY 4:34
Nach einem kurzen Drum-Intro legen die Gitarren wieder richtig los und breiten einen Klangteppich aus, den die Charaktere abermals gekonnt überlaufen. Abermals wird der Refrain mehrstimmig gesungen und erhält dadurch wieder mehr Glanz. Im Großen und ganzen dominieren wieder über die ganze Spieldauer stakkatoartige Riffs, die durch fulminante Solos unterstützt werden.
In diesem Stück fassen die beiden Gefangenen den Entschluss zu fliehen, um die Befreiung Annas vorzubereiten.
FAREWELL 6:32
Mit einem balladesken Anfang, der von einer Flöte bestritten wird, beginnt dieser Titel. Wir bewegen uns auch im weiteren Verlauf des Stückes im langsamen bis Mid-Tempo-Bereich, was für die Platte eher selten der Fall ist. Eingängige ruhige Riffs und ein Refrain den man getrost mitsingen könnte. Neben Gabriel und Lugaid kommt hier auch Anna zum Einsatz (leider das einzige Mal auf der Platte).
Thematisch geht’s hier um die Trennung der beiden Geschwister und die Hoffnungen die Anna in ihren Stiefbruder setzt.
(Dieser Titel ist auch auf dem Sampler „Metal Dreams 4“ enthalten)
THE GLORY OF ROME 5:28
Genug der Ruhe, auf nach Rom und die Schönheit und Macht der Stadt Preisen. Neben Gabriel tauchen hier erstmals die Kleriker auf, die sich beim Papst versammelt haben. Und da sich Farewell in langsameren Gefilden bewegt hatte, legt man mal wieder einen Zahn zu und schickt schnelle, harte Riffs aus den Boxen. Neben den einzelnen „Gesprächsabschnitten“ sticht natürlich erneut der Refrain heraus, der abermals als Chor arrangiert wurde. Besonders herauszuheben ist auch noch der Mittelteil, der etwas getragener, aber nicht desto Trotz bombastisch daherkommt. Man spürt richtig wie die Charaktere aus Ehrfurcht vor Rom fast erstarren.
Die Thematik ist denke ich in den obigen Erläuterungen abgedeckt.
IN NOMINE PATRIS 1:04
Diesel rein in strumentale Titel steht am Übergang der Kleriker nach Avantasia und wirkt daher wieder etwas sakral. Ansonsten kann man über diesen ziemlich kurzen Titel nichts mehr sagen.
AVANTASIA 5:32
Ferne Töne erklingen, ehe die Intensität zunimmt und wir uns in einem Mid-Tempo-Song befinden. Die musikalische Untermalung des Gesangs übernimmt ein recht angenehmer Beat und einige Riffs. Während in den Strophen der Gesang deutlich im Vordergrund steht, ist die Instrumentierung des Refrains erheblich voller und kräftiger. In alter Manier ist der Refrain auch wieder als kraftvoller Chor gestaltet.
Eigentlich haben wir es hier wieder mit einer Lobpreisung zu tun, nur eben nicht auf Rom, sondern auf Avantasia.
A NEW DIMENSION 1:39
Ebenfalls ein rein instrumentales Stück im klassischen Stil, das die Ankunft Gabriels in Avantasia untermalt. Klingt recht harmonisch und passt perfekt in die momentane Atmosphäre der Handlung.
INSIDE 2:24
Mit recht hohem Gesang steigt man in den Song ein. Als Begleitung dient hier nur ein Klavier, was sich natürlich auch auf das Tempo auswirkt, das bleibt nämlich dementsprechend langsam und Härte kommt selbstverständlich auch nicht auf.
Thematisch beschäftigt sich der Song mit der Existenz Avantasias und den Ängsten Gabriels um seine Schwester.
SIGN OF THE CROSS 6:24
Ein Anfang, der sehr wuchtig daherkommt. Keybordklänge, die von einigen Gitarren untermalt werden, später dreht sich das Spiel dann um. In diesem Titel legen alle Beteiligten ihre Beweggründe dar, so dass man eine Vielzahl an Sängern zu hören bekommt. Im Laufe des Stückes wechseln sich dann Solo- und Chorgesänge in verschiedenen Tempolagen sowie einige Instrumental-Abschnitte ab.
THE TOWER 9:43
Das längste und abwechslungsreichste Stück. Nach einem kurzen Klavierintro und sphärischen Keybordklängen brettern wieder die Gitarren los und mit ihnen ein gewaltiger Chor. Das dramatische Ende des ersten Teils wird hier effektvoll in Szene gesetzt. Die Spannung steigert sich immer weiter, Melodiebögen werden gespannt und die Szenerie wandert zum Turm in dem der böse Zauberer sitzt. Das Tempo wird gedrosselt und düstere Klänge bringen die Atmosphäre gekonnt rüber. Der genialste Gesangspart dieses Stückes ist meiner Ansicht nach der von Lugaid, wie da „Go all the way to the tower“ geschmettert wird ist einfach grandios. Am Ende steht dann ein weiterer Chor, ehe eine gesprochene langsame Passage, den ersten Teil beendet.
COVER
Auf derVorderseite ist ein steinernes Wappen vor einer Lagerfeuerszene zu sehen. Das Booklet enthält die gesamte Story (aber halt auf englisch), sowie alle Songtexte und ein Vorwort von Tobias Sammet. Auf der Rückseite findet man eine Auflistung der Titel mit Laufzeit und die ganze Besetzungsliste.
FAZIT
Was hier abgeliefert wurde, ist etwas vom Besten was man aus deutschen Landen seither zu Gehör bekommen hat. Auf Grund der teilweise doch recht harten Songs, dürfte ein Nicht-Metal-Fan zwar seine Probleme mit dieser „Oper“ haben, aber alle die auf guten, melodischen Metal stehen, dürfen diese CD schlichtweg nicht verpassen. Man wird den Kauf auf keinen Fall bereuen, denn die komplexe Story und der abwechslungsreiche Songaufbau garantieren einen lang anhaltenden Hörgenuss. In diesem Sinne
Bis demnächst, oder wie Tobias Sammet sagen würde:
Wir sehen uns in Teil zwei!
!Dieser Bericht ist auch bei ciao veröffentlicht!
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