Ring (VHS) Testbericht

Ring-vhs-horrorfilm
ab 5,70
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Erfahrungsbericht von mima007

Doppelbödiger Geister-Horror

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Es gibt ein Video, das jeden, der es sieht, nach sieben Tagen tötet - sobald derjenige einen Anruf erhält. Was nach einer \"urban legend\" klingt, wird in diesem Streifen mit unheimlicher Konsequenz vorgeführt. Der Film kommt am 16. Februar in die deutschen Kinos. Ich habe ihn in Las Vegas gesehen.


Filminfos

O-Titel: the ring, 2002
FSK: ab 16 (USA: ab 13)
Länge: 115 Minuten
Regisseur: Gore Verbinski
Drehbuch: Ehren Kruger
Lit. Vorlage: Kôji Suzuki (Buch im Heyne-Verlag erschienen)
Musik: Hans Zimmer

DARSTELLER:
Rachel Keller: Naomi Watts (\"Mulholland Drive\")
Noah: Martin Henderson
Richard Morgan: Brian Cox
Aidan: David Dorfman
Ruth: Lindsay Frost
Katie: Amber Tamblyn


Handlung
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Prolog

Katie (Amber Tamblyn) hat mit ihrem Freund Josh ein Video angesehen, als die beiden in einer Landherberge namens Shelter Hill übernachteten (genauer: in Hütte Nr. 12 - das wird später noch bedeutsam). Seit jenem Abend fürchtet sich Katie vor Fernsehgeräten, besonders vor solchen, die sich grundlos von selbst einschalten und nur weißes Rauschen zeigen.

Denn dieses Rauschen sieht man auf dem verbotenen Video, von dem es heißt (so erzählt es ihre Freundin), dass man sieben Tage danach stirbt. Und jetzt ist Katies siebter Tag angebrochen...

Hauptteil

Nach Katies abruptem Ableben wird ihre Cousine Rachel (Naomi Watts) von Katies Mutter darum gebeten herauszufinden, woher das mörderische Video kommt und wer es wozu gemacht hat. Rachel ist Reporterin bei einer lokalen Tageszeitung in Seattle: es gehört zu ihrem Job, Dinge herauszufinden. Sie ahnt noch nicht, worauf sie sich einlässt. Ihre Nachforschungen bringen nicht nur sie, sondern auch ihren neunjährigen Sohn Aidan (David Dorfman), einen guten Zeichner, und dessen Vater Noah (Martin Henderson), einen Videoproduzenten (?), in Lebensgefahr.

Sie findet heraus, dass vor Katies Tod bereits vier Menschen \"Opfer\" des Videos wurden: zwei junge Paare, die alle Selbstmord begingen, und zwar alle um zehn Uhr abends. Logierten auch sie in Shelter Hill? Jedenfalls entdeckt Rachel das Video im Landgasthaus, lässt es mitgehen und macht eine Kopie davon. Sie untersucht das Band mit Hilfe professioneller Technik, sowohl im Verlag als auch bei Noah. Es zeigen sich rätselhafte Phänomene: die Bandzähler spinnen, es gibt keinen Urhebervermerk und es gibt abrupte Übergänge, die Bilder der Sichtbarkeit entziehen.

Was das Video zeigt

Die Schwarzweißbilder zeigen nur unverbundene, surreal anmutende Szenen ohne Handlung, als würde man einen Traum ansehen: eine hohe Leiter, die umkippt;, einen hellen Ring mit schwarzem Inneren, der sich schließt; einen Stuhl, der auf dem Kopf steht; eine Frau, die sich kämmt und den Betrachter ansieht; tote Pferde auf einem Meeresstrand; wuselnde Insekten, die plötzlich zu Menschenkörpern werden; ein kahler Baum im Sturm, am Schluss ein steinerner Feldbrunnen, aus dem unvermittelt eine Hand auftaucht...

Das Video endet mit einer Abfolge von ultrakurzen Bildern, die das Gehirn praktisch nur unterschwellig wahrnimmt, so etwa ein Pferdeauge. Dann folgt das bekannte Weiße Rauschen.

Verhängnisvolle Recherchen

Doch Rachel und Noah entdecken, dass bei einem der Bildübergänge etwas Wichtiges zu sehen ist: ein Leuchtturm neben einer markanten Felsengruppe. Schon bald hat ihn Rachel identifiziert: Er steht auf einer Insel, die mehrmals in Zeitungsberichten erwähnt wird. Hier lebte auch die sich kämmende Frau aus dem Foto. Anna Morgan war eine berühmte Springreiterin mit etlichen Pferden, aber offenbar keinen Kindern.

Inzwischen ist Rachels dritter Tag angebrochen. Sie hat häufig unvermittelt Nasenbluten. Auf der Fähre zur Insel löst Rachel allein durch ihre Berührung das Durchgehen und den Tod eines edlen Pferdes aus. Eines der Videobilder wird wahr, und Rachel ist reichlich geschockt. Ist das Video etwa eine Prophezeiung?

Auf der Insel sucht sie das Haus von Anna Morgan auf, eine Pferdefarm. Da die verunglückte Anna schon vor Jahren starb, wird sie nur von deren Witwer Richard begrüßt. Auch er ist auf dem Video kurz zu sehen. Als er merkt, dass sie von der Zeitung ist und nach Videos fragt, wirft er sie raus. Doch seltsam: Genau dieser Pferdestall ist auch auf Aidans neuesten Zeichnungen zu sehen. Und es gibt eine leere Kinderschaukel vor dem Haus. Gab es doch ein Kind?

Noah findet während dessen heraus, dass die Morgans eine Adoptivtochter namens Samara hatten. Doch außer einem Videoband, das die Neunjährige in der Psychiatrie zeigt, existieren keinerlei Hinweise auf den Verbleib von Samara. Wohin ist sie verschwunden? Die Spur führt zurück nach Shelter Hill und zu einem in Hütte 12 verborgenen Brunnen - dem Brunnen, der im Video zu sehen ist?...

Mein Eindruck
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Ich gestehe, ich hatte bei manchen Szenen dieses Films Angst. Zwar habe ich schon einige Streifen gesehen, und The Ring erinnerte mich streckenweise an Streifen wie \"Blair Witch Project\" (Videos!), \"The Others\" (Gespenster) oder \"The Sixth Sense\" (Geister von Toten). Und obwohl ein paar Fragen offen bleiben, geht die Wirkung von The Ring richtig unter die Haut. Dafür sind hauptsächlich die gruselige, stimmungsvolle Musik von \"Gladiator\"-Komponist Hans Zimmer und einige gezielt eingesetzte Bilder verantwortlich, die dem Zuschauer das Äquivalent eines Elektroschocks verpassen. Manche dieser Mikrobilder sind nur vom Unterbewusstsein wahrzunehmen und entfalten dort unkontrolliert ihre Wirkung.

The Ring ist sicher kein Film für Action-Fans, aber auch keiner für Rationalisten, die Vernunft und Logik in einer Kette von Ursache und Wirkung erwarten. Vielmehr dürften sich Leute am besten unterhalten, die über viel Vorstellungskraft verfügen. Unter anderen sollten sie an die Geister von Toten glauben.

Zwei Enden, zwei Ebenen (SPOILER!)

Daher der Film auch zwei Schlüsse: einen oberflächlichen für Rationalisten und Thrillerfans, die auf abgeschlossene Handlungen und die Lösung von Rätseln Wert legen; und einen für die Freunde des subtilen Grauens.

Auf der ersten Ebene finden Rachel und Noah heraus, was mit den Morgans und ihrer Tochter Samara geschah - am eigenen Leib. Und als Finale findet eine Art Erlösung statt.

Aber das ist ein Trugschluss, wie Ende Nr. 2 zeigt. Denn Samara hält immer noch telepathischen Kontakt zu Rachels Sohn Aidan. Und ihr geist vollzieht seine Rache weiterhin an allen, die das Video gesehen haben. Leider kommt Rachels Erkenntnis für Noah zu spät. Samara hat zudem mit einem Trick dafür gesorgt, dass das Video kopiert und weiterverbreitet wird. Denn ihre Rachsucht kennt weder Ende noch Grenzen. (SPOILER Ende)

Die Darsteller

Naomi Watts spielt eindeutig die Hauptrolle, und sie macht ihre Arbeit gut. Mal ist sie die professionelle Reporterin mit der Kodderschnauze, dann wieder die treu sorgende Kinder-Managerin, die auch mit ihrem Ex, Noah, souverän umgehen kann.

Auf der Suche nach der verschwundenen Samara wirkt sie allerdings wie die entfernte Verwandte der \'Grabräuberin\' Lara Croft (\'Tomb Raider\') und mancher Figuren aus \'Akte X\'.

Auf ähnliche Weise tritt ihr Filmsohn Aidan als Vetter von Haley Joel Osments Figur in \"The Sixth Sense\" auf: ein parapsychologisch begabter, frühreifer Junge in Anzug und Krawatte. Nur, dass er sehr merkwürdige Bilder zeichnet, Bilder von Toten: \"Ich male tote Menschen\".

Noahs Figur entwickelt sich von einem Bruder Leichtfuß, der ein Verhältnis zu seiner Firmenassistentin hat, zu einem nützlichen und vielseitigen Assistenten Rachels. Dabei stellt er sich leider nicht allzu clever an (sind Männer das jemals, scheint der Film ironisch zu fragen). So versucht er etwa, ein Video von Samara unter genau jenem falschen Namen zu finden, unter der es ausgeliehen - und nie zurückgegeben wurde. Das nennt man wohl Künstlerpech.

Immerhin darf Noah statt Grips auch seine Muskeln einsetzen, so etwa, als es gilt, den Holzboden von Hütte Nr. 12 aufzuhacken, um an den darunter liegenden Brunnen zu gelangen. Im ersten Finale versöhnt er sich mit Rachel, und Jung-Aidan sieht\'s mit Genugtuung. Zu schade, dass es mit Noah kein gutes Ende nimmt. Da wurde ihm wohl seine typisch männliche Neugier zum Verhängnis.

Die Moral von der Geschicht

Wie schon bei David Cronenberg (in \"Videodrome\" etc.) thematisiert The Ring das Phänomen, dass Video-Bilder im Kopf ihres Betrachters ein Eigenleben entwickeln und ihn mehr oder weniger um den Verstand bringen. Dies wird gemäß den Regeln des Horror-Genres bis zur letzten Konsequenz durchexerziert. In Rachels, Noahs und Aidans Kopf verknüpfen sich die Videobild und Erinnerung, bis die Grenze zur Realität verwischt ist. Dies ist übrigens nicht nur subjektiv wahrnehmbar: Fotos von noch lebenden Video-Opfern wie etwa Noah zeigen ihre Gesichter grotesk verzerrt - äußerer Widerschein ihres inneren Zustands.

Was die Sache für uns alle relevant macht, ist das, was Rachel beobachtet, wenn sie auf den balkon ihres Hochhaus-Apartments tritt und in andere haushalte ihres Wohnblockghettos schaut: Überall läuft ein Fernseher. Da dazu oft auch ein Videorekorder gehört, sind alle Fernsehzuschauer auch potenzielle Opfer des Ring-Videos, das in einem Ring der Benutzer weitergereicht wird. (\"Ring\" wird also mehrdeutig. Ob der \"Deutsche Videoring\" wohl schon dagegen klagt?) Das Video symbolisiert die psychische Gewalt, die Video- und Fernsehbilder auf die Seelen der Betrachter ausüben. Der Film übt hier Medienkritik.

Es ist im Horrorgenre stets aufschlussreich zu untersuchen, wer überlebt. Die Überlebenden sind in The Ring nur Rachel und ihr Sohn. Der grund: Sie sind die Einzigen, die wirklich Anteilnahme an Samaras traurigem Schicksal nehmen - und den Willen dieses Opfers erfüllen. Der Film sagt uns in verschlüsselter Form, dass wir das wir das geistlose TV- und Videoglotzen zugunsten menschlicher Anteilnahme aufgeben sollten. Und dieser Aufforderung kann man eigentlich nur zustimmen. (Wer kann schon wissen, wann ihn oder sie das tödliche Video erwischt?!)

Unterm Strich

The Ring ist definitiv nichts für Leute mit schwachen Nerven, besonders nicht für Mädchen, die Pferde lieben. Auch der Magen hat einiges auszuhalten. Dabei soll dieses US-Remake einer japanischen Vorlage noch relativ zahm sein.

Doch der Gehalt an kunstvoll aufgebautem, musikalisch raffiniert untermaltem Grauen ist so ausreichend, dass man dem Schluss entgegenfiebert - der dann noch eine nette, gruselige Pointe draufsetzt, als wolle er sagen: \"Danke, dass Sie diesen Film/dieses Video gesehen haben. Sie haben noch sieben Tage zu leben.\" Natürlich endet dieses \"Band\" in Weißem Rauschen, bevor der Abspann beginnt. \"Warten Sie jetzt bitte, bis Ihr Telefon klingelt.\" Am besten ist es also, schon VOR dem Film das Telefon oder Handy abzustellen! Es könnte sonst bereits zu spät sein.

Aber kann mir mal bitte einer sagen, wer da im Film immer am Telefon war?

Michael Matzer (c) 2003ff

Externe Kritiken des Films findet ihr hier: http://us.imdb.com/TUrls?COM+0298130

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