The Village - Das Dorf (DVD) Testbericht

D
The-village-das-dorf-dvd-thriller
ab 6,10
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 11/2004

5 Sterne
(5)
4 Sterne
(4)
3 Sterne
(3)
2 Sterne
(2)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von Tut_Ench_Amun

Wald-Sterben

Pro:

Intelligente, soziologische Parabel Kameraführung Sound Nützliches Bonusmaterial

Kontra:

Falsch vermarktet Einige Lücken in der Geschichte Kein Audiokommentar

Empfehlung:

Ja

Mit M. Night Shyalamans Filme polarisieren: Entweder man mag sie oder man kommt überhaupt nicht darauf zurecht. Für "The Village" - seine bis dato letzte Produktion von 2003/2004 bei welchem er wie gewohnt Autor, (Mit-)Produzent und Regisseur in Personalunion darstellt - gilt das im besonderen Maße. Der Trailer war höchst ungünstig zusammen geschnitten, denn er suggerierte einen Horrorstreifen, was weiter nicht von der wirklichen Handlung hätte entfernt sein können. Der Film ist ganz anders als seine bisherigen Werke, sei es "The 6th Sense", "Unbreakable" oder "Signs". Dementsprechend groß war das Aufheulen hernach bei manch enttäuschtem Zuschauer. Soviel zur Erwartungshaltung bei falschem Marketing. Vielleicht ein Grund, warum die DVD sich seit ihrem Release 2005 vergleichsweise schlecht verkaufte, sodass man sie derzeit, schon für um die 5 Euro herum, beinahe hinterher geworfen bekommt.

Zur Story
Das Dorf-Idyll des kleinen auf einer Lichtung gelegenen Covington in den Wäldern Pennsylvanias ist trügerisch. Hier wo die Zeit auf dem Level des 19. Jahrhunderts stehen geblieben zu sein scheint, existieren einige Beschränkungen. Den Bewohnern ist es nicht erlaubt den umgebenen Wald zu betreten oder gar zu durchqueren, denn dort - so heißt es - hausen grausame, fleischfressende Wesen, die so genannten "Unaussprechlichen", sodass es den Menschen nicht vergönnt ist ihre Isolation zu durchbrechen und beispielsweise in die angrenzende Stadt zu gelangen, ohne diese Kreaturen zu provozieren. Diese reagieren zudem ausgesprochen gereizt auf die Farbe Rot, weswegen auch alles Rote verboten ist und unverzüglich vergraben werden muss. Es gibt allerdings einen Pakt der - etwas Geheimnis krämerischen - Dorfältesten mit den Unaussprechlichen, dass solange niemand den Wald betritt auch keine Übergriffe auf das Dorf stattfinden.

Kleinere Regelübertretungen, etwa durch die übermütige Dorfjugend, werden für gewöhnlich durch ein schmackhaftes Tieropfer wieder ausgebügelt. Dieser Frieden hält nun schon lange Jahre. So hat etwa keiner der Jüngeren je das scheußliche Antlitz eines dieser Wesen zu Gesicht bekommen, dennoch ist man stets ängstlich, überaus misstrauisch und bewacht den fackelbeleuchteten Waldrand des Nächtens mit Argusaugen vom Wachturm aus. Dann aber ereignen sich gleich mehrere Dinge, welche die Verhältnisse inner- und außerhalb der Dorfgemeinschaft nachhaltig stören sollen. In letzter Zeit werden gelegentlich Nutztiere tot aufgefunden, die gausig zugerichtet wurden. Der Rat gibt die Parole heraus, dass es sich hierbei um das Werk von Raubtieren handelt. Gemunkelt wird in der Gemeinschaft natürlich etwas ganz anderes, denn Raubtiere häuten ihre Beute bekanntlich nicht und lassen sie einfach herumliegen.

Der grüblerisch-introvertierte Lucius bittet den Ältestenrat, trotz der grade stattfindenden Vorfälle in die Stadt aufbrechen zu dürfen. Er möchte Medizin besorgen. Hintergrund ist der kürzliche Todesfall eines Kindes, dass nur aufgrund medizinischer Defizite hat sterben müssen. Der sensible junge Mann findet, dass so etwas nicht wieder vorkommen darf. Der Rat lehnt sein Anliegen aber ab, woraufhin er einen zaghaften Versuch startet Covington heimlich zu verlassen. Er macht zwar nach ein paar Dutzend Metern Wald sogleich wieder kehrt, doch auch diese minimale Grenzverletzung blieb nicht unbemerkt. Das Dorf bekommt des Nächtens ungebetenen Besuch und unmissverständliche Warnzeichen solcherlei Exkursionen zukünftig doch besser zu unterlassen. Lucius plagt nun das schlechte Gewissen, den Pakt gebrochen und die Gemeinschaft dadurch in Gefahr gebracht haben, doch es soll für ihn und seine frisch Verlobte Ivy noch schlimmer kommen.

Eindrücke
Diesen vielschichtigen Film zu rezensieren ist nicht einfach, denn zu schnell läuft man Gefahr zuviel vorweg zu nehmen, was dem unbedarften Zuschauer die Spannung rauben könnte. Wobei, nebenher bemerkt, nicht wenige, die den Film sahen, ihn als spannungsfreie Langeweiler-Kost schmähten. Das ist jedoch so nicht richtig - es kommt wie immer auf die Erwartungen an. Das heißt in diesem Fall, dass der, eventuell vom absolut irreführenden Trailer angefixte, splattergeile Horror-Freund besser einen großen Bogen darum macht, denn als Grusel- oder Horrorfilm taugt "The Village" in der Tat soviel, wie der Sägefisch zum Hobeln. Überdies fällt das Einsortieren in eine bestimmte Schublade generell sehr schwer, da sich Shyamalan wieder einmal einer ganzen Reihe Genres bedient hat. Mystery-Thriller und Drama dürften wohl die passendsten Begriffe sein, die ruhigen Gewissens anwendbar sind.

Natürlich spielt er, wie bei ihm üblich, mit subtil-einfachen aber effizienten Mitteln auf der Klaviatur menschlicher Ängste. Dennoch ist diese, seine bislang letzte Produktion gleichzeitig auch seine ungewöhnlichste. Den übersinnlichen Einschlag behält er zwar bei, spart sich diesmal aber eine paranormale Ausrichtung in letzter Konsequenz. Allerdings, so verrät er im auf der DVD befindlichen Interview, dass die Grundrichtung des Filmes zu Beginn eine andere war und sich erst quasi mitten in der Produktion änderte. Angeblich,als er zwischenzeitlich den wirklich gelungenen und perfekt austarierten Score mit seinem Leib- und Magen Komponisten J. N. Howard durchging. Hier liegt dann auch die eigentliche Crux, denn durch diesen ad hoc Kurswechsel schlichen sich kleinere Ungereimtheiten und handwerkliche Schwächen in die Inszenierung, was man von dem sonst äußerst akribisch vorgehenden Filmemacher so nicht kennt.

Selbstverständlich hat er auch bei "The Village" fast von Beginn an jede Menge kleiner Hinweise und Metaphern versteckt, welche sich langsam zum Gesamtbild aufsummieren. Manchmal offenbaren sich diese gar erst nach mehrmaligem Ansehen des Films, was auch dringend anzuraten ist, will man alle Nuancen dieses sehr beschaulich-ruhig präsentierten, gesellschaftskritischen - und zuweilen recht perfiden - Kammerspiels vollständig erfassen. Das einzige Problem, so es denn eins ist, liegt wohl darin, dass durch die geänderte Storyline die Climax im letzten Drittel vollständig kippt und sich bis zum Finale auch nicht wieder vollständig erholen kann, da der der Zuschauer ab dort in wichtige Details eingeweiht wurde, welche den Spannungsbogen nachhaltig konterkarieren. Die Preisgabe dieser Informationen wäre vielleicht besser erst kurz vor dem Ende geschehen. Dennoch bekommt die Geschichte trotz (oder gerade wegen?) dieses etwa inhomogen wirkenden Twists eine ganz eigenwillige Note.

Ausstattungsseitig und insbesondere von der Besetzung her, hieß es klotzen und nicht kleckern. Eine recht illustre Schar versammelte sich vor der Kamera. Allesamt lieferten eine exzellente Performance ab, wobei der hochgelobte Joaquin "Gladiator" Phoenix zwar irgendwo eine - recht wortkarge - Hauptrolle innehat, die Hauptfigur jedoch eindeutig von Bryce Dallas Howard ("Das Mädchen aus dem Wasser" und überdies Tochter des Komponisten James Newton Howard), als seine blinde Verlobte Ivy, verkörpert wird. Shyamalan bewies auch mit dem Rest des Casts eine treffliche Hand: William Hurt, Sigourney Weaver, Adrien Brody und Brendan Gleeson sind beileibe auch keine Anfänger. Um Covington zum Leben zu erwecken war nicht nur das Dorf von der Pike auf aufzubauen, sondern auch über 60 Statisten heranzukarren. Der ganze Aufwand hat sich gelohnt, "The Village" ist bildgewaltig und besticht durch atmosphärisch dichte Kameraarbeit ebenso wie durch ausgeklügeltes Sound-Engineering.

DVD und Bonusmaterial
Shyalamans Produktion beschränkt sich nicht allein auf das Fertigstellen des Filmes an sich, er kümmert sich auch stets darum, wie und was auf die entsprechende DVD kommt. Daher gelten seine Releases stets als reichhaltig, auch wenn es hier "nur" zu einer Single-Disk reichte. Das Hintergrundmaterial kann sich sehen lassen und bietet interessante Einblicke hinter die Kulissen und klärt gelegentlich sogar manch offene Frage, die sich eventuell aufdrängt. Leider gibt es keinen Audiokommentar, das wäre das Sahnehäubchen gewesen, offensichtlich reichte die Kapazität einer einzigen DVD-9 dafür nicht aus. Auf den fehlenden Trailer kann man hingegen gerne verzichten. Bild und Ton sind dafür aber in absoluter Bestform. Unumgänglich ist es den Film mit geeignetem DTS- oder zumindest DD 5.1-Equipment anzuschauen, der fein abgestimmte Sound ist nämlich ein wichtiger Darsteller und kommt nur so richtig zur verdienten Geltung.

Fazit
Ein nachdenklich machender und über weite Strecken intelligent inszenierter Film abseits des Mainstreams. Manchem mag er schwer zugänglich, ja gar langweilig,erscheinen. Schlaflose Nächte erzeugt er sicher nur bei denjenigen, die sich über das Gesehene Gedanken machen, nicht wegen irgendwelcher Horror-Ambitionen. Die leisen Spuren von Grusel und Mystery sind nur untergeordnete Elemente dieser soziologischen Parabel. Punktabzug gibt es lediglich für die in letzter Instanz nicht ganz schlüssige Ausführung und kleinerer handwerklicher Unzulänglichkeiten, was aber teilweise unter die Rubrik künstlerische Freiheit und Interpretation fällt. Die DVD ist akzeptabel, kommt aber bedauerlicherweise ohne Audiokommentar und - verglichen mit anderen Shyamalan-Produktionen - recht lieblos daher, was sich schon allein im sachlich falschen Covertext widerspiegelt.

Die DVD-Daten auf einen Blick:
OT: "The Village"
USA 2004
Genre: (Mystery-)Thriller, Drama
DVD 2005, Touchstone, Buena Vista
Version: Single Disk, FSK 12
EAN: 8717418016517
Laufzeit: ca. 103 Min.
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,85:1)
Soundformat: DTS, DD 5.1 (Deutsch und Englisch)
Bonusmaterial: Making Of Featurettes, Deleted Scenes, Fotogalerie u.a.

Produktion: Scott Rudin, Sam Mercer
Story, Drehbuch: M. Night Shyamalan
Musik: James Newton Howard
Kamera: Roger Deakins
Regie: M. Night Shyamalan

Darsteller u.a.: William Hurt (Edward Walker), Joaquin Phoenix (Lucius Hunt), Bryce Dallas Howard (Ivy Walker), Adrien Brody (Noah Percy), Sigourney Weaver (Alice Hunt), Brendan Gleeson (August Nicholson)

52 Bewertungen, 25 Kommentare

  • krullinchen

    01.06.2009, 14:08 Uhr von krullinchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße!

  • LiFo

    20.03.2009, 19:07 Uhr von LiFo
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schön berichtet! Liebe Grüße, Lifo

  • campino

    07.03.2009, 13:38 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG und ein schönes Wochenende, Andrea

  • knopfi

    03.03.2009, 20:53 Uhr von knopfi
    Bewertung: besonders wertvoll

    Den Bw-Gebern schließe ich mich an! merci@knopfi

  • frankensteins

    01.03.2009, 00:46 Uhr von frankensteins
    Bewertung: sehr hilfreich

    ganz liebe grüße Werner

  • sandraberg

    28.02.2009, 10:47 Uhr von sandraberg
    Bewertung: sehr hilfreich

    kenne den film ! guter bericht. glg sandra

  • Mondlicht1957

    25.02.2009, 23:34 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüsse

  • ingoa09

    25.02.2009, 01:17 Uhr von ingoa09
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein feiner Bericht! Liebe Grüße, Ingo

  • sindimindi

    17.02.2009, 01:40 Uhr von sindimindi
    Bewertung: besonders wertvoll

    Guter Tipp! - würde ich mir anschauen! :-) LG, Roland

  • MasterSirTobi

    16.02.2009, 23:11 Uhr von MasterSirTobi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Berichte schreiben ist dir wohl in die Wiege gelegt LG und Sh

  • mima007

    16.02.2009, 12:50 Uhr von mima007
    Bewertung: besonders wertvoll

    BW! Liebe Gruesse, mima007

  • Miraculix1967

    15.02.2009, 13:56 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: besonders wertvoll

    Super Bericht - BW von mir! Schönen Sonntag und LG aus dem gallischen Dorf in die Pyramide Miraculix1967

  • Zzaldo

    15.02.2009, 12:51 Uhr von Zzaldo
    Bewertung: besonders wertvoll

    liebe Grüße sendet dir Stephan

  • nikita86

    15.02.2009, 10:05 Uhr von nikita86
    Bewertung: besonders wertvoll

    toller bericht. freu mich über gegenlesung. lg, nikita

  • Baby1

    15.02.2009, 02:13 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • daisy123

    15.02.2009, 01:34 Uhr von daisy123
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen schönen Sonntag und lg !

  • leupi123

    15.02.2009, 00:18 Uhr von leupi123
    Bewertung: besonders wertvoll

    Schönes Wochenende :) Freu mich auf Gegenlesungen LG

  • timecode001

    14.02.2009, 23:44 Uhr von timecode001
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse geschrieben! Liebe Grüße und ein schönes Wochenende. timecode001

  • Puenktchen3844

    14.02.2009, 23:14 Uhr von Puenktchen3844
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein schöner Bericht. LG

  • morla

    14.02.2009, 22:31 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich wünsche dir ein schönes wochenende lg. petra

  • sigrid9979

    14.02.2009, 22:08 Uhr von sigrid9979
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wünsche dir ein schönes Wochenende,, lg Sigi

  • jacki0987

    14.02.2009, 22:02 Uhr von jacki0987
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich wünsche dir einen wunderschönen Samstagabend! Liebe Grüße von Jacqueline

  • carmaxx

    14.02.2009, 22:00 Uhr von carmaxx
    Bewertung: besonders wertvoll

    Sehr schöner Bericht!

  • 4money

    14.02.2009, 21:58 Uhr von 4money
    Bewertung: sehr hilfreich

    ::: LG und schönes Wochenende :::

  • droehn

    14.02.2009, 21:56 Uhr von droehn
    Bewertung: sehr hilfreich

    Toller Bericht, lg droehn