The Village - Das Dorf (DVD) Testbericht

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ab 6,10
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Erfahrungsbericht von Der_Joke

Nur Big Brother \"The Village\" ist grausamer

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Cast & Crew
Regie, Drehbuch, Produktion - M. Night Shyamalan

Joaquin Phoenix - Lucius Hunt
Bryce Dallas Howard - Ivy Walker
William Hurt - Edward Walker
Sigourney Weaver - Alice Hunt
Adrien Brody - Noah Percy
Brendan Gleeson - August Nicholson

Kurzinhalt:
Das Dorf Covington ist komplett von Wäldern umgeben. Im Wald leben mysteriöse Kreaturen. Mit diesen haben die Dorfbewohner einen Pakt: Solange kein Mensch die Wälder betritt oder die Farbe Rot trägt, lassen die Wesen sie in Ruhe und Frieden leben. So führen die Einwohner ein einfaches, leicht rückständiges, aber glückliches Leben. Schwierig wird es, wenn jemand krank wird, denn ohne Medizin aus der Stadt hinter dem Wald können die Menschen nichts weiter tun als beten.

Als ein kleiner Junge an einer heilbaren Krankheit gestorben ist, fasst Lucius Hunt einen Entschluss. Er bittet die Dorfältesten darum, in die Stadt gehen zu dürfen, um Medikamente zu holen. Doch um den Frieden mit den Kreaturen nicht zu gefährden, wird Lucius das Unternehmen verboten. Geplagt von seinem Gewissen wagt er es dennoch ein paar Meter in die Wälder zu gehen. Von Angst überwältigt, kehrt er wieder ins Dorf zurück. Die Antwort der Wesen lässt nicht lange auf sich warten: In der Nacht kommen sie und hinterlassen deutliche Warnungen…

Kritik:
Nach Werken wie \"The Sixth Sense\", \"Unbreakable\" und \"Signs\" waren die Erwartungen groß an den neuen Film von M. Night Shyamalan. Wieder schafft der Regisseur es, seinen Stil zu wahren und die in ihn gesetzten Hoffnungen zu erfüllen. \"The Village\" ist ein ruhiger Film, in dem die Angst vor dem was man nicht sieht am Größten ist.

Shyamalan hat schon in \"Signs\" bewiesen, dass er ein Meister der subtilen Angst und des erwarteten Schreckens ist. Ohne große Effekte schafft er es, den Zuschauer bis ins Mark zu erschrecken - und das obwohl der Mensch ganz genau weiß, was kommt. Diesen Weg setzt er gekonnt in \"The Village\" fort. Dennoch ist der Film kein richtiger Horrorfilm, wie es uns der Trailer weismachen will.

Die Kreaturen im Wald sind ein Mythos, der seit der Gründung der Siedlung die Bewohner in Angst hält. Man merkt es ihnen an, denn völlig losgelöste Freude ist nicht zu sehen. Immer bleiben die Menschen verhalten und ordentlich. Der Humor, der in \"Signs\" für Auflockerung sorgte (Ich denke da nur an die Alufolien-Hüte oder die skandinavische Olympiateilnehmerin), fehlt hier. Im Film fällt es kaum auf, erst wenn man im Nachhinein darüber nachdenkt, merkt man, dass die Stimmung durchweg ernst und verängstigt ist. Die Hauptfiguren - ein introvertierter Außenseiter und seine blinde Freundin - unterstützen dieses Gefühl.

Im Ganzen gleicht \"The Village\" sehr seinem Vorgänger - eine größere Gruppe Menschen wird durch eine Anzahl Kreaturen bedroht. Das Gefühl der Bedrohung ist das gleiche. Die Botschaft ist jedoch eine andere: Während sich \"Signs\" mit Glauben und Religion beschäftigt, geht es in diesem Werk um Liebe und gesellschaftskritische Themen (Mehr dazu im spoilerhaltigen Teil der Kritik).

Seine Botschaft bringt Shyamalan in einem sehr ruhigen Film unter. Die Charaktere und ihre Gefühle zählen mehr als die Monster und die ohnehin seltenen Effekte. Sie sind es, die den Film tragen und den Zuschauer fesseln. Die Schauspieler, unter anderem Joaquin Phoenix, den wir schon aus \"Signs\" kennen, William Hurt, Sigourney Weaver und Adrian Brody - alles große Namen - spielen so gut, dass man sie gar nicht als \"Stars\" bemerkt.

Die wichtigste Person, Ivy Walker, wird perfekt von Bryce Dallas Howard gespielt. Sie sah man bisher nur sehr wenig, ihre größte Rolle hatte sie in \"The Grinch Who Stole Christmas\". Ihre Darstellung der blinden Ivy bindet den Zuschauer an die Figur. Mit ihr identifiziert man sich und versucht, die Angst zu überwinden. Die Liebesgeschichte zwischen Ivy und Joaquin Phoenix\' Lucius ist der rote Faden und der Hoffnungsschimmer, der sich durch den Film zieht.

Durch Shyamalans frühere Filme erwartet der Zuschauer immer eine entscheidende Wende am Ende des Films. In \"The Village\" bricht der Regisseur aus diesem Zwang aus: Er macht mehrere, meist unvorhersehbare Wendungen und diese fangen schon sehr viel früher im Film an. Und gerade wenn man sich an die neue Situation gewöhnt hat, dreht Shyamalan das Blatt wieder um.

Es ist erstaunlich, wie ein derartig langsamer Film, den Zuschauer so sehr in seinen Bann ziehen kann. Doch das tut er - für 108 Minuten ist man hin und her gerissen zwischen Angst und Neugier, der Sorge um die Charaktere, zwischen dem Wunsch sicher zu Hause zu bleiben und dem, herauszufinden, was es mit den Kreaturen auf sich hat.

Mehr Kritik - mit großen SPOILERN:
\"Signs\", der letzte Film den M. Night Shyamalan gedreht hat, beschäftigte sich mit Glauben, Religion und der Frage, ob scheinbar zufällige Dinge einen tieferen Sinn haben. So fügen sich die Puzzleteile, die im Film verteilt sind, am Ende zur Lösung zusammen und bringen den verlorenen Glauben zurück.

In \"The Village\" sind zwei zusammenhängende Themen verarbeitet: Zum einen der Mythos vom Monster unter dem Bett, zum anderen die Idee einer perfekten Gesellschaft.
So gut wie jedem Kind der westlichen Zivilisation wird die Idee vom Weihnachtsmann beigebracht: Wenn du lieb und artig bist, gibt es Geschenke. Wenn nicht, gibt es die Rute oder einen Sack Kohlen oder etwas ähnlich Unbeliebtes. Der Mythos des Weihnachtsmanns wird genutzt, um Kinder zu erziehen und ihnen ordentliches Verhalten beizubringen. In diversen Filmen wird die Idee weiter getrieben - dort sind es oft böse Monster, die unartige Kinder verschleppen und/oder fressen. \"The Village\" hat die Kreaturen in den Wäldern von Covington. Sie bestrafen die Gemeinde, wenn sich die Bewohner nicht an die Regeln halten, d.h. den Wald betreten oder die Farbe Rot (wie Blut) dulden. Wie der Weihnachtsmann und die diversen Filmmonster sind auch sie Fiktion, ein Märchen, das die Bewohner unter Kontrolle hält.

Die Dorfältesten haben die Siedlung gegründet, um ein friedliches, einfaches Leben zu führen. Sie selbst oder nahe Verwandte von ihnen sind Opfer von Gewaltverbrechen geworden. Sie fanden sich in einer Selbsthilfegruppe und es entstand die Idee von Covington - dem rückständigen Dorf und den Kreaturen. Um ihre perfekte kleine Gesellschaft zu kreieren, mussten sie sich von allem, was sie kannten lossagen. Der Mythos um die Wesen im Wald wurde erfunden und aufrechterhalten, um die unwissenden Menschen zu friedlichem Verhalten zu erziehen und zu zwingen. Jeder negative Einfluss sollte durch den Abschluss von der Außenwelt unterbunden werden. Es entstand ein abgeschlossenes System, wie ein Experiment zu menschlichem Verhalten.

Natürlich ergeben sich daraus Probleme, denn ohne moderne Technik und das heutige Wissen ist das Leben sehr viel schwieriger und gefährlicher. Es sterben Menschen, denen man in der Außenwelt hätte helfen können. In diesem Sinne sind die Schöpfer von Covington und diejenigen, die an den Regeln festhalten, Schuld am Tod von Unschuldigen.

Am Ende kann man den Menschen nicht zu einem friedlichen Leben zwingen. Er trägt das Potential Schmerz zu verursachen in sich. Wenn nicht Geld oder Macht der Grund für Verbrechen sind, so finden sich andere Ursachen. Zwischenmenschliche Beziehungen liefern ausreichend Gründe für die so genannten negativen Emotionen wie Neid oder Zorn - beide können ebenso leicht zu Gewalt und Verbrechen führen.

Zum Schluss des Films kehrt Ivy zurück und trifft symbolisch die Entscheidung, das Dorf und den Mythos zu erhalten. Die Frage bleibt jedoch, ob es eine moralische Rechtfertigung für die Erschaffung von Covington gibt. Der Sohn von August Nicholson hätte gerettet werden können, doch die unterlassene Hilfeleistung kostete sein Leben. Wie viele Leben ist die am Ende doch nicht perfekte Gesellschaft wert?

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