Thema Depression Allgemein Depression Testbericht

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Erfahrungsbericht von TurboFranky

Plötzlich fühlst Du Dich wie Dreck

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

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UND PLÖTZLICH FÜHLST DU DICH WIE DRECK....
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Liebe Community, kennt Ihr das Gefühl? Sich wie ein Stück Dreck fühlen, ungeliebt, unattraktiv, alles hat keinen Sinn mehr? In tausend Songs besungen, klingt es doch immer kitschig. Aber wenn Du selbst mal drin steckst und es einfach nicht mehr aufhört, dann entdeckst Du in den Zeilen auf einmal viel Wahrheit. Damit wir uns nicht falsch verstehen – ich rede nicht von „einmal“, „zweimal“ oder „Mehrfach“ – ich schreibe über einen Dauerzustand.
Depressionen - diesmal geht‘s ans Eingemachte. Die meisten meiner Berichte sind mir leichter als der heutige gefallen, denn von der „schwachen Seite“ zeigt sich wohl keiner gerne. Warum ich dennoch darüber schreibe? Weil es jeden von uns erwischen kann und ich finde, dass man sich dafür nicht schämen muss. Und weil es vielleicht dem ein oder anderen von Euch helfen kann, wenn Ihr wisst, dass es anderen auch so ergangen ist. Fast zwei Jahre lang habe ich unter teils sehr schweren Depressionen gelitten. Inzwischen kommen die Schübe nur noch sehr selten, deshalb glaube ich, dass ich diese Krankheit bald hinter mir habe. Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir – falls es Euch auch mal erwischt hat – einen Kommentar hinterlassen würdet. Danke.
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WIE ALLES BEGANN
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Anfangs dachte ich, es sei „nur“ Liebeskummer und Enttäuschung. Die Unfähigkeit, mit einer schweren Trennung und heftigen Demütigungen umzugehen. Da suhlt mal sich schnell mal ausgiebig im Selbstmitleid. So ging es auch mir, vielleicht gerechtfertigt, oder? (Mancher von Euch hat hier vielleicht schon mal einen Teil der Hintergründe gelesen). Solange es jemand wissen will, teilt man der Welt mit: „Mir geht es schlecht! Alles tut weh“, so wie ein kleines Kind, das mit dem Schmerz – auch wenn nicht viel passiert ist – nicht umgehen kann und laut „Aua“ schreit. Doch es kommt der Zeitpunkt, an dem man gar nicht mehr reden will, sondern in sich zusammensackt. So auch bei mir. Die Symptome kennt bestimmt auch jeder von Euch: Ich habe kaum noch geschlafen, monatelang nur ein paar Stunden. Mein bester Freund war der Alkohol, der mir half, mich in eine Art „Dauernarkose“ zu bringen, in der der Schmerz nicht mehr so stark zu mir durchdringen konnte. (Dass dies eine absolut schwachsinnige Methode war, weiß ich heute auch. Aber ehrlich: ist Euch das noch nicht passiert?) Ich fühlte mich nur noch „schwach“, traurig, lustlos. Im Job nur noch Schmalspur-Programm. Und nächtelanges Surfen im Internet, um mich abzulenken. Doch irgendwann kam es wieder: dieses Scheiß-Gefühl.
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PLÖTZLICH KRANK
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Wie gesagt, ich dachte, es würde irgendwann aufhören. Doch es ging immer weiter. Monatelang hatte ich mit Freunden geredet, weil ich dachte, das könnte helfen. Allein sein, versuchte ich zu vermeiden, übernachtete entweder bei Freunden oder Leuten, die ich in Kneipen kennengelernt hatte. Ich suchte Hilfe, weil mir klar war, dass ich da nicht mehr allein rauskommen würde. Jede Nacht Angst, jede Nacht beklemmende Einsamkeit, inzwischen brachte auch der morgen keine wirkliche Erleichterung mehr. Mein persönlicher Horrorfilm hatte 24-Stunden-Dauerprogramm. Wenn Ihr das nicht kennt, möchte ich Euch kurz beschreiben, wie sich „das“ anfühlt: Bewegungsunfähigkeit, körperliche und geistige, stundenlanges Verharren, Starren an die Decke, und ein Gefühl, als ob gerade etwas ganz schreckliches passiert wäre – aber dieses Gefühl hört nicht auf. Das ganze blieb nicht ohne weitere Folgen: meine Haare fielen zum Teil aus, weil ich mich nur noch ungesund und vor allem extrem unregelmäßig ernährt habe. Und dann der Alkohol, den Grönemeyer mal als „Retter in der Not“ besungen hat. Zweimal erwischte mich ein Blackout, ich brach zusammen und wachte Stunden später auf dem Fußboden auf. Total bedröhnt stellte sich das Gefühl ein: Da liegst Du nun wie ein Stück Scheiße. Vollkommen labil
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„AUF DER COUCH“
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Das erste Mal suchte ich Hilfe in einer psychologischen Notaufnahme, auf die ich durch eine Werbung in der U-Bahn gestoßen war. Eine gute Entscheidung, die ich an einem Sonntagnachmittag getroffen hatte, weil ich mittlerweile einschätzen konnte, wann mich eine depressive Welle erwischen würde. Ein freundliches Team betreute mich, bis der diensthabende Psychologe Zeit hatte. Eine Stunde lang konnte ich mich ausheulen, über meine Vergangenheit und Gegenwart reden. Es tat gut, ich hatte das Gefühl, dass mich jemand versteht und ich nicht permanent contra bekam. Wir sprachen über eine Therapie und die Empfehlung lautete klar: Mindestens einen Monat in eine Klinik aufs Land. Stabil werden, in der Seele aufräumen, neue Strukturen finden. Um es vorwegzunehmen: Ich habe es nicht getan. Ich war damals antriebslos und konnte mich nicht zu dieser Entscheidung überwinden. Seit diesem Zeitpunkt verstehe ich, dass es kein Wunder ist, wenn Leute „eingewiesen“ werden. Sie sind dann an einem Punkt angelangt, an dem nur noch andere (glücklich die, die dann noch Freunde haben), diesen Schritt veranlassen können.
Zum Psychologen bin ich noch mehrfach gegangen, die Sitzungen waren – im übertragenen Sinne – „Spritzen“, die mir für kurze Zeit Erleichterung verschafft haben – leider hielt diese nicht lange an. Aus heutiger Sicht hätte ich vielleicht um Medikamente bitten sollen. Klar können die abhängig machen und stellen auch keine Lösung dar. Aber sie sind sinnvoller als Alkohol. Zumindest für Menschen wie mich. Doch diese Frage stellte sich nicht, ich traute mich nicht, den Arzt zu fragen und dieser bot es nicht an. Also: weiter wie bisher.
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VERSUCHE, EIN ENDE ZU SETZEN
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Kapitulation. Wenn Dich eine Depression erwischt, solltest Du nicht alleine sein. Leichter gesagt als getan. Es kommt der Zeitpunkt, an dem keiner mehr Deine Geschichte mehr hören will. So ging es auch mir. Gleichzeitig stellte sich zunehmend die Angst ein, dass ich meinen Freunden nicht mehr zur Last fallen wollte. Man bildet sich ein, dass alle nicht mehr wissen, was sie tun sollen und Stück für Stück zurückweichen. Den Kontakt zu meinen Eltern hatte ich zu dieser Zeit weitgehend abgebrochen.
Plötzlich kam dieser Wunsch auf. Dem Schmerz irgendwie ein Ende bereiten, es nicht mehr länger ertragen zu müssen. Es sollte nur noch aufhören. Wenn mir das ein anderer erzählt hätte – ich hätte es wohl nicht geglaubt: Irgendwann ist der Wunsch nach Ende des Schmerzes und der Angst das Einzige, was man noch will. An dieser Stelle kann es – aus subjektiver Sicht – wichtiger werden, dieses Ziel zu erreichen als positiv umzukehren. Ich spreche von Selbstmordgedanken. Wenn ich mich richtig erinnere, war das etwa ein halbes Jahr, nachdem sich in meinem Privatleben vieles ereignet hatte – also viel zu spät für „normale“ Verhältnisse. Wie ich es versucht habe, werde ich hier nicht schreiben, denn das ist eigentlich auch egal. Auf jeden Fall stoppte mich eine Freundin kurz vor dem entscheidenden Schritt. Dass ich damals (noch) ans Telefon gegangen bin, war wohl Zufall, denn ich hatte schon weitegehend abgeschlossen. Ein Zufall, der mir mein Leben rettete.
Ihr mögt mich für vollkommen durchgeknallt halten, wenn ich Euch sage, dass ich aus dieser Erfahrung in den folgenden Wochen nicht wirklich etwas gelernt hatte. Ich lebte einfach weiter und ratterte von einer Depression in die nächste. „Borderline“ nennt man den Punkt, an dem sich der Wunsch nach Leben und Sterben begegnen. Ich habe diese Grenze damals ausgiebig kennengelernt – eine Erfahrung, die ich in diesem Leben nicht noch einmal machen möchte. Seitdem hat sich mein Bild von schwachen Menschen radikal geändert. Wenn Du weisst, wie sich das anfühlt, verurteilst Du nicht mehr.
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WIE EIN GEHETZTER HUND
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Wie es um mich stand, darüber war ich mir ab da relativ bewusst. Ich flüchtete mich von einer Affäre in die andere und müllte mich mit Jobs zu. Der Mensch hat nicht nur die Fähigkeit, andere zu belügen, er kann vor allem sich selbst täuschen. Das habe ich ausgiebig getan. Ich redete mir ein, mich wieder verlieben zu wollen (welch idiotischer Ansatz!) und schleppte Frauen ab, mit denen ich ein paar Tage verbrachte – um dann festzustellen, dass es doch nicht für mehr als eine Bettgeschichte reichte. Meine Wohnung mied ich so gut es ging und zog nächtelang durch Kneipen, Bars und Discos. Bloß in Bewegung bleiben, ein ständiges Wegrennen vor den schlechten Gefühlen. Das ging eine zeitlang gut, doch die Depressionen holten mich auch da ein. Heulend im Bett eines fremden Menschen... mein Alltag kam mir vor wie ein schlechter Bukowski-Film. Seelisch ging es permanent nach unten. Ich suchte Kontakt zu meiner Ex und holte mir erneut ein paar Zurückweisungen ab, die Spirale drehte sich immer schneller.
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GLÜCK oder „JEMAND PASST AUF“
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Nur noch raus. Ich nahm das wörtlich und tauchte ab in einen langen Urlaub, zusammen mit einem Freund, der mich die ganze zeit treu durch meinen Alltag begleitet hatte. Just in dieser Zeit erreichte mich ein Anruf mit einem Jobangebot - ein Kollege aus der Vergangenheit. Dieses stellte nicht nur eine große Herausforderung dar, sondern brachte auch einen Ortswechsel mit sich. Ich sagte zu, wenige Wochen später wechselte ich die Stadt und das gesamte Umfeld. Langsam wurde alles besser – so unglaublich das klingt, aber es stimmt. Schrittweise kehrte Normalität in meinen Alltag ein. Auf allen Gebieten.

Das Ende ist stark verkürzt, aber darum geht es in diesem Bericht ja auch nicht. Heute bin ich unglaublich froh, dass der beschriebene Zustand weit hinter mir liegt. Ab und zu holen mich die Depressionen noch mal für kurze Zeit ein, aber ich weiß, dass es meist schon am nächsten Tag wieder besser aussieht.
Und die Lehre aus der Geschichte? Moralapostel möchte ich nicht sein. Es ist bestimmt eine gute Idee, sich direkt professionelle Hilfe zu suchen, wenn man merkt, das einem die Kontrolle im Alltag entgleitet. Aber dann muss man Glück haben – und an einen guten Arzt geraten.
Meine message ist eine andere: Achtet mal darauf, wie es den Menschen um Euch herum geht. Und wenn Ihr zweifelt – dann fragt und helft!

Lieben Gruß
Turbo-Franky

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