Tiere Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von Corni

Aua, der stachelt ja!

Pro:

Naturschutz in Aktion, Spass am Gedeihen

Kontra:

ein Igelkind macht die ersten Monate Arbeit und riecht auch etwas streng....

Empfehlung:

Nein

Ein Igelfindling – was tun?!
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Wir haben im Laufe der Jahre vielen Igelkindern über den Winter geholfen und etliche Erfahrungen sammeln können. Ich hoffe, mit diesem Beitrag allen Interessierten ein paar Tipps geben zu können.

Entdeckt man so ein kleines Igeltier im Herbst oder Winter (meist ziemlich orientierungslos herumlaufend), steht man als tierliebender Mensch vor der Entscheidung – darf ich ihm helfen, den Winter im Haus zu verbringen oder schafft er es doch alleine?

Normalerweise läuft ein Igel am hellerlichten Tag nicht so einfach herum (sonst würde man ja auch alle naselang einen sehen, gelle). Dieser Igel kann natürlich verletzt oder auch krank sein – im Herbst oder Winter sind es aber meist kleine untergewichtige Igel, die sich noch nicht genügend Speck angefressen haben.

Ein krankes Tier muss natürlich zum Tierarzt.
Um aber zu entscheiden, ob ein kleiner Igel aufgenommen werden sollte, gehört er zunächst auf die Waage:

Wann sollte nun ein kleiner Igel den Winter im Haus verbringen?
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(bitte als Richtlinie verstehen)
Ende September unter 200 Gramm
Anfang bis Mitte Oktober unter 300 Gramm
Mitte bis Ende Oktober unter 400 Gramm
Anfang bis Mitte November unter 500 Gramm

Bringt das Igelkind nicht das nötige Gewicht auf die Waage, müssen wir ihn beim Überwintern helfen.

Was sollte man sofort tun?
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1. Ist das Igelchen unterkühlt, dann in einem Handtuch einwickeln und mit einer Wärmflasche (Vorsicht: nur handwarm) wieder auf Temperatur bringen.
Nach Akklimatisierung hat den schon robusteren Igelkindern auch immer ein warmes Bad (die ersten Flöhe fliehen!! und Zecken werden enttarnt) mit anschließendem Frottieren und Fönen gefallen. Bei letzterem reckten und streckten sich die meisten Igelchen und genossen die Prozedur sichtlich. (Das sind unsere persönlichen Erfahrungen).

2. Als erste Mahlzeit kann man dem Igel am besten Katzenfutter anbieten, wenn das nicht im Hause ist – in Ermangelung einer Katze – kann man auch ein stärkendes Rührei ohne Salz in wenig Butter stocken lassen. Manche mögen dann noch ein paar Rosinen oder Haferflocken. Zu Trinken gibt es NUR Wasser – Milch verursacht ganz schlimme Durchfälle, an denen Igelchen eingehen kann.

3. Hat sich der Igel gestärkt, ist jetzt unbedingt der Gang zum Tierarzt dran - oder zu einer Igelberatungsstelle, die evtl. auch Tiere aufnehmen, wenn man nicht selbst überwintern kann oder möchte (im Internet suchen, im Tierpark fragen).

Warum ist das Aufsuchen des Tierarztes unerlässlich?
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Die meisten Igel sind gespickt mit Außen- und Innenparasiten (so viele, wie der Igel Stacheln hat....)
Als da wären zunächst einmal die leidigen Zecken, sie sitzen zwischen den Stacheln und müssen mit der Zeckenzange herausgedreht werden. Dazu kommen jede Menge Flöhe und Milben – hier sprüht der Tierarzt den Igel mit Antiparasitenspray ein.
Als Innenparasiten treten eigentlich immer Draht- und Lungenwürmer auf, die unbedingt behandelt werden müssen – der Igel geht sonst unweigerlich ein! Bei Igeln unter 200 g sollte der Tierarzt aber vor der Verabreichung eines Wurmmittels eine Kotprobe machen. Das Wurmmittel ist ein sehr starkes Medikament und kann zu Schockreaktionen bei sehr kleinen Igeln führen!! Nur der Tierarzt kann also entscheiden, wann und wieviel!
Der so versorgte Igel kann nun mit nach Hause.

Wie sollte der Igel untergebracht werden?
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Am besten eignet sich eine Kiste. Kann man keinen Auslauf ermöglichen, sollte die Kiste mindestens 1,5 m lang sein....das wird man sicher nicht zur Hand haben. Aber auf jeden Fall die größte Kiste (stabilen Karton) nehmen, die man kriegen kann und Igelchen, solange es aktiv ist, täglich laufen lassen. Auf die Höhe der Kiste ist zu achten, 60 cm sind gerade das rechte Maß – Igel klettern recht gut. Und wenn das Schlafhäuschen (unbedingt eins reinstellen, ca. 50 cm x 50 cm mit genügend großem Eingang, 15 cm x 15 cm) erst erklommen ist, ist’s in die Freiheit auch nicht mehr weit!
Auslegen kann man mit Zeitungspapier, Schlafhaus mit Küchen- oder Toilettenpapier – so wird’s gemütlich ;-) Bitte täglich wechseln! Igel werden nicht stubenrein und machen halt überall hin. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel – wir hatten einen Igel, der im Flur Freigang hatte, der hatte sein Eckchen im Igelhaus und war damit sehr pflegeleicht.
Futter- und Wassernapf sollten stabil sein (z.B. Tonschüsselchen), aber auch die schmeißt der Igel meistens um...
Der Raum, in dem der Igel untergebracht ist, sollte eine Temperatur von mindestens 18°C haben, bis etwa 20°C und es sollte nicht zu laut hergehen, da der Igel ja tagsüber schläft. Bitte nicht in kältere Räume stellen, solange der Igel noch klein ist und unter 600 g wiegt. Er könnte sonst in den Winterschlaf verfallen, den er mit geringem Gewicht nicht übersteht. Genauso gefährlich ist es, wenn der Igel apathisch wird und in einen Dämmerzustand fällt – auch das übersteht er unter Umständen nicht.

So, nun hat der Igel aber erst mal Hunger!

Was darf man füttern?
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* WICHTIG: zu Trinken darf es NUR Wasser geben! Das Wasser sollte zweimal täglich gewechselt werden.
* Igelfertigfutter (im Zoofachhandel erhältlich)
* abgekochtes mageres Fleisch und Innereien (klein geschnitten oder gehackt) – am Anfang auch püriert
* sehr beliebt bei einem unserer Igel war Geflügelfleisch mit Knochen, vor allem ein Gänsehals wurde zur Weihnachtszeit tagelang herumgeschleppt!!!
* grätenfreier Fisch
* salzfrei gekochte Möhren, Kartoffeln – am Anfang auch püriert
* salzfreies Rührei in wenig Fett gestockt oder hartgekochtes Ei
* Hunde- oder Katzenfutter aus der Dose, auch Katzentrockenfutter, Hundeflockenfutter u.ä.
(unsere bevorzugen Katzenfutter)
* ungesalzene Nüsse
* Rosinen, Müsli, Haferflocken
* Magerquark, körniger Frischkäse (kleine Happen, nicht mehr als ein Teelöffel pro Tag)
* Bananen, Weintrauben, Apfel, Birne (probieren, manche mögen Obst gar nicht so sehr)
* bei kleinen geschwächten Igeln kann die Nahrung auch püriert werden und ein Multivitaminpräparat zugegeben werden (1 – 2 Tropfen)

Was darf NICHT gefüttert werden?
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* KEINE Milch!
* rohes Fleisch
* Gewürzte und gesalzene Speisen (auch keine Wurst)
* Brot oder Kuchen
* Süßigkeiten
* !!! Bitte es auch nicht zu gut meinen und dem Igel aus dem Garten seine gewohnte Kost holen: Schnecken und Regenwürmer sind beim Igel in häuslicher Pflege tabu – er nimmt bei dieser Kost mit ziemlicher Sicherheit wieder Parasiten wie Lungenwürmer auf!!! Wer unbedingt was Schnuckliges geben möchte, nimmt halt Mehlwürmer, die mag er sehr! (so etwa 10 am Tag *lecker*)

Was ist noch wichtig?
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Ein kleiner Igel sollte gewogen werden, zunächst täglich, dann reicht wöchentlich.
Eine Gewichtszunahme von 8 – 10 g oder mehr pro Tag ist normal. Kleinen Igel kann und sollte ständig Futter angeboten werden, auch tagsüber naschen sie gerne.
Erst wenn sie ein Gewicht von 400 g erreicht haben, gibt man nur noch gegen Abend etwa 50 g Futter. Es bitte auch wirklich nicht zu gut meinen, damit Igel nicht fett wird...
Geht das Igelgewicht langsam auf die 700 g zu, kann man darüber nachdenken, ihn winterschlafgerecht unterzubringen. Zunächst kommt er in einen Raum mit niedrigerer Temperatur – allmählich beginnt er, weniger zu fressen. Danach kann er in einer gut isolierten Kiste (er darf keine Frost bekommen!) z.B. in die Garage, ins Gartenhaus oder auf dem Balkon. Bitte kontrollieren, ob der Igel wirklich schläft und trotzdem für alle Fälle Wasser und Trockenfutter parat stellen, falls er einmal Appetit bekommt. Im Allgemeinen schläft der Igel aber glückselig – vielleicht von fetten Mehlwürmern träumend – bis zum Frühjahr.

Wann muss der Igel zurück in die Natur?
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Der Abschied fällt erfahrungsgemäß recht schwer.
Nach den Eisheiligen ist kein Frost mehr zu erwarten und der rechte Zeitpunkt, den Wintergast wieder in die Freiheit zu lassen.
Am schönsten ist es, wenn man ein Plätzchen fernab von verkehrsdichten Gebieten findet. Wer einen so wüsten Garten wie wir besitzt – Laub- und Asthaufen, viel Unterschlüpfmöglichkeit, Ruhe zum Nest anlegen usw., kann den Igel gerne dort entlassen. Der Abschied fällt dann halb so schwer, man sieht sich immer einmal wieder und kann außerdem hier und da noch eine kleine Leckerei bereithalten.

Unsere Igel hatten die unterschiedlichsten Charaktere – manche waren verschmust (sie legen die Stachel an und man kann Köpfchen und Bauch kraulen), andere spielten sehr gerne. Igel untersuchen alles und kramen überall herum. Man kann und sollte also durchaus Spielzeug anbieten. Ein kleiner Ball wurde von einigen unserer Igel geschätzt. Ein anderer rannte mit großem Vergnügen einem Bändchen hinterher – etwa wie eine kleine Katze. Wenn man merkt, dass der Igel Kontakt sucht, kann man ruhig darauf eingehen. Man kann sehr viel Spaß mit diesem Hausgenossen auf Zeit haben. Einen Namen kann er auch bekommen, die meisten hören auch wirklich drauf. Zischlaute sollte man allerdings vermeiden - einer unserer Igel hieß Moritz und bei jedem tzzzzzzzzzz igelte er sich ein (schmerzhaft!).
Probleme bei der Auswilderung sind nicht zu befürchten – die haben höchstens wir, weil wir den Igel liebgewonnen haben. Aber gerade deswegen sollen und müssen wir ihn wieder in die Wildniss entlassen.

Ich hoffe, Euch mit diesem Beitrag ein wenig geholfen zu haben, sollte auf Euch einmal ein Igelproblem zukommen.

Corni - Igelmutter auf Zeit

23 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Flute

    17.01.2006, 22:40 Uhr von Flute
    Bewertung: sehr hilfreich

    Süße "Rabattenpanzer"