Titanic Testbericht

Titanic
ab 24,81
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

5 Sterne
(9)
4 Sterne
(1)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(1)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von linnie

Nix wie hin!

Pro:

Inszenierung, Kostüme, Musik

Kontra:

kleinere techn. Mängel, manche Darsteller, wird bald abgesetzt

Empfehlung:

Ja

Nun kommt also der bereits angekündigte Bericht über meinen Besuch des Musicals Titanic in Hamburg. Ich habe mich extra beeilt mit dem Bericht, da das Musical bald abgesetzt wird und dann die schöne Hansestadt Hamburg verlässt, um erstmal in Deutschland meines Wissens nach nicht wieder aufzutauchen. Wer also noch eine Gelegenheit hat, nach Hamburg zu fahren, sollte sich das Musical schnell noch anschaun. Da ich noch nie einen Bericht über ein Musical geschrieben habe, seid in eurer Kritik bitte konstruktiv, dann kann ich den Bericht updaten und es beim nächsten Mal besser machen (im Oktober steht der König der Löwen auf dem Programm).

** Wann und wo?
Titanic läuft seit dem 15. Dezember 2002 in Hamburg in der neuen Flora (das eigens für das Phantom der Oper erbaute Theaterhaus) und noch bis zum 4. Oktober 2003 hat man die Gelegenheit, sich das Musical dort anzuschaun. Bisher ist noch nicht geplant, das Musical in eine andere deutsche Stadt umzusiedeln, das kann aber durchaus später noch kommen, denn es würde sich lohnen.

Adresse:
Neue Flora
Stresemannstrasse 159a
22769 Hamburg

Weitere Infos unter:
http://www.titanic-musical.com/00_start/musical-titanic.html

Titanic wird aufgeführt...
donnerstags um 20 Uhr
mittwochs um 18:30
sonntags um 14 und um 19 Uhr
freitags um 20 Uhr
samstags um 15 und um 20 Uhr

Je nach Wochentag und Aufführungszeit sind die Preise sehr unterschiedlich, abends am Wochenende bezahlt man am meisten, während die Aufführungen werktags am billigsten sind. Schüler, Studenten, Azubis und Senioren über 65 bekommen 25% Preisnachlass auf die Karten, es wird aber nach Ausweisen gefragt!

Übrigens: Keine Angst vor schlechter Besetzung an Werktagen, beim Vergleich zwischen der gestrigen Besetzung und derjenigen von der CD-Aufnahme unterscheiden sich nur wenige Namen. Es wird also auch bei den „billigen“ Aufführungen die Erstbesetzung aufgeboten!

** Sitzplätze
Das Theater ist fast aufgebaut wie ein Kino, womit ich meine, dass das Parkett stark erhöht ist. Selbst wenn ein halber Riese auf dem Platz vor einem sitzt, kann man noch gut gucken. Ich kann also durchaus Plätze auch in der dritten Preiskategorie im Parkett empfehlen, allerdings sitzt man dann doch recht weit von der Bühne weg. Merkwürdig fand ich die Nummerierung der Sitzplätze, denn ich hatte Platz 3, der sich so ziemlich genau in der Mitte des Publikums befand, da in der Mitte zwei Plätze mit den Nummern 1 nebeneinander liegen, einmal Platz 1 links und einmal das gleiche rechts! Also nicht wundern, wenn man euch so kleine Nummern als so tolle Plätze verkauft, sie befinden sich NICHT am Rande!

** Das Musical

*Cast
Buch: Peter Stone
Musik und Text: Maury Yeston
Deutsche Übersetzung: Wolfgang Adenberg
Uraufführung: 1997 in New York - 5 Tony Awards
Produzenten (Deutschland): Joop an den Ende und Maik Klokow
Choreografie: Kim Duddy
Directed by: Eddy Habbema
Regisseur: Daniel Stewart
Knapp 40 Mitwirkende vom Kapitän bis zum (gutaussehenden) Heizer

* Inhalt
Die Geschichte der Titanic ist natürlich die altbekannte, das Musical hebt sich aber etwas durch Unterschiede in der Geschichte von James Camerons Film ab. Das Musical beginnt mit einer Einstellung, in der Mr Andrews, der Erbauer des Schiffs, ein Modell der Titanic in die Höhe hebt und sein Werk bewundert. Danach sieht man die Besatzung und die Gäste der dritten, zweiten und ersten Klasse in das Schiff einsteigen.

Mrs. Beane, eine geschwätzige und neugierige Passagierin der zweiten Klasse ist recht sensationslüstern und läuft die ganze Zeit den Gästen der ersten Klasse hinterher, die sie aus der Presse kennt. Diese Person ist ziemlich nervig, denn später als die Titanic im Sinken begriffen ist, muss sie erst ihre Maske vom Gesicht wischen und sich zurechtmachen, bevor sie in den Salon gehen kann, in dem sich die Gäste der ersten und zweiten Klasse versammeln sollen...

In der dritten Klasse entspinnt sich eine Liebesgeschichte zwischen Kate McGowan und Jim Farrell, den sie erst auf dem Schiff kennengelernt hat. Kate ist Irin und hatte eine Affäre mit einem verheirateten Mann, von dem sie nun schwanger ist, doch Jim liebt sie trotzdem und verspricht ihr, zu ihr zu stehen. Während die Passagiere der dritten Klasse eine typisch irische Party feiern und davon träumen, was sie in Amerika alles machen wollen, sitzen die Gäste der ersten Klasse beim Dinner mit Kapitän Edward J. Smith, der ihnen Gesellschaft leistet und auf J. Bruce Ismay's (Direktor der White Star Line) Drängen hin die Titanic immer schneller fahren lässt. Es kommen Eisbergwarnungen herein, die ignoriert werden.

In den Tiefen des Schiffes lernt man den Heizer Barrett kennen, der seiner Freundin per Funk einen Heiratsantrag macht und auch von seiner Zukunft träumt. Doch kurz vor der Pause ist es soweit: Die Titanic schrammt an einem Eisberg vorbei und wird dabei schwer beschädigt. Das Ende der Geschichte dürfte jedem bekannt sein, die Einzelschicksale an Bord wird man im Musical noch genauer beleuchtet bekommen.

Besonders rührend ist die Geschichte um das Ehepaar Straus, das seit 40 Jahren verheiratet ist und sich auch beim Untergang der Titanic nicht trennen will. Die Frau entscheidet, bei ihrem Mann an Bord zu bleiben und dort mit ihm zusammen unterzugehen.

** Die Aufführung
Ich muss gestehen, ich bin hellauf begeistert von der Umsetzung dieses Themas auf der Bühne. Ich hätte nie gedacht, dass man den Untergang eines so großen Schiffes realistisch inszenieren könnte, doch das ist durchaus gelungen. Die Verkleidung am Rand der Bühne sieht aus wie eine Metallwand, die durch Nieten zusammengehalten wird und die somit als Schiffsrand durchgehen kann. Im zweiten Teil des Musicals öffnet sich dieser Rand und man erlebt hautnah die Fluchtversuche der Gäste in der dritten Klasse mit, die im Schiff eingeschlossen werden sollen.

Wenn die Gäste sich auf das Schiff begeben, sieht man eine Gangway mit der Aufschrift "White Star Line", über die sich alle begeben, um auf die Titanic zu gelangen. Während des Musicals ist oft die Brücke zu erkennen, auf der der Steuermann die Titanic lenkt und auf der Mr. Murdoch und der Kapitän Smith sich besprechen. Die Brücke ist realisiert durch eine Art Steg, der in einiger Höhe über die Bühne führt. Über der Brücke ist ein Fenster zu sehen, durch das man den Himmel bewundern kann.

Besonders gut gefallen hat mir die mehr-etagige Aufteilung der Titanic, so konnte man eine zeitlang die erste Klasse beim Dinner beobachten, das auf der Bühne stattfand, über dem Dinner sah man den Steg, über den Gäste der zweiten Klasse (Mrs. Beane!) wanderten, um die erste Klasse zu beobachten. Zeitweise wurde auch in den Maschinenraum geschaltet und in den Funkraum, das war auch sehr schön gestaltet.

Das absolute Highlight der Inszenierung war für mich die Szene kurz vor dem Rammen des Eisberges, hier steigerte sich immer weiter die Musik, um auf die Katastrophe hinzuleiten und in verschiedenen Ebenen konnte das Geschehen auf der Titanic verfolgt werden. Da kam aus der Decke des Musicaltheaters ein Ausguck herunter, wo jemand stand, sang und nach Eisbergen Ausschau hielt, dann konnte man die Reeling sehen, an der einige Gäste entlang schlenderten, zeitweise war auch die Brücke zu sehen und auch das Rauchzimmer, in dem die feinen Herren der ersten Klasse dem Glücksspiel frönten. Manchmal waren drei Etagen innerhalb des Schiffes zu beobachten plus dem Ausguck an der Decke, fantastisch!

Als die Titanic zu sinken begann, wurde das „Schiff“ auf der Bühne immer weiter geneigt, sodass die Gäste sich dort an Gegenständen festhalten mussten, um nicht umzufallen, sehr schaurig. Als dann das Klavier anfing, ins Rutschen zu geraten, wurde der Vorhang vorgezogen.

Auch die Kostüme haben mir sehr gut gefallen, die Kleidung der Gäste aus der ersten Klasse war wirklich schick und zeitgerecht, aber auch alle anderen Mitwirkenden waren genauso ausgestattet, wie ich mir das gewünscht habe, das Musical ist wirklich ein Augenschmaus!

** Die Musik
Ich besitze bereits seit längerem die CD-Aufnahme des Musicals aus Hamburg und habe die Musik auch oftmals gehört, doch konnte ich mich zu Hause mit der Musik nicht so recht anfreunden. Die Melodien waren nicht eingängig (und einfach) wie bei Lloyd Webber, aber auch nicht so anspruchsvoll und schön wie bei Schönberg (dem Komponisten der Musik zu den Musicals Miss Saigon und Les Miserables). Im Musicaltheater sah das dann allerdings etwas anders aus, da ging einem die Musik regelrecht unter die Haut (unter anderem, weil sie sehr laut war), sie packte einen und passte irgendwie haargenau zu den Szenen auf der Bühne.

Auf der CD zum Musical befinden sich insgesamt 20 Stücke, wer mal reinhören möchte, dem empfehle ich „zu allen Zeiten“ (Mr. Andrews), „In Amerika“ (Kate McGowan, Kate Mullins, Kate Murphy, dritte Klasse), „der Heiratsantrag“ (Barrett), „Kein Mond“ (Fleet) und natürlich das „Finale“.

** Ein paar Kritikpunkte
Die Musik war teilweise etwas laut, sodass die Stimmen der Darsteller manchmal verzerrt zu hören waren und dadurch nicht mehr schön klangen. Außerdem gab es einige Sänger, die mir persönlich nicht gefallen haben, so hatte die Mrs. Beane eine wahrlich schreckliche Stimme. Ich weiß nicht, ob das aufgrund ihres nervigen Charakters so gewollt war oder die Dame einfach nicht richtig singen konnte, aber sie hat mir deshalb nicht gefallen. Eine der Kates konnte mich auch nicht überzeugen, aber insgesamt waren die Hauptcharaktere exzellent besetzt, sodass es hier nicht viel zu meckern gibt.

Zwischendurch traten ein paar technische Pannen auf, denn die Mikrofone wurden teilweise zu spät angestellt, sodass manche Darsteller nur zu sehen, aber nicht zu hören waren. Das sollte doch eigentlich nicht passieren, oder? Und das war kein Einzelfall, sondern geschah einige Male während der Vorstellung.

Ich muss sagen, dass mir die Story nicht so zugesagt hat. Bin ich doch ein Fan von Les Miserables, dem tragischen Musical zu Victor Hugos Roman. Wahrlich "wertschanger" und bedeutungsvoll. Auch Titanic hat tragischen Hintergrund, aber da passte die Mrs. Beane einfach nicht rein. Die meisten Schicksale der Gäste wurden sehr schön gezeigt, aber Mrs. Beane nervte einfach nur, wenn sie den Gästen der ersten Klasse hinterherlief. Ein klitzekleiner Kritkpunkt in Sachen Mrs. Beane also. Andererseits finde ich es sehr positiv, dass sich das Musical so gut wie möglich von der Geschichte des Filmes entfernt hat.

** Das Drumherum
Natürlich findet man in der Neuen Flora auch den passenden Theatershop zum Musical, den ich allerdings nur kurz aufgesucht habe, um festzustellen, dass ich meine Becherkollektion dieses Mal nicht erweitern kann. Es gab dort kleine Andenken wie das Programm (für 5 Euro), Aufkleber, Poster, Schlüsselbänder, T-Shirts etc. zu kaufen. Über Preise weiß ich nichts, da ich außer dem Programm nichts gekauft habe.

Die beiden Bars im Parkett des Theaters sind schön gestaltet und bieten in der Pause Gelegenheit zu einem Gläschen Sekt (Sommeraktion: 0.1 l Sekt für 3.50 Euro) und anderen Getränken. Insgesamt sind die Preise natürlich ziemlich gesalzen, aber auch nicht teurer als bei anderen Musicals. Man bezahlt eben auch das Ambiente :-)

** Fazit
Es gibt ein eindeutig positives Fazit von mir, auch wenn ich dennoch zwischen 4 und 5 Sternen schwanke (aufgrund der kleinen Kritikpunkte), aber die Technik, die Aufführung und die Musik (live!) haben mich dennoch voll überzeugt. Während des Finales habe ich geheult wie ein Schlosshund und das haben bisher nicht viele Musicals geschafft, ich war so ergriffen von der Musik und den Bildern, dass ich diese Tragödie richtig mitfühlen konnte. Am besten gefallen haben mir die Figuren des Mr. Andrews und die des Heizers Barrett, die beide erstklassig besetzt waren.

Die Inszenierung ist wirklich sehenswert, Titanic hat zurecht seine Auszeichnungen verdient und ich denke, das sollte vom Publikum auch gewürdigt werden, indem zumindest in den letzten Wochen noch mal das Haus vollbesetzt ist :-)

Mein Tipp kann also nur lauten: Schaut euch Titanic an, bevor es abgesetzt wird!

75 Bewertungen