Tocotronic Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von Turbopedro
Digital ist besser
Pro:
siehe Text
Kontra:
siehe Text
Empfehlung:
Ja
Das Debütalbum der Hamburger Band Tocotronic mit dem Titel \"Digital ist besser\", 18 Tracks und etwa 50 Minuten Spielzeit erschien 1995 auf Lado.
Diese Platte war schon irgendwie revolutionär in Sachen deutscher Undergroundpopkultur, brachte sie doch ganz neue Ansätze, textlich sowie teilweise auch musikalisch. Sie sympathisch schlechte Produktion (eingespielt wurde das Album innerhalb von drei Tagen) lässt das Album interessant klingen und zeitweise wirken, als sei es zuhause mit dem Kassettenrekorder aufgenommen worden, was eine sehr angenehme Stimmung erzeugt.
Lieder mit Bewertung (1-12) und teilweiser Einzelkritik:
1. \"Freiburg\" 10,5
Die CD beginnt, man hat das Gefühl, jemand hat das erste Mal eine E-Gitarre in der Hand und spielt irgendwie drauflos, oder so ähnlich...bis dann doch Melodien kommen, die aber dennoch stümperhaft gespielt klingen, was nicht heißt dass sie schlecht sind. Sänger und Gitarrist Dirk singt davon, dass er alleine dasteht, während sich alle möglichen anderen Menschen irgendwelchen Gruppierungen anschließen (z.B. Fahrradfahrer, Backgammonspieler). Er sagt, sie demonstrieren Verbrüderung, während er allein ist, was er aber eigentlich \"sogar cool\" findet.
2. \"Meine Freundin und ihr Freund\" 9,5
3. \"Ich glaube ich habe meine Unschuld verloren\" 10
Mit einer Stimme als wäre sie durch ein Megafon durch einen Telefonhörer gesungen worden wird dieser sehr rockige Song dahingerotzt. Ziemlich mitreißend nach ein paar Hördurchgängen.
4. \"Samstag ist Selbstmord\" 10
Dirk erzählt davon, dass die ganze Menschheit \"vom Wochenende geschunden\" ist. Der Zwang, etwas zu unternehmen, das Kaffee-und-Kuchen-Essen und ähnliche Dinge würden den Samstag zu einem abschaffungswürdigen Ereignis machen.
5. \"Drüben auf dem Hügel\" 8
6. \"Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk\" 11,5
Ein absoluter Kracher, zwar kracht es nicht, aber trotzdem. Akustisch und mit schönem Flair wird von einer schwer hier zu erklärenden und vor allem schwer zu verstehenden Situation erzählt, die Dirk vermutlich selbst erlebt hat. Es geht um ihn und seine Freundin. Ruhig, langsam voran treibend, mit schöner Melodie und absurdem Zwischenteil weiß dieses Stück zu begeistern.
7. \"An einem Dienstag im April\" 6,5
Zunächst weiß man nicht, ob die Stimme ein Scherz sein soll, ob das muss oder ob die das hier wirklich ernst meinen. Die Gitarre ebenfalls, stümperhafter geht\'s kaum, sprich: Gitarre und Stimme sind bei diesem Lied gegeben, beides ist absolutes Anfängerlevel und man fühlt sich verarscht bis verloren. Gesungen wird von Schlagzeuger Arne Zank. Es wird ein Tagesablauf erzählt, der auch nicht sonderlich spannend ist. Dennoch hat das Lied Charme, wieso weiß ich selbst nicht.
8. \"Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit\" 11
Musikalisch zu vergleichen mit dem noch folgenden \"Hamburg rockt\" und \"Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk\", fühlt man sich bei diesem Lied wieder recht geborgen. Der Text ist erste Sahne und Dirk singt auch wieder. Er schlägt vor, in der \"sogenannten Frühlingszeit\" doch mal zum Bahnhof zu gehen, einen Fremden auf eine Cola einzuladen, vielleicht wolle dieser ja reden, weil er Probleme hat. Er kommt dann jedoch zu der Überlegung, dass der Fremde wahrscheinlich gar keine Zeit hat, und die Idee gut sei, doch die Welt eben noch nicht bereit. Ähnlich geht es in den nächsten beiden Strophen, bloß eben in anderen Situationen. Ein tolles Lied!
9. \"Drei Schritte vom Abgrund entfernt\" 7
Ziemlich rock\'n\'rolliges Stück, was einem folgend auf das vorherige Stück doch ein bisschen vor den Kopf stößt, es rockt, aber es ist irgendwie schlecht platziert, denke ich.
10. \"Digital ist besser\" 9
11. \"Wie wir beide nebeneinander auf dem Teppichboden sitzen\" 9,5
Musikalisch und tempomäßig recht ähnlich mit \"Meine Freundin und ihr Freund\" würde ich sagen. Dirk erzählt von einer Situation, die man schon kennt, wenn man den Titel des Liedes gelesen hat.
12. \"Letztes Jahr im Sommer\" 10
Sehr schönes Lied. Musikalisch etwas traurig, sehr langsam und zeitweise fast verzweifelt. Dirk singt, dass es ihm im Sommer letzten Jahres immer besser ging als heute.
13. \"Jungs, hier kommt der Masterplan\" 7
Rockt.
14. \"Hamburg rockt\" 8
\"Gitarrenhändler, ihr seit Schweine\", so beginnt dieses Lied, und von nichts anderem handelt es als von dieser subjektiven Tatsache. Sie würden ihn nur abzocken, so Dirk in Strophe zwei, und immer wieder gibt es seine zutiefste Verachtung gegenüber diesen Menschen bekannt. Klingt irgendwie wie auf Drogen geschrieben und aufgenommen, was auch der herzerweichende \"Schrei\" gegen Ende des Liedes noch verstärkt vermuten lässt, natürlich nicht wirklich, aber man könnte es fast denken.
15. \"Ich bitte Dich\" 6
16. \"Ich weiß es nicht\" 7,5
17. \"Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein\" 9
Dirk singt von dem, was der Titel vermuten lässt, dass er Teil einer Jugendbewegung sein möchte. Er möchte sich auf seine Mitstreiter verlassen können. Musikalisch rockt dieses Lied wieder ganz stattlich.
18. \"Über Sex kann man nur auf Englisch singen\" 10,5
Klingt musikalisch wie die Schnittmenge aus \"Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit\" und \"Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk\", was ja auch schon mal ganz gute Referenzen sind, so wird das Lied dann auch ziemlich gut. Dirk erzählt, dass es dämlich klingt, auf Deutsch einen Text über Sehnsucht, Sex und Liebe zu schreiben. Und wir wissen, er redet \"von bestimmten Dingen\".
Zu guter Letzt kann ich die CD eigentlich gut empfehlen, denn nicht viele andere treffen so präzise Herz und Rückenmark auf eigenartig charmante Weise. Anhören mindestens, kaufen, hmmm, naja, eigentlich auch.
Diese Platte war schon irgendwie revolutionär in Sachen deutscher Undergroundpopkultur, brachte sie doch ganz neue Ansätze, textlich sowie teilweise auch musikalisch. Sie sympathisch schlechte Produktion (eingespielt wurde das Album innerhalb von drei Tagen) lässt das Album interessant klingen und zeitweise wirken, als sei es zuhause mit dem Kassettenrekorder aufgenommen worden, was eine sehr angenehme Stimmung erzeugt.
Lieder mit Bewertung (1-12) und teilweiser Einzelkritik:
1. \"Freiburg\" 10,5
Die CD beginnt, man hat das Gefühl, jemand hat das erste Mal eine E-Gitarre in der Hand und spielt irgendwie drauflos, oder so ähnlich...bis dann doch Melodien kommen, die aber dennoch stümperhaft gespielt klingen, was nicht heißt dass sie schlecht sind. Sänger und Gitarrist Dirk singt davon, dass er alleine dasteht, während sich alle möglichen anderen Menschen irgendwelchen Gruppierungen anschließen (z.B. Fahrradfahrer, Backgammonspieler). Er sagt, sie demonstrieren Verbrüderung, während er allein ist, was er aber eigentlich \"sogar cool\" findet.
2. \"Meine Freundin und ihr Freund\" 9,5
3. \"Ich glaube ich habe meine Unschuld verloren\" 10
Mit einer Stimme als wäre sie durch ein Megafon durch einen Telefonhörer gesungen worden wird dieser sehr rockige Song dahingerotzt. Ziemlich mitreißend nach ein paar Hördurchgängen.
4. \"Samstag ist Selbstmord\" 10
Dirk erzählt davon, dass die ganze Menschheit \"vom Wochenende geschunden\" ist. Der Zwang, etwas zu unternehmen, das Kaffee-und-Kuchen-Essen und ähnliche Dinge würden den Samstag zu einem abschaffungswürdigen Ereignis machen.
5. \"Drüben auf dem Hügel\" 8
6. \"Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk\" 11,5
Ein absoluter Kracher, zwar kracht es nicht, aber trotzdem. Akustisch und mit schönem Flair wird von einer schwer hier zu erklärenden und vor allem schwer zu verstehenden Situation erzählt, die Dirk vermutlich selbst erlebt hat. Es geht um ihn und seine Freundin. Ruhig, langsam voran treibend, mit schöner Melodie und absurdem Zwischenteil weiß dieses Stück zu begeistern.
7. \"An einem Dienstag im April\" 6,5
Zunächst weiß man nicht, ob die Stimme ein Scherz sein soll, ob das muss oder ob die das hier wirklich ernst meinen. Die Gitarre ebenfalls, stümperhafter geht\'s kaum, sprich: Gitarre und Stimme sind bei diesem Lied gegeben, beides ist absolutes Anfängerlevel und man fühlt sich verarscht bis verloren. Gesungen wird von Schlagzeuger Arne Zank. Es wird ein Tagesablauf erzählt, der auch nicht sonderlich spannend ist. Dennoch hat das Lied Charme, wieso weiß ich selbst nicht.
8. \"Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit\" 11
Musikalisch zu vergleichen mit dem noch folgenden \"Hamburg rockt\" und \"Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk\", fühlt man sich bei diesem Lied wieder recht geborgen. Der Text ist erste Sahne und Dirk singt auch wieder. Er schlägt vor, in der \"sogenannten Frühlingszeit\" doch mal zum Bahnhof zu gehen, einen Fremden auf eine Cola einzuladen, vielleicht wolle dieser ja reden, weil er Probleme hat. Er kommt dann jedoch zu der Überlegung, dass der Fremde wahrscheinlich gar keine Zeit hat, und die Idee gut sei, doch die Welt eben noch nicht bereit. Ähnlich geht es in den nächsten beiden Strophen, bloß eben in anderen Situationen. Ein tolles Lied!
9. \"Drei Schritte vom Abgrund entfernt\" 7
Ziemlich rock\'n\'rolliges Stück, was einem folgend auf das vorherige Stück doch ein bisschen vor den Kopf stößt, es rockt, aber es ist irgendwie schlecht platziert, denke ich.
10. \"Digital ist besser\" 9
11. \"Wie wir beide nebeneinander auf dem Teppichboden sitzen\" 9,5
Musikalisch und tempomäßig recht ähnlich mit \"Meine Freundin und ihr Freund\" würde ich sagen. Dirk erzählt von einer Situation, die man schon kennt, wenn man den Titel des Liedes gelesen hat.
12. \"Letztes Jahr im Sommer\" 10
Sehr schönes Lied. Musikalisch etwas traurig, sehr langsam und zeitweise fast verzweifelt. Dirk singt, dass es ihm im Sommer letzten Jahres immer besser ging als heute.
13. \"Jungs, hier kommt der Masterplan\" 7
Rockt.
14. \"Hamburg rockt\" 8
\"Gitarrenhändler, ihr seit Schweine\", so beginnt dieses Lied, und von nichts anderem handelt es als von dieser subjektiven Tatsache. Sie würden ihn nur abzocken, so Dirk in Strophe zwei, und immer wieder gibt es seine zutiefste Verachtung gegenüber diesen Menschen bekannt. Klingt irgendwie wie auf Drogen geschrieben und aufgenommen, was auch der herzerweichende \"Schrei\" gegen Ende des Liedes noch verstärkt vermuten lässt, natürlich nicht wirklich, aber man könnte es fast denken.
15. \"Ich bitte Dich\" 6
16. \"Ich weiß es nicht\" 7,5
17. \"Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein\" 9
Dirk singt von dem, was der Titel vermuten lässt, dass er Teil einer Jugendbewegung sein möchte. Er möchte sich auf seine Mitstreiter verlassen können. Musikalisch rockt dieses Lied wieder ganz stattlich.
18. \"Über Sex kann man nur auf Englisch singen\" 10,5
Klingt musikalisch wie die Schnittmenge aus \"Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit\" und \"Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk\", was ja auch schon mal ganz gute Referenzen sind, so wird das Lied dann auch ziemlich gut. Dirk erzählt, dass es dämlich klingt, auf Deutsch einen Text über Sehnsucht, Sex und Liebe zu schreiben. Und wir wissen, er redet \"von bestimmten Dingen\".
Zu guter Letzt kann ich die CD eigentlich gut empfehlen, denn nicht viele andere treffen so präzise Herz und Rückenmark auf eigenartig charmante Weise. Anhören mindestens, kaufen, hmmm, naja, eigentlich auch.
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