Tod eines geliebten Menschen Testbericht

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Erfahrungsbericht von honeymaus

Michel - Ein Teil von Dir bleibt hier

Pro:

Was kann es positives am Tod geben?

Kontra:

Alles

Empfehlung:

Nein

Anfang März diesen Jahres hatte ich die schlimmen Erlebnisse mit meinem Exfreund soweit verarbeitet das ich mich bei www.Single.de angemeldet habe. Eigentlich wollte ich mich nur ein wenig umschauen, ein wenig plaudern, vielleicht auch ein wenig flirten. Sehr schnell geriet ich an einen jungen Mann mit dem es totalen Spaß machte sich auszutauschen und irgendwann tauschte man auch die Telefonnummer aus. Da ich nicht wirklich gerne telefonierte dauerte es ein paar Tage bis ich mir ein Herz nahm und ihn anrief.
Mann oh Mann – was klopfte mir das Herz und ich hatte einen dicken Frosch im Hals. Aber, meine Angst vor dem Fremden war total unbegründet. Schon in dem Moment wo er ans Telefon ging klopfte mein Herz nicht mehr aus Angst vorm telefonieren sondern nur noch weil dieses Stimme es schneller schlagen ließ. Seine Stimme war Musik in meinen Ohren und wir fanden schnell Themen über die wir geredet haben. Es war einfach toll- so schnell sind mir 3 Stunden nie vorgekommen- wir beendeten dieses Telefongespräch erst als an beiden Telefonen von ihm die Akkus leer waren.
Von diesem Abend an telefonierten wir jeden Tag. Jeden Abend und alle Bekannten beschwerten sich weil ich abends einfach keine Zeit mehr für andre Dinge hatte. Die Stunden wo wir telefonierten gingen immer so schnell rum- nie hatten wir einen Mangel an Gesprächsthemen.

Diese Telefonbeziehung hielten wir genau 4 Wochen aufrecht – wir sprachen zwar immer wieder davon das wir uns endlich sehen müssten aber wir hatten beide so viel zu tun das wir erst im April uns das erste Mal in die Augen schauen konnten.

Oh je, was war ich aufgeregt als ich in den Zug stieg. Michel wohnte zwar auch in Thüringen aber eben am anderen Ende. Dies hieß für mich 2,5 Stunden Zugfahrt obwohl es nur genau 124 km sind die uns trennten. Aber die Verkehrsanbindung ist in Thüringen nicht gerade ausgeprägt. Sei wie es sei – so lang die Zugfahrt auch war- durch die Aufregung war sie kürzer als ich es angenommen hatte.

Bei der Einfahrt in den Bahnhof sah ich ihn schon von weitem. Er stand so ruhig da – er wartete auf die Dinge die vielleicht kommen würden. Er wusste zwar wie ich aussehe aber von ihm hatte ich bislang nur ein kleines Foto gesehen wo man nicht soviel erkennen konnte. Aber, es war mir egal, ich lege eh keinen großen Wert auf Äußerlichkeiten, denn mir ist der Mensch wichtig.

Aber, wir sahen uns an, er grinste mich an und ich konnte nichts anderes sagen als : Bingo!
Michel schaute mich fragend an, aber die Lösung zu diesem Wort gab ich ihm erst später. Wir begrüßten uns, schauten uns wortlos an und ich sah in seine so strahlenden Augen. Er fragte mich: Darf ich Dich zur Begrüßung einen Kuß geben? Und ich antwortete: Nein, einer reicht da glaube ich nicht aus. Über meine Antwort haben wir noch viele, viele Male gelacht.

Wir fuhren zu ihm und auf der Fahrt war ich vielleicht noch ausgeregter, denn ich musste ja auch noch seinem 13 jährigen Sohn gegenüber stehen. Aber, auch dies ging ganz zwanglos und so vergingen die ersten Stunden einfach nur im Fluge. Am späten Nachmittag gingen wir zu Freunden denn wir waren auf einer Geburtstagsfeier eingeladen. Und dort lernte ich zum ersten Male was Freundschaft und Gemeinsamkeit bedeuten. Alle die auf dieser Feier waren nahmen mich, die ich eigentlich am Anfang immer sehr schüchtern bin, so zwanglos und erfreut in ihrem Kreis auf, das ich immer nur den Kopf schütteln konnte, weil ich so etwas überhaupt nicht gekannt habe.

Je später der Abend wurde je ausgelassener wurde die Truppe und auf einmal holten alle ihre Gitarren raus und es wurde Musik gemacht. Musik vom Feinsten. Es war so ungemein gemütlich und herzerfrischend.

Der Rest des Wochenendes verging viel zu schnell und schon bald hieß es Abschied nehmen denn der letzte Zug von Bad Salzungen nach Sonneberg fährt schon um 17Uhr30. Vater und Sohn brachten mich zum Bahnhof und da schaute Michel mich an und fragte: Kommst Du wieder? Ich fragte zurück: Soll ich denn wiederkommen und beide riefen einstimmig: JA!

Ich fuhr total glücklich und beeindruckt von den Erlebnissen des Wochenendes nach Sonneberg zurück. Wieder zurück in Sonneberg holten meine Kinder mich vom Bahnhof ab und als ich ausstieg sagte meine Tochter: Mama, Du bist glücklich! Und ich antwortete: Bingo! Den Rest des Abends konnte ich meinen Mund nicht still halten, soviel hatte ich zu erzählen. Ich erzählte ihnen aber auch dass Michel, kaum das wir bei seinen Freunden waren, mir ein Haus gezeigt hat, das er, wenn es mit uns klappen sollte, kaufen wollte. Gleich am aller ersten Treffen sagte er mir es. Er war sich wohl von Anfang an sehr sicher.

Wir telefonierten wie immer jeden Tag und die Zeiten am Telefon wurden immer länger. Am nächsten Wochenende kam er mit seinem Sohn zu mir und auch mit meinen Kindern gab es keinerlei Probleme. Alle verstanden sich von Anfang an richtig gut, es wurde viel gescherzt aber auch ernstes gesprochen.

So ging es immer weiter, eine Woche fuhr ich zu ihm, am anderen Wochenende kamen die beiden zu uns. Da ich in der Zwischenzeit arbeitslos wurde konnte ich meine Besuche immer weiter ausdehnen und als er Urlaub hatte verbrachten wir ihn alle gemeinsam bei mir. Nie, wirklich nie gab es ein böses Wort zwischen uns. Ich lernte so etwas liebevolles kennen woran ich nie geglaubt hatte.

Michel war immer so liebevoll, so zärtlich zu mir das es mir oft einen Schauer über den Rücken trieb. Wir ergänzten uns bis ins kleinste Detail. Auch im Bett harmonierten wir wie ich es niemals zuvor erlebt hatte und wohl auch nie mehr erleben werde.

Zwischenzeitlich wurde er krank, er hatte sich am Fuß eine gotteserbärmliche Fußpilzinfektion zugezogen die ihm sehr zu schaffen machte. Aber, er ließ sich nie etwas anmerken. Im Gegenteil, er zwängte sich jeden Tag in seine Sicherheitsschuhe, selbst als die Zehen nur noch rohes Fleisch waren. In dieser Zeit war er manchmal recht abweisend und ich, gebranntmarkt durch die Ereignisse in meinen vorherigen Beziehungen, bezog es auf mich. Michel brauchte einige Tage bis er mir den Grund sagte und mir den Fuß auch zeigte. Vorher hatte er ihn immer versteckt. Er sagte immer: Ich will Dich nicht anstecken daher lasse ich den Socken an.

Als ich die Wunden sah prügelte ich ihn fast zu einem anderen Hautarzt und dieser konnte ihn auch in einer relativ kurzen Zeit von seinen Schmerzen befreien und die Wunden schlossen sich. Er konnte wieder arbeiten gehen und erkonnte wieder strahlen. Doch auf der Arbeit hatte er es sehr schwer. Er, der fast 20 Jahre in diesem Unternehmen arbeitete, bekam Urlaubssperre weil er doch schon drei Wochen krankgemacht hatte. Und er bekam immer wieder vorgehalten das man mit einem „bisschen AUA“ am Fuß ruhig hätte arbeiten können. Michel schluckte dies alles kommentarlos runter, er hatte immer nur im Kopf: Ich darf meine Arbeit nicht verlieren denn ich muss für meinen Sohn sorgen.

Die Zeit ging ins Land, wir verstanden uns so sehr gut, er war so sehr zärtlich und doch beeindruckend und manchmal auch bestimmend, genauso wie ich es immer mir erträumt hatte. Meine Tochter sagte nach 8 Wochen zu ihm: Michel, DU bist der erste Mann zu dem ich Vater sagen würde. Ich glaube diese Aussage spricht für sich, sagt aus was für ein Mensch Michel sein musste dass er sogar in dieser kurzen Zeit die Herzen der Kinder gewonnen hatte.

Wir beide, Michel und ich, hatten dass gefunden wonach wir unser ganzes Leben gesucht hatten. Alle Freunde, alle Bekannten, einfach alle sagten immer wieder: Manu, der ist so klipper-klapper nach Dir dass es uns schon wahnsinnig macht. Aber, dies meinten sie positiv denn jeder wusste was Michel für ein schweres Los gehabt hatte. Wie sehr er darum gekämpft hatte um seinen Sohn erziehen zu dürfen der bei seiner Mutter verkommen war. Den sie ins Heim geschafft hatte als sie selbst nicht mehr mit ihrem Leben klar kam.

Der Sommer verging so schnell aber es war noch niemals so schön gewesen. Oftmals haben wir bei ihm in der Küche gesessen, eins meiner Kinder war fast immer dabei- dann schaute er glücklich in die Runde am Tisch und seufzte glücklich: Wenn ich fragte: Schatz, was ist denn- dann lachte sein Mund und seine Augen und er sagte: So soll es immer sein. Unsere Küche muss riesengroß werden damit unsere Kinder alle drin Platz finden und unsere Freunde!

Wir sprachen so oft von der Zukunft, von unserem Haus und immer wieder nahm er mein Gesicht in seine Hände, streichelte ganz zart mit seinen Fingern durch mein Gesicht und fragte: Für immer? Und ich war jedes Mal überwältigt über dieses Zärtlichkeit die dieser Mann geben konnte. Und ich antworte: Ja, für immer.

Michel war aber nicht nur so zärtlich und lieb zu mir und meinen Kindern, er war zu jedermann gut. Nie hat er einem Freund einen Wunsch abgeschlagen, nie war ihm eine Bitte von einem Freund zuviel. Immer hatte er ein offenes Ohr für alle, und immer half er wo er nur konnte.

Ihn noch mehr zu beschreiben geht eigentlich nicht. Es ist für mich einfach so gewesen: Bingo!

Nun schrieben wir schon Oktober und unsere Liebe war nicht schwächer geworden, unsere Telefonate nicht kürzer. Es war und blieb einfach wunderschön. Ein Wochenende kamen beide zu uns, das andere fuhr ich zu ihm, oft mit einem Kind im Gepäck. Am 16. Oktober holte er mich und meinen Tobias für ein ganz langes Wochenende zu sich. Tobias wollte erst nicht mit weil er lieber zu einem Freund wollte, aber er hatte es versprochen und dazu stand er auch. Michel hatte einen Ausflug für Samstag geplant. Wir fuhren stundenlang mit der Eisenbahn zu einer der größten Modelleisenbahnausstellung nach Wiehe. Eigentlich war dies gar nicht so sehr sein Ding aber, diesen Ausflug hatte sein bester Freund geplant und somit war es klar das er auch diesen Ausflug mitmacht. Der Tag war Anfangs noch überschattet von schlechter Laune die beide Jungs hatten, aber es wurde immer schöner und besser. Abends, wieder zurück in Eisenach, gingen wir noch Griechisch essen. Und er lachte darüber weil Tobias noch nie Griechisch gegessen hatte.

Den Sonntag verbrachten wir wie eine ganz tolle, normale Familie und auch die Nächte die wir zusammen verbrachten waren so unheimlich schön, liebevoll, erlebnisreich.

Montags war in seinem Ort Kirmes und abends sind wir beide dann ins Festzelt gegangen. So etwas faszinierendes hatte ich vorher noch nie erlebt. Kirmes – so etwas kannte ich nicht. Ein ganzer Ort war auf den Beinen und feierte und tanzte wirklich auf Tischen und Bänken. Auch unsere beiden Jungens waren dabei und Michel zeigte immer ganz stolz auf die Beiden und sagte. Schatz, mach Dir keine Gedanken um Tobias, der packt den Umzug und wird Dir nicht entgleiten- dafür Sorge ich. Ich sorge für Deine Kinder genauso wie ich immer für meins gesorgt habe. Und immer wieder, egal wie intensiv er in einem Gespräch verwickelt war unterbrach Michel dieses Gespräch, kam zu mir, nahm meinen Kopf in seine Hände und schaute mir in die Augen. Gab mir einen Kuß und ging wieder um das Gespräch fortzusetzen.

Vor der Kirmes sagte er zu mir: Maus, bist Du mir böse wen wir nicht tanzen? Ich antwortete: Nein Schatz, ich kann auch nicht tanzen aber dies mache ich leidenschaftlich!

Irgendwann musste ich mal aus dem Festzelt raus und auf dem Weg zurück wieder ins Zelt hielten mich Leute an und sagten wie schön es sei dass Michel endlich glücklich sei und was für ein guter Mensch er ist.

Ich kam ins Festzelt zurück, die Band fing gerade ein neues Lied an zu spielen. „Jugendliebe“ von Ute Freudenberg. Michel sah mich, kam auf mich zu, nahm mir die Tasche weg und zog mich auf die Tanzfläche. Ich sagte: Ich denke Du magst nicht tanzen doch er grinste mich an und sagte: Doch, auf diesem Lied schon denn Du bist meine späte Jugendliebe und dieses Lied wird für immer unser Lied sein. Und wir tanzten zusammen als hätten wir jahrelang geübt.

Um Mitternacht war Kirmesverbrennung und wir beide gingen Arm in Arm zum Marktplatz. Schauten der Kirmesverbrennung zu und als das Feuerwerk startete, drückte er mich ganz fest an sich und sagte: Für immer....

Dienstags überlegten wir hin und her ob wir die Heimfahrt um einen Tag verschieben sollten um am Kirmesfrühschoppen der immer bis zum Abend dauert teilzunehmen aber ich hatte Arzttermine und so brachte Michel Tobias und mich nach Sonneberg zurück. Anne, meine Tochter erwartete uns mit einem leckeren Essen und am frühen Nachmittag fuhren Michel und Kai wieder nach Hause.

Mittwoch, Donnerstag und Freitag telefonierten wir ganz lange und am Samstag wollten beide kommen um ein schönes Wochenende gemeinsam zu verbringen. Kai hatte aber ausnahmsweise keine Lust so kam Michel alleine. Wir machten uns einen gemütlichen Abend und ich neckte ihn weil er sein Bier nicht trinken mochte. Wir gingen zu Bett und da sagte er mir: Schatz, Du weißt dass ich das Haus kaufen will und Du weißt das ich ein geiziger Mensch bin – sollen wir nicht alles ganz amtlich machen und an meinem Geburtstag, 30.12. aufs Amt gehen? Ich war sprachlos und konnte eigentlich nur nicken. Er meinte: Du weißt es denn ich habe es immer gesagt: Ich will Dich nach Hause holen- will mit Dir zusammen zu Hause ankommen.

An diesem Abend haben wir uns nicht geliebt sondern sind ganz entspannt und aneinander gekuschelt eingeschlummert. Wir haben uns die ganze Nacht nicht losgelassen und morgens bin ich von seinen Blicken wach geworden. Er hatte mich nicht geweckt sondern wachgeguckt. Dies hatte er schon ein paar mal in der letzten Zeit gemacht. Mich wach geguckt. Er grinste mich an als ich verschlafen: Guten Morgen murmelte... es war erst 5uhr30... Er fragte: Kochst Du Kaffee oder soll ich es tun? Da ich nie wollte das er irgend etwas machte, ich liebte es so sehr ihm was gutes zu tun, wollte ich aus dem Bett krabbeln. Da hielt er mich mit einer Hand fest und mit der anderen Hand stellte er mir einen Kaffee ins Bett. Er grinste wieder und sagte: Das war nur ein Test. Ich weiß doch wie ungerne Du früh aufstehst und ich wollte einfach wissen ob Du knatschig wirst wenn ich Dich so früh wecke. Wir tranken den Kaffee, rauchten dabei eine Zigarette und dann liebten wir uns. Ganz intensiv. Er sagte mittendrin zu mir: Ich möchte noch so viele Spiele mit Dir spielen dafür reicht unser ganzes Leben nicht aus.

Wir lagen noch bis 11 Uhr im Bett, saßen auf dem Bett, tranken Kaffee und erzählten uns Kapitel von den Bösen Dingen die wir erlebt hatten. Und wie unsere Zukunft aussehen wird. Dann frühstückten wir mit meinen Kindern und gegen 13Uhr 30 fuhr er dann wieder Richtung sein Zuhause- unser Zuhause. Als er angekommen war rief er mich an, wir plauderten ein wenig und er sagte: Ich schneide mir noch die Haare und den Bart und dann gehe ich zu den Jungs runter- seinen Freunden- und schaue Formel Eins. Ich antwortete: Ich kann Dir doch am Wochenende die Haare schneiden- doch er wollte es selbst machen weil er ordentlich am nächsten Tag zur Arbeit gehen wollte.

Ich war den ganzen Nachmittag sehr unruhig und vertrieb mir die Zeit mit Fernsehen, was ganz und gar nicht meine Art ist. Gegen 21 Uhr 30 klingelte das Telefon. Ich schaute auf die Nummer und freute mich. Ich dachte er wollte mir erzählen wie Formel 1 gewesen ist. Doch es war sein Sohn der anrief. Kai meinte: Manu, dem Paps geht es schlecht, er sagt er bekommt keine Luft. Ich bat ihn mir Paps zu geben und Michel sagte zu mir; Manu, ich hab so Schmerzen in der Brust. Ich antwortete: Michel, Du hast hohen Blutdruck, wir müssen vorsichtig sein. Gib mir den Kai, ich sage ihm wie er den Notarzt holen soll. Kai machte alles nach meinen Anweisungen und um kurz nach 22 Uhr rief er mich an und berichtete das Paps unten im Krankenwagen behandelt wird.

Ich sagte: Kai, ich habe hier keinen mehr der mich fahren kann, ich komme mit dem ersten Zug morgen früh. Dann sprach ich noch mit Michels Vermieter und Freund und der sagte: Michel wollte nicht mit. Sie mussten ihn festschnallen. Er hat immer wieder gerufen: Ich kann nicht mit- ich bin Alleinerziehend. Heiko, sein Vermieter strich ihm über den Kopf und sagte: Michel, wir passen alle auf Deinen Kai auf. Dann ist der Krankenwagen mit ihm losgefahren.

Ich vereinbarte mit Heiko dass er mich morgens um 10 Uhr in Bad Salzungen am Bahnhof abholen solle und so verblieben wir.

Am nächsten Morgen, 25.10.04, ich war kurz davor zum Bahnhof zu gehen, zerschmiss mein Kater die Flasche Bier die Michel am Samstag nicht mehr trinken wollte. Mein Kater schnitt sich ganz schlimm das Bein an den Glasscherben auf und meine ganze Wohnung war voller Blut. Meine Tochter kümmerte sich um alles und ich rannte damit ich den Zug bekam. Es war eine kuriose Fahrt, voller Ärgernisse über die Bahn aber irgendwann kam ich in Bad Salzungen an. Ich schaute ob ich Heiko entdecken konnte aber da war keiner. Ich wollte zum Ausgang gehen da packte mich jemand am Ärmel. Es war Stefan, ein anderer sehr guter Freund von Michel. Ich lächelte ihn an und sagte: Och, Fifi, ich hab Dich gar nicht gesehen und da sah ich Stefans Gesicht.

Ich brauchte nichts mehr zu fragen ich habe nur noch geschrieen: nein, sag dass das nicht wahr ist! Doch Stefan konnte mir nicht antworten, er konnte nur noch weinen.

Irgendwie hat er es geschafft und mich zum Auto gebracht und wir sind zur Wohnung gefahren. Wir wissen beide heute nicht mehr wie wir es ohne Unfall geschafft haben. In der Wohnung vom Vermieter waren schon ein paar Leute versammelt. Sie waren schneller erreichbar gewesen als ich. Mich wollten sie nicht im Zug anrufen daher habe ich es fast als letzte erfahren können, aber dies war auch gut so. Denn ich hätte die Bahnfahrt nicht unbeschadet überstanden.

Als ich in die Wohnung kam fiel mir Kai in die Arme, sagte zum ersten Mal ein Wort zu mir was er aus Angst vor Enttäuschung nie vorher gesagt hatte. Er schluchzte nur noch: Mama, nun bin ich ganz alleine, ich habe nur noch Dich und Deine Kinder........

Ich fuhr mit Michels bester Freundin (Kumpel) in die Klinik und ich durfte ihn noch mal anschauen. Ich habe ihn so sehr angefleht mich anzusehen aber er war schon ganz kalt.

Als ich wieder bei dem Jungen war kamen auch Michels Brüder. Der Junge warf sich in die Arme doch die sagten nur: Wir können Dich nicht nehmen..........

Ich nahm Kai in den Arm und habe ihm versprochen: Wir bleiben zusammen.

Ich bin so sehr voller Trauer das ich mir dies alles von der Seele schreiben muss. Michel ist am 5.11.04 beerdigt worden und es war eine Beerdigung wie ich sie noch nie erlebt habe. Die Kapelle war so überfüllt das kaum einer richtig stehen konnte. So viele Menschen haben um ihn ehrliche Tränen geweint das ich völlig überwältigt bin. So viele Freunde haben sich, auch jetzt mir gegenüber, als so wahre Freunde bewiesen das ich darüber ein Buch schreiben könnte. Ich habe in den letzten zwei Wochen soviel Hilfsbereitschaft erfahren das ich in meiner Trauer noch mehr weinen muss- aber voller Glück. Denn nicht jeden ist es beschienen solche Freunde zu haben. Und vor allen Dingen haben diese Freunde ihre Liebe sofort auf mich übertragen. So viele Menschen standen mir zu Seite und stehen es immer noch. Es gibt so viel zu erzählen das ich dieses in einem anderen Bericht machen werde.

Ich will jetzt nur noch einige Kuriositäten erzählen: Kai ist am 25.10. um 7 Uhr von der Klinik angerufen dass sein Vater verstorben ist. Bei mir in Sonneberg hat sich mein Kater an Michels Bierflasche das Bein aufgeschnitten- um 7Uhr.

Als meine Tochter mir die Tasche packte hat sie in den Schrank gegriffen und als erstes einen schwarzen Pullover rausgezogen. Da habe ich sie angeschrieen: Pack das weg....

Sie hat wahllos ein Buch vom Schrank genommen damit ich auf der Fahrt was zu lesen habe. Ich habe es erst ausgepackt als ich wieder in Sonneberg war.
Dieses Buch hat den Titel: Es gibt kein nächstes Mal.
Es sind noch andere kuriose Dinge vorher passiert die erst im Nachhinein eine Bedeutung bekommen haben- doch dies würde hier den Rahmen sprengen. Doch eins will ich noch erwähnen. Kurz bevor Michel nach Hause gefahren ist sagte mein Sohn zu mir: Mama, fahre doch diese Woche mit und komme nächstes Wochenende wieder. Ich sagte: Das geht nicht Tobias, ich habe kaum noch Geld, wir müssen hier sehen das wir die Tage bis es Geld gibt überstehen.
Michel selber war auch knapp bei Kasse, er selbst hatte an diesem Wochenende kein Lotto gespielt um zu mir zukommen. Ich bin von meinem letzten Geld dann doch zu ihm gefahren- leider war es zu spät.

Michel – Dein Lied war immer:
Ja lebt denn der alte Holzmichel noch..........
Verzeih mir wenn ich dieses Lied nicht mehr hören kann.

Dein wahres Lied war die Moldau und dieses Lied haben wir Dir gespielt.
Dir zu Ehren an Deiner Beerdigung.

Ich wünsche mir so sehr das ich die Zeit zurück drehen könnte denn ich würde Dir noch viel viel öfter sagen das ich Dich liebe.


Michel, die Kinder werden ihren Paps nie vergessen und ich werde Dich, auch wenn wir es bis zum Amt nicht mehr geschafft haben, meinen Mann, nie vergessen. Denn das warst Du, schon lange, mein Mann. Ich liebe Dich! Deine Manu

98 Bewertungen, 41 Kommentare

  • manyatta

    12.04.2007, 22:13 Uhr von manyatta
    Bewertung: sehr hilfreich

    .. sehr bewegend.....

  • maailma

    10.04.2007, 12:18 Uhr von maailma
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, hab deine berichte gleich abonniert

  • anonym

    09.04.2007, 16:14 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Damaris

  • edvdienstleister

    28.03.2007, 21:34 Uhr von edvdienstleister
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüsse!

  • hammi79

    28.03.2007, 14:27 Uhr von hammi79
    Bewertung: sehr hilfreich

    hammi was here ^^

  • Django006

    24.03.2007, 15:25 Uhr von Django006
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & *lg* Alan ;>))))

  • Rym2210

    22.03.2007, 15:41 Uhr von Rym2210
    Bewertung: sehr hilfreich

    mir läuft es kalt den Rücken herunter

  • panico

    08.03.2007, 13:40 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    ohne Worte ...

  • ochsenfrosch43

    09.10.2006, 15:41 Uhr von ochsenfrosch43
    Bewertung: sehr hilfreich

    viele Berichte habe ich viel zu flüchtig gelesen. Diesen zum Glück nicht. Ich fühle mit dir und wünsche dir Kraft nach vorne zu schauen!

  • Maxima24

    07.10.2006, 02:30 Uhr von Maxima24
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein trauriger Bericht, der mir Gänsehaut bereitet. Ich finde leider keinen besseren Kommentar alks ein Zitat: Wenn Tränen eine Treppe bauen könnten und Erinnerungen eine Brücke dann kletterte ich hoch in den Himmel und holte dich zurück. (Nachruf ) Ich wün

  • Cicila

    20.09.2006, 13:33 Uhr von Cicila
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eine sehr traurige Geschichte, die nicht eine Geschichte ist, sondern ein Teil deines Lebens =(.

  • pinna

    08.09.2006, 22:47 Uhr von pinna
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr persönlich und traurig... Wünsche dir weiterhin viel Glück und Kraft. Lg

  • lara03

    05.09.2006, 14:42 Uhr von lara03
    Bewertung: sehr hilfreich

    was soll ich da sagen? Das Leben kann manchmal grausam sein, das mit den Vorzeichen kenn ich leider auch und es macht mir Angst....LG Lara

  • anonym

    05.09.2006, 11:47 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    eine bewertung kann hier nicht ausreichend sein, denn deine geschichte zeigt offen ein teil deines lebens und viel von deinem ich..........ich war sehr bewegt und gerüht...........alles erdenklich liebe und gute...........eva

  • junior33

    05.09.2006, 00:33 Uhr von junior33
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und liebe Grüße, Ingo !

  • anonym

    04.09.2006, 18:05 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eigentlich kann man das nicht bewerten, weil es ein Teil Deiner Seele ist und kostbar. Gruss von der Leseratee Heidi.

  • lil_do

    10.08.2006, 12:46 Uhr von lil_do
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh .... liebe grüße ***Dorit***

  • Sayenna

    22.07.2006, 12:57 Uhr von Sayenna
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr ergreifend!

  • Sommergirl

    14.07.2006, 13:41 Uhr von Sommergirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    toll wie Du das verarbeitet hast, ich sehe den Tod nur als Zwischenstation an...

  • Rumyana7

    14.07.2006, 13:02 Uhr von Rumyana7
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr bewegend

  • Zuckermaus29

    12.07.2006, 14:08 Uhr von Zuckermaus29
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schluck :o( "sh" von mir für Dich :o) Viele Grüße Jeanny

  • Volker111

    07.07.2006, 17:08 Uhr von Volker111
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eigentlich nicht bewertbar

  • Baby1

    06.07.2006, 10:49 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anita

  • aya2005

    26.06.2006, 00:09 Uhr von aya2005
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich glaub ich würd vor Trauer sterben. Höchste Hochachtung dir!!!

  • anonym

    25.06.2006, 18:48 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruß ;-)) Marianne

  • Pepie

    23.06.2006, 12:55 Uhr von Pepie
    Bewertung: sehr hilfreich

    Mein Gott der Bericht ist sehr schwer zu verdauen hab tiefste Teilnahme mit dir Gudrun

  • mami_online

    18.06.2006, 23:13 Uhr von mami_online
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schnief.. dazu hatte ich schon bei ciao einen Kommentar geschrieben... LG, Nicole

  • MichiStephan

    14.06.2006, 14:22 Uhr von MichiStephan
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh + lg

  • annemone62

    10.06.2006, 20:44 Uhr von annemone62
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wunderbar geschrieben von Dir. Habe keine Worte mehr. LG Annemone

  • misscindy

    08.06.2006, 23:15 Uhr von misscindy
    Bewertung: sehr hilfreich

    Macht nachdenklich, lg Sylvia

  • campimo

    08.06.2006, 22:56 Uhr von campimo
    Bewertung: sehr hilfreich

    •:*¨¨*:•. ... gut geschrieben und nachdenklich stimmend ... .•:*¨¨*:•.

  • Estha

    08.06.2006, 22:24 Uhr von Estha
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨¨*:•. ... sh ... .•:*¨¨*:•.

  • SuicideToday

    08.06.2006, 21:10 Uhr von SuicideToday
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wort sind hier überflüssig.. lg

  • sandraberg

    08.06.2006, 13:41 Uhr von sandraberg
    Bewertung: sehr hilfreich

    wow, so viel geschrieben. was soll man da noch sagen? lg sandraberg

  • Woelfchen4

    29.12.2005, 17:07 Uhr von Woelfchen4
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hier fehlen mir die richtigen Worte, deshalb kommentiere ich nicht. LG vom Woelfchen

  • Nightmare

    24.11.2005, 10:49 Uhr von Nightmare
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich finde, das dir dieser Bericht gelungen ist. <br/>Ich Bewerte dein Bericht mit Sehr Hilfreich, <br/>Wenn du Interese am Yopi-Forum haben solltes <br/>dann schau doch mal rein bei uns,melde dich mit <br/>deinem Yopi Namen an <br/>unter:www.yopi-forum.d

  • morla

    14.10.2005, 13:05 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • willibald-1

    14.10.2005, 12:15 Uhr von willibald-1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Das ist wirklich hart!

  • Madrianda

    11.11.2004, 09:37 Uhr von Madrianda
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hatte Deinen Beitrag bereits gestern Morgen gelesen und sah mich wirklich im Moment nicht im Stande, eine Bewertung oder gar einen Kommentar abzugeben. Deine Zeilen gingen bzw. gehen mir so sehr unter die Haut, daß Du mir nicht mehr aus dem Kopf gehs

  • antjeeule

    10.11.2004, 19:03 Uhr von antjeeule
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Manu, dieser Bericht hat mich schon bei Ciao betroffen gemacht. Nach deiner großen Enttäuschung hattest du endlich einen Menschen gefunden, mit dem du glücklich werden wolltest, und es auch schon eine ganze Zeit warst. Es tut mir sehr

  • Verbena76

    10.11.2004, 13:22 Uhr von Verbena76
    Bewertung: sehr hilfreich

    hallo dein bericht hat mir richtig gut gefallen, mir selbst ist der schauer über den rücken gelaufen, denn so etwas ähnliches kenne ich, in dem moment ist alles wieder hoch gekommen! gruß verbena!!!