Tool Testbericht

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Erfahrungsbericht von Eiswolf

AEnima - bereitet euch auf das Unerwartbare vor

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Zu Tool an sich will ich nicht viel sagen, denn bei der Faszination an der Band geht es vielmehr um das Mysterium ihrer Musik und ihres Schaffens denn um sie als Personen. Nur soviel: die Band gibt es seit Anfang der Neunziger und sie besteht aus dem Sänger Maynard James Keenan [auch Sänger bei a perfect circle], dem Gitarristen und eigentlichen Frontmann Adam Jones, dem Bassisten Justin Chancellor und dem Drummer Danny Carey. Sie brachten 1992 ihre EP Opiate raus, die allerdings nmoch nicht allzu viel Aufsehen erregte, 1993 folgte Undertow, was ihnen schon mal Gold einbrachte. 1996 kam dann AEnima und brach alle bisher dagewesenen Eindrücke von Musikgeschehen.

1. stinkfist | 5:11
Gleich nach Einlegen der CD wird dem Hörer ein wahres Meisterwerk von Musik geboten. \'stinkfist\' besticht durch seine vergleichsweise hervorragende Eingängigkeit. Die Songstruktur wechselt nicht so dramatisch wie bei anderen Tool-Songs und wirkt daher auf Leute, die Tool nicht kennen etwas geordneter und verständlicher [zumal es auch nicht allzu lang ist]. Maynard zeigt sich wieder von seiner besten Seite, man könnte meinen es wären mehrere Sänger am Werk, Adam und Justin hauen genauso konzentiert und berechnet in die Saiten, wie Danny die Drums bedient. Zwischen den Gesangsparts gibt es schöne Soli der Instrumente und kleine Elektrospielereien nach Tool-Art präsentiert. Die Nummer ist stellenweise sehr energisch und regt zum Mitrocken an, sollte man im Zusammenhang mit gute Lieder und Tool nicht vergessen.

2. eulogy | 8:29
Auffällig an \'eulogy\' als erstes natürlich die Länge; nicht untypisch sage ich, warum auch nicht, wenn sich das Resultat dann auch entsprechend vernünftig anhört? Die ersten zwei Minuten bekommt man nur Drums und Elektrosounds zu hören, wirkt wie ein Intro für den eigentlichen Hauptteil. Sachte fängt Maynard dann an zu singen, geht später begleitet von konkreten Riffs in lauten Gesang über. Ab der fünften Minute wird es dann nochmal kurz richtig progressiv bevor eine Zeit lang wieder geruhsam gearbeitet wird. Bis zum Ende wiederholt sich dieses Schema dann vom Grundprinzip her, hört sich aber jedesmal wirklich anders an, man möchte meinen, man hätte in der Zeit mehrere Songs gehört. Erneut sehr cool gearbeitet und die 8 einhalb Minuten wirkungsvoll umgesetzt.

3. useful idiot | 6:03
An dieser Stelle wurde im Booklet [absichtlich!?] der nächste Song eingetragen, wie dem auch sei geht Herr Keenan wieder gewissenhaft zur Sache, auch die Gitarren wurden wohl portioniert im Stück verteilt und durchweg eine Spannung aufgebaut, die erst am Ende vollkommen aufgelöst wird. Hört sich vielleicht merkwürdig an, aber es ist nicht wirklich anstrengend zu hören, ist halt Tool-Style.

4. h | 0:39
Ein kurzes Interlude. Klingt nach einer Schallplatte, die sich aufgehängt hat und immer wieder dasselbe Rauschen von sich gibt.

5. forty six & 2 | 6:03
Als ich den Titel gelesen hab dachte ich sofort \'46 durch 2 ist 23\' [die Illuminaten unter euch wissen, was gemeint ist], da Tool auch große Liebhaber dieser Romane oder viel mehr Spekulationenen sind. Der Song lässt sich gewohnt ruhig an geht dann aberwie zu erwarten war in härtere Gefilde über und verbleibt da auch. Schön gespielter Bass, der diesmal etwas stärker als sonst zum Ausdruck kommt, obwohl eigentlich in jedem Track alle Mitglieder gleich stark vertreten sind [auch wenn viele Maynard gerne hervorheben wollen]. Auffallend noch die wirklich harten Gitarren kurz vor Schluss dieses genialen Liedes.

6. message to Harry Manback | 1:53
Wieder ein Interlude. Untermalt von einem tragisch anmutenden Klavierspiel hört man eine Stimme wie durch ein Telefon sprechen. In hinsicht auf den Titel dachte ich mir zuerst, dass ein Bezug zu dem im Booklet gezeigten Wissenschaftler bestehen könnte, aber ich will mich jetzt nicht an Interpretationsfragen aufhalten, sowas versucht an bei Tool sowieso vergeblich.

7. hooker with a penis | 4:34
Ungewöhnlich kurz, aber was ist schon gewöhnlich? Auf jeden Fall wartet hier wieder ein sehr geiler Song auf, der durch pure Energie und einen mitreißenden Refrain besticht. Den gesamten Song über spürt man geradezu den Enthusiasmus mit dem die Künstler am Werk sind, definitiv geiler Song.

8. intermission | 0:56
Interlude Nummer 3. Man kann es als Kindermusik, Drehorgel oder Zirkusmusik bezeichnen, auf jeden Fall für eine Überraschung gut, man muss halt mit allem rechnen, wenn man sich mit Tool einlässt.

9. Jimmy | 5:24
Kraftvoller Bass und Gitarre als kurze Einleitung bis Maynard beginnt seiner Stimme freien Lauf zu lassen. Die Aufmerksamkeit des Hörers wird hier aber deutlich auf die Instrumente gelenkt denn auf die Stimme. Zu Recht, weil die 3 wieder atemberaubende Sachen damit anstellen, die in sich aufeinander abgestimmt sind und doch jedes für sich ein Unikum bleibt.

10. die Eier von Satan | 2:17
Ich musste schon zweimal hinhören um zu realisieren, was hier geboten wird. Erstmal natürlich wirklich schräge Gitarrenriffs und Kraftwerk artige Geräusche. Zum Text: Offensichtlich erstmal ein Kochrezept. Zwei Wochen später war es dann ein Kochrezept für Haschkekse. Eine weitere Woche und ein paar Besuche bei Kumpels später war es dann eine Anspielung auf Hitler [\'und keine Eier\'] ich bin mal gespannt, was damit in Zukunft noch passiert.

11. pushit | 9:56
Ein weiterer Song, der durch ein immer wiederkehrendes Riff bestimmt wird. Die meiste Spielzeit kommt der Track ohne Gesang aus nur in kurzen Abschnitten bringt Maynard seinen Beitrag ein und dann entweder sehr zurückhaltend oder total agressiv, hier sieht oder vielmehr hört man mal, wie gut dieser Mensch mit seiner Stimme umgehen kann, wirklich einzigartig.

12. cesaro summability | 1:26
Nächstes Interlude, anfangs Babygeschrei danach undefinierbare Maschinensounds.

13. AEnema | 6:40
Sehr coole Gitarren schon am Anfang. Insgesamt ein sehr progressiver Song ganz nach meinem Geschmack gelassene Strophen und ein mitreißender Refrain, wieder sehr eingängig. Später gewinnen der Bass und die Drums mehr an Bedeutung und treten zusammen mit dem Gesang in den Vordergrund des Geschehens. In der zweiten Hälfte des Stückes hört man fast nur noch Gesang und maschinengewehrartige Drums. Zum Ende hin geben die 4 dann noch mal richtig Vollgas, der nächste geile Song, den Tool auf diesem Album haben.

14. (-) ions | 4:00
Eigentlich auch wieder ein Interlude. Genau 4 Minuten lang hört man sich hier Gewittersounds an, die unverkennbar durch wackalndes Blech und ähnlich simple Mittel erzeugt wurden.

15. third eye | 13:47
Das große Finale. Fast eine viertel Stunde Spielzeit. Gleich zu Beginn hört man die Drums, die man im Verlauf des Songs immer wieder an wichtigen Stellen hören wird. Der Song ist irgendwie wie eine Art Story aufgbaut, am Anfang hört man irgendeinen Möchtegernkomiker wie in einer TV Sendung labern und Publikum gestellt lachen. Danach folgen immer mehr diffuse Gesprächsfetzen bis man nur noch dumpfe Drums, drückenden Bass und eine sirenenartige Gitarre hört. Zu diesem Zeitpunkt setzt Maynard mit ein. Es folgen eine Reihe von sehr differenzierten Intrumentalparts und harten Gesangspassagen und da der Track ja wirklich lang ist, dauern diese Stellen jeweils ungefähr 2 Minuten. Dabei wird dem Hörer auf keinem Fall langweilig, man wartet eigentlich immer nur darauf, was wohl als nächstes passieren könnte. Ungefähr ab der Hälfte hört man die Gitarrenriffs, die man am Ende wierdererkennen wird. Danach folgt eine Strecke von ruhigem Gesang, bei der man gebannt noch einmal ganz leise die Drums vom Anfang hört. Ich schätze, man merkt schon wie komplex und durchdacht dieses System aufgebaut ist, dies ist einer der Gründe, warum Tool als wirklich alternativ gesehen werden, weil sie wirklich etwas machen, was kein anderer zustande bringt. Blitzartig wird man nach zehn Minuten aus der zuvor gewohnten Ruhe gerissen und alles, was man in diesem Lied bisher gehört hat, trifft in einem fulminanten Ausbruch von Sound zusammen. Auch wenn der Song so verhältnismäßig lang ist, würde ich ihn jedesmal wenn ich ihn höre am liebsten gleich noch mal hören. Also ein wirklich spektakulärer und gebührender Abschluss für dieses Meistwerk.

Ich glaube man hat gemerkt, wie begeistert ich von dieser CD bin, deswegen kann sich wohl jeder mein Urteil denken: So etwas gibt es nicht noch einmal, nicht mal uter den anderen Tool CDs, denn die beschreiben wieder eine völlig andere herangehensweise ans Thema Musik kreieren und bilden wieder einen eigenen Mikrokosmos an Sound. Sicherlich nicht für jeden geeignet aber auf jeden Fall hörenswert, damit man mal sieht, was man so alles außerhalb vom Pop/Rock Einheitsbrei mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Stimme anstellen kann.

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