Tool Testbericht

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Erfahrungsbericht von roobii

Verschmelzung der Sinne.. 78 min Apokalypse

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Fünf Jahre sind eine lange Zeit, genau solange hat uns TOOL auf ein neues Studioalbum warten lassen. Indessen hatten wir viel Zeit das Meisterwerk "Aenima" zu sezieren. Ehrlich gesagt ist diese Zeit auch nötig um annähernd behaupten zu können diese Scheibe verstehen zu können. Nach so langer Zeit ist man der Meinung nicht überrascht werden zu können aber falsch.

Mit Lateralus haben die Mannen um Maynard James Keenan ein Werk mit ähnlichen Tiefgang geschaffen. Jeder der nach dem ersten Hören nicht sprachlos ist oder gar behauptet den Sound begriffen zu haben, lügt !!
Lateralus ist ein 78 minütiger Gefühlsrausch, ein ständiges Auf und Ab. Diese CD ist als Werk zu betrachten, einen Song rauszulösen oder gar hervorzuheben wäre ein arger Fehler.

War der Vorgänger noch hauptsächlich die Aggression anzumerken, so hat jetzt die Melancholie einen großen Anteil eingefordert. Dies soll aber nicht negativ klingen, nein eher bereichernd. Gegenüber dem vorherrschenden Knüppel-Rock-Pop-Punk ist hier endlich wieder ein reifes Album entstanden, welches Langzeitgenuss verspricht und nicht nach drei Wochenenden im CD-Regal verstaubt.
Nach dem Kauf war ich schon von der Aufmachung begeistert. Sofort verschwand die CD im Player und erst nach 3 Minuten konnte ich mich auf die Musik konzentrieren. Wenigsten so lange braucht man um das aufwendige Artwork des "Booklets" zu genießen.

Hat man sich dann losgerissen ist der erste Song "The Grudge" schon voll im Gange. Dieser ist wie der erste Teil der Scheibe noch gut mit Aenima zu vergleichen. Alle Songs sind nicht kürzer als 6 Minuten, alles weitere sind instrumentale Zwischenspiele die wir von TOOL schon kennen und dem Hörer helfen die Übergänge besser zu verstehen. Überhaupt hat man das Gefühl ein Stück zu hören, die "Zerstücklung" in Tracks wurde wohl nur gemacht um die Leute nicht zu verwirren.

Die Lyrics sind sehr melancholisch manchmal fast manisch depressiv, schaffen es jedoch immer wieder emotionale Höhepunkte zu setzen. Ähnlich die melodiöse Gestaltung, lange wunderschöne Instrumentalpassagen beweisen, das Keenan nicht mehr der alleinige Herrscher ist. Stilistisch bieten TOOL alles was diese Band ausmacht, man hangelt sich von Break zu Break um stets neues zu erfinden, bekannte Songstrukturen sind ihnen fremd.

Der Mittelteil mit dem fast hittauglichem "Schism" ist entspannender gehalten, nicht ganz so schwere Kost. Jedoch steigert sich "Parabol/Parabola" über "Ticks & Leeches" bis hin zum wieder besonders starkem "Lateralis". Diese Tracks (5 bis 9) bilden das Herzstück und sind für mich das beste auf dem derzeitigen Musikmarkt.

Der Abgang ist dann wieder sehr experimentell gehalten. Wobei TOOL beweisen, das man 11 minütige Songs ("Reflection") schreiben kann, ohen den Hörer abgleiten zu lassen, von der ersten bis zur letzten Sekunde perfekte Musik mit einem Schlagzeug was Tote weckt.
Ganz zum Schluss wird der Hörer mit einer Klangattacke ("Faaip De Oiad") in die Wirklichkeit zurückgebeamt. Willkommen zu hause .. willkommen auf der Erde.

Ein Fazit brauch ich wohl kaum noch dranhängen, man merkt, ich liebe diese Platte. Jetzt habe ich wieder genug Zeit um dieses Werk zu genießen, hoffentlich nicht wieder 5 Jahre !! Nach "Fragile" von Nine Inch Nails ist diese Scheibe für mich die wichtigste der letzten Jahre !!

Meine Lieblingssongs:
- Schism
- Parabol/Parabola
- Ticks & Leeches

Homepage:
http://www.toolband.com/
http://www.toolband.de/

Tracklist:
The Grudge, Eon Blue Apocalypse, The Patient, Mantra, Schism, Parabol, Parabola, Ticks & Leeches, Lateralis, Disposition, Reflection, Triad, Faaip De Oiad

Spielzeit: 78:50 min

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