Traumfänger Testbericht

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Erfahrungsbericht von Zauderer

Marlo Morgans – Traumfänger: Ich war fasziniert

Pro:

sehr gut geschrieben, informativ, einfach toll

Kontra:

keine

Empfehlung:

Ja

Dieses Buch beschreibt das Abenteuer einer Amerikanerin, der die Ehre zuteil wurde einen walk-about mit den Aboriginies zu machen.
So könnte man kurz und knapp dieses Buch beschreiben. Tatsächlich beschreibt Morgen aber eindrucksvoll, wer die Aboriginies wirklich sind und man erfährt ihre Lebensweise und Einstel-lung zum Leben, die wir mit unserem europäischen Denken fast nicht nachvollziehen können. Nachdem ich, oder vielmehr schon während ich das Buch gelesen habe, hat sich mir oft die Frage gestellt, wer das „unterentwickelte“ Volk ist.

Mal ehrlich, was wissen wir denn schon über Aboriginies? Ureinwohner Australiens, Boome-rang, Didgeridoo, leben hauptsächlich in der Wüste, ...
Nachdem man das Buch gelesen hat, weiß man erheblich mehr.

Zum Inhalt:
Marlo Morgan wurde von einem Aboriginie abgeholt, im Glauben, sie würde von dem Stamm zum Essen eingeladen und erhält irgend ein Geschenk, für ihre Arbeit mit einer Gruppe junger Aboriginies. Weit gefehlt. Nach vierstündiger Fahrt durch die Wüste, auf einem Weg, den man nie wieder zurück findet, bekam Morgan von dem Stamm eine Art Kleid und musste aber dafür ihr gesamtes Hab und Gut abgeben, welches vor ihren Augen verbrannt wurde (Bekleidung, Kamera, Schmuck, Kreditkarte ..). Als dann wurde ihr erklärt, dass sie die Ehre hat dem walk-about des Stammes teilhaben zu dürfen. Ein walk-about dauert ungefähr drei Monate; oder vier oder fünf. Zeit spielt bei den Aboriginies keine Rolle.

Stellt Euch das doch bitte mal vor. Ihr müsstet all Euer Hab und Gut abgeben, wisst dass ihr die nächsten Monate barfuss durch die Wüste marschieren werdet und könnt noch nicht mal irgendwem Bescheid sagen. Ihr müsst alles zurück lassen. Freunde, Familie, Arbeit, Eure Wohnung und vor allem Eure Sicherheiten.

Morgan erfährt sehr schnell, dass die Aboriginies sich für die „wahren Menschen“ halten und im Einklang mit der Natur leben. Sie sind der festen Überzeugung, dass alles was auf der Erde passiert, jedes Tier, jede Pflanze einen Grund hat, warum es existiert. Marlo und vermutlich der Rest der Weltbevölkerung wird von den Aboriginies als die „Veränderten“ bezeichnet. Je län-ger man das Buch liest, desto klarer werden einem diese Namen.
Auf ihrem Marsch durch die sengende Hitze Australiens erlebt Morgan ein Abenteuer nach dem anderen und es vergeht kein Tag, an dem sie keine neue Erfahrung macht.

Sie beschreibt ihren walk-about in zwanzig kurzen Kapiteln. Jedes für sich in einer Art und Weise, die mich fasziniert. Am meisten beeindruckte mich die telepathischen Fähigkeiten des Stammes.
Ein Mitglied des Stammes hatte die Aufgabe bekommen vorzulaufen, um etwas zu essen zu besorgen. Aus einem für Morgan unerfindlichen Grund stoppte der Stamm seine Wanderung, kniete sich auf den Boden und schwieg. Anschließend erklärte ihr ihr „Dolmetscher“, dass der „Vorläufer“ dem Rest des Stammes per Telepathie mitteilte, dass er schlechtes Wasser getrun-ken habe, und darum bittet, dem Känguru, das er gefangen hat, den Schwanz abzuschneiden, da dieser das meiste Gewicht hat. Ein paar Stunden später kam er krank mit dem schwanzlosen Känguru zurück.
Als Morgen ihnen von der Bedeutung es Telefons in unserer Gesellschaft erzählte, entlockte dies den Aboriginies nur ein müdes Lächeln.

Ich könnte jetzt noch etliche Beispiele nennen; das würde aber den Rahmen sprengen. Die Ge-schichte ist nicht nur interessant, sondern auch gut verständlich geschrieben und entbehrt auch nicht einiger witzigen Stellen. Hier ein kleiner Ausschnitt, wie die Aboriginies ihr „Geschäft“ erledigen:
„Man grub in Loch in den Sand, hockte sich darüber und warf es danach wieder mit Sand zu. Sie ermahnten mich auf Schlangen zu achten. Wenn der heißeste Teil es Tages vorbei und die Nachtkälte noch nicht eingebrochen ist, sind sie am aktivsten. Daraufhin sah ich überall im Sand böse Augen und giftige Zungen, die auf jede meiner Bewegungen reagierten. Auf meinen Reisen durch Europa hatte ich mich über das schreckliche Toilettenpapier beklagt. Und nach Südamerika hatte ich mir sogar mein eigenes mitgenommen. Hier war das Fehlen von Papier wirklich mein geringstes Problem.“

Nachdem ich das Buch zuende gelesen habe, fand ich es wirklich schade, nicht noch mehr er-fahren zu haben. Manche Menschen zweifeln am Wahrheitsgehalt dieser Geschichte. Meiner Meinung nach liegt es aber daran, dass wir vieles nicht mehr rationell nachvollziehen können. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Geschichte erfunden ist, da sie sehr viel Hintergrundwissen über die Aboriginies hat. Falls doch, muss sich Marlo Morgan sehr viel Mühe gegeben haben und über eine blühende Phantasie verfügen. Aber auch dann würde ihr Anerkennung für dieses Buch gebühren.

Mein Tipp: Unbedingt lesen!

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