Erfahrungsbericht von Corni
Jungfernzeugung oder warum ich einen Verein gründete
Pro:
mit Augenzwinkern betrachtet
Kontra:
theoretisch realisierbar - aber Inzucht vorprogrammiert
Empfehlung:
Nein
Gestern am Abend berichtete meine jüngste Tochter stolz, dass in ihrem Terrarium vom Krebsfräulein Christine nun bald junge Krebschen zu erwarten wären – den Rogen könnte man schon gut sehen! Der erste Gedanke war natürlich – wie das denn? Einen zugehörigen Krebsmann gibt es nämlich nicht, Christine ist alleine, und außerdem noch Jungfrau.
Das geht trotzdem, sagte die eine und „Parthenogenese“ sagte die andere Tochter. Ups – stimmt, hatten wir doch seinerzeit mal im Biologieunterricht.
Heute hatte ich ein längeres Telefonat, in dem es um die Männer im allgemeinen und besonderen ging – mit dem Fazit, wie schön und einfach das Leben doch ohne dieselben wäre – was wiederum zu einer Vereinsgründung führte. Erster Punkt im Statut: „Männer werden ersatzlos gestrichen“.
Die sich anschließende Was-wäre-wenn-Analyse fiel weitestgehend zu unserer Zufriedenheit aus – und für alle Dinge, die FRAU sonst noch so braucht, fanden sich schnell Lösungen *fg*
Das Ende aller Nörgelei wäre nahe – worüber MANN so lamentiert, wisst Ihr ja selber. Ich erspare mir daher das leidige Thema der Kritik der Männer an uns Frauen näher auszuführen, nämlich was wir alles NICHT oder nur UNVOLLKOMMEN beherrschen - angefangen bei A wie Auto weder fahren noch parken können bis Z wie zulange einkaufen oder Z wie zuviel Geld ausgeben usw. – kann von jeder Leserin beliebig ergänzt werden.
Und da die Männer obendrein eh nicht in der Lage sind, Kinder zu bekommen (das Jammergeschrei möchte man sich ohnehin gar nicht erst vorstellen), sind sie doch eigentlich sooooo was von überflüssig!!!
Ha ha – hörten wir die Männer schon triumphierend hohnlachen – und wie, liebe Damen, wollt ihr zu den Kindlein kommen? Ohne unser Sperma (wohliges Grunzen im Brustton der Überzeugung) geht gar nichts – könnt ihr euch künstlich befruchten lassen wie ihr wollt (überhebliches Grinsen).
Meine Herren – und ob es geht! Ihr habt die längste Zeit an Eure Unentbehrlichkeit geglaubt – die nächsten Jahrtausende sind unser, doch doch :-))
Ihr fragt nach Beweisen? – Die sollt Ihr bekommen!
Die Lösung des PROBLEMS MANN – heißt Parthenogenese.
Parthenogenese – was ist das?
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Bei einigen Tierarten kann sich die Eizelle auch ohne Hilfe des männlichen Samens – also ohne Befruchtung - selbständig entwickeln und es entsteht ein vollwertiges Lebewesen. Das ist die Jungfernzeugung, auch natürliche Parthenogenese genannt.
Strudelwürmer, Korallen und andere Hohltiere, Kleinkrebse, manche Heuschrecken, Blattläuse, Schnecken, Rüsselkäfer vermehren sich auf diese Weise, sogar Truthühner können das (schon Anfang der 60er Jahre züchtete man eine Gattung von Truthennen, die sich durch Parthenogenese fortpflanzen konnte). Auf die Jungfernzeugung greifen mitunter auch Tiere zurück, die sonst den zweigeschlechtlichen Sex nicht verachten, wo aber der passende Geschlechtspartner gerade nicht zur Stelle ist.
Parthenogenese ist also gewissermaßen die natürliche Art zu klonen.
Gut, werdet Ihr sagen – aber wir sind doch keine Rüsselkäfer oder gar Truthühner!
Wie funktioniert es also in der Natur?
Normalerweise wird die Eizelle zur Furchung veranlasst, wenn das Spermium in sie eindringt und seine Chromosomen beisteuert. Das Spermium stellt für die Eizelle die entsprechende Stimulans dafür dar.
Diese Stimulans kann aber auch durch ein anderes Agens (chemischer, physiologischer oder mechanischer Natur) ausgelöst werden - auch ein unbefruchtetes Ei kann sich zum Embryo entwickeln.
Der Nachweis im Labor erfolgte viele Male. Bei Seeigeln z.B. funktionieren Chloroform und Strychnin als Stimulans, wenn man sie dem Meerwasser beigibt, in dem der Seeigel lebt – das wäre auf chemischem Weg. Eine physiologische Stimulans – um bei den Seeigeln zu bleiben – ist auch über eine hypertonische Lösung (Magnesiumchlorid) möglich.
Die Eizellen von Fröschen, Kröten, kleineren Säugetieren wie Kaninchen und Mäusen wurden stimuliert und begannen darauf eine normale Entwicklung. Seit Anfang diesen Jahres ist erwiesen, dass die Parthenogenese auch bei höherentwickelten Säugetieren, nämlich Affen, möglich ist.
Wer sich ein wenig auskennt, wird jetzt die Frage stellen: was ist aber nun mit dem Chromosomensatz? Die Eizelle liefert nur den halben - die embryonale Entwicklung braucht doch den doppelten!
Die Erklärung, warum es doch funktioniert, ist nicht einmal schwer zu verstehen:
Während der Reifungsphase (noch bevor es von einem Spermium befruchtet ist), teilt sich das Ei – ein Polkörperchen verbleibt, das zweite Polkörperchen wird abgestoßen. Jedes Polkörperchen enthält die Hälfte der benötigten Zellchromosomen, nämlich 23. Bei der Parthenogenese stößt das reifende Ei aus irgendeinem unbekannten Grund dieses zweite Polkörperchen nicht ab; die Chromosomen, die in ihm enthalten sind, verbinden sich mit denen im ersten Polkörperchen. Das nicht ausgestoßene Polkörperchen tritt quasi an die Stelle des männlichen Zellkerns (auch wenn es kein y-Chromosom enthält!) und verschmilzt mit dem weiblichen Zellkern. Da die Zelle jetzt die notwendigen 46 Chromosomen enthält, kann das Ei ganz normal reifen.
Ja – und wenn die Natur genau diese Bedingungen zu dieser Stimulans entstehen lässt – ähnlich wie im Labor nachgewiesen - ist die Parthenogenese beim Menschen genauso möglich.
Und alle, die jetzt denken – aha! so war das also mit der Jungfrau Maria und mich schon der Blasphemie beschuldigen möchten, denen sei der für uns interessanteste Aspekt genannt (wir brauchen ja keine Männer, gelle), nämlich dass in einer parthenogenetischen Schwangerschaft immer nur Mädchen entstehen werden, da ein y-Chromosom, das einen Jungen entstehen ließe, bei der Befruchtung ja von vornherein nicht vorhanden ist.
Ja – das war jetzt meine populärwissenschaftliche Abhandlung zum Thema Jungfernzeugung, die aber keinesfalls im Kontext von Genmanipulation und Stammzellforschung stehen sollte – das möchte ich hier ausdrücklich betonen!!! Und wer’s im Kommentar trotzdem so behauptet, hat mal wieder gar nicht richtig gelesen :-((
Betrachtet es einfach mal augenzwinkernd als eine kleine gemeine feministische Utopie und stellt Euch vor – eine Welt nur mit Frauen! Nicht genüsslich gucken, Ihr Herren der Schöpfung, IHR seid ja dann gar nicht mehr dabei, EURE Tage sind gezählt *feix* !! Und allen Damen, die ein NETTES Exemplar der aussterbenden Gattung Mann zu Hause haben sei gesagt, dass sie es ja nicht GLEICH entsorgen müssen ;-)
So, nun werde ich meine Ausführungen beenden, das Vereinsstatut erfordert meine volle Aufmerksamkeit.
An dieser Stelle liebe Grüße und herzlichen Dank für die konstruktiven Ideen meiner Mitstreiterin und Gründungsmitglied Geli! (Das Wort MitGLIED werden wir wohl auch noch ersatzlos streichen müssen *sfg*)
Wer einen Antrag zur Aufnahme benötigt, kann sich vertrauensvoll an mich wenden ;-) Ebenso werden Vorschläge für den Namen unseres Vereins wohlwollend und dankbar entgegengenommen.
Einen recht schönen Tag und gute Träume in der Nacht wünscht Euch
Corni
24 Bewertungen, 8 Kommentare
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20.06.2003, 20:33 Uhr von BennoSchwarzer
Bewertung: sehr hilfreichDas sind ja düstere Aussichten für die Spezies, zu der ich auch gehöre. Na ja im Moment wird ja fast überall etwas wegrationalisiert. Hoffe, noch Fortsetzungen zum Thema von Dir lesen zu können.
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05.09.2002, 22:47 Uhr von Rioja
Bewertung: sehr hilfreichSo ... und nun bin ich wieder schlauer und durfte sogar meine Lachmuskeln im Gesicht etwas in Bewegung bringen ;-))
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10.06.2002, 01:07 Uhr von dreamweb
Bewertung: sehr hilfreichsehr guter Beitrag
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03.05.2002, 01:02 Uhr von elvira
Bewertung: sehr hilfreichZeugung und Jungfer..hm
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02.05.2002, 23:06 Uhr von tepungaatewaka
Bewertung: sehr hilfreichFurchung, Spermien, Eitzelle, klingt wie Uni..danke fürs Erinner:-) Klasse beitrag! Gruß von tepu
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30.04.2002, 19:15 Uhr von retilein
Bewertung: sehr hilfreichein sehr schöner und allseitig gelungener beitrag..auch aus krebswarte..
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30.04.2002, 16:19 Uhr von leser@tte
Bewertung: sehr hilfreichGuter Bericht auch wenn ich nicht mitglied werde(n kann/darf)...
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30.04.2002, 16:15 Uhr von guardien
Bewertung: sehr hilfreichsehr informativ, dein artikel... auch über dich, meine kleine verletzte frau.... das wolltest du hören, oder?;) viel spaß euch... und verliere nie die hoffnung.. a dieu.
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