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Erfahrungsbericht von rudiratlos

Wacholder "Zypresse des Nordens"

Pro:

steht im Bericht

Kontra:

da gibt es nichts

Empfehlung:

Nein

Heute will ich euch mal eine Pflanze vorstellen, die den Beinamen „Zypresse des Nordens“ hat.

Der Wacholder (Juniperus communis) hat viele Gesichter : Mal zieht er als meterhohe, schmale Säule, elegant wie eine Zypresse, die Blicke auf sich, mal wächst er eher locker und strauchförmig, manchmal sehen wir ihn auch flach am Boden kriechend. Eines aber ist allen Erscheinungsformen des extrem langsam wachsenden, graugrünen Nadelgehölzes gemeinsam: der hohe Lichtbedarf.
Wir können alte, große Wacholderexemplare deshalb nur im offenen Land finden. Die bekannteste deutsche Heimat des Wacholders, die Lüneburger Heide (wer hätte das vermutet), bietet mit ihren kurz geweideten, baumarmen Flächen also ideale Bedingungen für diesen Sonnenanbeter, der längere Trockenzeiten sehr gut übersteht.
Was heute kaum noch einer weiß: Wacholder wuchs in vergangenen Jahrhunderten auch auf den kalkigen, sonnenbeschienenen Höhen des Saar-Nied-Gaus. Doch durch Rückgang der Weideflächen und Intensivierung des Ackerbaus wurde der Wacholder verdrängt oder ausgerottet. Heute sieht man ihn bei uns im Saarland in offener Landschaft nur noch äußerst selten.

Die immergrünen Wacholdersträucher bieten Vögeln Unterschlupf und Nahrung. Amseln, Ring-, Mistel- und Wacholderdrosseln fressen gerne ihre Beerenzapfen. Insekten finden zwischen den kurzen Nadeln Lebensraum; Bienen kommt der Pollen der männlichen Pflanzen zugute. Wacholder wird auf Weiden wegen seiner harten Nadeln vom Vieh gemieden. Mit der Zeit bieten die wachsenden Sträucher auch anderen Pflanzen unter ihren Kronen Schutz vor Verbiss, so dass hier Jungbäume nachwachsen können. Bekannt ist das auf diese Weise entstandene Miteinander von Wacholder und Sandbirke in der Heide.

Die aromatischen blauschwarzen Beeren des Wacholders, die aus botanischer Sicht Zapfen sind, werden seit dem Mittelalter als Heilmittel verwendet. Sie wirken stark entwässernd und sind in vielen Diät- und Entschlackungstees enthalten (z.B. Wacholderkapseln zum Einnehmen). Als Gewürz dürfen sie an Sauerkraut, Rotkohl und süßsauer eingemachtem Gemüse nicht fehlen. Eine äußerst “geistreiche“ Verwendung der Beeren kennt man in vielen Ländern: Wacholderschnaps hat viele Namen, ob Genever in Holland, Gin in England oder Steinhäger hierzulande.

Der unempfindliche Nadelbaum ist bestens für Gärten und städtische Grünflächen geeignet, da ihm schlechte Luft und hohe Ozonwerte kaum etwas ausmachen. Wenn ihr also ein schönes Immergrün für den Vorgarten sucht, nehmt doch einheimischen Wacholder statt exotischen Sträuchern. Ihr habt eine trockene, sandige Ecke im Garten und wissen nicht, was dort wachsen soll? Wie wär‘s mit einem Heidebeet aus Wacholder, Birke, Erika, Wildrosen, Thymian und Gräsern? Ihr werdet euch jahrelang an seinem schönen Anblick freuen, und das Gewürz fürs Sauerkraut gibt‘s gleich dazu.

Ich habe mehrere Wacholder rund ums Haus und bin seit jahren ganz begeistert. Zum brennen von Wacholderschnaps reicht es zwar noch nicht, den kann man aber auch Gott sei dank ja beim Obst- und Gartenbauverein im Ort recht günstig erwerben und ich kann euch eines sagen: Der schmeckt sehr lecker.

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