Erfahrungsbericht von Melli*
Whiskey - Der Inbegriff amerikanischer Trinkkultur
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Ich werde diesen Bericht in der offenen Kategorie schreiben, weil es sich nicht um einen bestimmten Whiskey handelt, sondern nur allgemein ist.
Wenn der Barkeeper im Salon dem kernigen Cowboy einen Whiskey herüber schob, dann war es mit Sicherheit ein Bourbon. Denn damals wie heute ist Whiskey das Nationalgetränk der Amerikaner, und der Bourbon-Whiskey die beliebteste und weltweit bekannteste Sorte.
Schon im Jahre 1640 wurde erstmals von Brennereien berichtet, und zwar in den Gebieten von Pennsylvania, Virginia und Maryland. Doch immer mehr Brenner zog es nach Kentucky. Hier, im Bourbon-County, gab es das ideale Klima für den Maisanbau und reines Quellwasser. Und im Jahre 1783 gelang es Evan Williams erstmals, aus Mais Whiskey zu destillieren. Als dann auch noch der amerikanische Babtistenprediger Elija Craig den typischen Bourbon-Geschmack (er entsteht, wenn man Bourbon in innen ausgekohlten Fässern lagert) entdeckte, war der Siegeszug des Bourbon nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Brennereien entstanden, zuerst nur für den Hausgebrauch, da man ja dafür keine Steuern zahlen musste. Als jedoch Ende des 18 Jahrhunderts der amerikanische Kongress eine Branntweinsteuer einführte, kam es zu einer Whiskey-Rebellion, die sogar den Einsatz von Truppen erforderlich machte. Allerdings wurde die Steuer wenig später wieder aufgehoben. Die erste lizensierte Whiskey-Brennerei war übrigens die von Jack Daniels in Lynchburg, Tennessee, aus dessen originaltreu erhaltener kleiner Familiendestillerie heute noch ein hervorragender Whiskey kommt.
Bourbon-Whiskey besteht zu mindestens 51 %, höchstens aber zu 79 % aus gemälztem Mais. Der Rest sind Roggen, Weizen, Gerste und Hafer. Je höher der Maisanteil, desto milder ist der Geschmack des Whiskeys. Nach der Destillation lagert der Bourbon mindestens zwei, oft sogar vier bis acht Jahrein ausgekohlten Fässern aus Steineiche. Dadurch bekommt er die gewisse Süsse und ein leichtes Vanillearoma. Im allgemeinen wird Bourbon unverschnitten, also \"straight\" oder \"unblended\" verkauft. Kentucky Straight Bourbon muss aus Kentucky-Getreide in Kentucky hergestellt werden. Blended Bourbon Whiskeys sind ein Verschnitt aus verschiedenen Bourbons und 51 % Straight Bourbon. Noch milder als der Bourbon ist der Tennessee Whiskey, der sein spezielles Aroma durch eine Holzkohlenfilterung (Charcoal Melling) bekommt. Rye Whiskey wird zu mindestens 51 % aus Roggen gebrannt und lager etwa vier Jahre. Er schmeckt wesentlich würziger als der Bourbon. American Blended Whiskey ist schliesslich ein Verschnitt aus Bourbon, Rye Whiskey, und Korn.
Aus Kanada kommt der mildeste Whiskey der Welt. Sein Rohstoff ist ebenfalls Mais, dem noch Roggen und eine kleine Menge Gerste zugesetzt werden. Kanadische Whiskeys - es sind fast ausschliesslich Blends - werden zweimal gebrannt und lagern mindestens zwei Jahre in Eichenholzfässern, die allerdings nicht ausgekohlt sind. Deshalb sind die Whiskeys auch heller und leichter als die amerikanischen Whiskeys.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-05 15:29:02 mit dem Titel Wie, das weisst du nicht?
Seit \"Wer wird Millionär?\" die deutsche Fernsehlandschaft bereichert, geben sie keine Ruhe mehr. \"Wie heisst noch diese griechische Insel, auf der nur männliche Wesen leben?\" Ich warte gespannt, um die Antwort in einen Artikel einzubauen, da schallt es aus dem Nebenzimmer strafend: \"Das ist keine Insel, das ist eine Halb-Insel. HALB-Insel, und sie heisst Athos. So was weiss man doch.\"
Anstatt dankbar für das umfassende Wissen meines Freundes Jürgen zu sein, bin ich geknickt. Hat er mir doch wieder reingedrückt, in was für einer geistigen Einöde ich mich tummle. Jedes \"So was weiss man doch\", wahlweise auch \"Wie, das weisst du nicht?\" macht mir bewusst, dass der Bildungskanon an mir vorbeiflüstert. Ob es um die Rede Catos des Älteren vor dem römischen Senat oder das Balzverhalten des Haubentauchers geht: So was weiss man. Sagt Jürgen und schüttelt das Haupt über meine Miss-Bildung.
Ich frage mich, wer dieser ominöse \"man\" ist. Ich habe ihm kein Bier ausgegeben, aber er scheint einer dieser Bildungsangeber zu sein, die sich für den Inhalt aller Light-Kulturen zuständig fühlen. Wie meine Freundin Emma: Ihr Shakespeare-Steckenpferd würde ich liebend gerne auf die Sommerwiese abschieben. Denn seit ich weinselig \"Kabale und Liebe dem toten Briten anstatt Schiller unterschob, nimmt sie mich nicht mehr ernst. Und ich schleppe mich mit dem rororo-Theaterführer ab, um künftig in der Elite literarischer Alleswisser nicht mehr unangenehm aufzufallen.
Noch weitere Bildungs-Cliquen machen mir das Leben schwer. da sind Filmfreaks wie Pheobe, die mir erst zuhören, wenn ich weiss, wie sich John Woo und Brian de Palma in ihrer Regiearbeit unterscheiden; oder Fotofreaks wie Paula, die mich arrogant aufklärte, dass Annie Leibowitz nur mit einer (so was weiss man!) Lichtquelle fotografiert. Oder Fussballfreaks wie Harry, der mir eine rote Karte verpasste, als ich fragte, wer mit \"Tante Käthe\" (Rudi Völler) gemeint sei.
Das Gute an Emma, Pheobe, Paula und Harry: Sie kennen sich nur auf einem Gebiet aus. Noch schlechter komme ich bei den geborenen Welt-Erklärern weg. Wie Jens, der Bildungs-Missionar. Er doziert und wirft mit Fussnoten um sich, nur weil ich Cousteau (Jacques, Tiefseeforscher) und Cocteau (Jean, Dichter) verwechsle. Grosser Fehler. Ich werde mir den Brockhaus für den Organizer bestellen müssen.
Doch kein Taschenlexikon der Welt kann mir gegen die Spezies der sanften Verbesserer beistehen: Nur sie wissen, wie man Aglio e olio ausspricht; nur sie kennen den Eurokurs bis auf die 18. Stelle genau; und ertappen sie einen, wie man zwei Espresso anstatt Espressi bestellt, müssen sie zwanghaft eingreifen.
Klaus ist so ein Ermahner aus besserem Wissen: In seiner Gegenwart kann ich nicht eine Anekdote erzählen, ohne dass er \"hilft\". Letztens schilderte ich genüsslich das Treffen meiner Wenigkeit mit einem deutschen Literaturkritiker auf der Buchmesse: \"Also, in Halle 3 war der Teufel los...\" Klaus unterbricht mich: \"Schätzchen, es war in Halle 4, und ausserdem haben die Besucherzahlen um achtkommafünf Prozent abgenommen.\"
Verdammt! Was treibt Besserwisser bloss an? Wichtigtuerei? Wahrheitsdrang? Keine Ahnung. Ich würde mich nie derart über marginale Wissenslücken anderer empören. Obwohl es mich kolossal nervt, dass Hans immer noch nicht die Namen diverser Promi-Geliebter unterscheiden kann. Dauernd verwechslet er Naddel mit Estefania, Janina mit Uli, Sabine mit Ulla. Also, so was weiss man doch. Ich werde überdenken müssen, ob mir seine intellektuelle Augenhöhe ausreicht.
Wenn der Barkeeper im Salon dem kernigen Cowboy einen Whiskey herüber schob, dann war es mit Sicherheit ein Bourbon. Denn damals wie heute ist Whiskey das Nationalgetränk der Amerikaner, und der Bourbon-Whiskey die beliebteste und weltweit bekannteste Sorte.
Schon im Jahre 1640 wurde erstmals von Brennereien berichtet, und zwar in den Gebieten von Pennsylvania, Virginia und Maryland. Doch immer mehr Brenner zog es nach Kentucky. Hier, im Bourbon-County, gab es das ideale Klima für den Maisanbau und reines Quellwasser. Und im Jahre 1783 gelang es Evan Williams erstmals, aus Mais Whiskey zu destillieren. Als dann auch noch der amerikanische Babtistenprediger Elija Craig den typischen Bourbon-Geschmack (er entsteht, wenn man Bourbon in innen ausgekohlten Fässern lagert) entdeckte, war der Siegeszug des Bourbon nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Brennereien entstanden, zuerst nur für den Hausgebrauch, da man ja dafür keine Steuern zahlen musste. Als jedoch Ende des 18 Jahrhunderts der amerikanische Kongress eine Branntweinsteuer einführte, kam es zu einer Whiskey-Rebellion, die sogar den Einsatz von Truppen erforderlich machte. Allerdings wurde die Steuer wenig später wieder aufgehoben. Die erste lizensierte Whiskey-Brennerei war übrigens die von Jack Daniels in Lynchburg, Tennessee, aus dessen originaltreu erhaltener kleiner Familiendestillerie heute noch ein hervorragender Whiskey kommt.
Bourbon-Whiskey besteht zu mindestens 51 %, höchstens aber zu 79 % aus gemälztem Mais. Der Rest sind Roggen, Weizen, Gerste und Hafer. Je höher der Maisanteil, desto milder ist der Geschmack des Whiskeys. Nach der Destillation lagert der Bourbon mindestens zwei, oft sogar vier bis acht Jahrein ausgekohlten Fässern aus Steineiche. Dadurch bekommt er die gewisse Süsse und ein leichtes Vanillearoma. Im allgemeinen wird Bourbon unverschnitten, also \"straight\" oder \"unblended\" verkauft. Kentucky Straight Bourbon muss aus Kentucky-Getreide in Kentucky hergestellt werden. Blended Bourbon Whiskeys sind ein Verschnitt aus verschiedenen Bourbons und 51 % Straight Bourbon. Noch milder als der Bourbon ist der Tennessee Whiskey, der sein spezielles Aroma durch eine Holzkohlenfilterung (Charcoal Melling) bekommt. Rye Whiskey wird zu mindestens 51 % aus Roggen gebrannt und lager etwa vier Jahre. Er schmeckt wesentlich würziger als der Bourbon. American Blended Whiskey ist schliesslich ein Verschnitt aus Bourbon, Rye Whiskey, und Korn.
Aus Kanada kommt der mildeste Whiskey der Welt. Sein Rohstoff ist ebenfalls Mais, dem noch Roggen und eine kleine Menge Gerste zugesetzt werden. Kanadische Whiskeys - es sind fast ausschliesslich Blends - werden zweimal gebrannt und lagern mindestens zwei Jahre in Eichenholzfässern, die allerdings nicht ausgekohlt sind. Deshalb sind die Whiskeys auch heller und leichter als die amerikanischen Whiskeys.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-05 15:29:02 mit dem Titel Wie, das weisst du nicht?
Seit \"Wer wird Millionär?\" die deutsche Fernsehlandschaft bereichert, geben sie keine Ruhe mehr. \"Wie heisst noch diese griechische Insel, auf der nur männliche Wesen leben?\" Ich warte gespannt, um die Antwort in einen Artikel einzubauen, da schallt es aus dem Nebenzimmer strafend: \"Das ist keine Insel, das ist eine Halb-Insel. HALB-Insel, und sie heisst Athos. So was weiss man doch.\"
Anstatt dankbar für das umfassende Wissen meines Freundes Jürgen zu sein, bin ich geknickt. Hat er mir doch wieder reingedrückt, in was für einer geistigen Einöde ich mich tummle. Jedes \"So was weiss man doch\", wahlweise auch \"Wie, das weisst du nicht?\" macht mir bewusst, dass der Bildungskanon an mir vorbeiflüstert. Ob es um die Rede Catos des Älteren vor dem römischen Senat oder das Balzverhalten des Haubentauchers geht: So was weiss man. Sagt Jürgen und schüttelt das Haupt über meine Miss-Bildung.
Ich frage mich, wer dieser ominöse \"man\" ist. Ich habe ihm kein Bier ausgegeben, aber er scheint einer dieser Bildungsangeber zu sein, die sich für den Inhalt aller Light-Kulturen zuständig fühlen. Wie meine Freundin Emma: Ihr Shakespeare-Steckenpferd würde ich liebend gerne auf die Sommerwiese abschieben. Denn seit ich weinselig \"Kabale und Liebe dem toten Briten anstatt Schiller unterschob, nimmt sie mich nicht mehr ernst. Und ich schleppe mich mit dem rororo-Theaterführer ab, um künftig in der Elite literarischer Alleswisser nicht mehr unangenehm aufzufallen.
Noch weitere Bildungs-Cliquen machen mir das Leben schwer. da sind Filmfreaks wie Pheobe, die mir erst zuhören, wenn ich weiss, wie sich John Woo und Brian de Palma in ihrer Regiearbeit unterscheiden; oder Fotofreaks wie Paula, die mich arrogant aufklärte, dass Annie Leibowitz nur mit einer (so was weiss man!) Lichtquelle fotografiert. Oder Fussballfreaks wie Harry, der mir eine rote Karte verpasste, als ich fragte, wer mit \"Tante Käthe\" (Rudi Völler) gemeint sei.
Das Gute an Emma, Pheobe, Paula und Harry: Sie kennen sich nur auf einem Gebiet aus. Noch schlechter komme ich bei den geborenen Welt-Erklärern weg. Wie Jens, der Bildungs-Missionar. Er doziert und wirft mit Fussnoten um sich, nur weil ich Cousteau (Jacques, Tiefseeforscher) und Cocteau (Jean, Dichter) verwechsle. Grosser Fehler. Ich werde mir den Brockhaus für den Organizer bestellen müssen.
Doch kein Taschenlexikon der Welt kann mir gegen die Spezies der sanften Verbesserer beistehen: Nur sie wissen, wie man Aglio e olio ausspricht; nur sie kennen den Eurokurs bis auf die 18. Stelle genau; und ertappen sie einen, wie man zwei Espresso anstatt Espressi bestellt, müssen sie zwanghaft eingreifen.
Klaus ist so ein Ermahner aus besserem Wissen: In seiner Gegenwart kann ich nicht eine Anekdote erzählen, ohne dass er \"hilft\". Letztens schilderte ich genüsslich das Treffen meiner Wenigkeit mit einem deutschen Literaturkritiker auf der Buchmesse: \"Also, in Halle 3 war der Teufel los...\" Klaus unterbricht mich: \"Schätzchen, es war in Halle 4, und ausserdem haben die Besucherzahlen um achtkommafünf Prozent abgenommen.\"
Verdammt! Was treibt Besserwisser bloss an? Wichtigtuerei? Wahrheitsdrang? Keine Ahnung. Ich würde mich nie derart über marginale Wissenslücken anderer empören. Obwohl es mich kolossal nervt, dass Hans immer noch nicht die Namen diverser Promi-Geliebter unterscheiden kann. Dauernd verwechslet er Naddel mit Estefania, Janina mit Uli, Sabine mit Ulla. Also, so was weiss man doch. Ich werde überdenken müssen, ob mir seine intellektuelle Augenhöhe ausreicht.




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