Über Themen mit W Testbericht

ab 47,60
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von Luckybrina

Wie gehts?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Immer wieder fällt es mir auf, daß meine Mitmenschen diese schöne Floskel gebrauchen.

"Wie gehts?"

Doch mal ehrlich, wer gebraucht diese Frage eigenlich im richtigen Sinn?

Die üblichen Antworten sind:

"Danke, gut!"
"Ganz gut, alles beim Alten!"
"Danke gut, und selbst?"

Doch stellen wir uns das ganze Mal anders vor:

"Schlecht, mein Chef hat mir gekündigt, in der Wohnung hab ich einen Wasserrohrbruch und die Versicherung will nicht zahlen, die Oma ist im Krankenhaus und der Vermieter droht mit Klage, weil der Hund zu laut bellt!"

Ups... das wollte man dann ja nun doch nicht hören! Zumindest die meisten nicht.
Aber warum gebrauchen viele Menschen diese Frage, wenn sie doch nur ein wenig Small talk halten wollen!?

Leider ist das ganze wohl ein Gesellschaftsproblem, jeder ist sich selbst der nächste, man muß halt schauen, wo man bleibt!

Klar, man könnte sagen: "Jeder hat nun mal sein Päckchen zu tragen! Der eine mehr, der andere weniger!"

Aber durch diese Anonymität, die daraus entsteht, entstehen immer wieder neue Probleme, die die Menschen beschäftigen.

Man darf heute nicht mehr schwach und hilflos sein. Selbstbewußtsein ist gefragt. Schwächen sind zu verbergen, man zeigt sich von der besten Seite, kennt weder Kummer noch Schmerz!

Einsam?
Nein - man hat viele Menschen um sich herum und man ist sehr sehr glücklich...
Ja, glücklich - aber einsam!

Man lebt in einer Art Schneckenhaus, mit bißchen Glück hat man ein paar richtige Freunde, bei denen man die Maske fallen lassen kann und im Idealfall sogar eine zufriedene Familie, auf die man bauen kann...

Weil, man muß erfolgreich sein, gutaussehend am besten noch (siehe die tollen Leute in der Werbung) und schon ist man ein absoluter "Held" von allen geliebt und geschätzt.

Ich kenne viele wirklich liebe Menschen, manche gut, manche weniger gut, die immer ihren "Fan-Club" um sich herum haben, weil sie all diese "erstrebenswerten" Eigenschaften in sich vereinen: jung, erfolgreich, gutaussehend...

Aber sie wissen nie genau, ob die Freundlichkeit, die ihnen entgegengebracht wird, ehrlich gemein ist.

Was tun? sprach Zeus.

Gute Frage!

Wenn nun einer dieser "Helden" zu einem seiner "Fans" käme und der Fan fragt: Na, wie gehts?... was würde er dann antworten?

Wahrscheinlich würde er sagen: "Danke, gut!" oder ähnliches - aber ist das Sinn und Zweck der Sache?

Wobei ich nicht behaupten will, daß das immer der Fall ist, daß erfolgreiche Menschen einsam sind. Aber so selten ist das leider auch nicht!

Aber kommen wir zum eigentlichen zurück, denn dieses Problem... ich bezeichne es gerne als Desinteresse am Menschen *g*... ist viel weiter verbreitet, als man zugeben mag. Es betrifft sehr viele, egal ob alt ob jung, reich oder arm.

Ich hatte z.B. mal eine ältere Dame als Nachbarin, sie war immer gut gelaunt, freundlich und zuvorkommend. Wenn man sie fragte, wie es ihr geht, bekam man immer ein lächelndes "Danke, gut!" zur Antwort - doch ihre Augen sagten was anderes.

Irgendwann als ich erkältet war, brachte sie mir einen Erkältungstee rüber und wir haben uns lange unterhalten. Von da an hab ich sie öfter besucht. Ich war doch ziemlich erschreckt, als ich hörte, was sie alles erlebt hatte... und die eigene Familie erinnerte sich nur zu Feiertagen und Geburtstagen an sie, da gab es ja schließlich auch Geschenke!
Ihr Geburtstag dagegen wurde meist vergessen.

In einer Gesellschaft, in der viel zu sehr auf materielle Dinge wert gelegt wird, werden die emotionalen Dinge immer wieder vergessen. Immer mehr Menschen vergraben sich in ihrer Arbeit, um nicht daran zu denken, daß sie alleine sind.

Das sind oft dann Menschen, die das Schlafen als sinnlose Beschäftigung betrachten und nachts stundenlang durch die Straßen spazieren gehen. Als ob sie sich beweisen wollten, daß das Leben doch nicht so hohl ist. Und sie genießen wie ein Elexier jeden Lebenstropfen, den sie bei einer Gelegenheit schnappen können.
Da die Jungs, die halbbesoffen von einer Party heimkommen. Dort eine schleichende Katze, die über den Zaun springt. Und irgendwo das Licht, das durch die Spalten eines Rolladens scheint...

Das sind Menschen, die Schlafen als eine sinnlose Beschäftigung betrachten, und die nachts stundenlang durch das Internet surfen gehen. Als ob sie sich beweisen wollten, daß sie doch nicht alleine sind, kommunizieren sie... nein, soviel ist es nicht: sie chatten mit anderen Menschen, die - oh, Wunder der Technik - drei Straßen oder tausende Kilometer weit weg wohnen.

Wenn zwei solcher Menschen sich bei Tageslicht begegnen sollten, würden sie sich vielleicht nicht einmal bemerken. Beide sehen "völlig normal" aus, mit großen Qualitäten und kleinen Fehlern, bestimmt nicht besser und nicht schlechter als andere. Dennoch würden sie nicht auf die Idee kommen, daß sie so nah voneinander sind.

Beide leiden, bewußt oder unbewußt sind sie Opfer dieser Gesellschaftsseuche, die sich Einsamkeit oder Anonymität nennt, und die so locker durch die Webprovider, die Fernsehindustrie oder die Werbebranche ausgenutzt werden...

Doch finden sich gerade hier oft Menschen, die einander auch mal zuhören, da es ihnen oft ähnlich geht. Stellt nun hier einer die Frage "Wie gehts", darf man auch mal ehrlich antworten: "Nicht so gut!"

Wie kommt es, daß man gerade in der Anonymität des Internets immer wieder auf die Menschen trifft, die sich noch nicht durch die Oberflächlichkeit der Gesellschaft haben "verderben" lassen? Ist es Zufall oder Glück?

Ich weiß es nicht.

Aber ich habe festgestellt, daß es noch Menschen gibt, die bereit sind, anderen zuzuhören, sie aufzubauen, sie ein wenig zum Lächeln zu bringen - nicht selten entstehen so auch Freundschaften, die über das Netz hinausgehen.

Und solange das noch möglich ist, denke ich, hat unsere Gesellschaft noch eine Chance, aus ihrem Oberflächendenken wieder rauszukommen!

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-19 10:07:48 mit dem Titel Wirklichkeit? Kleiner philosophischer \

\"Du kannst über die Wirklichkeit nichts aussagen, wenn du nur die sichtbare Oberfläche der Dinge beschreibst, die jedermann vor Augen hat.

Die Wirklichkeit steckt hinter den Dingen und man kann nur in Bildern von ihr sprechen.

Du kannst sie nicht packen, wie du eine Katze beim Schwanz packst. Und wenn dir eine solche Rede geheimnisvoll vorkommt, hast du von der Wirklichkeit noch nicht viel begriffen...\"

(Stein und Flöte, Hans Bemmann)


Dieses Zitat ist aus meinem Lieblingsbuch \"Stein und Flöte - und das ist noch nicht alles\" von Hans Bemmann.

Es ist ein Märchenroman für Erwachsene, in dem ein junger Mann lernen soll, sich in Geduld zu fassen und zuzuhören...

Ich finde, daß das Zitat sehr viel aussagt: die Wirklichkeit, von der viele sagen, sie umfaßt alles, was \"echt\" ist, ist unbegreiflich.

Was man sieht, was man anfassen kann, das halten viele für \"wirklich\". Das reale Leben ist die Wirklichkeit. Aber was ist mit Sachen wie dem Wind?

Den Wind kann man nicht fassen, nicht stoppen, nicht beeinflussen, und doch ist er wirklich... sonst würden die Laubblätter sich wohl kaum im Wind bewegen.

Und was ist mit Gedanken...

Man kann sie nur bedingt steuern, ein anderer kann sie nicht sehen und ich kann meinem Gegenüber meine \"wahren\" Gedanken nicht beweisen - wie auch?

Stehe ich mitten in der Wirklichkeit?

Ich stehe da und weiß nicht, ob ich bin. Ich weiß, ich denke, doch meine Gedanken verwehen, auf einem anderen Stern geblieben - vorbei für Ewigkeiten und doch nur ein Augenzwinkern...

Ist die Zeit \"wirklich\"?

Fast jeder besitzt eine oder mehrere Uhren, die die Zeit anzeigen... doch wie kommt es, daß einem manchmal Minuten wie Stunden vorkommen, ein andermal jedoch die Stunden wie im Fluge vergehen...

Welches Empfinden der Zeit ist richtig?

Also spielt das Gefühl bei der Zeit auch eine richtige Rolle... kann man Gefühle anfassen? Sind Gefühle \"wirklich\"?

Wenn jemand sagt, er ist mit dem ganzen Herzen bei einer Sache, stellt er einfach so in den Raum, daß die Gefühle eine Sache des Herzens sind...

Ich hörte noch nie von einem Herzchirurgen, der dort Gefühle gesehen haben will.

Man bleibt stecken bei dieser Diskussion, weil sich (wie alle philosophischen Fragen) keine \"richtige\" oder \"falsche\" Antwort finden läßt. Und wenn doch, nur für den einzelnen.

Was dem einzelnen einleuchtet, ist ihm die \"Wirklichheit\", seine \"Wahrheit\" - die muß nicht mit seinem Gegenüber übereinstimmen und doch können sie beide vollkommen recht haben.

Und jeder träumt davon, seine \"Wirklichkeit\" mit seinen Träumen zu verknüpfen.

Jeder Mensch hat Träume, Ziele, Wünsche...
und er träumt....

Ich träume jede Nacht...

ist das nicht auch eine \"Wirklichkeit\" für mich? Eines der größten Geheimnisse des Lebens?

Die Zeit verrinnt wie im Fluge, ich fühle sie nicht mehr.


Verstehst DU den Sinn dieser rätselhaft verworrenen Bilder?

Ich würde gerne wissen, woher die chiffrierte Botschaft der nächtlichen Bildersprache stammt...

Erinnerst du dich manchmal an deine Träume?

Der Schlaf ist keine Totenstarre!
Wir erleben ihn nicht bewußt, aber wir leben ihn!
Als lebe man in einer Metapher des Geistes.

Hier erst lerne ich meine eigene Seele kennen, mein Unterbewußtsein, zu dem nur ich zutritt habe...

Dort finde ich alles wieder:

meine Gedanken...
mein Zeitgefühl...
meine Wünsche...
meine Ziele...
meine Gefühle...

und bestimmt auch nicht zuletzt: Meine \"Wirklichkeit\"!

10 Bewertungen, 3 Kommentare

  • ochsenfrosch43

    01.09.2006, 15:29 Uhr von ochsenfrosch43
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein früherer Nachbar hatte das "Wie gehts?" noch weiter abgespeckt auf:"und...?...wie?" ich hab mir dann irgendwann nicht mehr die Mühe gemacht, darauf ernsthaft zu antworten und sagte dann nur noch, seinem Stil entsprechend:"ja...

  • anonym

    19.08.2006, 12:22 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    *** sh & lg***

  • schnekuesschen

    01.04.2006, 00:24 Uhr von schnekuesschen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht...LG Sandy