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Erfahrungsbericht von apex5

Der Wald der Germanen

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Bereits in der jungen Steinzeit, also 2000 bis 4000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, wurde Wald zu zugunsten von Ackerbau und Viehzucht gerodet. Das geschah mit den einfachen Steingeräten jener Zeit und durch Feuer. Es gab damals schon Kulturpflanzen und Haustiere. Und außerdem schon größere Siedlungen, die beträchtliche Mengen Bauholz verschlangen. Für die ersten Kupfer-, Salz- und Eisenbergwerke wurden in vorgeschichtlicher Zeit große Mengen Holzkohle benötigt. Aus Eibenholz wurden Schießbögen, aus dem Lindenbast Seile, aus Birkenrinde Teppiche und aus Flechtenweiden Körbe hergestellt. In der anschließenden Bronze- und Eisenzeit wurde die Holzverwendung verfeinert. Mit der Nutzung des Holzes war sicherlich eine beabsichtigte Rodung verbunden, die Platz für Siedlungen und Felder schuf.
Viele römische Schriftsteller beschrieben die großen und furchterregenden Wälder und Sümpfe, die rauhen Gebirge und ihre Unwegsamkeit. Es war der Urwald, der die Germanen in Kriegszeiten vor den Römern schützte, die im Jahre 9 n. Chr. im Teutoburger Wald entscheidend geschlagen wurden. Zweifelsohne gab es um die Zeitwende große geschlossene Urwälder. Es ist aber anzunehmen, das 10 oder 20 Prozent offene Rodungsgebiete vorhanden waren, in denen die Germanen intensiv Ackerbau und Viehzucht trieben. Die Römer haben später westlich und südlich des Limes, also im Rhein- Main Gebiet und Baden - Württemberg, diese Flächen erweitert und den Weinanbau hinzugebracht. Diese Tätigkeit wurde von den Germanen nach der Vertreibung der Römer vielfach übernommen, stellenweise wuchs neuer Wald auf verlassenen Siedlungsgebieten heran, wie man heute noch an im Wald liegenden Resten römischer Gutshöfe sehen kann. Die Germanen, wie schon ihre Vorfahren, haben zwar das Holz in vielfältiger Weise verwendet, insgesamt beeinflußten sie aber den Wald, von der Waldweide in Siedlungsnähe abgesehen, wohl relativ wenig.
Bemerkenswert war die mythologische Bedeutung von Wald und Baum.
So waren ihnen die Wodanseichen, unter denen sich die Gaugemeinschaft traf und Recht sprach, besonders heilig; die der Liebesgöttin Freyja geweihte Linde galt lange Zeit als Tanzbaum. Mit dem Beginn der Christianisierung unter Chlodwig und bis zum Hochmittelalter hatte die Waldfläche in mehreren Schüben stark abgenommen. Die anwachsende Bevölkerung sah im Wald ein echtes Kulturhindernis. Erste Rodungsverbote gab es im 9. Jahrhundert in den königlichen Wildbahnbezirken. Auch eine bäuerliche Nutzung des Waldes als Weide war dort häufig untersagt. Seit dem 12. Jahrhundert mussten aber auch in den dörflichen Markgenossenschaftswäldern Rodungen genehmigt werden. Der König, andere Grundherren oder die verantwortlichen Obermärkter wollten damit einer Holznot vorbeugen, ausreichende Jagd- oder Weidegründe sichern und gleichzeitig die Besiedlung entfernter Waldgebiete fördern.

Mythen und Märchen, Kunst und Kultur
Eine besonders große Rolle spielt der Wald bei uns Deutschen im Brauchtum. In Wappen und vielen Ortsnamen lebt der Baum ebenso weiter wie in der Sprache. ( Deichselbaum, Grenzbaum, Schlagbaum, Schellenbaum.....)
Der Richtbaum krönt den fertigen Rohbau, der Maibaum kündigt den Wommemond an, und das Lied unter dem Weihnachtsbaum begleitet die besinnliche Zeit des Jahres. Schon im Mittelalter wurde zur Hochzeit eine Eiche gepflanzt und bis in die heutige Zeit werden Gedenkbäume zu bedeutenden Anlässen gepflanzt.
Die Rolle des Waldes in der Dichtung geht sehr deutlich aus unserem Volksmärchen hervor: Wald birgt eine geheimnisvolle Zauberwelt, in der sich aber nicht nur Räuber und Hexen herumtreiben, sondern auch Schutzpatrone und helfende Tiergestalten.
In der Literatur gibt es ebenso viele Namen, die beim Stichwort Wald zu nennen wären, wie in der Musik oder bildenden Kunst. Nikolaus Köstler schrieb in seinem Buch \"Offenbarung des Waldes\": Wald und Holz sind aus der Geschichte des abendländischen Kulturkreis nicht hinwegzudenken.
Des Waldes Preislieder hören wir von Vergil bis Eichendorff, wir sehen die Schnitzwerke Riemenschneiders und Günthers, wir vernehmen die Töne der Geigen und Flöten, wir sehen die Gemälde von Ruisdael und C.D. Friedrich, hören die Musik von Beethoven und Brückners. Kurzum, wo Kultur in großen künstlerischen Schöpfungen zur Entfaltung kommt, da grünen Blätter, sprechen Bäume trägt und klingt das Holz.

13 Bewertungen, 1 Kommentar

  • elektronaut

    10.06.2002, 23:12 Uhr von elektronaut
    Bewertung: sehr hilfreich

    gut geschrieben ! grüsse vom elektronaut