Übersinnliches Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von Anonym113
Er ist für immer in meinem Herzen!
Pro:
Brief ist von ihm
Kontra:
Er ist nicht mehr hier
Empfehlung:
Nein
Liebe Freunde
Manchmal habe auch ich so mein Viertelstündchen. Dann ziehe ich mich zurück und stöbere in meinen alten Sachen. Das letzte Mal, als ich das tat, gab es dafür jedoch einen anderen Grund. Ich schrieb in klein ciao's Poesiealbum (das es hier hoffentlich auch bald gibt) und sollte Gedichte und Sprüche aufschreiben. Mir fiel dann meine Sammlung wieder ein und ich las all die alten Sachen. Da waren gesammelte Gedichte und eigene und dann war da noch mein altes Tagebuch. Immer noch stockt mir der Atem, wenn ich es sehe. Denn dieses Büchlein bewahrt nicht nur meine geheimen Gedanken für mich auf, sondern noch etwas anderes. Ihr schaut jetzt sicher noch mal auf die Kategorie und ihr ahnt schon was nun kommt. Ja, richtig. In meinem Tagebuch liegt ein Brief. Ein Brief von ihm. Ganz so weiß wie das Papier einmal war, ist es heute nicht mehr, dafür ist es schon zu alt und schon zu sehr abgegriffen. Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich diesen Brief schon in meinen Händen hielt und immer noch bekomme ich Herzklopfen wie beim ersten Mal. Auf der Rückseite sind noch Wachsreste, von dem Versuch ein Siegel in Herzform drauf zu tropfen. In diesen Dingen war er sehr romantisch, aber so recht gelungen ist es ihm nicht. Das Wachs ging durch das Papier des Umschlags durch und nun hat der Brief in der linken oberen Hälfte einen Fleck, einen roten Fleck. Als ob es ein Zeichen gewesen wäre. Doch ich habe es nicht verstanden.
Ich hatte einen Freund, einen guten Freund. Sein Name Uwe und er war 6 Jahre älter als ich. Von allen wurde er nur Jägger genannt, nur ich sagte schon immer Schatz zu ihm. Ist so eine Angewohnheit von mir. Wenn ich jemanden mag, dann sag ich schon mal Schatz. Wir verbrachten unsere Wochenenden und Feierabende zusammen mit unseren anderen Freunden. Wir zogen durch Diskotheken, Kneipen und besuchten im Sommer gerne jede Kirmes im Umkreis. Ich liebe meine Freunde und ich liebte ihn, aber anders. Es war viel intensiver, doch er war für mich eher mein großer Bruder. Und er passte immer höllisch auf mich auf. Er fragte immer wer das denn sei, der mich da eben angesprochen hat. Wenn ich an einem Typ gefallen gefunden hatte, hat er ihn erst mal unter die Lupe genommen. Ja, an seine Gipsy lies er nicht jeden ran.
Mit 17 hatte ich mal eine Phase, da meinte ich von Zuhause weg zu müssen. Ich zog 30 km in eine andere Stadt und machte das Kindermädchen für einen 2-jährigen und dessen Mutter, die noch studierte. Das war ein 24 Stunden-Job, denn der Junge war krank und ich musste dreimal in der Nacht das Bett frisch beziehen. Ich schlief in seinem Zimmer, um bei ihm zu sein, während seine Mutter durch die Stadt zog. So war ich die ganze Woche über nicht da und wir sahen uns immer erst am Samstag. Dann aber schon am Nachmittag, weil dann mein Zug dort ankam. Wir trafen uns immer in der Bahnhofskneipe. Diese war nicht typisch Bahnhof und der lag ja auch eigentlich direkt gegenüber. Unten war eine Diskothek und oben halt eine gemütliche Kneipe.
An einem Samstag im Sommer war Uwe dann irgendwie anders. Er druckste so rum und dann holte er aus seiner Jacke einen Brief und gab ihn mir. "Lies ihn, wenn du allein bist", sagte er und da er mich kannte, wusste er auch, dass ich ihn natürlich sofort lesen würde. Ich bin tierisch neugierig, ist auch so eine Unart von mir. Ich ging zur Toilette um ungestört zu sein und öffnete den Brief mit dem Siegel. Da stand auf 2 Seiten mit Füller und in Schönschrift folgendes geschrieben:
Hallo Kleines!
Ich weiß nicht ob dieser Brief lang wird. Ich hatte die ganze Woche keine Zeit Dir zu schreiben. Wenn ich abends nach Hause kam, war ich immer hundemüde. Eigentlich wollte ich Dir jeden Tag ein paar Zeilen schreiben. Daraus wurde aber nichts. Übrigens: Dein Bild hängt immer noch am gleichen Platz. Ich hoffe, dass es dort bleiben darf. Am Montag war es richtig langweilig. Ich bin erst spät weg, aber es war trotzdem nichts los. Ganz klar, Du hast mir gefehlt. Das sind aber keine leeren Worte. Ich habe Dich wirklich sehr lieb. Bitte entschuldige, aber das musste ich wenigstens einmal los werden. Ich freue mich richtig darauf, dass ich Dich heute sehe. Die Wartezeit ist nur so unheimlich lang. Sogar meine Arbeitskameraden haben gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Manchmal bin ich richtig übermütig und dann renne ich wieder tagelang mit der Flemm durch die Gegend. Außerdem muss ich dauernd an Dich denken. Otti hat mal gesagt: "Ich glaube Dich hat es volle Hämmer erwischt. In so einer Stimmung habe ich dich schon lange nicht mehr erlebt." Er hat recht. Es ist einfach wunderbar verliebt zu sein. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich Dir was gestehen. Immer, wenn ich an Dich denke, dann habe ich ein komisches Kribbeln im Magen. Und jetzt, wo ich Dich bald treffe, wird das Kribbeln zu einem Kloß. Vielleicht ist das die Ungewissheit, ob du kommst oder nicht. Und wenn ich Dich dann sehe, weiß ich nicht wie ich mich Dir gegenüber verhalten soll. Es ist einfach komisch. Moment mal bitte, ich besorg mir mal eben was zum Rauchen und die Uhrzeit.
Der Moment hat etwas länger gedauert und nun ist es genau 14:45 Uhr. Um 15 Uhr werde ich mich mal duschen und rasieren. Ich habe also noch 15 Minuten um Dir zu schreiben. Ich kann es gar nicht abwarten bis, ich dich endlich sehe. Ich hätte da noch eine Frage. Ich hätte gerne mal einen Kuss von Dir. Ich meine einen richtigen. Gibst Du mir einen?
Ach Gipsy, Du glaubst mir bestimmt nicht wie sehr ich Dich liebe. Es wäre wirklich mein größtes Glück, wenn aus uns etwas werden würde. Du brauchst auch nicht zu denken, dass ich versuchen würde Dich einzuschränken, oder Dir etwas abgewöhnen. Ich hab Dich lieb. So wie Du bist. Bitte überleg es Dir. Ich mag dich wirklich. Moment mal, ich muss mal kurz weg. Jetzt schreibe ich noch nicht lange an dem Brief und mir gehen immer noch so viele Gedanken durch den Kopf. Ich weiß gar nicht wo ich das alles unterbringen soll. Ich wäre gerne mal mit Dir allein, ohne die anderen und würde gerne mal was mit Dir unternehmen. Was ich jetzt im Moment gerne hätte wärst Du und wir würden auf meiner Kawa in den Sonnenuntergang fahren. Das wäre einfach klasse. Gehst Du gern spazieren? Einfach so mal durch die Gegend strolchen? Das mache ich heute noch gerne. Wir müssen ja nicht ständig in der Kneipe hocken.
So jetzt ist es 15:00 Uhr. Jetzt mache ich mich mal hübsch. Für Dich.
Tschüß Uwe
Ps. Ich liebe Dich
Da stand ich nun und hielt meinen ersten Liebesbrief in der Hand. Ich hatte noch nie einen zuvor bekommen und ich hatte auch nie einen geschrieben. Mein Vater sagte immer. "Man hinterlässt nichts schwarz auf weiß. Das könnte einem später mal leid tun."
Ich ging nach oben und küsste ihn. Auf die Wange. Ich bat ihn mit raus zu kommen und ich sagte ihm wie sehr mich das berührt und wie lieb ich ihn habe. So lieb, dass ich nein sagen musste. Ich hatte Angst, dass würde es nicht klappen, die Freundschaft verloren wäre. Und wenn ich eines nicht wollte, dann war das ihn zu verlieren. Es hat noch lange gedauert, bis er es verstanden hatte und er versuchte es auch noch einmal. Ich küsste ihn einmal so wie er es sich wünschte und dann lebten wir unsere Freundschaft wie zuvor. Außer das wir ab und an mal spazieren gingen. Allein.
Drei Monate später war er tot. Er hatte einen Motorradunfall. Er wollte mich nachts nach Hause bringen und ging vom Bahnhof aus seine Kawasaki 400 holen, während ich wartete. Aber er km nicht wieder. Er kam nie wieder! Es war das eingetroffen, was ich niemals wollte. Ich habe ihn verloren, für immer und unwiderruflich.
Das ist jetzt 23 Jahre her. Und nun halte ich immer wieder diesen Brief in meinen Händen. Diesen Brief mit dem roten Fleck. Rot wie Blut! Als wäre es ein Zeichen gewesen.
In meinem Herzen lebt er weiter und da kann ihn mir niemand mehr wegnehmen. Meinen großen Bruder, der mich so sehr liebte. Und ich liebe ihn noch heute.
Und manchmal ist er sogar hier. Alle paar Monate passiert etwas eigenartiges, wenn ich nachts schlafe. Ich merke plötzlich wie sich jemand auf meine Bettkante setzt. Ich merke richtig wie die Matratze nach unten gedrückt wird. Ich bin wach, aber ich kann mich nicht bewegen. Ich kann die Augen nicht öffnen und auch sonst nichts tun. Dann legt jemand den Arm auf meine Bettdecke, als wolle er sagen: "Alles ist gut, ich bin da." Nach einer Weile ist er dann wieder weg und ich kann mich wieder bewegen.
Als dass das erste mal geschah hatte ich riesige angst, ich wusste ja nicht wer, oder was das war. Aber jetzt warte ich manchmal regelrecht darauf. Und wenn ich es dann spüre, bin ich ganz ruhig und mir geht es gut.
Ich habe in den Jahren danach noch einige Liebesbriefe bekommen, aber ich habe noch nie selber einen geschrieben.
Ich denke das hier ist dann also mein erster.
Der ist für Dich mein Schatz. Und damit Du ihn immer sehen kannst, soll er diesen ganz besonderen Platz bekommen.
in Memoriam
8, August 2003
Manchmal habe auch ich so mein Viertelstündchen. Dann ziehe ich mich zurück und stöbere in meinen alten Sachen. Das letzte Mal, als ich das tat, gab es dafür jedoch einen anderen Grund. Ich schrieb in klein ciao's Poesiealbum (das es hier hoffentlich auch bald gibt) und sollte Gedichte und Sprüche aufschreiben. Mir fiel dann meine Sammlung wieder ein und ich las all die alten Sachen. Da waren gesammelte Gedichte und eigene und dann war da noch mein altes Tagebuch. Immer noch stockt mir der Atem, wenn ich es sehe. Denn dieses Büchlein bewahrt nicht nur meine geheimen Gedanken für mich auf, sondern noch etwas anderes. Ihr schaut jetzt sicher noch mal auf die Kategorie und ihr ahnt schon was nun kommt. Ja, richtig. In meinem Tagebuch liegt ein Brief. Ein Brief von ihm. Ganz so weiß wie das Papier einmal war, ist es heute nicht mehr, dafür ist es schon zu alt und schon zu sehr abgegriffen. Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich diesen Brief schon in meinen Händen hielt und immer noch bekomme ich Herzklopfen wie beim ersten Mal. Auf der Rückseite sind noch Wachsreste, von dem Versuch ein Siegel in Herzform drauf zu tropfen. In diesen Dingen war er sehr romantisch, aber so recht gelungen ist es ihm nicht. Das Wachs ging durch das Papier des Umschlags durch und nun hat der Brief in der linken oberen Hälfte einen Fleck, einen roten Fleck. Als ob es ein Zeichen gewesen wäre. Doch ich habe es nicht verstanden.
Ich hatte einen Freund, einen guten Freund. Sein Name Uwe und er war 6 Jahre älter als ich. Von allen wurde er nur Jägger genannt, nur ich sagte schon immer Schatz zu ihm. Ist so eine Angewohnheit von mir. Wenn ich jemanden mag, dann sag ich schon mal Schatz. Wir verbrachten unsere Wochenenden und Feierabende zusammen mit unseren anderen Freunden. Wir zogen durch Diskotheken, Kneipen und besuchten im Sommer gerne jede Kirmes im Umkreis. Ich liebe meine Freunde und ich liebte ihn, aber anders. Es war viel intensiver, doch er war für mich eher mein großer Bruder. Und er passte immer höllisch auf mich auf. Er fragte immer wer das denn sei, der mich da eben angesprochen hat. Wenn ich an einem Typ gefallen gefunden hatte, hat er ihn erst mal unter die Lupe genommen. Ja, an seine Gipsy lies er nicht jeden ran.
Mit 17 hatte ich mal eine Phase, da meinte ich von Zuhause weg zu müssen. Ich zog 30 km in eine andere Stadt und machte das Kindermädchen für einen 2-jährigen und dessen Mutter, die noch studierte. Das war ein 24 Stunden-Job, denn der Junge war krank und ich musste dreimal in der Nacht das Bett frisch beziehen. Ich schlief in seinem Zimmer, um bei ihm zu sein, während seine Mutter durch die Stadt zog. So war ich die ganze Woche über nicht da und wir sahen uns immer erst am Samstag. Dann aber schon am Nachmittag, weil dann mein Zug dort ankam. Wir trafen uns immer in der Bahnhofskneipe. Diese war nicht typisch Bahnhof und der lag ja auch eigentlich direkt gegenüber. Unten war eine Diskothek und oben halt eine gemütliche Kneipe.
An einem Samstag im Sommer war Uwe dann irgendwie anders. Er druckste so rum und dann holte er aus seiner Jacke einen Brief und gab ihn mir. "Lies ihn, wenn du allein bist", sagte er und da er mich kannte, wusste er auch, dass ich ihn natürlich sofort lesen würde. Ich bin tierisch neugierig, ist auch so eine Unart von mir. Ich ging zur Toilette um ungestört zu sein und öffnete den Brief mit dem Siegel. Da stand auf 2 Seiten mit Füller und in Schönschrift folgendes geschrieben:
Hallo Kleines!
Ich weiß nicht ob dieser Brief lang wird. Ich hatte die ganze Woche keine Zeit Dir zu schreiben. Wenn ich abends nach Hause kam, war ich immer hundemüde. Eigentlich wollte ich Dir jeden Tag ein paar Zeilen schreiben. Daraus wurde aber nichts. Übrigens: Dein Bild hängt immer noch am gleichen Platz. Ich hoffe, dass es dort bleiben darf. Am Montag war es richtig langweilig. Ich bin erst spät weg, aber es war trotzdem nichts los. Ganz klar, Du hast mir gefehlt. Das sind aber keine leeren Worte. Ich habe Dich wirklich sehr lieb. Bitte entschuldige, aber das musste ich wenigstens einmal los werden. Ich freue mich richtig darauf, dass ich Dich heute sehe. Die Wartezeit ist nur so unheimlich lang. Sogar meine Arbeitskameraden haben gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Manchmal bin ich richtig übermütig und dann renne ich wieder tagelang mit der Flemm durch die Gegend. Außerdem muss ich dauernd an Dich denken. Otti hat mal gesagt: "Ich glaube Dich hat es volle Hämmer erwischt. In so einer Stimmung habe ich dich schon lange nicht mehr erlebt." Er hat recht. Es ist einfach wunderbar verliebt zu sein. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, muss ich Dir was gestehen. Immer, wenn ich an Dich denke, dann habe ich ein komisches Kribbeln im Magen. Und jetzt, wo ich Dich bald treffe, wird das Kribbeln zu einem Kloß. Vielleicht ist das die Ungewissheit, ob du kommst oder nicht. Und wenn ich Dich dann sehe, weiß ich nicht wie ich mich Dir gegenüber verhalten soll. Es ist einfach komisch. Moment mal bitte, ich besorg mir mal eben was zum Rauchen und die Uhrzeit.
Der Moment hat etwas länger gedauert und nun ist es genau 14:45 Uhr. Um 15 Uhr werde ich mich mal duschen und rasieren. Ich habe also noch 15 Minuten um Dir zu schreiben. Ich kann es gar nicht abwarten bis, ich dich endlich sehe. Ich hätte da noch eine Frage. Ich hätte gerne mal einen Kuss von Dir. Ich meine einen richtigen. Gibst Du mir einen?
Ach Gipsy, Du glaubst mir bestimmt nicht wie sehr ich Dich liebe. Es wäre wirklich mein größtes Glück, wenn aus uns etwas werden würde. Du brauchst auch nicht zu denken, dass ich versuchen würde Dich einzuschränken, oder Dir etwas abgewöhnen. Ich hab Dich lieb. So wie Du bist. Bitte überleg es Dir. Ich mag dich wirklich. Moment mal, ich muss mal kurz weg. Jetzt schreibe ich noch nicht lange an dem Brief und mir gehen immer noch so viele Gedanken durch den Kopf. Ich weiß gar nicht wo ich das alles unterbringen soll. Ich wäre gerne mal mit Dir allein, ohne die anderen und würde gerne mal was mit Dir unternehmen. Was ich jetzt im Moment gerne hätte wärst Du und wir würden auf meiner Kawa in den Sonnenuntergang fahren. Das wäre einfach klasse. Gehst Du gern spazieren? Einfach so mal durch die Gegend strolchen? Das mache ich heute noch gerne. Wir müssen ja nicht ständig in der Kneipe hocken.
So jetzt ist es 15:00 Uhr. Jetzt mache ich mich mal hübsch. Für Dich.
Tschüß Uwe
Ps. Ich liebe Dich
Da stand ich nun und hielt meinen ersten Liebesbrief in der Hand. Ich hatte noch nie einen zuvor bekommen und ich hatte auch nie einen geschrieben. Mein Vater sagte immer. "Man hinterlässt nichts schwarz auf weiß. Das könnte einem später mal leid tun."
Ich ging nach oben und küsste ihn. Auf die Wange. Ich bat ihn mit raus zu kommen und ich sagte ihm wie sehr mich das berührt und wie lieb ich ihn habe. So lieb, dass ich nein sagen musste. Ich hatte Angst, dass würde es nicht klappen, die Freundschaft verloren wäre. Und wenn ich eines nicht wollte, dann war das ihn zu verlieren. Es hat noch lange gedauert, bis er es verstanden hatte und er versuchte es auch noch einmal. Ich küsste ihn einmal so wie er es sich wünschte und dann lebten wir unsere Freundschaft wie zuvor. Außer das wir ab und an mal spazieren gingen. Allein.
Drei Monate später war er tot. Er hatte einen Motorradunfall. Er wollte mich nachts nach Hause bringen und ging vom Bahnhof aus seine Kawasaki 400 holen, während ich wartete. Aber er km nicht wieder. Er kam nie wieder! Es war das eingetroffen, was ich niemals wollte. Ich habe ihn verloren, für immer und unwiderruflich.
Das ist jetzt 23 Jahre her. Und nun halte ich immer wieder diesen Brief in meinen Händen. Diesen Brief mit dem roten Fleck. Rot wie Blut! Als wäre es ein Zeichen gewesen.
In meinem Herzen lebt er weiter und da kann ihn mir niemand mehr wegnehmen. Meinen großen Bruder, der mich so sehr liebte. Und ich liebe ihn noch heute.
Und manchmal ist er sogar hier. Alle paar Monate passiert etwas eigenartiges, wenn ich nachts schlafe. Ich merke plötzlich wie sich jemand auf meine Bettkante setzt. Ich merke richtig wie die Matratze nach unten gedrückt wird. Ich bin wach, aber ich kann mich nicht bewegen. Ich kann die Augen nicht öffnen und auch sonst nichts tun. Dann legt jemand den Arm auf meine Bettdecke, als wolle er sagen: "Alles ist gut, ich bin da." Nach einer Weile ist er dann wieder weg und ich kann mich wieder bewegen.
Als dass das erste mal geschah hatte ich riesige angst, ich wusste ja nicht wer, oder was das war. Aber jetzt warte ich manchmal regelrecht darauf. Und wenn ich es dann spüre, bin ich ganz ruhig und mir geht es gut.
Ich habe in den Jahren danach noch einige Liebesbriefe bekommen, aber ich habe noch nie selber einen geschrieben.
Ich denke das hier ist dann also mein erster.
Der ist für Dich mein Schatz. Und damit Du ihn immer sehen kannst, soll er diesen ganz besonderen Platz bekommen.
in Memoriam
8, August 2003
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