VW Golf II Testbericht

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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Summe aller Bewertungen
- Fahreigenschaften:
- Fahrkomfort:
- Platzangebot:
- Zuverlässigkeit:
Erfahrungsbericht von wuddel2
klein aber fein! und mein *g*
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Na ja, um genau zu sein: eigentlich gehört er meinem \"Papa\" *g*.
Der hat ihn mir 1994 gekauft, damit ich nach Abschluß des Abiturs damit zu meiner Lehrstelle fahren konnte.
Da ich die Lehre zur Tischlerin dann doch erst im Januar 1995 anfangen konnte (der \"Vorstift\" war noch nicht fertig), ging der Wagen das erste halbe Jahr bei meiner Schwester in Gebrauch.
Aber es war ja nun einmal nicht so, daß er den Gebrauch noch nicht gewohnt gewesen wäre.
Immerhin ist er 1987 gebaut worden und hatte, als er in den Besitz meiner Familie überging, schon stolze 131.000km auf dem Tacho.
6.000DM hat mein Vater damals bezahlt, was ich aus heutiger Sicht eigentlich zuviel finde. Aber der Wagen wurde ja nun einmal von guten Bekannten gekauft und in dieser Beziehung ist Papa dann wohl doch etwas zu weichherzig.
Die Ansprüche, die er an ein Auto stellte waren allemal erfüllt.
\"Ein Auto muß ordentlich aussehen.\"
Das tat er damals auch noch!
Mit weißem, von Waschanlagen verschont gebliebenem Lack und völlig unverbeult fuhr der Vorbesitzer den schnuckeligen Zweitürer (ich weiß, es heißt Dreitürer, aber ein Kofferraumdeckel ist und bleibt für mich keine Tür) auf unseren Hof.
Nachdem mein Bruder dann auch noch den für ihn obligatorischen Stoßdämpfer-Test gemacht hatte (das Auto an jeder Ecke einmal kräftig runterdrücken und dann schauen, wie er wieder hochfedert) und der Wagen auch diesen bestanden hatte, war der Kaufvertrag praktisch schon besiegelt.
Außerdem hatte mein Vater das letzte Mal kurz nach der Maueröffnung ein Auto gekauft, einen alten, relativ schlecht dastehenden Fiesta für meine andere Schwester. Dieser hatte stolze 4.500DM gekostet, und so erschienen ihm die 6.000Dm für ein völlig rostfreies Fahrzeug wohl nicht zu viel (auch wenn sich seit dem an den Preisen auf dem Kleinwagenmarkt einiges getan hatte, aber es war ja weder mein Geld noch meine Entscheidung).
Nach einem halben Jahr Gezanke mit meiner Schwester, wer das Auto denn nun am Wochenende fahren dürfe, war es dann endlich soweit.
Ihr Praktikum war beendet und meine Lehre begann, somit hatte ich von jetzt an freie Verfügungsgewalt über den Wagen.
Natürlich wurde er in Notfällen noch verliehen, aber die Hauptnutzung stand jetzt eindeutig mir zu *bg*.
*** *** ***
*brumm* *brumm* *brumm*
Eifrig wurde Gebrauch gemacht von dem jetzt \"meinigen\" Gefährt und eine erste Ermittlung des Spritverbrauchs ergab gerade mal 5,6l/100km.
Da ich vorher eigentlich nur den 123 200er D Mercedes meiner Eltern gefahren war, kam mir \"mein\" Auto geradezu sportlich vor.
Stolze 40kW (ca. 55PS) bei einem Leergewicht von nur 900kg (zulässiges Gesamtgewicht ist übrigens 1415kg) waren da doch schon eine deutlich wahrnehmbare Steigerung zu etwa gleicher kW-Zahl bei doppeltem Gewicht. Na gut, das war jetzt schamlos übertrieben, aber das 1-1/2fache brachte der 123 meiner Erinnerung nach locker auf die Waage.
Brav bracht mich der Golf jeden Tag zur Arbeit, von der kleinen Glatteiseskapade mal abgesehen.
Ja, ich gestehe, ich war zu schnell und habe wie geisteskrank auf der Bremse gestanden. Aber sooo tief war der Graben dann auch wieder nicht, und meine Eltern sind stolze Besitzer eines IHC-Treckers, der hat das Autochen dann auch ohne weitere Blessuren aus dieser mißlichen Lage befreit. (Oh, was gab das Schimpfe!)
Das ganze Frühjahr über konnte ich freie Fahrt genießen, bis dann im Frühsommer unweit des bekannten Grabens die Temperaturanzeige rot aufleuchtete. Diese Gegend scheint schlechte \"Vibrations\" zu haben ;-).
Ein erster \"fachmännischer\" Blick unter die Motorhaube ergab außer der Sichtung eines kleinen Dampfwölkchens gar nichts.
Erst der hinzugezogene Werkstattmensch klärte mich dann über ein _Loch_ im Zylinderkopf auf.
Die Diagnose lautete \"Alufraß\". Ein Phänomen, das mir bis heute noch niemand so recht zu erklären in der Lage war. Irgendwas mit Korrosion (und ich dachte das geht bei Alu nicht, weil die obere korrodierte Schicht einen Schutzfilm bildet) oder Materialfehler.
Einig waren sich die Geister nicht, aber um ein Weiterleben des Wagens zu ermöglichen, mußte ein neuer Zylinderkopf samt Dichtung her. Und wenn man grad´ dabei ist macht man natürlich noch Keilriemen und ähnliches mit.
Reparaturkosten von insgesamt 1.600DM.
Ich war meiner Mutter sehr dankbar, daß sie mir diese Kosten abnahm, in mein aus Lehrgehalt bestehendes Budget hätte das doch ein sehr großes Loch gerissen.
Die nächsten drei Jahre wurden dann relativ unbeschadet überstanden.
Eine neue Antriebswelle, auf der anderen Seite eine Achsmanschette, ein verstopfter Dieselfilter (ich hasse die Tankstelle dafür bis heute).
Alles in allem Reparaturen, die mit Ausgaben von je 10-20DM beim Auto-Schrotthändler oder Zuliefererteilehändler meines Vertrauens und einer Flasche Whisky für meinen Bruder abgetan waren.
Der dann anstehende TÜV-Termin hätte jedoch fast das Ende für mein kleines, weißes Wunder bedeutet.
Bei der vorher durchgeführten AU (oder hieß es damals noch ASU?) platze die Wasserpumpe.
Der zuständige Servicemensch hatte einen recht irritierten Gesichtsausdruck, als er mich aus dem gemütlichen Warteraum holte mit den Worten: \"Ääähhhh, Frau Meier, könnten Sie bitte einmal mitkommen? Ich müßte Ihnen da etwas zeigen.\"
Der Werkstattmeister unterschrieb schon einen Blanko-Totenschein, als er mir die Ursache für diese niedliche Wasserspur vom Prüfstand zur jetzigen Position meines Autos erklärte.
Aber da hatte er nicht mit meinem neuen Freund gerechnet *g*.
Auch die Lichtmaschine, die sich aus Gram um die Wasserpumpe kurz darauf das Leben genommen hatte, konnte diesen nicht schrecken, und so reichten 60 beim Schrotthändler gut investierte DM und ein leckeres Essen im Restaurant, um mein Auto wenigstens wieder bis zur Vorführung beim TÜV fahrbereit zu machen.
Dieser verlangte dann noch einen neuen Endtopf, welcher prompt geliefert wurde, und \"schon\" prangte eine neue, niedliche Plakette hinten auf meinem Nummernschild. (Die zweite AU wurde übrigens ohne weitere Vorkommnisse abgelegt, wobei einem eine
Minute Vollgas ohne Last nervlich schon ganz schön beanspruchen kann.)
Zwischenzeitlich hatte mein Wagen auch noch ein paar engere Bekanntschaften geknüpft.
Unter anderem zu einem Hofeinfahrts-Pfeiler (was steht der da auch so dumm rum?), zu einer Säule in einem Parkhaus (ja, ja, Frauen und Autofahren, es stimmt halt doch. Dafür habe ich jetzt eine Vorderstoßstange mit einem neckischen roten Rallye-Streifen *g*), einem VW-Pritschen-Bulli (der entgegenkommende LKW hat mich eindeutig abgedrängt!) und einem Taxi (da war ich ausnahmsweise mal nicht schuld, die Ampel, vor der ich gebremst habe, war wirklich schon tieforange.).
Kurz gesagt, mein Vater erfreut sich nicht mehr ganz so stark an dem Anblick seines Wagens.
Aber wozu soll man bei einem so alten Auto die Beulen noch reparieren?
Der nächste TÜV wollte dann schon wieder zur Beerdigung einladen, aber da hatte zufälligerweise der Golf II Diesel meines Tischlergesellens einen Motorschaden.
Also flugs auf einen Hänger gepackt und ab zu mir nach Hause.
Die bemängelten Sachen wie Windschutzscheibe (kleiner Riß), Reflektoren, Motorlager-Block, Bremsscheiben, rechter Außenspiegel und Reifen konnten erfolgreich umgebaut werden.
Die ganzen Kleinigkeiten, die auf meiner eigenen Wunschliste standen, zeigten mir jedoch eindeutigen die Serienmängel des Golf II auf.
So war zum Beispiel der Seilzug im Fahrersitz gerissen, so daß ich diesen nicht mehr umklappen konnte, ebenso war es auch bei meinem Ersatzteil-Golf.
Mimik für den Fensterheber: Fehlanzeige
Achsmanschetten auf Vorrat: gerissen
Motor für die Scheibenwaschanlage: funktionierte bei beiden Wagen nur noch in eine Richtung
Schalter für die Nebelschlußleuchte: zweimal defekt
Sogar das Gummi, das auf dem Kupplungspedal sitzt, hatte ich jetzt zweimal in eindeutig kaputtem Zustand.
Immerhin hat mein Auto es nochmals durch den TÜV geschafft und die Leuchten habe ich mir auch noch weggelegt (man weiß ja nie).
Diesen Sommer hat der Golf dann noch einmal einen finanziellen Höhepunkt erlebt.
Ein grummlieges Gewitter zog über unser Dorf und hatte reichlich Hagel zu verteilen, dieser verursachte einige niedliche Beulen auf Dach, Motorhaube und Tür.
Auf Grund notorischer Überversicherung brachte dieses einen Teilkaskoschaden von immerhin 350€.
Und einen verbrieften Restwert von gerade mal 100€.
Seit dem ist der Versicherungsaufwand rapide gesunken, bei 150€ Selbstbeteiligung und dem erwähnten Restwert braucht man nicht mehr lange zu überlegen, ob sich die Teilkasko noch lohnt.
Das kassierte Geld reichte für die nächsten TÜV-Mängel: Auspuff, Ölverlust, Handbremsseil.
Auch drei der vier Dieselleitungen hatten zwischenzeitlich ihren Geist aufgegeben (ich warte auf die vierte).
Ein Kupplungsbautenzug, zwei Kabelbrüche bei Neumond ohne Taschenlampe und noch die ein oder andere Achsmanschette und Antriebswelle waren zu verbuchen.
*** *** *** ***
Um jetzt allmählich mal zum Fazit zu kommen *g*:
Hätte ich alle Reparaturen in einer Werkstatt machen lassen müssen, so wäre der Wagen wohl spätestens vor vier Jahren auf dem Schrott gelandet. So ist es ein immerwährendes Schwanken zwischen \"Jetzt ist Schluß\" und \"Das schaffen wir auch noch\".
282.000km hat er inzwischen schon geschafft.
Als ich kürzlich noch einmal den Spritverbrauch ermittelte, lag dieser bei 6,2l/100km (hauptsächlich Autobahn, da bringt das Ding doch tatsächlich 155km/h).
Der Ölverbrauch hält sich wirklich in Grenzen und praktisch ist der Wagen allemal.
Er ist klein genug, um in fast jede Parklücke zu passen (vorausgesetzt, man kann Auto fahren *g*). Das Fassungsvermögen ist dabei ungeschlagen gut.
Zwei Kisten Bier und zwei Kisten Wasser sind problemlos im Kofferraum verstaubar, und als mein Chef bei meiner Gesellenprüfung auf Montage war, hat sich der Wagen dank der umklappbaren Rücksitzbank auch als Transportmittel für eine stattliche Herrenkommode bewährt (120*90*40cm).
Auf die Optik brauche ich wohl nicht näher einzugehen, jeder dürfte wohl einen Golf II kennen.
Es ist halt ein praktischer \"Klein\"wagen ohne viel Firlefanz, die Inneneinrichtung scheint (wie ich kürzlich in einer News-Group-Diskussion erfahren habe) stark zu variieren.
Mein Golf hat z.B. keine Uhr, dafür eine Mittelkonsole mit Ablage und sage und schreibe _zwei_ Aschenbecher.
Der Zigarettenanzünder mußte allerdings nachgerüstet werden und steckt inzwischen fest.
Ich habe einfach die entsprechende Sicherung herausgezogen und sorge jetzt immer dafür, ein Feuerzeug dabei zu haben.
An die vielen kleinen Zipperlein habe ich mich inzwischen gewöhnt.
Bei mir müssen halt alle Mitfahrer auf der Beifahrerseite einsteigen, das Radio geht nicht mehr, deshalb singe ich jetzt selber (am liebsten russische oder klingonische Opern *g*) und daß mein Auto doch kein Sportwagen ist, weiß ich inzwischen auch. Obwohl ich immer wieder von Leuten, die sich meinen Wagen zu Transportzwecken ausleihen (dazu ist er wirklich gut geeignet) höre, daß sie doch erstaunt sind, wie gut der Wagen zieht. Von 55PS scheinen die meisten sich heutzutage weniger zu
erhoffen.
Ich bin glücklich, \"meinen\" Golf zu haben und ich hoffe sehr, daß auch die nächste TÜV-Prüfung 2004 es nicht schaffen wird, uns zu trennen.
Rost hat er noch keinen und der Unterboden ist abgesehen von einem kleinen Loch, das ich selber hineingebohrt habe um eine übelriechende Milchüberschwemmung auszuspülen, noch perfekt.
Im Vergleich zum 190er Mercedes gleichen Baujahrs meines Freundes steht mein Wagen allemal besser da.
Und auch daran, eine Taschenlampe für Neumondnächte mitzunehmen, kann man sich gewöhnen.
In diesem Sinne ein Lob an den tapferen Leser und bis zum nächsten Bericht
...wuddel2
Der hat ihn mir 1994 gekauft, damit ich nach Abschluß des Abiturs damit zu meiner Lehrstelle fahren konnte.
Da ich die Lehre zur Tischlerin dann doch erst im Januar 1995 anfangen konnte (der \"Vorstift\" war noch nicht fertig), ging der Wagen das erste halbe Jahr bei meiner Schwester in Gebrauch.
Aber es war ja nun einmal nicht so, daß er den Gebrauch noch nicht gewohnt gewesen wäre.
Immerhin ist er 1987 gebaut worden und hatte, als er in den Besitz meiner Familie überging, schon stolze 131.000km auf dem Tacho.
6.000DM hat mein Vater damals bezahlt, was ich aus heutiger Sicht eigentlich zuviel finde. Aber der Wagen wurde ja nun einmal von guten Bekannten gekauft und in dieser Beziehung ist Papa dann wohl doch etwas zu weichherzig.
Die Ansprüche, die er an ein Auto stellte waren allemal erfüllt.
\"Ein Auto muß ordentlich aussehen.\"
Das tat er damals auch noch!
Mit weißem, von Waschanlagen verschont gebliebenem Lack und völlig unverbeult fuhr der Vorbesitzer den schnuckeligen Zweitürer (ich weiß, es heißt Dreitürer, aber ein Kofferraumdeckel ist und bleibt für mich keine Tür) auf unseren Hof.
Nachdem mein Bruder dann auch noch den für ihn obligatorischen Stoßdämpfer-Test gemacht hatte (das Auto an jeder Ecke einmal kräftig runterdrücken und dann schauen, wie er wieder hochfedert) und der Wagen auch diesen bestanden hatte, war der Kaufvertrag praktisch schon besiegelt.
Außerdem hatte mein Vater das letzte Mal kurz nach der Maueröffnung ein Auto gekauft, einen alten, relativ schlecht dastehenden Fiesta für meine andere Schwester. Dieser hatte stolze 4.500DM gekostet, und so erschienen ihm die 6.000Dm für ein völlig rostfreies Fahrzeug wohl nicht zu viel (auch wenn sich seit dem an den Preisen auf dem Kleinwagenmarkt einiges getan hatte, aber es war ja weder mein Geld noch meine Entscheidung).
Nach einem halben Jahr Gezanke mit meiner Schwester, wer das Auto denn nun am Wochenende fahren dürfe, war es dann endlich soweit.
Ihr Praktikum war beendet und meine Lehre begann, somit hatte ich von jetzt an freie Verfügungsgewalt über den Wagen.
Natürlich wurde er in Notfällen noch verliehen, aber die Hauptnutzung stand jetzt eindeutig mir zu *bg*.
*** *** ***
*brumm* *brumm* *brumm*
Eifrig wurde Gebrauch gemacht von dem jetzt \"meinigen\" Gefährt und eine erste Ermittlung des Spritverbrauchs ergab gerade mal 5,6l/100km.
Da ich vorher eigentlich nur den 123 200er D Mercedes meiner Eltern gefahren war, kam mir \"mein\" Auto geradezu sportlich vor.
Stolze 40kW (ca. 55PS) bei einem Leergewicht von nur 900kg (zulässiges Gesamtgewicht ist übrigens 1415kg) waren da doch schon eine deutlich wahrnehmbare Steigerung zu etwa gleicher kW-Zahl bei doppeltem Gewicht. Na gut, das war jetzt schamlos übertrieben, aber das 1-1/2fache brachte der 123 meiner Erinnerung nach locker auf die Waage.
Brav bracht mich der Golf jeden Tag zur Arbeit, von der kleinen Glatteiseskapade mal abgesehen.
Ja, ich gestehe, ich war zu schnell und habe wie geisteskrank auf der Bremse gestanden. Aber sooo tief war der Graben dann auch wieder nicht, und meine Eltern sind stolze Besitzer eines IHC-Treckers, der hat das Autochen dann auch ohne weitere Blessuren aus dieser mißlichen Lage befreit. (Oh, was gab das Schimpfe!)
Das ganze Frühjahr über konnte ich freie Fahrt genießen, bis dann im Frühsommer unweit des bekannten Grabens die Temperaturanzeige rot aufleuchtete. Diese Gegend scheint schlechte \"Vibrations\" zu haben ;-).
Ein erster \"fachmännischer\" Blick unter die Motorhaube ergab außer der Sichtung eines kleinen Dampfwölkchens gar nichts.
Erst der hinzugezogene Werkstattmensch klärte mich dann über ein _Loch_ im Zylinderkopf auf.
Die Diagnose lautete \"Alufraß\". Ein Phänomen, das mir bis heute noch niemand so recht zu erklären in der Lage war. Irgendwas mit Korrosion (und ich dachte das geht bei Alu nicht, weil die obere korrodierte Schicht einen Schutzfilm bildet) oder Materialfehler.
Einig waren sich die Geister nicht, aber um ein Weiterleben des Wagens zu ermöglichen, mußte ein neuer Zylinderkopf samt Dichtung her. Und wenn man grad´ dabei ist macht man natürlich noch Keilriemen und ähnliches mit.
Reparaturkosten von insgesamt 1.600DM.
Ich war meiner Mutter sehr dankbar, daß sie mir diese Kosten abnahm, in mein aus Lehrgehalt bestehendes Budget hätte das doch ein sehr großes Loch gerissen.
Die nächsten drei Jahre wurden dann relativ unbeschadet überstanden.
Eine neue Antriebswelle, auf der anderen Seite eine Achsmanschette, ein verstopfter Dieselfilter (ich hasse die Tankstelle dafür bis heute).
Alles in allem Reparaturen, die mit Ausgaben von je 10-20DM beim Auto-Schrotthändler oder Zuliefererteilehändler meines Vertrauens und einer Flasche Whisky für meinen Bruder abgetan waren.
Der dann anstehende TÜV-Termin hätte jedoch fast das Ende für mein kleines, weißes Wunder bedeutet.
Bei der vorher durchgeführten AU (oder hieß es damals noch ASU?) platze die Wasserpumpe.
Der zuständige Servicemensch hatte einen recht irritierten Gesichtsausdruck, als er mich aus dem gemütlichen Warteraum holte mit den Worten: \"Ääähhhh, Frau Meier, könnten Sie bitte einmal mitkommen? Ich müßte Ihnen da etwas zeigen.\"
Der Werkstattmeister unterschrieb schon einen Blanko-Totenschein, als er mir die Ursache für diese niedliche Wasserspur vom Prüfstand zur jetzigen Position meines Autos erklärte.
Aber da hatte er nicht mit meinem neuen Freund gerechnet *g*.
Auch die Lichtmaschine, die sich aus Gram um die Wasserpumpe kurz darauf das Leben genommen hatte, konnte diesen nicht schrecken, und so reichten 60 beim Schrotthändler gut investierte DM und ein leckeres Essen im Restaurant, um mein Auto wenigstens wieder bis zur Vorführung beim TÜV fahrbereit zu machen.
Dieser verlangte dann noch einen neuen Endtopf, welcher prompt geliefert wurde, und \"schon\" prangte eine neue, niedliche Plakette hinten auf meinem Nummernschild. (Die zweite AU wurde übrigens ohne weitere Vorkommnisse abgelegt, wobei einem eine
Minute Vollgas ohne Last nervlich schon ganz schön beanspruchen kann.)
Zwischenzeitlich hatte mein Wagen auch noch ein paar engere Bekanntschaften geknüpft.
Unter anderem zu einem Hofeinfahrts-Pfeiler (was steht der da auch so dumm rum?), zu einer Säule in einem Parkhaus (ja, ja, Frauen und Autofahren, es stimmt halt doch. Dafür habe ich jetzt eine Vorderstoßstange mit einem neckischen roten Rallye-Streifen *g*), einem VW-Pritschen-Bulli (der entgegenkommende LKW hat mich eindeutig abgedrängt!) und einem Taxi (da war ich ausnahmsweise mal nicht schuld, die Ampel, vor der ich gebremst habe, war wirklich schon tieforange.).
Kurz gesagt, mein Vater erfreut sich nicht mehr ganz so stark an dem Anblick seines Wagens.
Aber wozu soll man bei einem so alten Auto die Beulen noch reparieren?
Der nächste TÜV wollte dann schon wieder zur Beerdigung einladen, aber da hatte zufälligerweise der Golf II Diesel meines Tischlergesellens einen Motorschaden.
Also flugs auf einen Hänger gepackt und ab zu mir nach Hause.
Die bemängelten Sachen wie Windschutzscheibe (kleiner Riß), Reflektoren, Motorlager-Block, Bremsscheiben, rechter Außenspiegel und Reifen konnten erfolgreich umgebaut werden.
Die ganzen Kleinigkeiten, die auf meiner eigenen Wunschliste standen, zeigten mir jedoch eindeutigen die Serienmängel des Golf II auf.
So war zum Beispiel der Seilzug im Fahrersitz gerissen, so daß ich diesen nicht mehr umklappen konnte, ebenso war es auch bei meinem Ersatzteil-Golf.
Mimik für den Fensterheber: Fehlanzeige
Achsmanschetten auf Vorrat: gerissen
Motor für die Scheibenwaschanlage: funktionierte bei beiden Wagen nur noch in eine Richtung
Schalter für die Nebelschlußleuchte: zweimal defekt
Sogar das Gummi, das auf dem Kupplungspedal sitzt, hatte ich jetzt zweimal in eindeutig kaputtem Zustand.
Immerhin hat mein Auto es nochmals durch den TÜV geschafft und die Leuchten habe ich mir auch noch weggelegt (man weiß ja nie).
Diesen Sommer hat der Golf dann noch einmal einen finanziellen Höhepunkt erlebt.
Ein grummlieges Gewitter zog über unser Dorf und hatte reichlich Hagel zu verteilen, dieser verursachte einige niedliche Beulen auf Dach, Motorhaube und Tür.
Auf Grund notorischer Überversicherung brachte dieses einen Teilkaskoschaden von immerhin 350€.
Und einen verbrieften Restwert von gerade mal 100€.
Seit dem ist der Versicherungsaufwand rapide gesunken, bei 150€ Selbstbeteiligung und dem erwähnten Restwert braucht man nicht mehr lange zu überlegen, ob sich die Teilkasko noch lohnt.
Das kassierte Geld reichte für die nächsten TÜV-Mängel: Auspuff, Ölverlust, Handbremsseil.
Auch drei der vier Dieselleitungen hatten zwischenzeitlich ihren Geist aufgegeben (ich warte auf die vierte).
Ein Kupplungsbautenzug, zwei Kabelbrüche bei Neumond ohne Taschenlampe und noch die ein oder andere Achsmanschette und Antriebswelle waren zu verbuchen.
*** *** *** ***
Um jetzt allmählich mal zum Fazit zu kommen *g*:
Hätte ich alle Reparaturen in einer Werkstatt machen lassen müssen, so wäre der Wagen wohl spätestens vor vier Jahren auf dem Schrott gelandet. So ist es ein immerwährendes Schwanken zwischen \"Jetzt ist Schluß\" und \"Das schaffen wir auch noch\".
282.000km hat er inzwischen schon geschafft.
Als ich kürzlich noch einmal den Spritverbrauch ermittelte, lag dieser bei 6,2l/100km (hauptsächlich Autobahn, da bringt das Ding doch tatsächlich 155km/h).
Der Ölverbrauch hält sich wirklich in Grenzen und praktisch ist der Wagen allemal.
Er ist klein genug, um in fast jede Parklücke zu passen (vorausgesetzt, man kann Auto fahren *g*). Das Fassungsvermögen ist dabei ungeschlagen gut.
Zwei Kisten Bier und zwei Kisten Wasser sind problemlos im Kofferraum verstaubar, und als mein Chef bei meiner Gesellenprüfung auf Montage war, hat sich der Wagen dank der umklappbaren Rücksitzbank auch als Transportmittel für eine stattliche Herrenkommode bewährt (120*90*40cm).
Auf die Optik brauche ich wohl nicht näher einzugehen, jeder dürfte wohl einen Golf II kennen.
Es ist halt ein praktischer \"Klein\"wagen ohne viel Firlefanz, die Inneneinrichtung scheint (wie ich kürzlich in einer News-Group-Diskussion erfahren habe) stark zu variieren.
Mein Golf hat z.B. keine Uhr, dafür eine Mittelkonsole mit Ablage und sage und schreibe _zwei_ Aschenbecher.
Der Zigarettenanzünder mußte allerdings nachgerüstet werden und steckt inzwischen fest.
Ich habe einfach die entsprechende Sicherung herausgezogen und sorge jetzt immer dafür, ein Feuerzeug dabei zu haben.
An die vielen kleinen Zipperlein habe ich mich inzwischen gewöhnt.
Bei mir müssen halt alle Mitfahrer auf der Beifahrerseite einsteigen, das Radio geht nicht mehr, deshalb singe ich jetzt selber (am liebsten russische oder klingonische Opern *g*) und daß mein Auto doch kein Sportwagen ist, weiß ich inzwischen auch. Obwohl ich immer wieder von Leuten, die sich meinen Wagen zu Transportzwecken ausleihen (dazu ist er wirklich gut geeignet) höre, daß sie doch erstaunt sind, wie gut der Wagen zieht. Von 55PS scheinen die meisten sich heutzutage weniger zu
erhoffen.
Ich bin glücklich, \"meinen\" Golf zu haben und ich hoffe sehr, daß auch die nächste TÜV-Prüfung 2004 es nicht schaffen wird, uns zu trennen.
Rost hat er noch keinen und der Unterboden ist abgesehen von einem kleinen Loch, das ich selber hineingebohrt habe um eine übelriechende Milchüberschwemmung auszuspülen, noch perfekt.
Im Vergleich zum 190er Mercedes gleichen Baujahrs meines Freundes steht mein Wagen allemal besser da.
Und auch daran, eine Taschenlampe für Neumondnächte mitzunehmen, kann man sich gewöhnen.
In diesem Sinne ein Lob an den tapferen Leser und bis zum nächsten Bericht
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