VW New Beetle Testbericht

Vw-new-beetle
Und-so-sieht-meine-kutschkugel-ausNew-beetle-cabrio-2-0
Abbildung beispielhaft
ab 28,30
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 08/2003
Summe aller Bewertungen
  • Fahreigenschaften:  sehr gut
  • Fahrkomfort:  sehr gut
  • Platzangebot:  durchschnittlich
  • Zuverlässigkeit:  sehr gut

Erfahrungsbericht von ralphi72

Unter dem Runden steckt das Eckige

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Als Jürgen in mein Leben trat schien es der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zu werden. Trotz des Altersunterschiedes - er war damals 12, ich 23 - brauchten wir nicht viele Worte. Jürgen war ein Geschenk von Wolfgamg, der eines Tages einfach gesagt hatte: "Ich brauch ihn nicht mehr, nimm du ihn." Um Autos machten wir uns damals demonstrativ keine Gedanken. Wir verweigerten ihnen zum Beispiel so lange die Wäsche, bis sich eine feste schmutzabweisende Dreckschicht bildete. Und wir teilten sie altruistisch.

Jürgen war ein Prachtexemplar von einem Käfer. Seine stammesgeschichliche Herkunft als ein deutsches Militärfahrzeug nur mühsam durch seine von der Sonne zerschossene orangefarbenen Lackierung verleugnend, tat er seinen Dienst stets zuverlässig. Jürgen war ein Typ, der stets alles gab. Alles, was er aus seinen 1200 Kubukzentimetern herausholen konnte. Er war eines jener legendären Sparmodelle, die mit acht Litern auskamen, während die Verwandschaft aus übelen Säufern bestand, sie von 12, 13 Litern die Hälfte am Vergaser verschlabberten.

Käfer fahren galt als Lebenseinstellung, auch wegen der unagressiven Motorisierung. Bei Vma 130, pfeifenden Fenstern und einem dröhnenden Vierzylinder-Boxer konnte man Eile von vornherein vergessen. Schon damals schwärmten Käfer-Veteranen von Reservehebeln oder Bakelitenkrädern. Egal. ob Brezelscheibe oder Mexikomodell - für alle galt: Ziel und Weg waren iregendwie dasselbe.

Von mir aus hätten Jürgen und ich unserer Wege bis heute teilen können. Doch eines Tages machte er einen verhängnisvollen Fehler: Während eienes Umzuges hatte ich einen Teil meiner Plattensammlung hinter den Fahrersitz gestellt; die Heizung - die noch nie funktioniert hatte - erinnerte sich plötzkich ihrer Existenz und zerschnolz mir fast 100 meiner Lieblinge.

Die Trauer um Sly Stone, Curtis Mayfield und Wes Montgomery saß zu tief. Ich stellte Jürgen wieder bei Wolfgang ab und sagte: "Ich will ihn nicht mehr, nimm du ihn."

Heute, 13 Jahre später, steht dieser metallicblaue Gnubbel vor der Tür, der aussieht, als hätte jemand eine Hand voll Knete durch das Grafikprogramm gejagt. Eigentlich erinnert der New Beetle eher an einen Frosch als an ein Insekt. "Ich will nur spielen" scheint das Gesicht mit den herzigen Kugelaugen-Scheinwerfern zu sagen. Aber das - und auch die keine Blumenvase am Amaturenbrett - sollte nicht täuschen: Unter dem Runden wohnt das Eckige - eine weitgehend an den Golf erinnernde Ausstattung und Technik. Vergeblich werden Nostalgiker die Klappe über dem gut zwei Getränkekasten fassenden Kofferraum öffnen und nach dem Ölstab suchen. Motor und Antrieb sind vorn.

Ein paar Details erinnern an früher: Ein Rest der legendären Seitenwindempfindlichkeit etwa oder dieHalteschlaufen für die hinteren Passagiere. Auch die Möglichkeit, den Wagen einfach mit den Knien zu lenken, wenn mal gerade keine Hand frei ist, gibt es noch. Beim Käfer lag es an dem großen Lenkrad, beim Beetle genügt es, wenn sich ein etwas größerer Mitteöeuropäer hineinsetzt. Auch wenn er den Fahrersitz ganz nach unten und das Lenkrad ganz nach oben stellt: Zwischen Lenkrad und Bein passt keine Hand durch. Dafüpr hat er dann unter dem Kuppeödach eine Kopffreiheit, die für Pompadour-Perücken reicht. Der Transport von Erwachsenen auf der Rückbank sollte allerdings durch die Genfer Konventionen geächtet werden.

Ganz anders vorne: Dankbar wird sich jeder, der über eine längere Strecke hnweg auf den fluffigen Sitzen eines Käfers hing, in das cremefarbene Leder schmiegen. Auch wenn die Sitzheizung offenbar nur die zwei Stufen "lauwarm" und "Biosauna" kennt, fährt man in dieser für gut 50 000 Mark endausgestatteten Version mit entspannten Lumbalbereich. Für uns Frühvergreisende gibt es ein Brillenfach im Dachhimmel und zwischen den Sitzen sogar eine herunterklappbre Armlehne.

Wo man einstmal so nah an der Windschutzscheibe hing, dass im Winter das Atemkondensat gefror, da ist heute mehr als eine Armlänge Platz. Ein Panoramagefühgl, das an Rebault-Espace erinnert. Dass man trotzdem nicht sieht, wo das Aurto vorne und hinten zu Ende ist, gehört zum original Eibpark-Gefühl, allerdings mit Servolenkung und kleinerem Wendekreis. Eine postmoderne Anwandlung auch der kreisrunde Tacho: hat man den Schlüssel irgendwo zwischen Knieund Lenkrad durchgefriemelt, leuchtet in dem dunkelen Rund ein gutes Dutzend Symbole. Leider keines, das anzeigt, wann Blumen Wasser brauchen.

Zum Volkswagen Gamma-Empfänger nur so viel: Man kann damit Verkehrsdurchsagen hören. Der dünne Buchhalter-Sound eignet sich außerdem gut für längere Wortbeiträge. Da Volkswagen gerne Sondermodelle nach Popstars benennt, bietet sich - schon angesichts der Dachrundung - ein Sondermodell Phl Collins dringend an.

Steckt im Gwand des Fun-Mobiuls ein Vernunftauto? Hans Eichel, verkleidet als Verona Feldbusch? Nicht bei der auch unter der Haube mit 150 PS ziemlich unvernünftigen Version. Beim Fahren Zigaretten drehen - das geht nicht mehr. In geschlossener Orstalge gilt, so bald der Turbo pfeift, befindet man sich im grob unsittlichen Bereich. Durch einen Tritt aufs Pedal wuchtet der beinahe alles verzeihende Motor die Rennsemmelruckartig nach vorn, dass es nur so bröselt. Selten, ganz selten nur leuchtet dabei die ESP-Leuchte auf - um mitzuteilen, wenn das elektronische Stabilitätspriogramm den Motor drosselt und die Antriebsräder bremst, die sonst im Adrenalintraumel durchdrehen würden. Vertrauen ist gut, Kontrolle aber besser. Denn dieses Modell ist nicht die Reinkarnation des braven Jürgen, sondern eine von herbie, der tollkühnen Knatterkiste - im Gegensatz zu all den Rovers, Saabs und Volvos, bei denen eh jeder Bescheid weiß.

Auf der Autobahn versuchen rostuge Corsas rechts zu überholen. Selbst träge dahinsiechende Familienkutschen machen keine Anstalten, den nahendem Kugelblitz zu weichen. Cruise Speed wären etwa 150 Stundenkilometer - wenn man sich mit diesem munter hüpfenden Under-Frog denn auf längere Strecken begeben will -,mehr als Honeymoon.Gepäck geht ohnehin nicht mt. Darüber fährt am Dach automatisch ein Heckspoiler aus. Das Erreichen der Endgeschwindigkeit jemeseits der 200 Stundenkilometer braucht ein wenig Zeit und verursacht allerhand Geräusche - unter anderem, weil ein guter Teil der Energie dafür draufgeht, den Beetle-Buckel gegen den Widerstand der Luft zu stemmen.

Trotz des straffen Fahrwerks und der bissigen Bremsen: Es bedarf auch einer gewissen sittlichen Reife, damit nicht zur Pistensau zu werden wie etwa die Kollegen von der Abteilung "Isch un' mein Dreier": Volksawgen behauptet zwar, der Fünfvebtil-Einspritz-Turbo begnüge sich mit acht Litern. Doch das verlang schon eine äußerst buddhistische Fahrweise. Realistisch gesagt: Der Verbrauch entspricht etwa dem von drei vorausschauend gefahrenen Lupos.

Bei so viel High-Tech unter einem alten Mythos können wir uns schon auf einiges gefasst machen, wenn VW die zweite Legende seiner Geschichte reanimiert: Den Bulli

10 Bewertungen, 3 Kommentare

  • Spocht

    08.04.2002, 10:45 Uhr von Spocht
    Bewertung: sehr hilfreich

    Superschbassiger Bericht. Wahrscheinlich heißt Du gar nicht ralph, sondern Florian und schreibst über die Genartion Käfer! Danke für den Schbass, Spocht.

  • schweitzman

    23.03.2002, 19:17 Uhr von schweitzman
    Bewertung: sehr hilfreich

    Amüsant, aufschlussreich und unterhaltsam, drei Daumen hoch. Doch findest Du nicht, dass zu hart zu Jürgen warst...?

  • AliAsAliAs

    23.03.2002, 19:15 Uhr von AliAsAliAs
    Bewertung: sehr hilfreich

    das wäre ein schönes Auto. gruß vom alias