Venedig Testbericht
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Summe aller Bewertungen
- Preis-Leistungs-Verhältnis:
- Empfehlenswert:
Erfahrungsbericht von Natascha
Galleria-Tizian und knarzende Treppen
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Vor kurzem waren wir in Venedig - 1 Woche lang. War ich zunächst noch beunruhigt, ob wir wirklich 7 Tage mit dieser Stadt würden füllen können, hatte sich diese Überlegung schon nach zwei TAgen komplett gelegt. Dafür ist hier einfach zu viel zu sehen!
Ein absolutes Muss - vor allen anderen Museen (gerade auch Peggy Guggenheim!) - ist die Galeria dell' Accademia.
Zu finden ist sie sozusagen mit links: Wer vom Markuspltz aus nicht den Schildern Richtung Rialto folgt, sondern denjenigen Richtung "Accademia", stößt automatisch auf die gleichnamige Holzbrücke über den Canal Grande - die südlichste der drei Fußwege über diese Wasserstraße. Dazu geht man auf einer der "Touristen-Rennbahnen" entlang - vorbei an elegantestens Geschäften auf der Straße des 22. März. Es geht aber auch durch verwinkelte Ecken, und gelegentlich sieht man die (noch) Bau-Verhüllte Fassade der Oper La Fenice. Und schließlich kommt man an der Piazza San Stefano vorbei, wo mit Paolin angeblich eine der besten Eisdielen liegen soll - dazu kann ich nur sagen: Finger weg! So schlechtes und teures Eis gibt es in Venedig sonst wohl kaum noch!
Jedenfalls überschreitet man die Holzbrücke (die längst durch eine Stahlkonstruktion unterfangen ist) und schon steht man vor der Galeria dell' Accademia: Ein hohes Backsteingebäude, in dem sich ehemals eine der Scuolen (der wohltätigen Innungsvereinigungen) von Venedig befand. Der Eingang ist etwas weiter rechts, aber problemlos zu finden.
Wer von weiterher kommt, kann auch einfach die Nr.1 der Vaporetti bis "Accademia" nehmen - und landet genau am gleichen Punkt wie die Fußgänger.
In der Accademia selbst verliert sich der Eindruck venezianischer Architektur des 15. und 16. Jhrds ein bißchen, sind doch die Räume ausgesprochen kahl und wenig ansprechend gestaltet. Aus der Flut an Gemälden will ich aber nur die wirklich sehenswerten herausgreifen, die in einer ca 2-3 stündigen "Tour" angesehen und auch innerlich verarbeitet werden können.
Gleich nach dem Treppenaufgang links die Stufen hinauf befindet sich auf der rechten Seite der Saal mit dem Bilderzyklus der heiligen Ursula (aus einer der Scuolen überführt) von Carpaccio. Der gilt als einer der großen frühen Renaissance-Maler von Venedig - bemerkenswert sind aber seine Bilder vor allem wegen der Darstellung des zeitgenössischen Venedigs und der Vorstellungen der Welt. Man betrachte nur London, das regelrecht als barbarisch geschildert wird (C. war nie dort!). Künstlerisch auf ähnlicher Ebene (also vor allem durch das gewählte Motiv interessant) ist der Bellini-Carpaccio-Zyklus der Wunder des heiligen Kreuzes (auch aus einer Scuola stammend). Auc hhier ist viel spannender, wie detailgetreu das damalige Venedig abgebildet wird. Und der Markusdom beispielsweise verfügt heute nur noch über ein einziges der hier dargestellten goldenen Mosaiken, die im ausgehenden Mittelalter geradezu geblendet haben müssen in ihrer Pracht!
Wirklich künstlerisch sehesnwert sind vor allem vier Bilder.
1. Die Pieta von Tizian
2. Das Abendmahl des Levi von Veronese
3. Die Alte von Giorgione
4. Die REttung des Sklaven durch St. Markus von Tintoretto
Zu 1: Tizian hatte - ähnlich wie Rembrandt und Rubens später - sehr viel Erfolg und beschäftigte viele Maler, um seine Konzepte auszuführen. Daher gibt es jede Menge Bilder, bei denen er die Konzeption vorgegeben und zentrale Stellen auch selbst ausgeführt, alles andere aber abgegeben hat. Die Pieta dagegen ist eines seiner letzten (wenn nicht sogar das letzte) WErke, das er eigentlich für sein eigenes Grabmal gedacht hatte. Entsprechend hat er hier so gut wie alles selbst ausgeführt.
Von später Renaissance ist hier so gut wie nichts mehr zu spüren - geradezu modern ist dieses Bild. Ihr müßt Euch mal die Komposition anschauen, wie die Horizontal- und Vertikal-Linien verlaufen. Das ist geradezu genial gemacht. Und auch das Spiel mit dem Licht, das hier wirklich in Perfektion gelungen ist, läßt wirklich erkennen, warum Tizian als Meister des Lichts und der Farbe gehandelt wird.
Zu 2: Dazu gibt's eine hübsche Geschichte: Eigentlich sollte es ein letztes Abendmahl sein, aber die moralische Instanz von Venedig regte sich darüber auf, wie frivol es hier zuginge und verlangte von Veronese, die Figuren teilweise zu übermalen. Veronese benannte daraufhin das Bild anders - und ließ alles, wie es war. Ursprünglich war es für das Refektorium, also den Speisesaal, der Dominikaner-Mönche gedacht - ob die auch so tafeln durften?
Hier sollte man unbedingt das Farb- und GEsichtsspiel betrachten. Die Detailfreude ist nicht ungebremst, sondern rückt auf erstaunliche Weise dne Jesus in den Mittelpunkt. Und die Fortsetzung außerbildlicher ARchitektur in Architektur im Bild ist wirklcih spitze!
Zu 3: Giorgone ist ein Genie gewesen, über den man ganz wenig weiß - nur, dass er im Alter von 30 an der Pest starb. Wer "die Alte" ansieht und sich im Raum der zeitgleich entstandenen Werke anderer Meister umschaut, der begreift, dass dieses Bild in seiner Zeit absolut Furore gemacht ahben muss, weil es so anders ist. Keine Idealisierung, sondern Realismus und Symbolhaftigkeit. Ganz andere Bildstrukturen und Ideen als in den starren Abbildungen der frühen Renaissance-Künstler wie ewta Bellini.
Zu 4: 1, 2 und 4 hängen alle in einem Saal - wohl dem Hauptsaal. Die meisten Tintoretti, die hier hängen, kann man getrost vergessen. Die Errettung des Sklaven aber zeigt Tintorettos großartige Fähigkeiten wirklich prachtvoll. Er war ein Meister dramatischer Bewegung und just das demonstriert er hier. Es stimmt wirklich fast alles - bis hin dazu, dass er geradezu gewagt die Perspektiven verkürzt und damit die Dramatik schürt. Surrealistisch mutet das rechts daneben hängende Bild der Entführung der Gebeine des heligen Markus an - es läßt, finde ich, erkennen, dass El Greco ein Schüler von Tintoretto war.
Wer jetzt noch mag, sollte sich noch den Tizian über der EIngangstüre im alten (holzgetäfelten - daran gut zu erkennen) Versammlungsraum der Scuola (nicht dieser - der gesamte Raum ist von einer anderer Scuola hierher transferiert) anschauen. Dann erkennt man sofort, worin die Unterschiede zur Pieta liegen - dies ist eines der 08/15 Bilder, durchaus kunstvoll komponiert, aber längst nicht so ergreifend.
Die sog. Verduten, also STadtansichten, u.a. eine (schlechte) von Canaletto, kann ich nicht empfehlen. Und die Barock-Künstler sollte man einfach auslassen. In der Accademia finden sich gute Werke aus der Hochzeit der venezianischen MAlerei - und das ist einfach nun mal das 15. und 16. Jhr.
Gelegentlich sollte man - insbesondere in der Eingangshalle - mal einen Blick nach oben werfen. Es finden sich z.T. wunderschöne Kasssettendecken!
Nun noch zu den Preisen und Öffnungszeiten:
Für Studenten bis 27 gibt es eine REduktion bei Vorlage des Studi-Ausweises (Alter wird auch wirklich kontrolliert). Ansonsten kostet's 6 Euro pro Person, inkl. Garderobe und Audioführer. Geöffnet ist's leider nur bis 19 Uhr.
Noch ein Hinweis auf die besten Besuchszeiten: Man sollte 2-3 Stunden einplanen für den Besuch. Da Venedig voller Tagestouristen ist, sollte man entweder bereits morgens um 8 bei den ersten sein, oder aber relativ spät (also ab 16 Uhr) kommen. In den Massenandrang-Zeiten im Sommer kann es vorkommen, dass man länger warten muss, weil maximal 15oo Besucher eingelassen werden. Im März, als wir da waren, war es - egal zu welcher Tageszeit - völlig unproblematisch.
Viel Vergnügen und lasst Euch lieber Peggy Guggenheim als dieses Museum entgehen - Picasso und Miro kann man auch anderswo sehen!
Danke für's Interesse
Eure
Natascha
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-12 09:05:51 mit dem Titel Ganz großes Venedig!
Wer nach Venedig fährt, kann St. Giorgio Maggiore gar nicht übersehen: Wer nämlich vom Markusplatz Richtung Meer schaut (und das tut einfach jeder!), der blickt genau auf diese Kirche.
Eigentlich handelt es sich um ein ehemaliges Kloster, das aber schon seit Jahren nicht mehr als solches fungiert, bzw. nur noch in ganz kleinen Teilen. Vor allem ist es mittlerweile ein Konferenzzentrum geworden, das man für gar nicht so viel Geld mieten kann. Während der Konferenzpausen kann man dann im Kreuzgang lustwandeln...
Das Bemerkenswerte an S. Giogio Maggiore ist aber weniger das Kloster als die Kirche selbst. Und da ist es vor allem der Campanile und die Fassade, die den Touristen anzieht (und zu Recht auch anziehen sollte).
Fangen wir mal mit dem \"Schweren Geschütz\", der Kunstgeschichte, an: Die Bedeutung der Kirche resultiert aus ihrer Fassade und ihrem Innenraum, beide vom Meisterarchitekten der venezianischen Spät-Renaissance Palladio, ausgestaltet.
Palladio hieß eigentlich ganz anders, wurde dann aber wegen seiner Neigung zum Klassizismus, den er im Brenta-Tal in seinen phantastischen Villen auslebte, Palladio von seinen Gönnern genannt. Seine Stilmerkmale lassen sich an S.Giorgio Maggiore wunderbar ablesen. Wobei ich gleich dazusagen muß: Allgemein wird dieses Fassade als das Meisterwerk schlechthin gefeiert. Wer aber das eigentliche Meisterwerk von Palladio sehen will, der sollte entweder das Brenta-Tal per Schiff hinauffahren (und mehrere seiner Villen besichtigen) oder - viel einfacher und direkt um die Ecke - im Stadtviertel Castello die versteckte Kirche S. Stefano aufsuchen: Hier findet sich nämlich der Original-Entwurf zu S.Giorgio Maggiore, an dem Palladio herumprobiert hat, \"was geht\". Beide Fassaden sind sich sehr ähnlich, aber man wird ziemlich bald erfassen, daß S. Stefano noch eine Spur ausgewogener und beeindruckender ist.
Zu Palladios Rechtfertigung muß man aber sagen, daß S.Giorgio Maggiore auch auf Fernwirkung ausgelegt war: Natürlich war den Auftraggebern (dem venezianischen Staat) durchaus bewußt, daß diese Kirche vor allem auch im Ensemble mit dem Markusplatz und -dom zu sehen ist.
Was macht nun die Fassade so besonders? Der Betrachter sollte an der Haltestelle in etwa stehenbleiben und dann einfach nur mal 5 Minuten gucken, gucken, gucken. Und dannv ersuchen, die Gliederung nachzuvollziehen. Da fällt auf, daß einerseits ein griechisch-römischer Tempel angedeutet ist (die aufstrebenden Säulen, das Dach, die Form), andererseits aber mit just diesen Elementen gespielt wird (Durchbrechungen, nur Andeutungen, keine drei-dimensionale Ausgestaltung). Palladio hat hier auf sehr gute Weise eine Harmonie entstehen lassen, die ihresgleichen sucht: Die vertikalen und horizontalen Linien sind ausgewogen, ohne einander zu bedrücken oder gar zu verdrängen. Die Betonung der Vertikalen sorgt dafür, daß der Bau - immerhin eine riesige Fassade! - eher leicht und vor allem nach oben strebend wirkt, statt plump und in die Breite gehend.
Dazu kommt die Auflösung der Flächen: Anders als etwa bei der Barock-Kirche S. Moisé ist die wirklich gelungen. Das große Problem flächiger Architektur ist ja doch meistens, die Flächen nicht als solche penetrant in Erscheinung treten zu lassen. Palladio gelingt dies durch kleine Bänder und Vorsprünge, die trotzdem keinen überladenen Eindruck bewirken oder gar die Linienführung stören würden.
Tritt man nun in die Kirche ein, wird dieser Eindruck erhalten. Wer Brunelleschi aus Florenz kennt, wird vermutlich etwas enttäuscht sein (so ging es mir): Dessen Flächen sind noch klarer und stringenter gegliedert. Andererseits ist Palladio 100 Jahre später und schon ein Vorläufer des Barock. Störend empfinde ich hier nur die große Orgel, die den Blick in den Chor verstellt. Zwar ist sie wirklich kunstvoll in den Bau mit seinen vielerlei Simsen und Säulenformen eingegliedert, beendet aber für meinen Geschmack zu abrupt den Blick in die Kirche.
Ansonsten lockt innen nur noch ein Blick auf die beiden Tintoretto am Altar - vor allem das Abendmahl hat es wirklcih in sich und rechtfertigt eine eigenständige Betrachtung von einiger Dauer. Wie geschickt der Maler hier das Licht einbaut und mit Stellung und Aktion arbeitet, das hat schon wirkliche Größe und läßt (anders als bei vielen anderern seiner Werke, an denen man in Venedig nicht vorbeikommt) wirklich erkennen, warum er als Meistermaler gehandelt wurde und wird.
Damit soll der kunstgeschichtliche Teil auch abgeschlossen sein. Die müden Beine kann man jetzt entspannen - denn alles weitere geht per Aufzug. Der befindet sich im Chor (ach doch, ein Ausflug sei mir noch gestattet - nämlich auf die unglaubliche Schnitzkusnt des Chores bzw. des Chorgestühls - da muß man sich einfach mal die Details anschauen!) auf der linken Seite. Ein Mönch fährt einen nach oben (wobei ich mich frage, ob das ein beliebter Job ist oder - eher meine Ansicht - eine Strafarbeit), höchstens 6 auf einmal.
Oben angekommen, erstreckt sich die Lagune vor einem - und wie! Der Ausblick von hier ist mit demjenigen des Campanile auf dem MArkusplatz nicht zu vergleichen - und um Längen besser! (Und auch noch billiger mit ca. 1.50 €). Denn aufgrund der leicht vorgelagerten Lage von S. Giorgio Maggiore kann man wunderbar die gesamte Lagune und vor allem die Stadt überschauen. Wer ein bißchen Glück hat, kann sogar eines der großen Fährschiffe entlang der Giudecca (einer vorgelagerten Insel) beobachten, wie es in den Hafen von Venedig einfährt - schon beeindruckend, wie diese Riesenkähne sich im Stadtgewirr zurechtfinden!
Wer auf die Spitze der Giudecca schaut, kann dort noch das Cipriano sehen: Das einzige 5*-Hote von Venedig, das nur per Schiff erreichbar ist (und zwar nur dem eigenen Hotelschiff, das bei San Marco ablegt) und über einen Pool verfügt. Und Tennisplätze. Und einen Park. Und und und... Da man dieses Hotel per pedes nicht zu fassen bekommt (es gibt nur einen sehr versteckten Eingang an einer Seite, der nur für\'s Personal da ist), ist dies die ienzige Gelegenheit, etwas davon zu erahnen...
Ein Blick in die andere Richtung läßt einen bei gutem Wetter problemlos bis Torcello und Burano sehen. Aber auch bei diesigem Wetter ist der Lido gut zu erkennen, die Rinne bis zum Flughafen, Murano natürlich, und die vielen kleinen Inselchen, die es in der Lagune sonst noch so gibt.
Ach ja, wie man hierher kommt: Es ist ja schon angeklungen, daß S. Giorgio Maggiore eine eigenständige Insel ist, die neben der Giudecca liegt. Entsprechend ist sie auch nur per Boot (und nicht zu Fuß) erreichbar. Aber auch das ist kein Problem. Eine eigene Haltestelle, die von der 42 angefahren wird (und zwar etwa alle 10 Minuten), macht\'s möglich. Die 42 legt u.a. bei San Zaccaria (also mehr oder weniger direkt vor dem Eingang zum Markusplatz) ab. Ein Einzelticket für Erwachsene kostet 3.5 €, es lohnt sich ohnehin der Erwerb einer Tageskarte (dnen danach sollte man noch zur Giudecca weiterfahren).
Fazit: Genau die richtige Mischung aus Kultur und einfach nur gucken!
Ich bedanke mich für\'s Lesen,
Eure
Natascha
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-14 08:52:21 mit dem Titel Der Palast der Paläste
Venedig - Stadt der Paläste, der Intrigen, der versteckten Ränkespiele, der Masken....und all\' das über den nebligen Wassern der Stadt...Bei diesen Gedanken schlägt das Herz doch höher, und selbst gänzlich prosaische Naturen können hier mehr oder weniger aus dem Stehgreif halbe Romane entwerfen. Schauplatz des Geschehens wäre vermutlich: Die Ca d\'Oro, das goldene Haus, direkt am Canal Grande gelegen und wohl DER Inbegriff venezianischer Palastkunst.... schmacht...
Aber für die sachlicheren Gemüter unter meinen Lesern will ich dann doch etwas mehr in die Details gehen - worum handelt es sich hierbei eigentlich?
Die Ca d\'Oro (\"Haus\" ist dabei wirklich untertrieben und eine lokale BEsonderheit, weil \"Ca\" (venezianisch für Casa) die lokale Bezeichnung für Palast ist - warum die Venezianer, die sonst nicht gerade für Bescheidenheit und Understatement berühmt sind, ausgerechnet hierbei dazu neigen, ist mir schleierhaft) - also, die Ca d\'Oro ist einer DER großen Paläste entlang des Canal Grande, auf mindestens jeder 5. Postkarte abgebildet. Und: Sie ist zu besichtigen, damit man sich einen Eindruck machen kann, wie es in diesen ansonsten hermetisch abgeriegelten und den neugierigen Touri-Blicken strikt entzogenenen Gebäuden eigentlich aussieht/ausgesehen hat. Man muß ja schließlich die Staffage seines Romans kennen...
Sie ist auch unter ernsthaft kunsthistorischen Gesichtspunkten ein echtes Schmankerl. Jedenfalls von außen. Aber da Äußerlichkeiten bekanntlich den Menschen prägen (gilt das auch für Paläste? Oder da erst recht?), fangen wir damit mal an.
Bauzeit war im 15. Jahrhundert - man merkt es. Von der Gotik ist noch jede Menge vorhanden, die Renaissance hat sich noch nicht so recht durchsetzen können (in Venedigs Architektur ohnehin erst später). Von den Strukturmerkmalen ist die Ca d\'Oro so wie viele andere Paläste auch: Großer, repräsentativer Eingang zum Canal hin, der gleichzeitig auch zum ANliefern der Waren in den erdgeschossigen Lagerbereich diente (jedenfalls anfänglich, hinterher wurde hier nur noch gelebt und gefeiert). Ein Pracht-Piano-Nobile mit sog. Loggia im gotischen Bogenstil, darüber noch eine weitere schöne Etage, ein flaches Dach (vermutlich mit DAchterrasse, das ist aber nicht zu erkennen) - und das war\'s schon.
Bemerkenswert ist aber nicht der strukturelle Aufbau, sondern die Ausführung. So sind die gotischen Bögen, die sich angedeutet auch beim Eingang finden, besonders fein ziseliert. Die Verkleidung besteht auch heute noch aus Marmor. Die gesamte Anlage ist ausgesprochen harmonisch und alles andere als protzig (man denke nur an die Ca\' Rezzonico!), vielmehr zart und fein modelliert.
Der Name resultiert aus der früheren Dekoration, die leider von Wind, Wetter und Gezeiten abgewaschen wurde: Da waren nämlich die Marmorplatten mit Gold (Oro = Gold) und allen anderen kostbaren Farben bemalt und verkleidet.
Bevor wir nun eintreten, noch ein Wort zur wechselhaften Geschichte: Nach mehreren Besitzerwechseln landete die Ca d\'Oro schließlich in den Fängen (anders kann man es nicht nennen) einer wildgewordenen Ballerina, deren alternder bzw. sich verabschiedender Liebhaber sich auf diese Weise loskaufte. Sie war ziemlich verschwenderisch und gänzlich stillos veranlagt, weshalb sie als erstes die Intarsien, Säulen, Verkleidungen und sonstigen Prachtstücke abbauen und verschrotten ließ. Ruskin, der damals \"zufällig\" in der Nähe weilte, jammert darüber ziemlich lautstark. Glücklicherweise hat die Diva bald das Interesse (und das Geld) verloren, so daß ein gewisser BAron Franchetti das Gebäude kaufen konnte. Und der war ein Genießer und Kenner und rettete, was zu retten war. Zum Dank steht heute noch seine Sammlung gotischer und Renaissance-Kunst n den Räumen. (Und heißt das Museum so).
Zu erreichen ist die Ca d\'Oro heute nicht mehr per Schiff (es sei denn, man heißt Bill Clinton). Der normale Touri muß von der zwischen Bahnhof und Rialto verlaufenden Haupt-Rennstrecke sorgsam darauf achten, die zum Wasser hin abzweigende Calle Ca d\'Oro nicht zu übersehen (es ist in der Tat ein Mini-Gäßchen, und die Ausschilderung alles andere als schwer zu übersehen). Gleich zu Beginn tut sich eine Seitentüre auf (man kann auch bis zum Wasser laufen und dann feststellen, dass diese SEitentüre wohl der Eingang gewesen sein muß).
Nach Begleichung des Eintritts (ca 4-6 Euro, nicht gerade billig, aber es lohnt sich) kann man gleich in einen ersten Höhepunkt eintreten: Den Hof, der zum Canal Grande hin offen ist. Hier finden sich noch die alten, schönen Böden, die alte Hoftreppe, und man bekommt einen echten Eindruck, wie es gewesen sein muß, hier vom Wasser aus anzulanden.
Der Touri ist aber brav und steigt dann anschließend von innen nach oben, ins Piano Nobile. Hier ifndet sich eine mehr oder weniger schlechte Ausstellung (wie gesagt, Franchetti hat man für anderes zu danken). Hervorhebenswert ist aber eine Statue des Heiligen Sebastian, die unübersehbar günstig platziert ist, sowie ein wirklich gelungenes Portrait von Van Duyk. Rembrandt und Tintoretto, die auch hier stehen, kann man dagegen getrost vergessen; es handelt sich um gänzlich unbedeutende Werke. Wer sich für Münzen, Medaillen und Absonderlichkeiten intersesiert, der mag hier außerdem fündig werden. Allen anderen sei nach dem Blick (und der darf dafür ruhig eingehend sein) auf die beiden Hauptattraktionen von künstlerischer Seite her nurmehr die Architektur gegönnt.
Franchetti hat den alten Zimmer-Aufbau weitgehend wiederhergestellt. Immerhin sind die Decken noch alt, alles andere leider nicht. So hat es früher tatsächlich den längs verlaufenden, großen Salon gegeben, von dem aus dann mehrere kleinere Kammern und Zimmer abzweigten. Am Ende dieser Longhetta dann befindet sich die Loggia mit herrlichem Blick über den Canal.
Über eine aus dem 15. Jhr stammende Treppe (inkl. vorhandener holzwürmer, aber keine Sorge, sie hält durch!) geht\'s dann noch ein Stockwerk höher. Die Räume hier sind noch schmuckloser; aber immerhin bekommt man über die Dachterrasse seitlicher Art hin einen Eindruck davon, wie erstaunlich hell die Räume durch eine geschickte Anlage um Lichthöfe und seitliche Gänge hin gemacht wurden.
Auf gleichem Wege verläßt man die Ca d\'Oro wieder - angesichts der GEschichte und des prachtvollen, ausgewogenen Äußeren angesichts des ernüchternden Inneren schon recht enttäuscht, aber doch um einen Eindruck über die LEbensweise reicher.
Aus diesem Grund sollte man sich diesen Palast wirklich auf seiner Tour durch Venedig gönnen - 2 Stunden sind dafür ausreichend.
Ich bedanke mich für\'s Lesen,
Eure
Natascha
Ein absolutes Muss - vor allen anderen Museen (gerade auch Peggy Guggenheim!) - ist die Galeria dell' Accademia.
Zu finden ist sie sozusagen mit links: Wer vom Markuspltz aus nicht den Schildern Richtung Rialto folgt, sondern denjenigen Richtung "Accademia", stößt automatisch auf die gleichnamige Holzbrücke über den Canal Grande - die südlichste der drei Fußwege über diese Wasserstraße. Dazu geht man auf einer der "Touristen-Rennbahnen" entlang - vorbei an elegantestens Geschäften auf der Straße des 22. März. Es geht aber auch durch verwinkelte Ecken, und gelegentlich sieht man die (noch) Bau-Verhüllte Fassade der Oper La Fenice. Und schließlich kommt man an der Piazza San Stefano vorbei, wo mit Paolin angeblich eine der besten Eisdielen liegen soll - dazu kann ich nur sagen: Finger weg! So schlechtes und teures Eis gibt es in Venedig sonst wohl kaum noch!
Jedenfalls überschreitet man die Holzbrücke (die längst durch eine Stahlkonstruktion unterfangen ist) und schon steht man vor der Galeria dell' Accademia: Ein hohes Backsteingebäude, in dem sich ehemals eine der Scuolen (der wohltätigen Innungsvereinigungen) von Venedig befand. Der Eingang ist etwas weiter rechts, aber problemlos zu finden.
Wer von weiterher kommt, kann auch einfach die Nr.1 der Vaporetti bis "Accademia" nehmen - und landet genau am gleichen Punkt wie die Fußgänger.
In der Accademia selbst verliert sich der Eindruck venezianischer Architektur des 15. und 16. Jhrds ein bißchen, sind doch die Räume ausgesprochen kahl und wenig ansprechend gestaltet. Aus der Flut an Gemälden will ich aber nur die wirklich sehenswerten herausgreifen, die in einer ca 2-3 stündigen "Tour" angesehen und auch innerlich verarbeitet werden können.
Gleich nach dem Treppenaufgang links die Stufen hinauf befindet sich auf der rechten Seite der Saal mit dem Bilderzyklus der heiligen Ursula (aus einer der Scuolen überführt) von Carpaccio. Der gilt als einer der großen frühen Renaissance-Maler von Venedig - bemerkenswert sind aber seine Bilder vor allem wegen der Darstellung des zeitgenössischen Venedigs und der Vorstellungen der Welt. Man betrachte nur London, das regelrecht als barbarisch geschildert wird (C. war nie dort!). Künstlerisch auf ähnlicher Ebene (also vor allem durch das gewählte Motiv interessant) ist der Bellini-Carpaccio-Zyklus der Wunder des heiligen Kreuzes (auch aus einer Scuola stammend). Auc hhier ist viel spannender, wie detailgetreu das damalige Venedig abgebildet wird. Und der Markusdom beispielsweise verfügt heute nur noch über ein einziges der hier dargestellten goldenen Mosaiken, die im ausgehenden Mittelalter geradezu geblendet haben müssen in ihrer Pracht!
Wirklich künstlerisch sehesnwert sind vor allem vier Bilder.
1. Die Pieta von Tizian
2. Das Abendmahl des Levi von Veronese
3. Die Alte von Giorgione
4. Die REttung des Sklaven durch St. Markus von Tintoretto
Zu 1: Tizian hatte - ähnlich wie Rembrandt und Rubens später - sehr viel Erfolg und beschäftigte viele Maler, um seine Konzepte auszuführen. Daher gibt es jede Menge Bilder, bei denen er die Konzeption vorgegeben und zentrale Stellen auch selbst ausgeführt, alles andere aber abgegeben hat. Die Pieta dagegen ist eines seiner letzten (wenn nicht sogar das letzte) WErke, das er eigentlich für sein eigenes Grabmal gedacht hatte. Entsprechend hat er hier so gut wie alles selbst ausgeführt.
Von später Renaissance ist hier so gut wie nichts mehr zu spüren - geradezu modern ist dieses Bild. Ihr müßt Euch mal die Komposition anschauen, wie die Horizontal- und Vertikal-Linien verlaufen. Das ist geradezu genial gemacht. Und auch das Spiel mit dem Licht, das hier wirklich in Perfektion gelungen ist, läßt wirklich erkennen, warum Tizian als Meister des Lichts und der Farbe gehandelt wird.
Zu 2: Dazu gibt's eine hübsche Geschichte: Eigentlich sollte es ein letztes Abendmahl sein, aber die moralische Instanz von Venedig regte sich darüber auf, wie frivol es hier zuginge und verlangte von Veronese, die Figuren teilweise zu übermalen. Veronese benannte daraufhin das Bild anders - und ließ alles, wie es war. Ursprünglich war es für das Refektorium, also den Speisesaal, der Dominikaner-Mönche gedacht - ob die auch so tafeln durften?
Hier sollte man unbedingt das Farb- und GEsichtsspiel betrachten. Die Detailfreude ist nicht ungebremst, sondern rückt auf erstaunliche Weise dne Jesus in den Mittelpunkt. Und die Fortsetzung außerbildlicher ARchitektur in Architektur im Bild ist wirklcih spitze!
Zu 3: Giorgone ist ein Genie gewesen, über den man ganz wenig weiß - nur, dass er im Alter von 30 an der Pest starb. Wer "die Alte" ansieht und sich im Raum der zeitgleich entstandenen Werke anderer Meister umschaut, der begreift, dass dieses Bild in seiner Zeit absolut Furore gemacht ahben muss, weil es so anders ist. Keine Idealisierung, sondern Realismus und Symbolhaftigkeit. Ganz andere Bildstrukturen und Ideen als in den starren Abbildungen der frühen Renaissance-Künstler wie ewta Bellini.
Zu 4: 1, 2 und 4 hängen alle in einem Saal - wohl dem Hauptsaal. Die meisten Tintoretti, die hier hängen, kann man getrost vergessen. Die Errettung des Sklaven aber zeigt Tintorettos großartige Fähigkeiten wirklich prachtvoll. Er war ein Meister dramatischer Bewegung und just das demonstriert er hier. Es stimmt wirklich fast alles - bis hin dazu, dass er geradezu gewagt die Perspektiven verkürzt und damit die Dramatik schürt. Surrealistisch mutet das rechts daneben hängende Bild der Entführung der Gebeine des heligen Markus an - es läßt, finde ich, erkennen, dass El Greco ein Schüler von Tintoretto war.
Wer jetzt noch mag, sollte sich noch den Tizian über der EIngangstüre im alten (holzgetäfelten - daran gut zu erkennen) Versammlungsraum der Scuola (nicht dieser - der gesamte Raum ist von einer anderer Scuola hierher transferiert) anschauen. Dann erkennt man sofort, worin die Unterschiede zur Pieta liegen - dies ist eines der 08/15 Bilder, durchaus kunstvoll komponiert, aber längst nicht so ergreifend.
Die sog. Verduten, also STadtansichten, u.a. eine (schlechte) von Canaletto, kann ich nicht empfehlen. Und die Barock-Künstler sollte man einfach auslassen. In der Accademia finden sich gute Werke aus der Hochzeit der venezianischen MAlerei - und das ist einfach nun mal das 15. und 16. Jhr.
Gelegentlich sollte man - insbesondere in der Eingangshalle - mal einen Blick nach oben werfen. Es finden sich z.T. wunderschöne Kasssettendecken!
Nun noch zu den Preisen und Öffnungszeiten:
Für Studenten bis 27 gibt es eine REduktion bei Vorlage des Studi-Ausweises (Alter wird auch wirklich kontrolliert). Ansonsten kostet's 6 Euro pro Person, inkl. Garderobe und Audioführer. Geöffnet ist's leider nur bis 19 Uhr.
Noch ein Hinweis auf die besten Besuchszeiten: Man sollte 2-3 Stunden einplanen für den Besuch. Da Venedig voller Tagestouristen ist, sollte man entweder bereits morgens um 8 bei den ersten sein, oder aber relativ spät (also ab 16 Uhr) kommen. In den Massenandrang-Zeiten im Sommer kann es vorkommen, dass man länger warten muss, weil maximal 15oo Besucher eingelassen werden. Im März, als wir da waren, war es - egal zu welcher Tageszeit - völlig unproblematisch.
Viel Vergnügen und lasst Euch lieber Peggy Guggenheim als dieses Museum entgehen - Picasso und Miro kann man auch anderswo sehen!
Danke für's Interesse
Eure
Natascha
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-12 09:05:51 mit dem Titel Ganz großes Venedig!
Wer nach Venedig fährt, kann St. Giorgio Maggiore gar nicht übersehen: Wer nämlich vom Markusplatz Richtung Meer schaut (und das tut einfach jeder!), der blickt genau auf diese Kirche.
Eigentlich handelt es sich um ein ehemaliges Kloster, das aber schon seit Jahren nicht mehr als solches fungiert, bzw. nur noch in ganz kleinen Teilen. Vor allem ist es mittlerweile ein Konferenzzentrum geworden, das man für gar nicht so viel Geld mieten kann. Während der Konferenzpausen kann man dann im Kreuzgang lustwandeln...
Das Bemerkenswerte an S. Giogio Maggiore ist aber weniger das Kloster als die Kirche selbst. Und da ist es vor allem der Campanile und die Fassade, die den Touristen anzieht (und zu Recht auch anziehen sollte).
Fangen wir mal mit dem \"Schweren Geschütz\", der Kunstgeschichte, an: Die Bedeutung der Kirche resultiert aus ihrer Fassade und ihrem Innenraum, beide vom Meisterarchitekten der venezianischen Spät-Renaissance Palladio, ausgestaltet.
Palladio hieß eigentlich ganz anders, wurde dann aber wegen seiner Neigung zum Klassizismus, den er im Brenta-Tal in seinen phantastischen Villen auslebte, Palladio von seinen Gönnern genannt. Seine Stilmerkmale lassen sich an S.Giorgio Maggiore wunderbar ablesen. Wobei ich gleich dazusagen muß: Allgemein wird dieses Fassade als das Meisterwerk schlechthin gefeiert. Wer aber das eigentliche Meisterwerk von Palladio sehen will, der sollte entweder das Brenta-Tal per Schiff hinauffahren (und mehrere seiner Villen besichtigen) oder - viel einfacher und direkt um die Ecke - im Stadtviertel Castello die versteckte Kirche S. Stefano aufsuchen: Hier findet sich nämlich der Original-Entwurf zu S.Giorgio Maggiore, an dem Palladio herumprobiert hat, \"was geht\". Beide Fassaden sind sich sehr ähnlich, aber man wird ziemlich bald erfassen, daß S. Stefano noch eine Spur ausgewogener und beeindruckender ist.
Zu Palladios Rechtfertigung muß man aber sagen, daß S.Giorgio Maggiore auch auf Fernwirkung ausgelegt war: Natürlich war den Auftraggebern (dem venezianischen Staat) durchaus bewußt, daß diese Kirche vor allem auch im Ensemble mit dem Markusplatz und -dom zu sehen ist.
Was macht nun die Fassade so besonders? Der Betrachter sollte an der Haltestelle in etwa stehenbleiben und dann einfach nur mal 5 Minuten gucken, gucken, gucken. Und dannv ersuchen, die Gliederung nachzuvollziehen. Da fällt auf, daß einerseits ein griechisch-römischer Tempel angedeutet ist (die aufstrebenden Säulen, das Dach, die Form), andererseits aber mit just diesen Elementen gespielt wird (Durchbrechungen, nur Andeutungen, keine drei-dimensionale Ausgestaltung). Palladio hat hier auf sehr gute Weise eine Harmonie entstehen lassen, die ihresgleichen sucht: Die vertikalen und horizontalen Linien sind ausgewogen, ohne einander zu bedrücken oder gar zu verdrängen. Die Betonung der Vertikalen sorgt dafür, daß der Bau - immerhin eine riesige Fassade! - eher leicht und vor allem nach oben strebend wirkt, statt plump und in die Breite gehend.
Dazu kommt die Auflösung der Flächen: Anders als etwa bei der Barock-Kirche S. Moisé ist die wirklich gelungen. Das große Problem flächiger Architektur ist ja doch meistens, die Flächen nicht als solche penetrant in Erscheinung treten zu lassen. Palladio gelingt dies durch kleine Bänder und Vorsprünge, die trotzdem keinen überladenen Eindruck bewirken oder gar die Linienführung stören würden.
Tritt man nun in die Kirche ein, wird dieser Eindruck erhalten. Wer Brunelleschi aus Florenz kennt, wird vermutlich etwas enttäuscht sein (so ging es mir): Dessen Flächen sind noch klarer und stringenter gegliedert. Andererseits ist Palladio 100 Jahre später und schon ein Vorläufer des Barock. Störend empfinde ich hier nur die große Orgel, die den Blick in den Chor verstellt. Zwar ist sie wirklich kunstvoll in den Bau mit seinen vielerlei Simsen und Säulenformen eingegliedert, beendet aber für meinen Geschmack zu abrupt den Blick in die Kirche.
Ansonsten lockt innen nur noch ein Blick auf die beiden Tintoretto am Altar - vor allem das Abendmahl hat es wirklcih in sich und rechtfertigt eine eigenständige Betrachtung von einiger Dauer. Wie geschickt der Maler hier das Licht einbaut und mit Stellung und Aktion arbeitet, das hat schon wirkliche Größe und läßt (anders als bei vielen anderern seiner Werke, an denen man in Venedig nicht vorbeikommt) wirklich erkennen, warum er als Meistermaler gehandelt wurde und wird.
Damit soll der kunstgeschichtliche Teil auch abgeschlossen sein. Die müden Beine kann man jetzt entspannen - denn alles weitere geht per Aufzug. Der befindet sich im Chor (ach doch, ein Ausflug sei mir noch gestattet - nämlich auf die unglaubliche Schnitzkusnt des Chores bzw. des Chorgestühls - da muß man sich einfach mal die Details anschauen!) auf der linken Seite. Ein Mönch fährt einen nach oben (wobei ich mich frage, ob das ein beliebter Job ist oder - eher meine Ansicht - eine Strafarbeit), höchstens 6 auf einmal.
Oben angekommen, erstreckt sich die Lagune vor einem - und wie! Der Ausblick von hier ist mit demjenigen des Campanile auf dem MArkusplatz nicht zu vergleichen - und um Längen besser! (Und auch noch billiger mit ca. 1.50 €). Denn aufgrund der leicht vorgelagerten Lage von S. Giorgio Maggiore kann man wunderbar die gesamte Lagune und vor allem die Stadt überschauen. Wer ein bißchen Glück hat, kann sogar eines der großen Fährschiffe entlang der Giudecca (einer vorgelagerten Insel) beobachten, wie es in den Hafen von Venedig einfährt - schon beeindruckend, wie diese Riesenkähne sich im Stadtgewirr zurechtfinden!
Wer auf die Spitze der Giudecca schaut, kann dort noch das Cipriano sehen: Das einzige 5*-Hote von Venedig, das nur per Schiff erreichbar ist (und zwar nur dem eigenen Hotelschiff, das bei San Marco ablegt) und über einen Pool verfügt. Und Tennisplätze. Und einen Park. Und und und... Da man dieses Hotel per pedes nicht zu fassen bekommt (es gibt nur einen sehr versteckten Eingang an einer Seite, der nur für\'s Personal da ist), ist dies die ienzige Gelegenheit, etwas davon zu erahnen...
Ein Blick in die andere Richtung läßt einen bei gutem Wetter problemlos bis Torcello und Burano sehen. Aber auch bei diesigem Wetter ist der Lido gut zu erkennen, die Rinne bis zum Flughafen, Murano natürlich, und die vielen kleinen Inselchen, die es in der Lagune sonst noch so gibt.
Ach ja, wie man hierher kommt: Es ist ja schon angeklungen, daß S. Giorgio Maggiore eine eigenständige Insel ist, die neben der Giudecca liegt. Entsprechend ist sie auch nur per Boot (und nicht zu Fuß) erreichbar. Aber auch das ist kein Problem. Eine eigene Haltestelle, die von der 42 angefahren wird (und zwar etwa alle 10 Minuten), macht\'s möglich. Die 42 legt u.a. bei San Zaccaria (also mehr oder weniger direkt vor dem Eingang zum Markusplatz) ab. Ein Einzelticket für Erwachsene kostet 3.5 €, es lohnt sich ohnehin der Erwerb einer Tageskarte (dnen danach sollte man noch zur Giudecca weiterfahren).
Fazit: Genau die richtige Mischung aus Kultur und einfach nur gucken!
Ich bedanke mich für\'s Lesen,
Eure
Natascha
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-14 08:52:21 mit dem Titel Der Palast der Paläste
Venedig - Stadt der Paläste, der Intrigen, der versteckten Ränkespiele, der Masken....und all\' das über den nebligen Wassern der Stadt...Bei diesen Gedanken schlägt das Herz doch höher, und selbst gänzlich prosaische Naturen können hier mehr oder weniger aus dem Stehgreif halbe Romane entwerfen. Schauplatz des Geschehens wäre vermutlich: Die Ca d\'Oro, das goldene Haus, direkt am Canal Grande gelegen und wohl DER Inbegriff venezianischer Palastkunst.... schmacht...
Aber für die sachlicheren Gemüter unter meinen Lesern will ich dann doch etwas mehr in die Details gehen - worum handelt es sich hierbei eigentlich?
Die Ca d\'Oro (\"Haus\" ist dabei wirklich untertrieben und eine lokale BEsonderheit, weil \"Ca\" (venezianisch für Casa) die lokale Bezeichnung für Palast ist - warum die Venezianer, die sonst nicht gerade für Bescheidenheit und Understatement berühmt sind, ausgerechnet hierbei dazu neigen, ist mir schleierhaft) - also, die Ca d\'Oro ist einer DER großen Paläste entlang des Canal Grande, auf mindestens jeder 5. Postkarte abgebildet. Und: Sie ist zu besichtigen, damit man sich einen Eindruck machen kann, wie es in diesen ansonsten hermetisch abgeriegelten und den neugierigen Touri-Blicken strikt entzogenenen Gebäuden eigentlich aussieht/ausgesehen hat. Man muß ja schließlich die Staffage seines Romans kennen...
Sie ist auch unter ernsthaft kunsthistorischen Gesichtspunkten ein echtes Schmankerl. Jedenfalls von außen. Aber da Äußerlichkeiten bekanntlich den Menschen prägen (gilt das auch für Paläste? Oder da erst recht?), fangen wir damit mal an.
Bauzeit war im 15. Jahrhundert - man merkt es. Von der Gotik ist noch jede Menge vorhanden, die Renaissance hat sich noch nicht so recht durchsetzen können (in Venedigs Architektur ohnehin erst später). Von den Strukturmerkmalen ist die Ca d\'Oro so wie viele andere Paläste auch: Großer, repräsentativer Eingang zum Canal hin, der gleichzeitig auch zum ANliefern der Waren in den erdgeschossigen Lagerbereich diente (jedenfalls anfänglich, hinterher wurde hier nur noch gelebt und gefeiert). Ein Pracht-Piano-Nobile mit sog. Loggia im gotischen Bogenstil, darüber noch eine weitere schöne Etage, ein flaches Dach (vermutlich mit DAchterrasse, das ist aber nicht zu erkennen) - und das war\'s schon.
Bemerkenswert ist aber nicht der strukturelle Aufbau, sondern die Ausführung. So sind die gotischen Bögen, die sich angedeutet auch beim Eingang finden, besonders fein ziseliert. Die Verkleidung besteht auch heute noch aus Marmor. Die gesamte Anlage ist ausgesprochen harmonisch und alles andere als protzig (man denke nur an die Ca\' Rezzonico!), vielmehr zart und fein modelliert.
Der Name resultiert aus der früheren Dekoration, die leider von Wind, Wetter und Gezeiten abgewaschen wurde: Da waren nämlich die Marmorplatten mit Gold (Oro = Gold) und allen anderen kostbaren Farben bemalt und verkleidet.
Bevor wir nun eintreten, noch ein Wort zur wechselhaften Geschichte: Nach mehreren Besitzerwechseln landete die Ca d\'Oro schließlich in den Fängen (anders kann man es nicht nennen) einer wildgewordenen Ballerina, deren alternder bzw. sich verabschiedender Liebhaber sich auf diese Weise loskaufte. Sie war ziemlich verschwenderisch und gänzlich stillos veranlagt, weshalb sie als erstes die Intarsien, Säulen, Verkleidungen und sonstigen Prachtstücke abbauen und verschrotten ließ. Ruskin, der damals \"zufällig\" in der Nähe weilte, jammert darüber ziemlich lautstark. Glücklicherweise hat die Diva bald das Interesse (und das Geld) verloren, so daß ein gewisser BAron Franchetti das Gebäude kaufen konnte. Und der war ein Genießer und Kenner und rettete, was zu retten war. Zum Dank steht heute noch seine Sammlung gotischer und Renaissance-Kunst n den Räumen. (Und heißt das Museum so).
Zu erreichen ist die Ca d\'Oro heute nicht mehr per Schiff (es sei denn, man heißt Bill Clinton). Der normale Touri muß von der zwischen Bahnhof und Rialto verlaufenden Haupt-Rennstrecke sorgsam darauf achten, die zum Wasser hin abzweigende Calle Ca d\'Oro nicht zu übersehen (es ist in der Tat ein Mini-Gäßchen, und die Ausschilderung alles andere als schwer zu übersehen). Gleich zu Beginn tut sich eine Seitentüre auf (man kann auch bis zum Wasser laufen und dann feststellen, dass diese SEitentüre wohl der Eingang gewesen sein muß).
Nach Begleichung des Eintritts (ca 4-6 Euro, nicht gerade billig, aber es lohnt sich) kann man gleich in einen ersten Höhepunkt eintreten: Den Hof, der zum Canal Grande hin offen ist. Hier finden sich noch die alten, schönen Böden, die alte Hoftreppe, und man bekommt einen echten Eindruck, wie es gewesen sein muß, hier vom Wasser aus anzulanden.
Der Touri ist aber brav und steigt dann anschließend von innen nach oben, ins Piano Nobile. Hier ifndet sich eine mehr oder weniger schlechte Ausstellung (wie gesagt, Franchetti hat man für anderes zu danken). Hervorhebenswert ist aber eine Statue des Heiligen Sebastian, die unübersehbar günstig platziert ist, sowie ein wirklich gelungenes Portrait von Van Duyk. Rembrandt und Tintoretto, die auch hier stehen, kann man dagegen getrost vergessen; es handelt sich um gänzlich unbedeutende Werke. Wer sich für Münzen, Medaillen und Absonderlichkeiten intersesiert, der mag hier außerdem fündig werden. Allen anderen sei nach dem Blick (und der darf dafür ruhig eingehend sein) auf die beiden Hauptattraktionen von künstlerischer Seite her nurmehr die Architektur gegönnt.
Franchetti hat den alten Zimmer-Aufbau weitgehend wiederhergestellt. Immerhin sind die Decken noch alt, alles andere leider nicht. So hat es früher tatsächlich den längs verlaufenden, großen Salon gegeben, von dem aus dann mehrere kleinere Kammern und Zimmer abzweigten. Am Ende dieser Longhetta dann befindet sich die Loggia mit herrlichem Blick über den Canal.
Über eine aus dem 15. Jhr stammende Treppe (inkl. vorhandener holzwürmer, aber keine Sorge, sie hält durch!) geht\'s dann noch ein Stockwerk höher. Die Räume hier sind noch schmuckloser; aber immerhin bekommt man über die Dachterrasse seitlicher Art hin einen Eindruck davon, wie erstaunlich hell die Räume durch eine geschickte Anlage um Lichthöfe und seitliche Gänge hin gemacht wurden.
Auf gleichem Wege verläßt man die Ca d\'Oro wieder - angesichts der GEschichte und des prachtvollen, ausgewogenen Äußeren angesichts des ernüchternden Inneren schon recht enttäuscht, aber doch um einen Eindruck über die LEbensweise reicher.
Aus diesem Grund sollte man sich diesen Palast wirklich auf seiner Tour durch Venedig gönnen - 2 Stunden sind dafür ausreichend.
Ich bedanke mich für\'s Lesen,
Eure
Natascha
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