Volks- und Brauchtum Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von campino

Lichterglanz und Gänsebraten

Pro:

Ein schöner Brauch, der vor allem den Kids Freude macht.

Kontra:

nein, kein Kontra

Empfehlung:

Ja

Alle Kinder lieben den St.-Martins-Abend, denn dann geht in vielen Städten und Ortschaften der Martinszug los. Die Kinder tragen mit Stolz ihre meist selbst gebastelten Laternen singend durch die Straßen.

Woher kommt aber dieser Brauch?

Martin hieß eigentlich Martinus und stammte aus einer Offiziersfamillie. Damit war sein Berufsweg vorgezeichnet. Im Alter von 15 Jahren begann seine Offiziersausbildung. Geboren wurde er um 316 im heutigen Ungarn.
Der römische Kaiser Constantin sandte ihn nach Frankreich, um genauer zu sein in die Gegend von Amiens.

Die Legende beschreibt, dass er eines Winterabends auf die Stadt zuritt, deren Stadttore geschlossen waren. An der Stadtmauer scheute sein Pferd, der Grund war, aus dem Dunkel tauchte ein Bettler auf, der bittend die Arme nach Martinus ausstreckte.
Martinus tat der Mann leid. Er hatte seinen dicken Soldatenmantel an und der Bettler sah aus, als wäre er schon beinahe erfroren.
Kurz entschlossen nahm er sein Schwert und teilte sein Gewand in zwei Hälften. Eine Hälfte gab er dem Bettler.
Als Martinus nachts auf seinem Lager lag hatte er einen Traum. Ihm war, als sähe er, der Ungetaufte, Jesus mit der Hälft seines Mantels. Er hörte eine Stimme die sagte: Der ungetaufte Martinus hat mir diesen Mantel gegeben.

Dieser Traum brachte Martinus ins Grübeln. Er begann sich mit dem Christentum zu beschäftigen, legte die Soldatenkleider ab und ließ sich taufen. Bald darauf wurde er zum Priester geweiht. Nach Jahren als Priester wurde er am 4. Juli 372 zum Bischof von Tours geweiht.
Martinus war es auch, der das erste Kloster Europas gründete. Er starb am 8. November 397 und wurde am 11. November beigesetzt.

Die Sitte zu St. Martin Laternenumzüge zu veranstalten, hat zum großen Teil die früher zum selben Anlass stattgefundenen Martinsfeuer abgelöst. Das Licht soll ein Symbol sein, wie es die gute Tat des Martinus war. Aber auch bei diesem Brauch vermischt sich Christliches mit Heidnischem. Um die gleiche Zeit fand nämlich auch das germanische Wintersonnwendfest statt, bei dem ein großes Feuer angezündet wurde um den Sommer zu verbrennen. Das Feuer war als Zeichen für die Unwiederbringlichkeit dieses Zeitabschnittes zu verstehen.

Dann haben wir noch die Martinsgans, die traditionell am 11. November verspeist wird. Eine Erzählung sagt, Martinus habe sich, als er zum Bischof geweiht werden sollte, aus Bescheidenheit im Gänsestall versteckt, die Gänse hätten ihn aber durch ihr Geschnatter verraten.
Wahrscheinlicher ist folgende Variante. Der Name Martin geht auf Mars, den römischen Kriegsgott zurück. In der Mythologie wird Mars oft in Begleitung von Gänsen dargestellt. Da Martinus ursprünglich Offizier war, wurde auch ihm die Gans zugeordnet.

Diesen Teil des Berichtes habe ich aus meinen Unterlagen gekramt. Ich habe als die Erstkommunion meiner ältesten Tochter anstand, Kommunionunterricht erteilt. Im Rahmen dieses Unterrichtes habe ich zusammen mit den Kindern die Geschichte ihres jeweiligen Namenspatrons aufgeschrieben. Ein Martin war zwar nicht dabei, aber eine Martina.

Der Laternenumzug

...ist für die Kleinen, zumindest so lange sie im Kindergartenalter sind, immer wieder ein Erlebnis.
Dabei haben sollte man auf jeden Fall Streichhölzer oder Feuerzeug und Ersatzkerzen. Teelichter eignen sich nicht als Leuchtobjekt, da das Wachs flüssig wird und dann beim Laufen die Flamme löscht. Die Kinder halten ja die Laternen nicht stocksteif. Da wird auch mal gerannt und gewackelt und ab und zu wird auch die Laterne selbst ein Raub der Flammen.

Es gibt auch Leuchtstäbe, die mittels einer Batterie betrieben werden. Das entfällt natürlich die Abbrenngefahr, aber meine Erfahrung zeigt das die Dinger oft einen Wackelkontakt haben, die Laterne lässt sich nicht beleuchten und Tränen beim Kind sind vorprogrammiert. Dann doch lieben auf die althergebrachte Art: Mit Kerze.

Warm anziehen und Handschuhe tragen ist obligatorisch, denn am 11. November ist es normalerweise ganz schön kalt. Anhand von Fotos der zurückliegenden Jahre weiß ich, das oft auch schon Schnee gelegen hat.

Bei uns lief der Laternenumzug in den letzten Jahren so ab: Wir liefen mit den Kindern vom Kindergarten ausgehend in Richtung Davosweg (ein Weg, der am Fluß entlang führt mit breiten Grünauen). An einer bestimmten Stelle angekommen wurde ein Martinsfeuer enfacht und dann kam St. Martin auf seinem Pferd und verteilet Dampedeis (Hefegebäck in Form einer menschlichen Figur).
Anschließend ging es nach Hause zum Gänsebraten, der während der \"Umzugszeit\" friedlich im Backofen vor sich hin brutzelte.
Je nachdem wie das Wetter ist, tun auch ein bis mehrere Glühweinchen gut. Für die Kinder natürlich als alkoholfreier Fruchtpunsch. Und, beim Essen steht mindesten eine Martinslaterne auf dem Tisch.

So, jetzt wünsche ich allen, die in diesem Jahr mit ihren Kindern losziehen: Viel Spaß beim Laternenumzug...
....und Guten Appetit!

68 Bewertungen, 4 Kommentare

  • XXLALF

    28.07.2010, 10:19 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    und ganz liebe grüße

  • misscindy

    31.12.2008, 00:59 Uhr von misscindy
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich wünsche einen guten Rutsch ins neue Jahr, lg Sylvia

  • manu63

    22.01.2008, 14:08 Uhr von manu63
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg manu63

  • hjid55

    27.01.2007, 15:31 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & lg Sarah