Der Nachbar (gebundene Ausgabe) / Minette Walters Testbericht
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Erfahrungsbericht von mickey73
Der Mann von nebenan
Pro:
spannend, fesselnd, actiongeladen, sozialkritisch
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Ja
Immer dankbar für neues Lesefutter stehe ich in Kontakt mit so manchem Bücherwurm. Wir Bücherwürmer tauschen immer schön fleißig unser Futter aus, damit auch jeder satt wird. So bekam ich das Buch von Minette Walters „Der Nachbar“ von der Freundin meines Bruders, die zu der Riege der Bücherwürmer gehört und mit der ich immer wieder gern mein Futter teile.
Einband
Bei dem Buch handelt es sich um ein Taschenbuch, auf dessen Vorderseite neben dem Titel des Buches und dem Name der Autorin ein pinkes Haus abgebildet ist. Auf der Rückseite befindet sich eine kurze Inhaltsangabe und ein Zitat aus der Zeitschrift „Freundin“ zu dem Buch.
Die Autorin
Minette Walters wurde 1949 in Bishop’s Stortford, Hertfordshire, geboren und studierte Literatur an der Durham Universität, England. Sie arbeitete als Redakteurin eines Frauenmagazins in London. Ihr erster Roman war „Im Eishaus“, welcher sofort ein Bestseller wurde. Darauf folgte noch einiges mehr an Bestsellern. Sie bekam für ihre Romane eine Vielzahl von Auszeichnungen, darunter der Edgar-Allan-Poe-Preis.
Minette Walters ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und den zwei Söhnen in Hampshire, England.
Inhalt
Bassindale Estate ist eine Wohnsiedlung für sozialschwache Familien in der Nähe von Southampton, auch „Acid Row“ genannt. Auf dicht gedrängtem Raum sammelt sich dort alles, was stark am Existenzminimum lebt: Drogen- und Alkoholsüchtige, Arbeitslose etc. Betreut werden diese Menschen von dem Nightingale Health Centre, des Sozial- und Gesundheitsdienstes. Die Sozialarbeiter/innen müssen sich den unterschiedlichsten Problemen stellen und wissen oftmals mit ihrer Frustration nicht umzugehen. So kommt es, dass die frustrierte Fay Baldwin, Betreuerin des Gesundheitsdienstes und kurz vor der Rente stehend, wutentbrand gegenüber einer zu betreuenden Person, Melanie Patterson, äußert, dass ein Pädophiler in die Siedlung gezogen ist und sie doch deshalb besser auf ihre beiden Kinder aufpassen soll. Diese Information war geheim zu halten und hätte Fay niemals über die Lippen kommen dürfen.
Diese Information die Runde und verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der Siedlung. Zur selben Zeit verschwindet die kleine Amy Biddulph. Sofort wird der Pädophile dafür verantwortlich gemacht und schnell ist den Menschen klar, dass es sich bei dem Pädophilen nur um die neu dazugezogenen handeln kann: den Hollis (die aber eigentlich Zelowski heißen), einem alten Mann und seinem Sohn. Der eigentliche Pädophile ist der Sohn, Nicholas.
Melanie Patterson organisiert einen Protestmarsch zu dem Haus der Hollis, dem sich jedoch nicht nur besorgte Eltern anschließen, sondern auch aggressive, gewalttätige Menschen, die diesen Protestmarsch nutzen, ihren Aggressionen freien Lauf zu lassen.
Kurz vorher wird die Ärztin Sophie Morrison zu dem Haus der Hollis gerufen, weil der alte Mann einen Asthma-Anfall hat. Während sich bereits vor dem Haus die Menschen versammeln, befindet sie sich noch im Haus. Kurze Zeit später fliegen auch schon die ersten Steine durch die Fenster und Sophie Morrison ist eingeschlossen mit dem alten Mann, der äußerst aggressiv und durchtrieben ist, und dem sehr verschüchterten pädophilen Sohn. Sie wird von ihnen als Geisel gehalten.
Vor der Tür spitzt sich die Lage immer weiter zu. Mittlerweile ist die Menge auf mehrere tausend Leute angewachsen. In der Siedlung geht es weder vor noch zurück. Es ist wie in einem Hexenkessel. Die Ausgänge der Siedlung wurden durch Blockaden der Protestierenden abgeriegelt, so dass die Polizei auch nicht hineinkommt. Schon bald werden die ersten Molotow-Cocktails geworfen.
Während dessen macht sich die Polizei auf die Suche nach der kleinen Amy Biddulph und schon bald tun sich erste Spuren auf, was mit ihr geschehen ist und wo sie sich aufhält. Schnell wird klar, dass der Fall Amy Biddulph nicht in die Bassindale Estate führt.
Meine Meinung zum Buch
Da ist der Autorin ein echtes Meisterwerk gelungen. Sie verbindet sozialkritische Gesichtspunkte mit kriminalistischen Faktoren und mixt dieses zu einem Molotow-Cocktail der Meisterklasse.
In einzelne Kapitel strukturiert wandert sie zwischen den Schauplätzen wie z. B. dem Sozial- und Gesundheitsdienst, den Geschehnissen um Amy Biddulph und der Situation in der Siedlung hin und her und gibt dem Leser dadurch einen Überblick über sämtliche Geschehnisse. So weiß der Leser zu jeder Zeit, wo was passiert und bekommt den vollen Informationsstand.
Der Roman ist zweigeteilt: einmal der sozialkritische Teil, der sich auf das Bassindale Estate beläuft und dann der kriminalistische Teil um Amy Biddulph. Wer diesen Roman liest, der liest an sich zwei Romane in einem.
Minette Walters geht sehr detailliert auf alle Geschehnisse ein und gibt dem Leser dadurch ein gewisses Einfühlungsvermögen für den Sozialenbrennpunkt in Form der Wohnsiedlung als auch für das Verschwinden der kleinen Amy und alles was damit verbunden ist.
Auch den moralischen Gesichtspunkt lässt sie nicht außen vor. Da ist ein Pädophiler, der aus der Gesellschaft ausgeschlossen lebt, kaum zu integrieren ist, mit dem niemand etwas zu tun haben will und der dann letztlich auch noch ein Opfer der Menschen ist, die Selbstjustiz üben. Obwohl er seine Strafe bereits abgesessen hat und der Tatbestand der Pädophilie anders liegt, als sonst üblich, ist er trotz allem ein Ausgestoßener der Gesellschaft und bleibt es auch. Auch der Hintergrund, warum der Pädophile so ist, wie er ist und was zu seinem Tun geführt hat, wird von der Autorin gut und für jedermann begreiflich dargestellt.
Der Roman spiegelt die Angst der Menschen wieder, die letztlich in der Selbstjustiz eskaliert und das töten wollen, was sie fürchten. Aber auch wie schamlos die Angst der Menschen von eh schon zur Gewalttätigkeit neigenden Menschen ausgenutzt wird und diese dann alle anderen mitreißen.
Auch schildert sich detailliert die Bauweise solcher Ghettos für sozialschwache Menschen und wie falsche Stadtentwicklung und Stadtplanung in solchen Situationen dann zur Todesfalle werden können.
Der Roman ist extrem spannend und fesselnd geschrieben und macht es dem Leser schwer ihn mal aus der Hand zu legen. In jedem Kapitel passiert etwas, was die Geschichte vorantreibt und oftmals zu einer Gänsehaut beim Leser führt. Am Ende ist man überrascht, was es wirklich mit Amy Biddulph auf sich hat und was mit ihr geschehen ist. Andererseits ist man über das, was in der Bassindale Estate abläuft regelrecht entsetzt.
Fazit
Ein actiongeladener, sozialkritischer Roman, den es sich unbedingt lohnt zu lesen.
Sonstiges
ISBN 3-442-45715-7
Preis: 9,95 EUR
www.goldmann-verlag.de
Weitere Romane von Minette Walters
Das Echo
In Flammen
Im Eishaus
Die Bildhauerin
Die Schandmaske
und viele weitere
Einband
Bei dem Buch handelt es sich um ein Taschenbuch, auf dessen Vorderseite neben dem Titel des Buches und dem Name der Autorin ein pinkes Haus abgebildet ist. Auf der Rückseite befindet sich eine kurze Inhaltsangabe und ein Zitat aus der Zeitschrift „Freundin“ zu dem Buch.
Die Autorin
Minette Walters wurde 1949 in Bishop’s Stortford, Hertfordshire, geboren und studierte Literatur an der Durham Universität, England. Sie arbeitete als Redakteurin eines Frauenmagazins in London. Ihr erster Roman war „Im Eishaus“, welcher sofort ein Bestseller wurde. Darauf folgte noch einiges mehr an Bestsellern. Sie bekam für ihre Romane eine Vielzahl von Auszeichnungen, darunter der Edgar-Allan-Poe-Preis.
Minette Walters ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann und den zwei Söhnen in Hampshire, England.
Inhalt
Bassindale Estate ist eine Wohnsiedlung für sozialschwache Familien in der Nähe von Southampton, auch „Acid Row“ genannt. Auf dicht gedrängtem Raum sammelt sich dort alles, was stark am Existenzminimum lebt: Drogen- und Alkoholsüchtige, Arbeitslose etc. Betreut werden diese Menschen von dem Nightingale Health Centre, des Sozial- und Gesundheitsdienstes. Die Sozialarbeiter/innen müssen sich den unterschiedlichsten Problemen stellen und wissen oftmals mit ihrer Frustration nicht umzugehen. So kommt es, dass die frustrierte Fay Baldwin, Betreuerin des Gesundheitsdienstes und kurz vor der Rente stehend, wutentbrand gegenüber einer zu betreuenden Person, Melanie Patterson, äußert, dass ein Pädophiler in die Siedlung gezogen ist und sie doch deshalb besser auf ihre beiden Kinder aufpassen soll. Diese Information war geheim zu halten und hätte Fay niemals über die Lippen kommen dürfen.
Diese Information die Runde und verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der Siedlung. Zur selben Zeit verschwindet die kleine Amy Biddulph. Sofort wird der Pädophile dafür verantwortlich gemacht und schnell ist den Menschen klar, dass es sich bei dem Pädophilen nur um die neu dazugezogenen handeln kann: den Hollis (die aber eigentlich Zelowski heißen), einem alten Mann und seinem Sohn. Der eigentliche Pädophile ist der Sohn, Nicholas.
Melanie Patterson organisiert einen Protestmarsch zu dem Haus der Hollis, dem sich jedoch nicht nur besorgte Eltern anschließen, sondern auch aggressive, gewalttätige Menschen, die diesen Protestmarsch nutzen, ihren Aggressionen freien Lauf zu lassen.
Kurz vorher wird die Ärztin Sophie Morrison zu dem Haus der Hollis gerufen, weil der alte Mann einen Asthma-Anfall hat. Während sich bereits vor dem Haus die Menschen versammeln, befindet sie sich noch im Haus. Kurze Zeit später fliegen auch schon die ersten Steine durch die Fenster und Sophie Morrison ist eingeschlossen mit dem alten Mann, der äußerst aggressiv und durchtrieben ist, und dem sehr verschüchterten pädophilen Sohn. Sie wird von ihnen als Geisel gehalten.
Vor der Tür spitzt sich die Lage immer weiter zu. Mittlerweile ist die Menge auf mehrere tausend Leute angewachsen. In der Siedlung geht es weder vor noch zurück. Es ist wie in einem Hexenkessel. Die Ausgänge der Siedlung wurden durch Blockaden der Protestierenden abgeriegelt, so dass die Polizei auch nicht hineinkommt. Schon bald werden die ersten Molotow-Cocktails geworfen.
Während dessen macht sich die Polizei auf die Suche nach der kleinen Amy Biddulph und schon bald tun sich erste Spuren auf, was mit ihr geschehen ist und wo sie sich aufhält. Schnell wird klar, dass der Fall Amy Biddulph nicht in die Bassindale Estate führt.
Meine Meinung zum Buch
Da ist der Autorin ein echtes Meisterwerk gelungen. Sie verbindet sozialkritische Gesichtspunkte mit kriminalistischen Faktoren und mixt dieses zu einem Molotow-Cocktail der Meisterklasse.
In einzelne Kapitel strukturiert wandert sie zwischen den Schauplätzen wie z. B. dem Sozial- und Gesundheitsdienst, den Geschehnissen um Amy Biddulph und der Situation in der Siedlung hin und her und gibt dem Leser dadurch einen Überblick über sämtliche Geschehnisse. So weiß der Leser zu jeder Zeit, wo was passiert und bekommt den vollen Informationsstand.
Der Roman ist zweigeteilt: einmal der sozialkritische Teil, der sich auf das Bassindale Estate beläuft und dann der kriminalistische Teil um Amy Biddulph. Wer diesen Roman liest, der liest an sich zwei Romane in einem.
Minette Walters geht sehr detailliert auf alle Geschehnisse ein und gibt dem Leser dadurch ein gewisses Einfühlungsvermögen für den Sozialenbrennpunkt in Form der Wohnsiedlung als auch für das Verschwinden der kleinen Amy und alles was damit verbunden ist.
Auch den moralischen Gesichtspunkt lässt sie nicht außen vor. Da ist ein Pädophiler, der aus der Gesellschaft ausgeschlossen lebt, kaum zu integrieren ist, mit dem niemand etwas zu tun haben will und der dann letztlich auch noch ein Opfer der Menschen ist, die Selbstjustiz üben. Obwohl er seine Strafe bereits abgesessen hat und der Tatbestand der Pädophilie anders liegt, als sonst üblich, ist er trotz allem ein Ausgestoßener der Gesellschaft und bleibt es auch. Auch der Hintergrund, warum der Pädophile so ist, wie er ist und was zu seinem Tun geführt hat, wird von der Autorin gut und für jedermann begreiflich dargestellt.
Der Roman spiegelt die Angst der Menschen wieder, die letztlich in der Selbstjustiz eskaliert und das töten wollen, was sie fürchten. Aber auch wie schamlos die Angst der Menschen von eh schon zur Gewalttätigkeit neigenden Menschen ausgenutzt wird und diese dann alle anderen mitreißen.
Auch schildert sich detailliert die Bauweise solcher Ghettos für sozialschwache Menschen und wie falsche Stadtentwicklung und Stadtplanung in solchen Situationen dann zur Todesfalle werden können.
Der Roman ist extrem spannend und fesselnd geschrieben und macht es dem Leser schwer ihn mal aus der Hand zu legen. In jedem Kapitel passiert etwas, was die Geschichte vorantreibt und oftmals zu einer Gänsehaut beim Leser führt. Am Ende ist man überrascht, was es wirklich mit Amy Biddulph auf sich hat und was mit ihr geschehen ist. Andererseits ist man über das, was in der Bassindale Estate abläuft regelrecht entsetzt.
Fazit
Ein actiongeladener, sozialkritischer Roman, den es sich unbedingt lohnt zu lesen.
Sonstiges
ISBN 3-442-45715-7
Preis: 9,95 EUR
www.goldmann-verlag.de
Weitere Romane von Minette Walters
Das Echo
In Flammen
Im Eishaus
Die Bildhauerin
Die Schandmaske
und viele weitere
37 Bewertungen, 1 Kommentar
-
08.04.2006, 23:15 Uhr von swissflyer
Bewertung: sehr hilfreichSH and a nice weekend, Patrik ;)
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