Wave Race 64 (N64 Spiel) Testbericht

Wave-race-64-n64-spiel
ab 10,16
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

5 Sterne
(6)
4 Sterne
(1)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von Art_Decay

Plitsch Platsch

Pro:

ein kurzweiliges Rennvergnügen mit innovativem Wellenfeature

Kontra:

nur 2-Spieler-Modus, kaum freischaltbare Extras, schwache Musik, keine Einzelrennen gegen die CPU, fehlender RumblePak-Support

Empfehlung:

Ja

Was gibt es schöneres, als nach einem langen, anstrengenden Tag in fremde Welten einzutauchen, sich fallen zu lassen, mal kurz den grauen Alltag „da draußen“ in die hinteren Ecken des Bewusstseins zu verdrängen und sich ganz und gar der digitalen Videospielewunderwelt hinzugeben? Wenig, sehr wenig. Allerdings plagt mich dabei des öfteren eine recht amüsante Aversion – ich hasse Wasser in Videospielen. Ich kann schwimmen, dusche mich regelmäßigst und mich plagen auch keinerlei traumatische Kindheitserlebnisse, Sommertags bin ich gar gelegentlich im Freibad auszumachen. Aber wie furchtbar war es damals bei „Half-Life“, in diese widerlich dreckige Brühe einzutauchen, und wie ungern habe ich die Unterwasserlevel bei „Mario 64“ – nein, eigentlich bei so ziemlich jedem Spiel mit Unterwasserlevels – hinter mich gebracht. Wasser in Videospielen sollte wirklich verboten werden, liebe Bundesprüfstelle, es macht aggressiv und fördert unsoziales Verhalten (in Form von lautem Geschrei spät in der Nacht, ausgelöst durch einen weiteren pitschnassen Tod durch elendiges Absüppeln). Ach, wie ich Wasser hasse!

Und nun zwingt mich ein einziges Spiel zum totalen Widerruf des eben Gesagten. Wasser ist toll, plitsch platsch! Die Schuld ist wohl bei Shigeru Miyamoto - dem geistigen Vater von Super Mario und von Link, dem Helden der Zelda-Reihe - zu suchen, der anno 1996 pünktlich zum Launch des N64 ein Rennspiel auf den Markt warf, das grafisch beeindruckend, spielerisch angenehm simpel und auf lange Zeit motivierend war und immer noch ist – „Wave Race 64“. Im Gegensatz zu anderen Rennspielen geht es hier weder über Asphalt noch über Stock und Stein, stattdessen braust man mit Jetskis übers Wasser, was eine völlig neue Fahrphysik mit sich bringt. Doch first things first...

„Wave Race 64“ bietet insgesamt vier Spielmodi. Im Meisterschaftsmodus gilt es, gegen CPU-Gegner eine bestimmte Anzahl Rennen zu bestreiten, möglichst gut abzuschneiden und am Ende (hoffentlich) ganz oben auf dem Siegertreppchen zu stehen. Drei Schwierigkeitsstufen stehen zur Auswahl, wobei jede nächsthöhere Stufe erst einmal freigeschaltet werden muss, indem man in der darunter liegenden Stufe den ersten Platz belegt. Zudem wird mit jeder neuen Schwierigkeitsstufe ein weiterer Rennparcours freigeschaltet. Insgesamt gibt es 9 verschiedene Rennstrecken, anfangs muss man sich jedoch mit 6 begnügen. Die Strecken spielen sich untereinander sehr verschieden; da gibt es alles vom simplen Rundparcours bis hin zu verschlungener Streckenführung zwischen großen Schiffen hindurch. Aus vier Fahrern mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen darf man wählen, bei Bedarf auch noch den Jetski leicht modifizieren – was mir völlig ausreicht.

Der zweite Modus ist das „Time Trial“, ein Einzelrennen ohne CPU-Gegner, bei dem lediglich die Zeit gestoppt und auf dem Modul gespeichert wird. Nicht sehr aufregend, aber ideal zum Üben. Interessanter und fordernder ist da schon der „Stunt Modus“; hier muss innerhalb einer recht knapp bemessenen Zeitspanne eine gewisse Anzahl von Ringen durchfahren werden. Jeder durchfahrene Ring bringt Punkte, und wenn man es tatsächlich schafft, beim Durchfahren eines Rings ganz besonders doof rumzuhampeln (darum also „Stunt Modus“), gibt es Extrapunkte. Die „Stunts“ selbst sind recht einfach durchzuführen, für einen Kopfstand auf dem Jetski – ich frage mich ernsthaft, wie man solche Dummheiten kommt – tippt man einfach kurz den Stick nach vorne und zieht in wieder zurück et voilà. Das Ganze mach einigermaßen Spaß, bringt aber auch nicht viel mehr.

Weiterhin gibt es natürlich noch einen Mehrspielermodus. Dieser enttäuscht leider ein wenig, denn zum einen können hier nur menschliche Kontrahenten gegeneinander antreten, zum anderen werden auch nur Einzelrennen ohne CPU-Konkurrenz gefahren. Keine Meisterschaft, nichts dergleichen. Dennoch – zu zweit um die Pole Position zu ringen macht auch Spaß.

Grafisch überzeugt das Spiel trotz seines hohen Alters von nunmehr sieben Jahren – quasi ein Jahrhundert in der Spieleindustrie – immer noch. Schöne Effekte, wunderbar anzusehendes Wasser und vor allem eine konstant hohe Framerate machen „Wave Race“ zu einem Genuss. Die Musik kann da leider nicht mithalten, es ist diese Art von Musik, die man beim Spielen überhaupt nicht wahrnimmt und die restlos enttäuscht, wenn man einmal wirklich darauf achtet. Wie gut, dass man sie sonst nicht wahrnimmt...

Die Steuerung ist denkbar einfach und schon nach wenigen Sekunden in ihren Grundzügen erlernt. Das beherrschen der verschiedenen Stunts erfordert einige Übung, ebenso diverse Feinheiten, die vor allem in den höheren Schwierigkeitsstufen der Meisterschaft vonnöten sind. Aber auch die lernt man mit der Zeit. Leider unterstützt das Spiel das RumblePak nicht, auf die schicken ich-knall-vor-die-Bande-und-meine-Hand-fällt-mir-ab-Effekte muss wohl oder übel verzichtet werden. Faszinierend und darum auch erwähnenswert ist die Integration der Wellen ins Gameplay. Wer auf Wellen reitet, wird schneller, wer gegen sie anfährt, wird aufgehalten. Man kann sie als Basis für einen gewagten Sprung nutzen oder unter ihnen durchtauchen – es ist einfach genial und macht den Reiz des Spiels aus, den ständig wechselnden Seegang zu seinem Vorteil zu nutzen... zudem sorgen die ein jedes Mal aufs neue berechneten Wellen dafür, dass kein Rennen wie das andere ist. Wasser ist doch toll.

Zu guter Letzt bleibt mir nichts anderes übrig, als einem jeden Besitzer eines N64 – kommt aus Euren Verstecken, ich weiß, dass Ihr da seid! – eine klare Kaufempfehlung auszusprechen. „Wave Race 64“ ist ein kurzweiliger Rennspaß für zwischendurch, der natürlich nicht durch äußerste Langzeitmotivation brilliert, sondern durch das simple, aber innovative Gameplay immer mal wieder zwischendurch Spaß macht. Der ausgewogen ansteigende Schwierigkeitsgrad fordert Gelegenheitsspieler ebenso wie Profizocker.

Ich habe mein „Wave Race“ originalverpackt für mickrige 4,- € bei eBay ersteigert, über den Preis sollte sich niemand beschweren können.


Thomas Faust, 28.05.2003 (diese Rezension ist auch bei www.ciao.com erschienen, dort allerdings unter dem Mitgliedsnamen TFaust99)

13 Bewertungen