Wellensittich Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Futterkosten:  sehr gering
  • Pflegeaufwand:  gering
  • Spielbereitschaft:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von Hanni64

Ein lustiger Geselle!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Liebe Leser und vor allem, liebe Tierfreunde!


Vor kurzem kam es mir in den Sinn einen Bericht über Wellensittiche zu schreiben.
Warum?
Nun, ich habe zwar seit 9 Jahren keine Wellensittiche mehr, hatte aber bis dahin ständig einen gefiederten Piepmatz um mich.
Meinen ersten Wellensittich bekam ich als Kind im Alter von 9 Jahren.
Zum Leidwesen meiner Mutter.
Mein Vater hatte auch eine Leidenschaft für Vögel, Nager, Katzen und vor allem Hunde. Vor allem mein Großvater züchtete Kanarienvögel. Ein „Vogel“ wurde mir also buchstäblich in die Wiege gelegt.

Als ich 18 Jahre alt war, besuchte ich zusammen mit meiner Freundin eine Vogelausstellung in Augsburg und verliebte mich dort über beide Ohren. Nicht was Ihr denkt! Nein! In ein 8 Wochen altes Wellensittichmännchen. Er war ein Standart – Wellensittich (erkläre ich später) und hatte eine kräftige hellgrüne Farbe und eine lilafarbene Schwanzfeder.
Den brachte ich mit nach Hause. Einen Käfig hatten wir ja noch.

Meine Mutter war natürlich nicht so begeistert, doch nach kurzer Zeit hatte „Jimmy“ es geschafft. Er brachte sie sogar soweit, dass sie ihm einen riesengroßen Käfig kaufte. Der arme Kerl brauchte doch ein schönes Zuhause!
Obwohl man Wellensittiche nicht einzeln halten sollte, bekam er zuerst keine Gesellschaft., außer der Familie und unserem Collie – Weibchen Kessi.
Auf die war Jimmy ganz verrückt. Er saß bei ihr auf dem Rücken oder zwischen den Ohren auf dem Kopf, oder sogar auf ihren Vorderpfoten. Hin und wieder passierte es, dass sie ihn abschleckte, wobei er dann immer eine nasse Brust hatte und schimpfend in seinen Käfig flog.
Gefährlich war es nur, wenn er auf ihrem Rücken saß und sie nach draußen wollte. Er wäre Huckepack mit ihr in den Garten gegangen.
Nach ca. 3 Monaten begann er zu „bellen“. Er machte unsere Kessi nach. Dann kamen die ersten Worte wie: Kessi, Bazi, Buali, komm, Bussi, böser, Jimmy.
Ich muss aber dazu sagen, dass ich nie die Absicht hatte ihm das Sprechen beizubringen. Er war nur immer bei mir, wenn ich zu Hause war und natürlich sprach ich immer mit ihm. Er saß sogar während ich badete, auf dem Alibertspiegel und quasselte.
Später plapperte er die Sätze nach, die ich immer zu ihm sagte:

„Du bist ein böser Bazibuali“
„Jimmy gib Bussi“
„Ja spinnst denn Du“
„Schatzi komm“
und dann kamen auch solche Sätze raus:

„Jimmybuali du bist ein böser Bus, gib Schatzi komm du böser wau!“

Das ist wirklich war.
Als ich einmal einen Versicherungsvertreter bei mir hatte und gerade unterschreiben wollte tönten aus Jimmy`s Käfig folgende Töne: „ Ja spinnst denn du?“
Dieser war dann sichtlich erstaunt.

Als ich dann zu Hause auszog, nahm ich meinen Piepmatz natürlich mit. Er war aber jetzt den ganzen Tag alleine und er tat mir leid. Also bekam er ein etwas älteres Weibchen dazu. Ich bekam sie von einem Züchter, bei dem sie ihren Dienst wohl getan hatte. Jimmy hörte nicht zu sprechen auf, das wäre mir auch egal gewesen, Hauptsache er fühlte sich wohl. Er war anscheinend viel mehr der Meinung er müsse ihr durch schöne Worte und Geflüster imponieren. Mit Hingabe kraulte er sie am Hals und da kamen manchmal die tollsten Sätze, wie: Schatzbuali komm gib Bussi, du böser Bazibuali!“ Das war immer wieder schön anzusehen.

Irgendwann ergab es sich dann, dass ich noch 2 Sittiche aus schlechter Haltung dazu nahm und hatte somit 4 von dieser Sorte.

Ich mache es kurz: Jimmy überlebte die anderen 3 Vögel und er bekam wieder einen neuen Gesellen dazu. Fast 1 Jahr danach starb er dann auf meiner Schulter unter meinen Haaren, wo er auch Abends beim Fernsehen immer saß. Vielleicht sagen jetzt viele, das war ja nur ein Vogel, aber für mich war das eine sehr schmerzhafte Erfahrung, die aber leider zum Leben gehört.

Den anderen Wellensittich der ja wieder alleine war, nahm meine Freundin zu sich, sie wollte sich zwei zulegen und der „Micky“ war schon mehr als handzahm. Doch er hatte ein sehr lautesOrgan und ich mittlerweile ein Baby, somit tat sie mir einen Gefallen und ich sehe ihn ab und zu. Er lebt übrigens noch in Gesellschaft und ist mittlerweile auch schon 11 Jahre alt.

Jetzt aber zu den Wellensittichen allgemein!


Wie leben diese Vögel in freier Wildbahn!
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Ihre Heimat ist Australien.
Der freilebende Wellensittich ist dort etwas größer als ein Spatz und wiegen etwa 30g. Insgesamt erreicht er Größe bis zu etwa 20cm. Auch ist er in der Farbe sehr dezent. Es gibt ihn dort überwiegend in einem olivfarbenem Grünton, der Rücken und die Flügel sind schwarz – braun gestreift. Es wurden auch vereinzelt gelbe oder blaue Sittiche gesehen. Sie haben aber in der freien Wildbahn auf Grund dieser grellen Farben keine hohen Überlebungschancen.
Auch wenn man sagt, Australien sei ein wahres Vogelparadies, so ist es keineswegs für die Vögel immer paradiesisch.
Das Verbreitungsgebiet der Vögel liegt in Zentralaustralien in riesigen Trockengebieten.
Die Tierfilmer Arendt und Schweiger berichteten, dass jährlich ein Massensterben auftritt. Nicht zuletzt, dass die Tiere die Nähe von Farmen aufsuchen um dort die Tränken der Herden zu benützen. Das ist oft eine tödliche Falle für sie. Ein Farmer musste einmal 5 Tonnen toter Tiere aus einer Rindertränke fischen.
Die Tiere legen lange Strecken zurück um an Wasser zu gelangen. Die Rindertränken werden oft künstlich angelegt und haben natürlich einen steilen und glatten Rand, dass die Vögel mit ihrem nassen Gefieder nicht mehr die Kraft haben aus der Tränke zu fliegen.
Sie ernähren sich von Gräsern und Samen was bei anhaltender Trockenzeit sehr schwierig wird. Deshalb ziehen sie ständig weiter.

Die Lust am Vermehren vergeht ihnen allerdings nicht. Die Männchen werden schon mit 4 Monaten geschlechtsreif.
Das Weibchen legt zwischen 4 und 8 Eier während einer Brutperiode. Sie brüten in Baumhöhlen und verwenden dabei kein Nistmaterial. Es kommt auch vor, dass sie sogar in Erdlöchern brüten, denn hohle Bäume sind auch in Australien nicht so zahlreich vorhanden.
Das Männchen versorgt während der Brutzeit sein Weibchen sehr liebevoll mit Futter.
Natürlich gibt es in freier Wildbahn auch Feinde. Besonders der Baumfalke erbeutet oft Tiere, die sich in Bäumen ausruhen oder am Boden sitzen, oder der Fleischervogel, der die Jungen aus der Höhle zieht und frisst.
Ebenso lauert die Gefahr bei Reptilien. Schlangen kriechen in die Höhle und können ein ganzes Gelege vernichten.

Die Vögel fliegen oft in so großen Schwärmen, dass oft sich oft der Horizont verdunkelt.
Das hat natürlich große Vorteile. Sie finden leichter Futterquellen und können sich durch Warnlaute besser vor Feinden schützen. Es wird auch vermutet, dass besonders Falken in einem Schwarm leichter die Orientierung verlieren.

Nun aber zu unseren Hausgenossen
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Zunächst mal muss man wissen, dass ein Wellensittich oft schreit, und vor allem auch viel Dreck hinterlässt.
Nicht nur aus dem Käfig wirbeln ständig Körnchen und Federn, sondern überall wo er sitzt „verliert“ er schon mal ein kleines Häufchen.
Sie nagen gerne Papier an und man muss ständig auf der Hut sein, dass sie nicht durch ein gekipptes Fenster entwischen, oder sich eine Gefahrenquelle begeben.
Dazu gehören:
- Wassergläser
- gefüllte Spülbecken
- offene Schränke oder Schubladen
- Vergiftungen durch Chemikalien
- Drahtgitter
- Wollfäden (Erdrosselung)
- Dagegen fliegen an Glasscheiben
- Hängen bleiben in Gardienen
- heiße Herdplatten
- Nikotinrauch
- Menschliche Nahrung
- Papierkörbe
- Zugluft

Man sollte seinem Vogel schon Freiflug gewähren und deshalb darauf achten, dass er sich nicht verletzen kann.Es ist auch sehr wichtig den Käfig wöchentlich zu säubern, da sich sonst schnell Milben und Bakterien bilden können.

Wie verhält sich aber ein Wellensittich?
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Die Wellensittiche lieben es, sich gegenseitig am Kopf und am Nacken zu kraulen.
Wie schon erwähnt fühlen sie sich nur in Gesellschaft wohl. Ich machte zu Beginn auch diesen Fehler.
Wenn sich ein Wellensittich wohl fühlt, dann sitzt er mit aufgepusterten Federn und schläfrigen Augen auf seiner Stange oder besonders gerne auf einer Schaukel. Meistens mit einem Füßchen, das andere zieht er gerne unter seine Federn.

Sein Käfig sollte bitte nicht zu klein sein. Als Sitzstangen finde ich die handelsüblichen Kunststoffstangen zwar leicht zu reinigen, aber für die Krallen sind sie weniger gut. Besser eignen sich Zweige oder kleine Äste, die verschiedene Stärken haben. Ein Kalkstein ist wichtig für das Abwetzen des Schnabels. Ob Spiegel oder nicht, darüber streiten sich die Geister, meine hatten einen und der war immer heiß umkämpft. Ich gab ihnen auch einen kleinen Ball mit einer Kugel darin, den sie mit Vorliebe umherwarfen.
Man sollte auch das Futter nicht in Schälchen auf den Boden stellen. Es verdreckt sehr schnell. Besser eignen sich dafür Futter und Getränkeautomaten. Es sollte auch für Abwechslungsreiche Kost gesorgt sein. Besonders gerne fressen sie gekeimte Körner.
Man legt einfach normale Vogelkörner in etwas Wasser und lässt sie keimen. Das kommt gut an.
Löwenzahnblätter und Spitzwegerich verschmähen sie auch nicht.


Mit Salat war ich vorsichtig, das meine davon Durchfall bekamen, außerdem badeten sie in einem nassen Salatblatt mit Vorliebe.
Äpfel, Erdebeeren, Hirse, etwas Karotten und vor allem Zwieback mit Eigelb und etwas Quark vermischt liebten meine besonders. Ansonsten ist das handelsübliche Vogelfutter für diese Vögel nicht schlecht.

Von Zusätzen wie Sprechperlen oder Honigperlen halte ich nicht viel.
Lieber mal eine Knabberstange in den Käfig hängen. Man sollte es auch den Vögeln nicht zu einfach machen. Sie können sich ruhig mal anstrengen um an Leckerchen zu kommen.

Die Krallen sind auch so ein Thema.
Grundsätzlich gilt: Je öfter man die Krallen schneidet, desto schneller wachsen sie nach.
Bei Älteren Tieren muss man es hin und wieder machen. Sie wetzen sie nicht mehr so schnell ab, da sie auch ruhiger werden. Mit einer speziellen Zange geht es ganz gut. Man lernt schnell wo die Blutbahnen beginnen.
Wenn die Krallen zu lang sind, kann der Vogel nicht mehr so gut auf den Stangen sitzen und bleibt auch beim Klettern im Käfig hängen.

Ach ja: Einen Wellensittichkäfig erkennt man daran, dass die Kitterstäbe waagerecht angebracht sind, damit sie auch klettern können. Bei anderen Käfigen sind sie senkrecht angebracht.

Den Unterschied zwischen Männchen und Weibchen kann man erst nach ca. 3 Monten gut erkennen. Die Hornschicht am oberen Schnabelende ist bei den Männchen blau bis violett und bei den Weibchen immer bräunlich.
Wenn man nicht züchten möchte, ist das aber nicht so wichtig, ob Männchen oder Weibchen. Meistens kommen sie sehr gut miteinander aus.

Wichtiger, besonders für Kinder, ist wohl die Frage, welche Farbe man aussucht.
Da sind die Geschmacksrichtungen sehr unterschiedlich und für jeden ist was dabei.
Weiße Albinos, gelbe, grün – gelbe, blau – weiße, gescheckte, alles was die Natur an Farbspielen zulässt, und vor allem die Züchter zulassen!

Es gibt sie auch in verschiedenen Größen. Der Standart Wellensittich ist ca.2 cm größer als der Normale, dadurch auch schwerer und kein so guter Flieger.
Bei ihnen ist Freiflug besonders wichtig, damit sie nicht zu träge und übergewichtig werden.
Sie sind auch etwas teurer als die normalen.
Ich glaube man bekommt einen Wellensittich mittlerweile ab 25.—DM.

Auch Krankheiten können auftreten.
Besonders wenn sie menschliche Nahrung zu sich nehmen kann das schnell den Verdauungsapparat durcheinander bringen.
Es kann vor allem bei Weibchen zu Legenot kommen. Verstopfung oder Durchfall können auftreten.
Auch vor der Papageienkrankheit sind sie nicht geschützt und ohne Sauberkeit im Käfig nisten sich Milben in das Gefieder ein.
Häufiger jedoch treten Augenentzündungen auf.
Hervorgerufen werden diese durch Küchendunst, übermäßigen Nikotinqualm oder Zugluft.
Mein Jimmy hatte das einmal und ich habe es mit Augentrosttee, den ich mehrmals täglich mit einem Wattebausch ihm auf das Auge betupfte, wieder gut hinbekommen. Es gibt aber auch Augentropfen speziell dafür.

Einen kranken Wellensittich erkennt man schnell an seinem Sitzverhalten.
Er liegt mit dem Bauch auf der Stange und atmet schwer. Erste Maßnahmen sind Infra-Rot-Licht Bestrahlungen. Auch den Gang zum Tierarzt sollte man nicht scheuen.

Meinen Jimmy hatte es einmal schwer mit einer Verdauungsstörung erwischt. Er lies das Köpfchen und die Flügel hängen und atmete sehr schwer.
Ich brachte ihn zum Tierarzt und er wollte ihn einschläfern. Zum Glück verneinte ich. Mit Aufbauspritzen und Tropfen erholte er sich wieder und plapperte noch einige Jahre vergnügt seine Sätze.
Wie es sich später rausstellte hatte er von einem Leberkäse geknabbert.

Ich glaube ich habe jetzt alles Erwähnenswerte berichtet.
Falls Ihr Euch für den Kauf eines Wellensittiches entscheidet, informiert bitte ausgiebig über diese lustigen Gesellen. Beachtet, dass sie Lärm und Dreck verursachen, aber auch ganz witzige Kerlchen sind.

Ich möchte mich für Eure Ausdauer bedanken, aber über diese Tierchen könnte ich ewig erzählen.

*Eure Hanni64*

23 Bewertungen, 5 Kommentare

  • Ilenia

    07.04.2002, 13:02 Uhr von Ilenia
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich hatte auch lange Wellensittiche und später auch eine kleine Zucht, leider mußte wir die wegen eines Umzuges in eine kleine Wohnung abgeben.:-( Vielleich werde ich mir wieder ein paar kaufen wenn unser Hund etwas größer ist und ic

  • anonym

    07.04.2002, 12:59 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schöner und ausführlicher Bericht :)

  • kasmodiah

    07.04.2002, 12:59 Uhr von kasmodiah
    Bewertung: sehr hilfreich

    hatte auch mal welche

  • seehuhn

    07.04.2002, 12:57 Uhr von seehuhn
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wenn du Lust hast, kannst du dir ja mal meinen Bericht über Wellensittiche ansehen. Hab auch so einen kleinen Piepmatz names Puck. Übringes: Sehr guter Bericht.

  • magicgott

    07.04.2002, 12:54 Uhr von magicgott
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schöner Bericht.