Erfahrungsbericht von LeaofRafiki
Bitt‘re Medizin - Pfui Teufel *spuck‘s aus*
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
So oder so ähnlich antwortet mehr oder minder freundlich die eine oder andere Katze ihrem Menschen, wenn er es wagen sollte zu versuchen, ihr ungeliebte Medikamente zu verabreichen. Leider leider leider sind unsere lieben vierpfotigen Hausgenossen ja nicht mit guten Worten, geschweige denn logischen Erklärungen davon zu überzeugen, ihre Medizin freiwillig zu nehmen und so muß man sich einiges einfallen lassen, um sie auszutricksen.
Nun ist ja Medizin (oder Medikament) nicht gleich Medizin, sondern wird in verschiedenen Darreichungsformen angeboten. Daher werde ich, selten genug, meinen Text auch entsprechend gliedern.
Also da wären:
Tabletten, Pasten, Tinkturen und Pülverchen zum Einnehmen
Puder und Salben zum Auftragen sowie, aber nur für die geübtesten,
Injektionen und Infusionen (die man, bei entsprechender Anleitung selbst auch s.c., also sub cutan (auf deutsch „unter die Haut\") spritzen kann.
1. EINZUNEHMENDE MEDIKAMENTE:
Ich kenne kaum eine Katze, die es nicht haßt wie die Pest, wenn ihr etwas ins Mäulchen gestopft wird, was sie nicht selber aufschlecken mag. Pillen und Tabletten werden in hohem Bogen wieder ausgespuckt, das Auflecken jedwelcher Tinkturen wird verweigert und Pülverchen auf dem Futter fungieren als Stoppsignal...
Aber was sein muß, muß sein, also ran an den Speck bzw. an die Katz!
1.1 TABLETTEN
Die goldene Regel lautet: je kleiner, desto wahrscheinlicher ist die freiwillige Aufnahme
Generell allerdings es nun so, daß viele Arzneistoffe bitter schmecken und normalerweise die Geschmacksnerven durch eine Umhüllung, sei es der „Lack\" bei sogenannten Filmtabletten, oder die Gelatine einer Kapsel, vor diesen geschützt sind. Auch gibt es bestimmte Medikamente, die sich erst im Magen oder noch später, in einem bestimmten Darmabschnitt auflösen und ihre Wirkstoffe frei setzen sollen, weshalb sie nicht ohne weiteres zerkleinert oder von ihrer Umhüllung befreit werden können. Bevor man also nun mit einem Hammer, einem scharfen Messer oder dem Mörser ans Werk geht, bitte erst beim Tierarzt nachfragen, ob das bei diesem Medikament angebracht ist!
Hat der Tierarzt das Zerkleinern einer Tablette gestattet, kann man nun im ersten Angang versuchen, diese der Katze „unterzujubeln\". Möglichkeiten dazu wären:
1.1.1 Die Tablettenstückchen werden unter‘s Futter gemischt
Dies funktioniert natürlich nur bei Dosenfutter! Plietsche Katzen „riechen\" aber den Verrat und verweigern oft das Fressen. Hier wäre mein Tip, es mit der allerersten Mahlzeit des Tages zu versuchen, wenn die Katze recht hungrig ist. - Wie aber schon oben erwähnt, setzen viele Medikamente Bitterstoffe frei und wenn die Katze die Büchse der Pandora nicht gleich im ersten Anlauf schluckt, kann man den Inhalt des Napfes in aller Regel der Mülltonne überantworten...
Am besten geeignet für diesen Versuch ist Futter, das eine leberwurstartige Konsistenz hat (wie z.B. Iams, Hills oder Precept), fingerfertige Menschen können aber auch versuchen, ein Bröckchen (Happen in Gelee) entsprechend zu präparieren. Überhaupt haben präparierte Bröckchen den Riesenvorteil, daß man kontrollieren kann, ob es gefressen wurde oder nicht, was zu Methode Numero zwei führt:
1.1.2 Die Tablettenstückchen werden in ein Leckerlie verpackt
Jede/r kennt seine Katze am besten und weiß, worauf sie total abfährt. Meine Frieda z.B. liebte lange Zeit Leberwurst mit Schnittlauch, weshalb immer eine extra für sie im Kühlschrank lag. Andere Katzen mögen einen Teelöfel Quark, oder ein kleines Stückchen Weichkäse, aber auch Schinken oder Lachsschnitzer (vorsicht, salzig!), werden nicht links liegengelassen.
Meiner Erfahrung nach ist es am besten, wenn ein so präpariertes Leckerlie quasi als Sahnehäubchen auf‘s Futter kommt, wenn man Glück hat, ist es als erster Happen verspeist.
A propos Sahne. Es gibt immer wieder den Tip, Tablettenstückchen in einen Klecks Schlagsahne zu stecken, aber ich hab damit keine guten Erfahrungen gemacht. Die meisten meiner Katzen merkten, daß da von der Konsistenz her was nicht stimmte, schleckten die Sahne weg und ließen die Stückchen entweder liegen oder spuckten sie wieder aus.
1.1.3 „Kurz und (hoffentlich) schmerzlos\"
Ist die Katze nicht gewillt, die Pille freiwillig zu schlucken, muß man mehr oder weniger (sanfte) Gewalt anwenden. Hierzu greift man sich die Katze, postiert sie so vor sich, daß sie einem weder ausbüxen noch einen beißen (oder kratzen) kann, im einfachsten Fall wird sie mit einem festen Nackengriff gehalten, im schlimmsten Fall in ein Handtuch gewickelt, so daß nur noch das Köpfchen raus schaut und nun der Kopf ganz leicht und vorsichtig etwas nach hinten gebogen. (Bzw. beim Nackengriff angehoben, so daß sich die Kehle etwas streckt und der Kopf nach oben zeigt.) Mit Daumen und Zeigefinger kann man nun leicht in die hinteren Mundwinkel fassen/drücken, so daß - wiederum im besten Fall - das Mäulchen aufgeht. Nun flink die Tablette hinten auf den Zungengrund legen, das Mäulchen schließen, zuhalten und die Kehle massieren. Dadurch wird der Schluckreflex ausgelöst und mit Glück ist sie tatsächlich auf dem Weg in den Magen, die Pille.
Mir hat bei einer solchen Gelegenheit meine Prinzessin Swantje mal einen Zeigefingernagel perforiert, ich hatte ihn nicht schnell genug wieder raus gezogen... Wie zur Strafe ist er ihr diesen Sommer ausgefallen *bösegrins*
Für solche Fälle werden auch im Handel sogenannte Pillengeber angeboten. Diese sehen aus wie eine Einmalspritze, nur daß sie vorne eine kleine Zange haben, in die man die Tablette steckt, die sich öffnet, wenn man den Kolben hineindrückt. Ich halte aber von diesen Dingern nichts, denn das harte Plastik kann den Lippen/Mundwinkeln weh tun oder gar den Gaumenverletzen, da man kein Gefühl mehr dafür hat, wie weit man das Teil in den Katzenkopf schieben darf.
1.1.4 „In Wasser auflösen\"
Es gibt manche Medikamente, die darf man in Wasser oder einer anderen Flüssigkeit, die die Katze mag, auflösen. Generell ist dies bei allen homöopathischen Mitteln möglich, wenn die Katze die Globuli (das sind diese kleinen Milchzuckerkügelchen, die mit der wirkstoffhaltigen Lösung besprüht wurden) partout immer wieder ausspuckt oder sonstwie verweigert.
Hier bietet es sich an, die vorbereitete Medikamentenlösung mit einer kleinen Einmalspritze zu 1 ml aufzuziehen, sich die Katze wie unter 1.1.3 beschrieben, zu greifen, und ihr die Flüssigkeit ins Mäulchen zu spritzen. Ohne Kanüle selbstverständlich! Aber Achtung, nicht zu viel auf einmal ins Mäulchen geben, sonst läuft es entweder rechts und links wieder raus oder aber die Katze verschluckt sich - und rennt schnell wie der Blitz davon, wenn sie das nächst Mal eine Spritze sieht.
Soviel zu Tabletten und Pillen...
Generell empfiehlt es sich, sich vom Tierarzt immerein paar mehr mitgeben zu lassen als man für die eigentliche Behandlung braucht, denn es klappt nicht immer im ersten Versuch.
1.2. PASTEN
Hier wären zweierlei Pasten zu unterscheiden. Einmal solche, die runtergeschluckt werden sollen und jene, die im Mäulchen verbleiben sollen.
1.2.1 „hmmm lecker!\"
Sind die meisten Pasten, die als Nahrungsergänzung gegeben werden (sollen), wie zusätzliche Vitamine, Astronautenkost (Calopet, Nutrical, Nutriplus) aber auch harnansäuernde Pasten (Uropet) oder Beruhigungsmittel (Sedalin). Hier achten die meisten Medikamentenhersteller (Bayer, Virbac, Chassot etc) meist schon darauf, daß sie gut schmecken und die Akzeptanz bei den Tieren groß ist.
Solche Pasten nun kann man entweder über‘s Futter geben, oder aber, wie ich es mache, als Leckerchen auf die Fingerspitze geben und ablecken lassen. Meine Katzen sind so auf Leckerlie-Paste trainiert, daß ich es auch wagen kann, ihnen mal etwas anderes anzubieten ;-) Bei heiklen Pasten mische ich sie vorher mit einem Streichholz o.ä. in der hohlen Hand mit der Leckerliepaste und lasse sie es dann aufschlecken.
Erst wenn all das nicht hilft, heißt es wieder, wie unter 1.1.3, sich die Katze schnappen und ihr die Paste in die Mundwinkel streichen. Einiges wird sie dann zwar wieder raussabbern, aber ein gewisser Teil landet doch im Magen.
Manchmal hilft es auch, ein kleinsTück Paste der Katze auf die Pfote oder ins Fell zu schmieren, wo sie es sich, da sie immer bestrebt ist, sich sauber zu halten, von alleine ableckt. Klappt das nicht, hat man allerdings ein Problem, denn die meisten Pasten sind sehr fetthaltig und zäh, sprich sie verkleben das Fell und nach einigen Versuchen ist man geneigt, die Katze Baden zu wollen, aber das ist ein anderes Thema ;-)
„ihhhhh bäääääh\"
Sind meist Pasten, die echte Medikamente sind, z.B. Gingisan gegen Zahnfleischentzündungen. Diese sollten (!) mit dem Zeigefinger (Vorsicht Reißzähne!) auf das wunde Zahnfleisch aufgetragen und evtl. leicht einmassiert werden. Wer das nicht vorher mit einer schmerzfreien Katze geübt hat, sollte sich doch evtl. überlegen, Dauergast bei seinem Tierarzt zu werden...
1.3 TINKTUREN
Tinkturen zum Eingeben/Einnehmen sind meist homöopathischer Natur und werden entweder von einem Tierheilpraktiker oder aber einem naturheilkundlich geschulten Tierarzt verordnet. Hier sollte man generell darauf achten, daß es sich nicht um alkoholische Lösungen handelt (wie sie meist in der Humanmedizin angeboten werden), da die Katzenleber Alkohol schlecht bis gar nicht abbauen kann. Wenn es also der Geldbeutel zuläßt, sollte man sich lieber eine 10 ml. Injektionsampulle mitgeben lassen, bei der die Wirkstoffe in einer Art Kochsalzlösung gelöst sind, und diese dann tropfenweise verabreichen. Wahlweise kann man aber auch einige Tropfen eine Weile an der Luft stehen lassen, so daß der Alkohol verfliegt.
Am besten werden sie in einem (Unter)Tellerchen mit flüssiger Sahne, Katzenmilch oder ganz dünn angerührtem Katzenfutterbrei serviert.
Her empfehle ich dringend, dies separat zu tun, also nicht über‘s normale Futter träufeln, denn wenn die Katze es verweigert, ist es nur noch reif für die Biotonne.
Manchmal ist es auch einen Versuch wert, der Katze die Lösung ins Fell oder auf die Pfote zu tropfen, im Gegensatz zu Pasten verkleben sie wenigstens nicht das Fell, trocknen aber schnell auf und das war‘s dann...
Bei hartnäckigen Verweigerern ist nur wieder die unter 1.1.3 und 1.1.4 beschrieben „sanfte Gewalt\"-Methode angesagt, bei der man die Lösung mit einer Einmalspritze direkt ins Mäulchen gibt.
1.4 PULVER oder TRITURATION
Auch hier wieder erstmal die Unterscheidung zwischen Pulvern, die angerührt werden müssen (wie z.B. Bactisel HK gegen Durchfall o.ä.) und homöopathischen Triturationen (d.h. Milchzuckerverreibungen, also eine Vorstufe dessen, was später in Tablettenform gepresst wird).
Anzurührende Pulver, tja, da hat man nur die Wahl, den Brei (oder die dickflüssige Pampe) seiner Katze anzubieten in der Hoffnung, daß sie sie freiwillig aufschleckt, oder wie unter 1.1.4 beschrieben zu verabreichen. Wenn sie selbst für eine großvolumige (20 ml oder gar 50 ml) Einmalspritze zu dickflüssig ist, kann man es mit einem Welpenaufzuchtbesteck versuchen. Das ist sowas wie eine kleine Babyflasche mit Nuckel dran, allerdings in gebogener Form.
Triturationen, also Milchzucker, wird i.d.R. von Katzen gut aufgenommen, ich streu meiner Miri schon seit einigen Jahren täglich etwas Aurum auf‘s Futter, das abends auf einem großen, ausrangierten flachen Teller serviert wird, denn sich mehrere Katzen teilen müssen. Und zielsicher sucht sie sich genau die Stelle, wo die Trituration drüber ist und schleckt sie als erstes auf.
Nun gibt es aber auch Medikamente, die äußerlich anzuwenden sind und so komme ich zum zweiten Teil:
2. ÄUSSERLICH ANZUWENDENDE MEDIKAMENTE
Meist handelst es sich hierbei um entweder Mittel, die die Wundheilung begünstigen sollen oder aber um solche, die Parasiten den Garaus machen sollen. Letztere halte ich für absoluten Schwachsinn und bevorzuge die beim Tierarzt erhältlichen Spot-ons!
2.1 PUDER
Die Verfahrensregel lautet kurz und knapp: Katze fangen, festhalten, einstäuben (dabei Augen, und Nase schützen), laufen lassen... Und anschließend zu Besen und Kehrblech oder zum Staubsauer greifen, und die Schweinerei wegmachen.
Na ja, nicht ganz, kleineFellstellen lassen sich gut einpudern, z.B. wenn die Katz sich geprügelt hat und eine kleineWunde versorgt werden muß.
2.2 SALBEN
Selbiges gilt auch für Salben, solange sie an gut zugänglichen Stellen aufgetragen werden sollen. Gut zugänglich heißt dabei alles, was sich an der Oberseite der Katze befindet. Schwierig wird es bei Bauchverletzungen. Hier bedarf es der Hilfe einer zweiten Person, wenn die Katze unwillig ist, denn alleine hat man bei einem sich drehenden und wendenden Derwisch keine Chance!
In jedem Fall ist es besser, sich ein büschen was von der Salbe auf den Finger zu geben und damit die Katze einzureiben, statt mit der Tube vor ihrer Nase rumzuhantieren.
Ausnahmen bestätigen die Regel, und die haben wir dann, wenn die Katze Augensalbe (oderAugentropfen) bekommen soll.
Hierbei hält man die Katze fest (Nackengriff!), beugt das Köpfchen wie unter 1.1.3 beschrieben etwas nach oben und läßt die Tropfen oder den Salbentropfen aus einigen Zentimetern Entfernung (so 5-10 cm) in das Auge fallen. NIE direkt mit der Tube oder einer Pipette dicht ans Auge gehen! Es kann immer passieren, daß sie sich doch losreißt, eine plötzliche Bewegung macht und ihr wollt ihr ja nicht da Auge ausstechen, oder?
So, die meisten dürfen nun schnell nach ganz unten scrollen, denn den dritten Teil werden nur ganz wenige befolgen wollen/können...
3. INJEKTIONEN (sub cutan, s.c.)
Hierzu braucht man:
1 saubere, d.h. sterile(!) Einmalspritze
1 sterile Kanüle
und gute Nerven.
Es ist nicht jedermanns Sache, seiner Katze eine Spritze zu verabreichen, oder gar eine Infusion, aber manchmal muß es sein, letzteres z.B. bei Haltern von nierenkranken Tieren, die ihnen den häufigen Weg zum Tierarzt ersparen wollen.
Wie bei allen anderen Verabreichungsformen der Marke\"sanfte Gewalt\" muß das Tier gut fixiert bzw. festgehalten werden, am besten von einer anderen Person. Dann mit der einen Hand im Nacken oder am seitliche Nacken eine Hautfalte hochheben und mit der anderen Hand hineinpieken. Nun langsam aber stetig den Kolben der Einmalspritze durchdrücken bzw. die Kanüle fixieren und die Infusion hineinlaufen lassen.
Es erfordert einen gewissen Mut, das eigene Tier zu stechen und eine gewisse Übung, den richtigen Schwung zutreffen, um den kätzischen Hautwiederstand zu überwinden, ohne auf der anderen Seite der Hautfalte wieder rauszukommen, wie es mir bei meinem damaligen FIP-Katerchen Oscar ergangen ist. Meine damalige Tierärztin hatte mich angeleitet, und stand daneben, als ich an dem armen Kerl rumstocherte, ich war so aufgeregt, daß ich mir natürlich prompt die erste Ladung selbst die Finger jagte, aber dann hatte ich es begriffen.
Es sollte nun aber niemand auf die Idee kommen, dies im Alleingang und ohne Anleitung zu probieren! Geschweige denn, sich selbst die zu verabreichenden Medikamente rauszusuchen oder gar der Katze intravenöse Injektionen verabreichen zu wollen...
Puhhhhhhhhhhhhhhh.
Ich schätze, ich hab noch vieles vergessen, aber das ist (erstmal), was mir spontan zum Verabreichen von Medikamenten bei Katzen eingefallen ist.
Für Kommentare, Ergänzungen und/oder Hinweise bin ich sehr dankbar!
© LeaofRafiki 29.12.2002 / 03.03.2003
***************************************************
ACHTUNG FAKERSCHUTZ: Ich poste meine Berichte lieber selber und unter gleichem Nick regelmäßig bei Ciao, häufig bei Yopi, ab und an bei talkon, nach dem Relaunch selten Dooyoo, und noch seltener bei Ecomments, Griasdi oder gar Hitwin *grins*
Nun ist ja Medizin (oder Medikament) nicht gleich Medizin, sondern wird in verschiedenen Darreichungsformen angeboten. Daher werde ich, selten genug, meinen Text auch entsprechend gliedern.
Also da wären:
Tabletten, Pasten, Tinkturen und Pülverchen zum Einnehmen
Puder und Salben zum Auftragen sowie, aber nur für die geübtesten,
Injektionen und Infusionen (die man, bei entsprechender Anleitung selbst auch s.c., also sub cutan (auf deutsch „unter die Haut\") spritzen kann.
1. EINZUNEHMENDE MEDIKAMENTE:
Ich kenne kaum eine Katze, die es nicht haßt wie die Pest, wenn ihr etwas ins Mäulchen gestopft wird, was sie nicht selber aufschlecken mag. Pillen und Tabletten werden in hohem Bogen wieder ausgespuckt, das Auflecken jedwelcher Tinkturen wird verweigert und Pülverchen auf dem Futter fungieren als Stoppsignal...
Aber was sein muß, muß sein, also ran an den Speck bzw. an die Katz!
1.1 TABLETTEN
Die goldene Regel lautet: je kleiner, desto wahrscheinlicher ist die freiwillige Aufnahme
Generell allerdings es nun so, daß viele Arzneistoffe bitter schmecken und normalerweise die Geschmacksnerven durch eine Umhüllung, sei es der „Lack\" bei sogenannten Filmtabletten, oder die Gelatine einer Kapsel, vor diesen geschützt sind. Auch gibt es bestimmte Medikamente, die sich erst im Magen oder noch später, in einem bestimmten Darmabschnitt auflösen und ihre Wirkstoffe frei setzen sollen, weshalb sie nicht ohne weiteres zerkleinert oder von ihrer Umhüllung befreit werden können. Bevor man also nun mit einem Hammer, einem scharfen Messer oder dem Mörser ans Werk geht, bitte erst beim Tierarzt nachfragen, ob das bei diesem Medikament angebracht ist!
Hat der Tierarzt das Zerkleinern einer Tablette gestattet, kann man nun im ersten Angang versuchen, diese der Katze „unterzujubeln\". Möglichkeiten dazu wären:
1.1.1 Die Tablettenstückchen werden unter‘s Futter gemischt
Dies funktioniert natürlich nur bei Dosenfutter! Plietsche Katzen „riechen\" aber den Verrat und verweigern oft das Fressen. Hier wäre mein Tip, es mit der allerersten Mahlzeit des Tages zu versuchen, wenn die Katze recht hungrig ist. - Wie aber schon oben erwähnt, setzen viele Medikamente Bitterstoffe frei und wenn die Katze die Büchse der Pandora nicht gleich im ersten Anlauf schluckt, kann man den Inhalt des Napfes in aller Regel der Mülltonne überantworten...
Am besten geeignet für diesen Versuch ist Futter, das eine leberwurstartige Konsistenz hat (wie z.B. Iams, Hills oder Precept), fingerfertige Menschen können aber auch versuchen, ein Bröckchen (Happen in Gelee) entsprechend zu präparieren. Überhaupt haben präparierte Bröckchen den Riesenvorteil, daß man kontrollieren kann, ob es gefressen wurde oder nicht, was zu Methode Numero zwei führt:
1.1.2 Die Tablettenstückchen werden in ein Leckerlie verpackt
Jede/r kennt seine Katze am besten und weiß, worauf sie total abfährt. Meine Frieda z.B. liebte lange Zeit Leberwurst mit Schnittlauch, weshalb immer eine extra für sie im Kühlschrank lag. Andere Katzen mögen einen Teelöfel Quark, oder ein kleines Stückchen Weichkäse, aber auch Schinken oder Lachsschnitzer (vorsicht, salzig!), werden nicht links liegengelassen.
Meiner Erfahrung nach ist es am besten, wenn ein so präpariertes Leckerlie quasi als Sahnehäubchen auf‘s Futter kommt, wenn man Glück hat, ist es als erster Happen verspeist.
A propos Sahne. Es gibt immer wieder den Tip, Tablettenstückchen in einen Klecks Schlagsahne zu stecken, aber ich hab damit keine guten Erfahrungen gemacht. Die meisten meiner Katzen merkten, daß da von der Konsistenz her was nicht stimmte, schleckten die Sahne weg und ließen die Stückchen entweder liegen oder spuckten sie wieder aus.
1.1.3 „Kurz und (hoffentlich) schmerzlos\"
Ist die Katze nicht gewillt, die Pille freiwillig zu schlucken, muß man mehr oder weniger (sanfte) Gewalt anwenden. Hierzu greift man sich die Katze, postiert sie so vor sich, daß sie einem weder ausbüxen noch einen beißen (oder kratzen) kann, im einfachsten Fall wird sie mit einem festen Nackengriff gehalten, im schlimmsten Fall in ein Handtuch gewickelt, so daß nur noch das Köpfchen raus schaut und nun der Kopf ganz leicht und vorsichtig etwas nach hinten gebogen. (Bzw. beim Nackengriff angehoben, so daß sich die Kehle etwas streckt und der Kopf nach oben zeigt.) Mit Daumen und Zeigefinger kann man nun leicht in die hinteren Mundwinkel fassen/drücken, so daß - wiederum im besten Fall - das Mäulchen aufgeht. Nun flink die Tablette hinten auf den Zungengrund legen, das Mäulchen schließen, zuhalten und die Kehle massieren. Dadurch wird der Schluckreflex ausgelöst und mit Glück ist sie tatsächlich auf dem Weg in den Magen, die Pille.
Mir hat bei einer solchen Gelegenheit meine Prinzessin Swantje mal einen Zeigefingernagel perforiert, ich hatte ihn nicht schnell genug wieder raus gezogen... Wie zur Strafe ist er ihr diesen Sommer ausgefallen *bösegrins*
Für solche Fälle werden auch im Handel sogenannte Pillengeber angeboten. Diese sehen aus wie eine Einmalspritze, nur daß sie vorne eine kleine Zange haben, in die man die Tablette steckt, die sich öffnet, wenn man den Kolben hineindrückt. Ich halte aber von diesen Dingern nichts, denn das harte Plastik kann den Lippen/Mundwinkeln weh tun oder gar den Gaumenverletzen, da man kein Gefühl mehr dafür hat, wie weit man das Teil in den Katzenkopf schieben darf.
1.1.4 „In Wasser auflösen\"
Es gibt manche Medikamente, die darf man in Wasser oder einer anderen Flüssigkeit, die die Katze mag, auflösen. Generell ist dies bei allen homöopathischen Mitteln möglich, wenn die Katze die Globuli (das sind diese kleinen Milchzuckerkügelchen, die mit der wirkstoffhaltigen Lösung besprüht wurden) partout immer wieder ausspuckt oder sonstwie verweigert.
Hier bietet es sich an, die vorbereitete Medikamentenlösung mit einer kleinen Einmalspritze zu 1 ml aufzuziehen, sich die Katze wie unter 1.1.3 beschrieben, zu greifen, und ihr die Flüssigkeit ins Mäulchen zu spritzen. Ohne Kanüle selbstverständlich! Aber Achtung, nicht zu viel auf einmal ins Mäulchen geben, sonst läuft es entweder rechts und links wieder raus oder aber die Katze verschluckt sich - und rennt schnell wie der Blitz davon, wenn sie das nächst Mal eine Spritze sieht.
Soviel zu Tabletten und Pillen...
Generell empfiehlt es sich, sich vom Tierarzt immerein paar mehr mitgeben zu lassen als man für die eigentliche Behandlung braucht, denn es klappt nicht immer im ersten Versuch.
1.2. PASTEN
Hier wären zweierlei Pasten zu unterscheiden. Einmal solche, die runtergeschluckt werden sollen und jene, die im Mäulchen verbleiben sollen.
1.2.1 „hmmm lecker!\"
Sind die meisten Pasten, die als Nahrungsergänzung gegeben werden (sollen), wie zusätzliche Vitamine, Astronautenkost (Calopet, Nutrical, Nutriplus) aber auch harnansäuernde Pasten (Uropet) oder Beruhigungsmittel (Sedalin). Hier achten die meisten Medikamentenhersteller (Bayer, Virbac, Chassot etc) meist schon darauf, daß sie gut schmecken und die Akzeptanz bei den Tieren groß ist.
Solche Pasten nun kann man entweder über‘s Futter geben, oder aber, wie ich es mache, als Leckerchen auf die Fingerspitze geben und ablecken lassen. Meine Katzen sind so auf Leckerlie-Paste trainiert, daß ich es auch wagen kann, ihnen mal etwas anderes anzubieten ;-) Bei heiklen Pasten mische ich sie vorher mit einem Streichholz o.ä. in der hohlen Hand mit der Leckerliepaste und lasse sie es dann aufschlecken.
Erst wenn all das nicht hilft, heißt es wieder, wie unter 1.1.3, sich die Katze schnappen und ihr die Paste in die Mundwinkel streichen. Einiges wird sie dann zwar wieder raussabbern, aber ein gewisser Teil landet doch im Magen.
Manchmal hilft es auch, ein kleinsTück Paste der Katze auf die Pfote oder ins Fell zu schmieren, wo sie es sich, da sie immer bestrebt ist, sich sauber zu halten, von alleine ableckt. Klappt das nicht, hat man allerdings ein Problem, denn die meisten Pasten sind sehr fetthaltig und zäh, sprich sie verkleben das Fell und nach einigen Versuchen ist man geneigt, die Katze Baden zu wollen, aber das ist ein anderes Thema ;-)
„ihhhhh bäääääh\"
Sind meist Pasten, die echte Medikamente sind, z.B. Gingisan gegen Zahnfleischentzündungen. Diese sollten (!) mit dem Zeigefinger (Vorsicht Reißzähne!) auf das wunde Zahnfleisch aufgetragen und evtl. leicht einmassiert werden. Wer das nicht vorher mit einer schmerzfreien Katze geübt hat, sollte sich doch evtl. überlegen, Dauergast bei seinem Tierarzt zu werden...
1.3 TINKTUREN
Tinkturen zum Eingeben/Einnehmen sind meist homöopathischer Natur und werden entweder von einem Tierheilpraktiker oder aber einem naturheilkundlich geschulten Tierarzt verordnet. Hier sollte man generell darauf achten, daß es sich nicht um alkoholische Lösungen handelt (wie sie meist in der Humanmedizin angeboten werden), da die Katzenleber Alkohol schlecht bis gar nicht abbauen kann. Wenn es also der Geldbeutel zuläßt, sollte man sich lieber eine 10 ml. Injektionsampulle mitgeben lassen, bei der die Wirkstoffe in einer Art Kochsalzlösung gelöst sind, und diese dann tropfenweise verabreichen. Wahlweise kann man aber auch einige Tropfen eine Weile an der Luft stehen lassen, so daß der Alkohol verfliegt.
Am besten werden sie in einem (Unter)Tellerchen mit flüssiger Sahne, Katzenmilch oder ganz dünn angerührtem Katzenfutterbrei serviert.
Her empfehle ich dringend, dies separat zu tun, also nicht über‘s normale Futter träufeln, denn wenn die Katze es verweigert, ist es nur noch reif für die Biotonne.
Manchmal ist es auch einen Versuch wert, der Katze die Lösung ins Fell oder auf die Pfote zu tropfen, im Gegensatz zu Pasten verkleben sie wenigstens nicht das Fell, trocknen aber schnell auf und das war‘s dann...
Bei hartnäckigen Verweigerern ist nur wieder die unter 1.1.3 und 1.1.4 beschrieben „sanfte Gewalt\"-Methode angesagt, bei der man die Lösung mit einer Einmalspritze direkt ins Mäulchen gibt.
1.4 PULVER oder TRITURATION
Auch hier wieder erstmal die Unterscheidung zwischen Pulvern, die angerührt werden müssen (wie z.B. Bactisel HK gegen Durchfall o.ä.) und homöopathischen Triturationen (d.h. Milchzuckerverreibungen, also eine Vorstufe dessen, was später in Tablettenform gepresst wird).
Anzurührende Pulver, tja, da hat man nur die Wahl, den Brei (oder die dickflüssige Pampe) seiner Katze anzubieten in der Hoffnung, daß sie sie freiwillig aufschleckt, oder wie unter 1.1.4 beschrieben zu verabreichen. Wenn sie selbst für eine großvolumige (20 ml oder gar 50 ml) Einmalspritze zu dickflüssig ist, kann man es mit einem Welpenaufzuchtbesteck versuchen. Das ist sowas wie eine kleine Babyflasche mit Nuckel dran, allerdings in gebogener Form.
Triturationen, also Milchzucker, wird i.d.R. von Katzen gut aufgenommen, ich streu meiner Miri schon seit einigen Jahren täglich etwas Aurum auf‘s Futter, das abends auf einem großen, ausrangierten flachen Teller serviert wird, denn sich mehrere Katzen teilen müssen. Und zielsicher sucht sie sich genau die Stelle, wo die Trituration drüber ist und schleckt sie als erstes auf.
Nun gibt es aber auch Medikamente, die äußerlich anzuwenden sind und so komme ich zum zweiten Teil:
2. ÄUSSERLICH ANZUWENDENDE MEDIKAMENTE
Meist handelst es sich hierbei um entweder Mittel, die die Wundheilung begünstigen sollen oder aber um solche, die Parasiten den Garaus machen sollen. Letztere halte ich für absoluten Schwachsinn und bevorzuge die beim Tierarzt erhältlichen Spot-ons!
2.1 PUDER
Die Verfahrensregel lautet kurz und knapp: Katze fangen, festhalten, einstäuben (dabei Augen, und Nase schützen), laufen lassen... Und anschließend zu Besen und Kehrblech oder zum Staubsauer greifen, und die Schweinerei wegmachen.
Na ja, nicht ganz, kleineFellstellen lassen sich gut einpudern, z.B. wenn die Katz sich geprügelt hat und eine kleineWunde versorgt werden muß.
2.2 SALBEN
Selbiges gilt auch für Salben, solange sie an gut zugänglichen Stellen aufgetragen werden sollen. Gut zugänglich heißt dabei alles, was sich an der Oberseite der Katze befindet. Schwierig wird es bei Bauchverletzungen. Hier bedarf es der Hilfe einer zweiten Person, wenn die Katze unwillig ist, denn alleine hat man bei einem sich drehenden und wendenden Derwisch keine Chance!
In jedem Fall ist es besser, sich ein büschen was von der Salbe auf den Finger zu geben und damit die Katze einzureiben, statt mit der Tube vor ihrer Nase rumzuhantieren.
Ausnahmen bestätigen die Regel, und die haben wir dann, wenn die Katze Augensalbe (oderAugentropfen) bekommen soll.
Hierbei hält man die Katze fest (Nackengriff!), beugt das Köpfchen wie unter 1.1.3 beschrieben etwas nach oben und läßt die Tropfen oder den Salbentropfen aus einigen Zentimetern Entfernung (so 5-10 cm) in das Auge fallen. NIE direkt mit der Tube oder einer Pipette dicht ans Auge gehen! Es kann immer passieren, daß sie sich doch losreißt, eine plötzliche Bewegung macht und ihr wollt ihr ja nicht da Auge ausstechen, oder?
So, die meisten dürfen nun schnell nach ganz unten scrollen, denn den dritten Teil werden nur ganz wenige befolgen wollen/können...
3. INJEKTIONEN (sub cutan, s.c.)
Hierzu braucht man:
1 saubere, d.h. sterile(!) Einmalspritze
1 sterile Kanüle
und gute Nerven.
Es ist nicht jedermanns Sache, seiner Katze eine Spritze zu verabreichen, oder gar eine Infusion, aber manchmal muß es sein, letzteres z.B. bei Haltern von nierenkranken Tieren, die ihnen den häufigen Weg zum Tierarzt ersparen wollen.
Wie bei allen anderen Verabreichungsformen der Marke\"sanfte Gewalt\" muß das Tier gut fixiert bzw. festgehalten werden, am besten von einer anderen Person. Dann mit der einen Hand im Nacken oder am seitliche Nacken eine Hautfalte hochheben und mit der anderen Hand hineinpieken. Nun langsam aber stetig den Kolben der Einmalspritze durchdrücken bzw. die Kanüle fixieren und die Infusion hineinlaufen lassen.
Es erfordert einen gewissen Mut, das eigene Tier zu stechen und eine gewisse Übung, den richtigen Schwung zutreffen, um den kätzischen Hautwiederstand zu überwinden, ohne auf der anderen Seite der Hautfalte wieder rauszukommen, wie es mir bei meinem damaligen FIP-Katerchen Oscar ergangen ist. Meine damalige Tierärztin hatte mich angeleitet, und stand daneben, als ich an dem armen Kerl rumstocherte, ich war so aufgeregt, daß ich mir natürlich prompt die erste Ladung selbst die Finger jagte, aber dann hatte ich es begriffen.
Es sollte nun aber niemand auf die Idee kommen, dies im Alleingang und ohne Anleitung zu probieren! Geschweige denn, sich selbst die zu verabreichenden Medikamente rauszusuchen oder gar der Katze intravenöse Injektionen verabreichen zu wollen...
Puhhhhhhhhhhhhhhh.
Ich schätze, ich hab noch vieles vergessen, aber das ist (erstmal), was mir spontan zum Verabreichen von Medikamenten bei Katzen eingefallen ist.
Für Kommentare, Ergänzungen und/oder Hinweise bin ich sehr dankbar!
© LeaofRafiki 29.12.2002 / 03.03.2003
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ACHTUNG FAKERSCHUTZ: Ich poste meine Berichte lieber selber und unter gleichem Nick regelmäßig bei Ciao, häufig bei Yopi, ab und an bei talkon, nach dem Relaunch selten Dooyoo, und noch seltener bei Ecomments, Griasdi oder gar Hitwin *grins*
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