Wenn Kinder ins Krankenhaus müssen Testbericht

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Erfahrungsbericht von mackz

Baby Tropf und Krankenhaus WIE HÄLT MAN DAS AUS

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

42 Grad Fieber, der Kleine tritt weg, trinkt nichts - fünf Minuten später mit Blaulicht ins Krankenhaus - und was nun?

Auch wenn man das Schlimmste nicht hoffen möchte, irgendwann ist es auch uns passiert, daß wir keinen anderen Weg mehr sahen als unser 7 Monate alten Ferdinand ins Krankenhaus aufnehemen zu lassen. Als er dann keine 2 Monate später nocheinmal aufgenommen werden mußte, waren wir nicht nur um viele Erfahrungen reicher, wir hatten auch einiges, für unsere Begriffe überlebenswichtiges, im Umgang mit Klinikpersonal gelernt. Ich möchte diese Tips in unsere Erlebnisse einbinden. Dabei gebe ich Tips zum:

* Babies und der Tropf
* Spritzen und der Schmerz dabei
* Röntgen
* darf man mit im Zimmer schlafen?!
* Umgang mit Ärzten und dem Klinikpersonal
* Essen im Krankenhaus
* Medizin geben


Meine Frau war auf einer Konzertreise und ich mit dem 8 Monate alten Baby allein zu Hause, als ich mich für einen Wochenendausflug nach Regensburg entschied. Im ICE bekam Ferdinand dann auf einmal sehr hohes Fieber, trat richtig weg und wollte nichts mehr essen und nichts mehr trinken. Zuerst dachte ich Erkältung aber als ich dann doch eine Ambulanz aufsuchte stand es fest: Lungenentzündung. Ferdinand mußte an einen Tropf, geröntgend werden und in der Klinik bleiben.

TROPF

Schon hier war ich froh, auf sehr freundliche und offene Ärzte zu treffen, denn ich wurde gefragt, wo es mir am liebsten wäre, das dort der Tropf angebracht würde: am Handrücken, am Fuß oder am Kopf. Jeder würde sagen \"Auf keinen Fall am Kopf\" so auch ich, aber als wir (die Ärzte ließen mich mitschauen) nirgends eine starke Vene finden konten, blieb nichts anderes übrig als eine Ader oben auf der Stirn zu nutzen. Klingt hart, aber es war die beste Entscheidung, denn!: Ferdinand konnte sich dadurch ungehindert bewegen, seine Hände zum Spielen im Bett nutzen und sich auch im Bett drehen und wenden ohne sich in den Schlauch zu verwickeln. Der Schlauch kam durch eine spezielle Mütze (die die Flexüle vor Kinderhänden schützt) direkt vom Kopf hoch aus dem Bett heraus und schließlich an den Tropfständer.
Ich habe andere Kinder beobachtet, die ständig versuchten die Verbände mit den Schläuchen von den Armen und Beinen zu streifen bzw. die sich darin ständig verfingen - Ferdinand hatte nur einmal ein Problem mit seinem Tropf, als eine Schwester über seinen Tropständer stolperte und ihm den Schlauch samt Flexüle und Pflaster abriß.

Daher noch ein Tip: Unbedingt darauf achten, daß beim Verkleben der Flexüle und des Schlauchs bei Kindern ein paar Reserveschlingen mit unter das Pflaster geklebt werden, so daß wenn das Kind doch mal am Schlauch zieht, erst die Schlingen aufgezogen werden, bevor die Flexüle rausreißt. Wenn die Flexüle einmal raus ist, muß der Tropf nämlich an einer anderen Stelle neu gelegt werden. Und den Streß will man dem Kind möglichst ersparen, denn das pickt schon ein bißchen. Doch wie halte ich das Kind ruhig, wenn der Arzt sticht?


SPRITZEN

Auch wenn jedes Kind anders ist, möchte ich meine Erfahrung hier weitergeben. Ferdinand hält relativ still, wenn man ihn frei sitzen läßt, seine Hände nimmt und ihn nicht kraftvoll festhält oder gar fixiert (Schwestern pflegen es manchmal Babies fest in ein Handtuch zu wickeln, damit sie still halten). Der Pickser der Spritze oder der Flexüle ist nur sehr kurz, die Fesselung dagegen ein lange unangenehme Sache. Selbst wenn man Kinder bindet und kraftvoll festhält - sie finden immer ein Körperglied mit dem sie sich freiwinden und bewegen können. Außerdem empfinden viele das auch als Bedrohung, geraten in Panik und fühlen sich ausgeliefert. Einzige Ausnahme: Neugeborene. Die ganz Kleinen empfinden Enge und festen Halt oft als eine Art Schutz (der Zeit im Mutterleib nachempfunden).
Ferdinand hatte in Regensburg noch das Glück einen sehr guten Arzt zu haben, bei dem jeder Handgriff saß und der nicht lange \"Rumstochern\" und an der Flexüle \"Rumbasteln\" mußte. Das Lungeröntgen hingegen war für ihn eine sehr harte Prozedur:

RÖNTGEN

Dazu wurde er nackt in ein ca. 13cm breites (!) und 50 cm langes aufgeschnittenes Plexiglasrohr unter Spannung eingeklemmt, wobei die Arme und Beine zu den Enden hin mit Riemen gestreckt wurden. Über den Kopf bekam er ein breites Klettband geklebt und dann wurde er in dieser Zwinge fixiert schließlich an einer Stahlkette vor die Aufnahmeplatte gehängt. Mir rollten die Tränen bei der Prozedur, während Ferdinand mit Leibeskräften schrie, bis schließlich seine Stimme kollabierte.

Seit dieser Aufnahme habe ich sehr intensiv recherchiert und muß leider sagen, daß es bis heute keine andere Methode gibt, um Säuglinge zum Lungeröntgen still zu halten. Alle anderen Methoden setzen Personal, Eltern und auch das Kind zu sehr der Strahlung aus. Ich schreibe das nicht, um abzuschrecken, sondern um vorzubereiten.

Mein Tip daher: Alle Möglichkeiten abschätzen und abklären um einer solchen Aufnahme aus dem Wege zu gehen, und wenn sie doch unumgänglich ist, den emotional stärkeren Partner bei der Prozedur dabei sein lassen. Das Röntgen unbedingt als letzte Behandlungsmaßnahme - Aufnahmeprozedur durchführen, damit das Kind hinterher keinem weiteren Streß ausgesetzt ist. Nach dem Röntgen das Kind um so mehr trösten und ruhig mitweinen, Ferdinand wurde dabei ruhiger und schlief schließlich ein. (Näheres dazu in meiner extra Meinung).

Glück im Unglück war es, daß die Klinik es grundsätzlich erlaubte, daß die Eltern bei ihren Kindern bleiben und auch im Zimmer mitschlafen durften. Mit meinem schlafenden, erschöpften Sohn auf dem Arm kam ich in ein Zweibettzimmer in dem zwei Gitterbetten und zwei Klappbetten für Eltern standen. Für Bettzeug war gesorgt und so schlief Ferdinand auch ruhig weiter als ich ihn in sein Bett legte und das Gitter hochstellte. Und dann kam das, was unvermeidbar ist. Ich ließ mich auf den Stuhl neben das Bett fallen und heulte mich durch meine Gedanken: \"Der Kleine Wurm, ohne Mami, weg von zu Hause mit Schlauch und Lungenentzündung.....wie lange wird er bleiben müssen, wie erreichen wir die Mami.....\" Ich war froh das er dabei schlief und möchte hier nicht raten, solche Gefühle zu unterdrücken, um Stärke zu demonstrieren. Nein. Als Eltern hat man ein Recht auf diese stillen Schmerzen und man braucht sie auch, um mit dem Kind mitfühlen zu können. Ich weiß aber nicht, wie Ferdinand darauf reagiert hätte, wenn er mich so verzweifelt gesehen hätte. Kinder leiden ebenso mit unseren Schmerzen, wie wir mit den ihren. Ich schlief danach um so fester und Ferdinand auch.

IM ZIMMER SCHLAFEN....

...das ist keine Selbstverständlichkeit. Monate später mußte ich mit Ferdinand hier in Leipzig in die Kinderklinik und dort habe ich mich bis zum Cheffarzt diskutiert, der mir letztendlich resignierend den Stuhl in Ferdinands Zimmer zum schlafen anbot. Letztendlich ließ ich mich dann doch von der Oberschwester hinauswerfen.
Grundsätzlich ist zu sagen, daß sie als Eltern ein Recht darauf haben bei Ihren Babys zu bleiben. Auch wenn es gegen die Hausordnung der Klinik verstößt, darf laut Genfer Konvention sie niemand von ihrem Kind in solch einer Situation trennen. Dennoch will man mit der Klinik kooperieren und nicht konfrontieren. Und das ist nicht immer einfach.

UMGANG MIT ÄRZTEN UND DEM KLINIKPERSONAL

Viele Kliniken, gerade in den neuen Bundesländern, kennen diese Intervention von Eltern in den Klinikaltag nicht und dulden sie daher ungern oder gar nicht. Man kennt ja schon den Streit um die Besucheszeiten. Das ist verständlich wenn Eltern durch ihr Verhalten eher stören und sogar den Heilprozess des Kindes behindern.
Die Regensburger Klinik dagegen hatte begriffen, wie sie von der Präsens der Eltern profitieren konnten. Sie dilligierten viele Aufgaben an die Eltern: Füttern, Anziehen, Waschen, Medizin geben, Beaufsichtigen, Beruhigen, Beschäftigen usw. Man mußte das nicht machen, man konnte es und wer will seinem kranken Spatz nicht jeden Wunsch und jeden Dienst selbst erweisen?
Wünschenswert wäre es, wenn möglichst viele Kliniken diese Vorteile erkennen und damit auch diese ihr ohnehin schon überlastetes Personal entlasten würden. Ebenso wünschenswert wäre es, wenn alle Eltern sich so in Kliniken verhalten würden, daß das Personal sie als Unterstützung und Entlastung empfindet. Und dazu ein paar gut gemeinte allgemeine Tips.

# 1 Grundsätzlich gilt: Haben Sie unbedingt den Mut, mit den Ärzten und dem Personal über alles zu sprechen, denn es ist IHR KIND!!!!

# 2 Nur wenn Sie Verständnis für das Personal aufbringen, denn Ihr Kind ist nicht das Einzige im Haus, erkennt das Personal in Ihnen einen gleichrangigen Partner.

#3 Suchen Sie für Ihr Problem gezielt nach geeigneten Ansprechpartnern und überhäufen Sie nicht jeden mit allem. Jede Schwester und jeder Arzt hat seine Stärken, nutzen Sie diese. Ferdinand und ich fanden eine Schwester, die eine richtige Hautexpertin war und die half uns bei wundem Po etc. Es gab auch Schwestern in hohen Positionen, die viel koordinieren und organisieren mußten, die verschonten wir mit Banalitäten. Unsere Nachtschwestern hatten manchmal etwas mehr Zeit und man konnte bei ihnen viele Infos einholen.
#3,5 Denken Sie sich in den Klinikbetrieb hinein. Wenn Sie Fragen und Kritik an den Stellen anbringen, wo sie hingehören, werden sie eher Gehör finden, als wenn Sie z.B. die Essenschwestern um eine Schlaftablette für die nächste Nacht bitten.

#4 Schränken Sie sich ein wo sie können, und lassen Sie sich aber auch nicht einfach abfertigen. Wenn das Personal merkt, daß sie bei jeder Kleinigkeit klingeln, wird es davon bald die für sie wichtigen Dinge nicht unterscheiden können.

#5 Entlasten Sie das Personal, dann hat man mehr Zeit für Sie. (z.B. Ordnung und Sauberkeit im Zimmer, holen Sie sich, soweit es geht, vieles selbst usw....)

#6 Nutzen Sie die Visiten. Dort sollte man Zeit und Ohr für sie haben. Viele Eltern schrecken vor der großen Menge Ärzte, die da manchmal auftauchen kann, zurück. Das müssen Sie nicht! Sie kennen Ihr Kind am besten, darum wird man Sie hören wollen und müssen!
#6,5 Suchen Sie aber auch den Kontakt zu Ihrem normalen Kinderarzt. Auch der kennt Ihr Kind besser als die Ärzte. Das macht das Klinikpersonal nicht dümmer, sondern wenn geschickt vermittelt, eher klüger.

Ferdinand und ich hatten uns nach ein paar Tagen relativ gut eingelebt und den Klinikalltag und Rythmus so weit es ging übernommen (das alle Zimmer morgens gegen 6.00 Uhr gewischt wurden, will mir heut noch nicht in den Kopf). An das Essen konnte ich Ferdinand jedoch nicht gewöhnen. Es schmeckte einfach nicht wie zu Hause, und alles war auch anders zubereitet. Zum Glück hatte ich sein Lieblingsteller und etwas von seinem Müsli dabei. Das mußte ich dann gut einteilen. Zwar gab es die Möglichkeit für ihn das Essen laut Speiseplan auzusuchen, aber für Babys gibt es da fast nur Gläschenkost und morgens ein paar Breis. Nach einer Möglichkeit Früchte wie zu Hause zu pürieren suchte ich vergebens und Fruchtsäfte waren auch nicht aufzutreiben. Statt dessen immer wieder Tee und Milch.
Erst nach Tagen habe ich herausgefunden, daß die Kinderstation immer über einen Vorrat an frischem Obst verfügt. Schnell hatte ich eine Gabel besorgt und begann per Hand Früchtebreis zu quetschen. Ferdinand schaut ganz gespannt zu (er zerquetscht seit dem alles was ihm unter den Löffel kommt :-)) und aß schließlich. Als wir dann Freunde gefunden hatten und selber auch etwas spazieren durften, brachten wir uns von draußen etwas mit, daß er essen mochte. Mit dem trinken wollte es aber gar nicht mehr klappen und so ließ ich mir von den Schwestern eine große Plastikspritze ohne Kanüle geben. Darein füllte ich Ferdinands Säfte und spritzte ihm sein Trinken in den offenen Mund. Das machte ihm Spaß und er trank. Eine mühselige Sache, aber wir hatten ja genügend Zeit.
Genauso klappte es mit seinen Medikamenten. Ich füllte sie in die Spritze und siehe da, er schluckte alles was ich ihm gab.
Daher meine Tips:

ESSEN UND MEDIKAMENTE

#1 Wieder: Reden Sie mit dem Personal über das Essen. Oft gibt es mehr Möglichkeiten als nur das, was auf dem Speiseplan steht.

#2 Benutzen Sie das gewohnte Geschirr der Kinder. Dann schmeckt das Essen halb so fremd.

#3 Versuchen Sie etwas von dem gewohnten Gerichten der Kinder zu finden, bzw. bringen Sie diese mit. Denn wer satt ist, wird schneller gesund.

#4 Mit einer Spritze lassen sich Medikamente aber auch Getränke problemlos verabreichen (in den Mund spritzen) und Kinder finden oft noch Spaß daran.


Ferdinand hatte sich nach einer Woche soweit erholt, daß die Mama (inzwischen zurückgekehrt) uns abholen durfte. Und obwohl die eine Woche in der Klinik kein Spaziergang für uns war, erinnere ich mich heute immer noch mit einem Gefühl der Wärme und Nähe daran. Diese harten Tage haben eine Beziehung zwischwen uns entstehen lassen, die unbeschreibbar ist.

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