West Side Story Testbericht

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Erfahrungsbericht von cpietropaoli

Who likes to be in America?

Pro:

Wiener Symphoniker Light Design perfekter Tag

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

Bregenzer Seefestspiele Saison 2003/2004

WEST SIDE STORY oder Romeo und Julia-modern?

Ich schreibe also hier über 2 verschiedene Dinge, in einem, wenn es mir gelingt......

***BREGENZ:

umrahmt von Berglein (Pfänder, Berg? Hausberg) gar nicht friedlich und still, ja das ist Bregenz.....

für mich nicht nur die vorarlbergische Landeshauptstadt am Bodensee, sondern die einzige österreichische Stadt mit „Mittelmeerflair“- so gar nicht typisch für das sonst sehr ländliche, von kleinen Dörfern bevölkerte Vorarlberg – eine Stadt, die sich Kultur aufs Programm gemalt hat...es gibt auch touristische Ziele wie den Pfänder (s.o.) oder das Spielcasino und natürlich auch die Bregenzer Seefestspiele- denn hier trifft man in den Monaten Juli/August Menschlein aus aller Herren Länder, so auch mich

***meine Vorgeschichte dazu

schon seit ca. 25 Jahren pflege ich nunmehr an manch freien Tagen ( verlängerte Wochenenden) in die Nähe von Bregenz zu reisen
irgendwann (vor 4 Jahren) fuhr ich also nach Bregenz, um mich am Bodensee ein wenig zu vergnügen und sah den Aufbau der damaligen Festspiele für „Ein Maskenball“, nämlich ein überdimensional großes Skelett-

es faszinierte mich so sehr, dass ich sofort Karten kaufte und beschloss, mir das Spektakel einmal anzusehen- natürlich kaufte ich mir die Billigen und mietete mir auch kein Svarowski-Fernglas, noch trank ich vor Beginn ein Glas Champagner in der Lounge-

und trotzdem, man glaubt es kaum, genoss ich diesen Abend sehr-

von da an war es beschlossenen Sache- fortan wollte ich nunmehr jedes 2. Jahr (denn die Festspiele auf dem See erneuern ihr Programm alle 2 Jahre) Karten und bekam sie auch

***und wie kommt man zu den Karten

manchmal, je nach aufgeführtem Stück und Inszenierung, ist es schwer, an vernünftige (auch die billigen Karten versprechen ausgesprochen gute Plätze) Karten zu kommen, oder überhaupt welche zu ergattern, deshalb also mein Tipp: sehr frühzeitig buchen-

und zwar am besten über: bregenzerfestspiele.com (auf dieser Seite findet man auch alle Informationen rund um die Festspiele, die Inszenierung, die Tickets etc.- sehr informativ)

die Bestellung ist sehr unkompliziert, man kann sich anhand der Sitzplatzübersicht auch genau anschauen, welche Plätze man buchen möchte

***sitzen: ja, aber wo?

ja, das ist sicherlich eine subjektive Angelegenheit, aber ich sitze nicht gerne direkt unten am See, da mich dort die Schnaken auffressen- und da ich lange Beine habe, sitze ich am liebsten in Reihe 1 (Block C, zum Beispiel), da ich hier die geliebte Beinfreiheit genießen kann-

wie gesagt, der Blick ist von fast jedem Platz aus perfekt, da die Bühne immer so aufgebaut ist, dass man sie von überall sehr gut einsehen kann

***CATERING

es kommt drauf an, ob man den Abend mit einem gemütlichen Essen am See verbringen will, oder eher die Pommesbude bevorzugt- ich will\'s am See und mit ein bisschen Charme, was leider nicht wirklich möglich ist, denn bei so vielen Menschen......aber gut, direkt vor dem Festspielhaus gibt es ein großes Cateringzelt, eigens für die Festspiele, in dem man relativ gemütlich, aber zu hohen Preisen Speisen kann- wer\'s will....ich bevorzuge das „Wirtshaus am See“, man kann per Mail Plätze im Voraus (mit Angabe Seeseite) buchen und ist bestens bedient- gutes Essen(reichlich Fisch direkt vom Grill und auch andere Leckereien aus der Umgebung, zum Beispiel Kässpätzle) zu fairen Preisen- allerdings gibt es sicherlich ein Manko: wieder die vielen Menschen, gut, ich bin ja auch einer von denen....wenn auch....

***die Menschlein, oder „dem Herrgott sein Tiergarten ist groß“

es tummeln sich allerlei Menschlein dort, echte Promis, welche, die sich dafür halten, Klunker-tragende, laute Möchtegern-Dazugehörende, Künstler, oder die, die es vorgeben zu sein, affektierte Damen, ästhetische Schönheiten, Männer mit Stil, die ihre Frauen in atemberaubenden langen Gewändern noch 3 Reihen über die Köpfe der anderen tragen, damit die Aschenbrödelschuhe nicht beschädigt oder abgenutzt werden, und dafür Beifall erhalten, Proleten, notorische Kellnerinnen-Anscheisser, Snobs, Menschlein aus aller Herren Länder und nicht zu vergessen, die vielen ganz „normalen“ (in diesem Zusammenhang ist das Wort nicht als Schimpfwort zu verstehen)- also ein Sammelsurium von Kuriositäten in Menschengestalt und fast so interessant, wie seinerzeit in London/Victoriastation, als ich ganz alleine und noch ziemlich jung (17), England bereiste und mir ollem Landei bei den vielen bunten Menschen die Augen ausfielen

***Und wie komme ich hin?

Das ist jedermann selbst überlassen, ich fahre recht früh mit dem Auto direkt nach Bregenz, bekomme immer einen Parkplatz direkt am Seebad (also neben dem Festspielhaus) und oh Wunder: dieses Jahr musste ich für den Parkplatz auch nichts bezahlen- that´s new.....

Manche fahren mit dem Schiff (Apfelschiff) von Lindau nach Bregenz, kommen immer ziemlich spät an, halten fast die ganze Vorstellung auf und müssen noch verwirrt und schnell ihre Plätze suchen- aber wem es gefällt- ist eigentlich eine nette Idee

*** wen oder was sollte ich unbedingt dabei haben

vielleicht einen Mann mit Stil oder wahlweise auch 2 Freundinnen
wenn es heiß ist einen Fächer (ich hatte „El Torro“ dabei)
wenn Regen sich ankündigt einen Regenumhang (kann man dort auch günstig erwerben wie auch: Sitzkissen, Ferngläser, Programmheft, Fleecedecke, Regenhut etc.), aber keinen Regenschirm (sollten 90 Minuten der Vorstellung bereits gespielt sein, bekommt man sein Geld nicht zurück)
ein Handy (wer\'s braucht), das man aber während der Vorstellung deaktivieren muss
ein Sitzkissen (Bestuhlung kann nach ca. 2 einhalb Stunden hart wirken)
eine Decke für die Zitterpappeln unter uns
Fotoapparat, den man ebenfalls nicht während der Aufführung benutzen darf
und natürlich alles andere, was Frau/Mann so braucht in 2 einhalb Stunden




***Das BÜHNENBILD

vieles dreht sich bei den Bregenzer Seefestspielen um das Bühnenbild, ist es doch jedes 2. Jahr eine Überraschung und ein Hingucker- Bodenseereisende, die Bregenz schon gestreift haben, werden wissen, was ich meine. So auch dieses Jahr- Manhattan und die Wolkenkratzer sind zu sehen als eine Nachbildung- erinnert an Ground Zero- und ist ein gigantischer Aufbau aus Fensterglas, das an manchen Stellen durchbrochen ist, um gewisse Lichtreflexe zu erzielen- es gibt ein Brickhouse, das auf Schienen bei Bedarf und je nach Szene (Sharks-Szenen) in die Mitte der Bühne gefahren wird, ebenso einen Drugstore, der auch auf Schienen bewegt wird- um sich ein genaues Bild machen zu können, kann man auf oben erwähnter Webseite eine virtuelle Tour „backstage“ machen, die sich lohnt.....ich will schließlich nicht alles vorwegnehmen und auch nicht einfach abschreiben, was dort steht......

*** geschrieben hat das Stück

Leonard Bernstein-

West-Side-Story feierte1957 ihre umjubelte Erstaufführung im New Yorker Winter Garden Theatre und eine neue Form des Musiktheaters war geboren: das Musical

***West Side Story on water

endlich komme ich aber nun zum Hauptteil: das Stück selbst

West-Side-Story: eigentlich ein Stück, das ich schon aus der Schule kannte und auch früh schon eine LP hatte, somit alle Songs mitträllern konnte, oder vielmehr mitgeträllert hätte, wenn man mich gelassen hätte.

21 Uhr und ein paar zerquetschte Minuten (die Damen und Herren der „Stuttgart“ hatten endlich ihre Plätze erreicht)- der Vorhang hebt sich- hier gibt es keinen Vorhang, also: die Vorstellung beginnt:

auf der Bühne stehen viele graue Männlein und Weiblein und scheinen mächtig beschäftigt zu sein....so beginnt die Geschichte zwischen den Sharks (Puerto-Ricanische Einwanderer) und den Jets ( den sogenannten Amerikanern, die, wie sich herausstellt auch Einwanderer sind (Polen etc.)- ach was, wer hätte das gedacht), 2 rivalisierenden Strassengangs- Jugendliche, die auf der Suche nach Bestätigung den Kampf und die Herausforderung wollen-

sehr gut wird hier in der Wahl der Farben der Kostüme unterschieden: die Sharks haben vorwiegend Kostüme in Rottönen, die Jets in Blautönen-

und wie soll es auch anders sein, in diesem Stück geht es nicht nur um Rivalitäten, es geht um Liebe, Moral, Freundschaft, Hass, Temperament, der Flucht aus der Armut und all den Gefühlen, die ein gutes Stück ausmachen

erzählt wird die Geschichte einer verbotenen Liebe- die Liebe zwischen Tony (ein eigentlich ehemaliger Jet) und Maria (der Schwester des Bandenanführers der Sharks: Bernardo), die erst kürzlich aus Puerto-Rico nach New York/USA gekommen ist, um ihr Glück zu finden und eigentlich Gino (einem Shark) versprochen ist- zunächst scheint die Liebe der beiden alle Gräben zu überwinden, aber wie im richtigen Leben kommt es auch hier zur Tragödie und Zerstörung-

Das Musical ist eine Mischung aus bekannten Songs („I like to be in America“, „Maria“, „Tonight“, „I feel pretty“- um nur einige zu nennen) und feurigen Tanzszenen, Kämpfen, Tod und Romantik

mich persönlich hat die Geschichte, wie schon so oft, angerührt und berührt, und stellenweise hatte ich echt Gänsehaut- die Kostüme waren farbenprächtig und die Tanzszenen wunderbar choreographiert, eine Mischung aus lateinamerikanischen Hüftschwüngen und amerikanischem Rock´n Roll-

da ich schon einige Male bei den Seefestspielen war und die Bühne fasziniert betrachtet habe, war ich dieses Mal ein wenig enttäuscht, gibt doch das Stück relativ wenig Varianz in Bezug auf das Bühnenbild her, aber im Prinzip war mir das schon vorher klar

der Wiedererkennungswert der Melodien und die Tragik der Geschichte mit dem Bezug auf die Gegenwart haben mich fasziniert- eben ein zeitloses Musical, das wohl immer irgendwie passt

ein gelungener Abend mit einem perfekt vorangegangenen Tag und jederzeit wiederholbar- z.B. nächstes Jahr Juli/August- die Termine könnt Ihr der Webseite entnehmen, wie auch die Preise und alle wichtigen Facts

***und trotzdem hier ein paar Fakten und meine persönliche Punkteverteilung

Musikalische Leitung: Wayne Marshall/David Charles Abell *****
Inszenierung: Francesca Zambello ****
Choreographie: Richard Wherlock *****
Bühnenbild: George Tsypin ****
Kostüme: Marie-Jeanne Lecca ****
Light Design: James F. Ingalls *****

es spielen: die Wiener Symphoniker *****

und der Abend bekommt 5 Sterne

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