West Side Story Testbericht

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Erfahrungsbericht von Zacky

Es geht los, Gott steh uns bei!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Mit diesen Worten startete Leonard Bernstein 1955 endlich das Projekt „West Side Story“.

>> Entstehung <<

Bereits am 6. Januar 1949 wurde von Jerome Robbins die Idee geäußert eine neue Version des Dramas „Romeo und Julia“ auf die Bühne zu bringen. Es sollte ein Religions-Kampf zwischen Christen und Juden werden. Leonard Bernstein, der für die Musik zuständig sein sollte, war begeistert.
Nur vier Tage später stand fest, wer das Drehbuch schreiben sollte. Die Wahl fiel auf Arthur Laurence.

Im April 1949 legte er schon die ersten vier Szenen vor.
Durch zeitliche Engpässe von Leonard Bernstein und Arthur Laurence musste das Projekt jedoch erst mal auf Eis gelegt werden.

Erst im Juni 1955 nimmt Leonard Bernstein die Arbeit zu „West Side Story“ wieder auf. Da sich die Zeiten ein wenig geändert hatten und der Religions-Kampf von anderen Regisseuren mehrmals durchgenommen wurde, beschließen die Drei, die eigentliche Idee durch einen Rassen-Kampf zu ersetzen.

Im November 1955 stand auch endlich der Songschreiber fest. Es war ein junger Schlagersänger namens Stephen Sondheim.

Zu diesem Zeitpunkt waren also insgesamt vier Männer am Werk.
Nach einer Idee von Jerome Robbins, der auch die choreographische Arbeit übernahm, und dem Buch von Arthur Laurence beschäftigte sich Leonard Bernstein mit der Musik und Stephen Sondheim mit den Gesangstexten.

Gute vier Monate später, also im März 1956, wird das Projekt ein zweites Mal bei Seite gelegt.
„Es muss um ein Jahr verschoben werden. Man weiß nie, wozu so etwas gut ist: ein Ding wie dieses sollte gründlich gesalzen, gepökelt, geräuchert und lange abgelagert sein, ehe man es hervorholt. Überhaupt: es ist ein derart problematisches Werk, dass es nicht abgelagert genug sein kann“, sagte Leonard Bernstein damals am 17. März 1956.

Im Januar 1957 nehmen die Beteiligten das Projekt endlich wieder auf und hängen sich mit vollem Elan und Angagemant wieder hinein.

Im Juli des gleichen Jahres stehen erstmals 40 Jugendliche auf der Bühne, die nie zuvor gesungen hatten. Leonard Bernstein war der Ansicht, dass man für solch ein jugendbezogenes Projekt keine „alten Hasen“ nehmen könne. Erfahrene Darsteller wären zu perfekt, um die Gefühle und den jugendlichen Leichtsinn überzeugend rüberbringen zu können.

Am 19. August 1957 fand die Uraufführung des Musicals „West Side Story“ im National Theater in Washington statt. Es war ein voller Erfolg.

Am 26. September 1957 war die Erstaufführung im „Winter Garden Theater“ in New York. Dort gab es insgesamt, in nur zwei Jahren, 734 erfolgreiche Aufführungen.

1960 wurde die amerikanische Oper dort wieder aufgenommen und es fanden weitere 249 Aufführungen statt.

4 Jahre nach der Uraufführung wurde das Musical verfilmt. Der Film wurde mit dem Akademie-Preis und 10 Oscars ausgezeichnet.
Ebenfalls begann 1961 die Europa-Tournee, die in Deutschland allerdings erfolglos blieb.

1968 fand die erste deutschsprachige Aufführung in der Volksoper in Wien statt. Zu diesem Zeitpunkt begann endlich der langersehnte Erfolg in deutschsprachigen Ländern.

Bis heute touren rund 200 Darsteller, Maskenbildner und viele weitere Beteiligte durch die ganze Welt. In vielen Städten habe sie bereits den Hauch der Faszination hinterlassen.

Ich hatte das Glück einmal live dabei sein zu können.


>> Story <<

Die „Jets“, eine Gruppe von selbsternannten Ur-Amerikanern rivalisieren gegen die „Sharks“. Die „Sharks“, eine Gruppe von Puertoricanern, werden von Bernardo angeführt. Riff ist der Boss der „Jets“. Beide Gangs kämpfen in den Fünfzigern um die Straßen von Manhattan. Stets beobachtet von der Polizei liefern sich die Gegner regelmäßig Streitereien und Rangeleien. In einem sind sie sich jedoch einig. Zwei Gangs sind eine Gang zuviel.

Nach einem Tanzabend, an dem beide Gruppen teilnehmen, soll der Platz für den Kampf vereinbart werden. Tony, der ehemalige Bandenchef der „Jets“ sagt nur zögernd „Ja“, als Riff ihn um Unterstützung bittet.
Maria, die jüngere Schwester von Bernardo, ist erst seit kurzer Zeit in Amerika und soll an diesem Abend das erste Mal in die Öffentlichkeit treten. Ihr Bruder hatte sie nach Amerika geholt, um den aus Puerto Rico stammenden Chino zu heiraten.

Maria und Tony begegnen sich aber zufällig auf diesem Ball und verlieben sich ineinander. Weder Bernardo noch Riff kann dieses für gut heißen und beschließen, noch an diesem Abend einen ausführlichen Kriegsrat zu halten.

Der Kampf wird auf den folgenden Tag festgelegt und soll unter einer Autobahnbrücke, etwas abseits von Menschen, stattfinden. Tony kann jedoch einen Massenkampf verhindern. Er schafft es, einen fairen Zweikampf zwischen Riff und Bernardo, den beiden Stärksten der Gangs, auszuhandeln.

Maria und Tony gestehen sich ihre Liebe. Maria bittet Tony den Kampf zwischen ihrem Bruder und Riff aufzuhalten. Dieser eilt zu der provisorischen Arena und von dort an nimmt das Schicksal seinen Lauf.

>> Die wichtigsten Personen im Überblick (heute)<<

Inszenierung und
Choreographie: Youri Vàmos
Assistenz: Joyce Cuoco
Musikalische Leitung: Koen Schoots
Einstudierung und
künstlerische Mitarbeit: Oliver Linde
Bühne und Kostüme: Michael Scott
Licht: Klaus Gärditz

Die Jets:

Riff (der Anführer): Michael Matys
Tony (sein Freund): Marc Seitz
Action: Jon Drake
Diesel: Jhane Hill
Big Deal: Alexej Afanassiev
Baby John: Fernando Melo
A Rab: Bartek Dybowski
Snowboy: Valerio Mangianti
Velma: Daniela Svoboda
Graziella: Imogen Wearing
Anybodys: Makiko Takii

Die Sharks:

Bernardo (der Anführer): Jörg Simon
Maria (seine Schwester): Katja Reichert
Anita (seine Freundin): Vera Bolten
Chino (sein Freund): Gerald Neeb
Pepe: Thomas Hinterberger
Indio: Lionel Droguet
Luis: Aymeric Mosselmanns
Anxious: Theo Dimopoulos
Rosalia: Kaori Morito
Consuela: Anna Vita
Francisca: Tina Vasilaki
Estella: Cècile Tuzii
Marguerita: Lucia Solari
Teresita: Maree White
Chita: Kristina Ehrs

Die Erwachsenen:

Doc Marc Wenke
Krupke: Ulrich Schmissat
Schrank: Jevgeni Mamrenko
Glad Hand: Igor Antonov


>> Eigene Meinung <<

Ich denke, es wird kaum einen Menschen geben, der die Geschichte nicht kennt oder zumindest noch nie etwas von der „West Side Story“ gehört hat. Oder?
Ich habe den Film das erste Mal vor über fünf Jahren in der Schule sehen dürfen und war damals genauso begeistert, wie ich es noch heute bin. Vor zwei Wochen bin ich dann in den Genuss gekommen, die amerikanische Oper live auf der Bühne zu sehen. Logischerweise stehen nicht mehr die selben Darsteller wie vor fast genau 45Jahren auf der Bühne, aber es was bestimmt ungefähr genauso gut.
Es war faszinierend zu sehen, wieviel Schwung und Elan in den Gesangsstücken lagen und es war großartig mitanzusehen, wie die Darsteller ihre Rolle und die Gefühle der Songs rüberbrachten. Jedes Stück und jeder einzelne Darsteller war wie maßgeschneidert. Zwischen den Darstellern im Film und den Darstellern auf der Bühne bestand sogar eine gewisse Ähnlichkeit. Selbst das Haus, in dem Maria mit ihrer Familie lebt, sah so aus, wie ich es in Erinnerung hatte.
Ich denke, Leonard Bernstein hatte recht, als er sagte, dass zu perfekte Sänger und Tänzer zu unglaubwürdig seinen.
Selbst die Darsteller, die ich bestaunen durfte, waren nicht perfekt.
Marc Seitz, der den Tony spielt, verfehlte ein paar Mal den Ton, doch es störte niemanden. Ich denke, man kann nicht immer perfekt sein, auch wenn man das meistens verlangt. Er stand auf der Bühne, musste singen, musste tanzen und ziemlich häufig sogar das eine mit dem anderen kombinieren. Das da mal ein Ton daneben geht, ist doch in Ordnung, oder? Nach ca. der Hälfte der Vorstellung wurde das Stück durch eine kleine Pause unterbrochen, was ich sehr schade fand. Es war verständlich, denn schließlich mussten die Darsteller insgesamt drei Stunden auf der Bühne stehen, aber mich brachte die kleine Pause dann doch etwas aus dem Konzept.
Da ich jedoch anderserwartend keinerlei Schwierigkeiten hatte, mich wieder in das Geschehen einzufinden, war es im nachhinein nicht ganz so tragisch.
Ich fand dieses Stück von Anfang bis Ende einfach atemberaubend, so dass ich das „um mich herum“ ganz vergaß. Ich sah weder störende Köpfe in meinem Blickfeld, noch hörte ich bewusst die Klatschen der Zuschauer während eines Szenenwechsels.
Erst am Ende erwachte ich aus meiner Faszination und erblickte den Mann zu meiner linken. Er stand bereits und klatschte wie wild in seine Hände. Ständig rief er „Bravo“, „Toll“, „Super“ oder manchmal sogar „Super Bravo“. Dabei lehnte er sich soweit über die „Reling“ der Empore hinaus, so dass seine Frau ihn an seiner Hose festhalten musste. Ob er rausgefallen wäre, kann ich nicht beurteilen. Ich habe mich dann wieder auf die Schauspieler, den Dirigenten und das Orchester konzentriert. Fast zwanzig Minuten nach Schluss standen immer noch gut die Hälfte der Zuschauer auf ihren Plätzen und klatschten oder jubelten der Crew der „West Side Story“ zu. Meine Hände waren mittlerweile rot vom ewigen klatschen, aber was so toll ist, muss schließlich belohnt werden.

Abschließend kann ich sagen, dass ich von allen Musicals, die ich bis jetzt gesehen habe, dieses das Beste war und mir keines so gut in Erinnerung bleiben wird wie die „West Side Story“.

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