When You Look At Me - Christina Milian Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  sehr gut
  • Klangqualität:  sehr gut

Erfahrungsbericht von gerkzeit

Frust

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Meine Discozeit ist zwar schon eine ganze Weile her. Aber noch heute habe ich im Ohr was meine Mutter immer sagte.
“Die heutige Jugend weiss doch gar nicht wie schoen dass sie es hat”.
Nun, angesichts des Liebeskummers, den man damals sehr oft ausgesetzt war, konnte man vor lauter Frust solche Aeusserungen nicht nachvollziehen. Jedoch aus der Sicht eines Mannes im mittleren Alters sehe ich heute die Sache aehnlich. Nur lautet die heutige Aussage ein klein wenig anders wenn dieser Mann zu der heutigen Jugend spricht. Naemlich so:
“Ihr wisst gar nicht wie schoen es die damalige (die meinige) Jugend hatte.”

Das eigene Auto war Standard und die Benzinpreise waren moderat.
Die erwachenden Triebe konnten ausgelebt werden ohne Angst vor Aids und wer weiss was noch.
In der Disco war die Anmache von Drogendielern eine Seltenheit und der Weg nachhause frei von uebermaessigen Aengsten. Und vor allem eins, die Musik, war so erfrischend, leicht (nicht immer anspruchsvoll) aber doch so stimmungserhellend, dass man heute schon wieder die Hits der fruehen 80iger aus der Schublade kramt.

Der Song von Christina Miliam ist einer von den Songs, der die Szenebesucher so frustriert, so dass der Drogenkonsum wahrscheinlich noch ein bisschen steigt. Oder geht es vielleicht nur mir so. Also ich weiss nicht; bei mir sind nur zwei Takte dieser Single noetig, und dieser Ohrwurm setzt sich so hoffnungslos benetrant in meinem Ohr fest, dass ich die folgende Nacht garantiert Schaefchen zaehle und versuche mir jene durch ein paar Zigaretten zu verkuerzen. In anderen Berichten war zwar schon von dem hohen Anspruch seines Textes die Rede. Aber der wiegt diese eintoenige monotone Sprechgesangsakustig nicht auf. Schon jetzt beim Schreiben meines Berichtes bekomme ich diese aufdringliche Monotonie, vor allem dieser Stelle “Tell me what you see, when you look at me” nicht mehr aus meinen gestressten Schaedel. Vielleicht hilft da ein Joint ja wirklich ein bisschen. Ja diese Ohrwuermer gabs frueher auch schon. Aber da waren sie wenigstens noch erheiternd und antidepressiv man denke nur an die damals “neue deutsche Welle”, die ja auch schon wieder hervorgekramt wird.

Anspruchsvoller Text? Mag sein, dass Milians Text anspruchsvoller ist als andere dieser heutigen Stimmungsverderber . Aber die Weisheit die beispielweise mit der folgenden Textpassage ruebergebracht werden soll, ist ja wohl auch nicht jeners letzter Schluss.

Tell me who do you think I am
Looks can be deceiving
Better guess again
Tell me what you see
When you look at me

Nun, dass der erste Eindruck taeuschen kann weiss heute und wusste vor allem damals jedes Kind, da brauche ich keine Christina Milian dazu und was ich zunehmend in den heutigen Songs inklusive des beschriebenen vermisse ist eine gewisse Romantik, die in meinen Augen einfach noetig ist um irgendwie ungeschaedigt durch dieses Leben zu gehen. Es ist nicht alles Honiglecken. Es ist aber auch nicht alles frustrierend. Und das bringt Christina einfach nicht rueber.

Die beste Art Frustrationen und vor allem Aggressionen auf friedliche Art und Weise loszuwerden ist der Tanz. Und probiert mal, wenn ihr nicht gerade Zirkusakrobaten seid, auf diese Passage “When you look at me” einen einigermassen fliessenden Tanz fertigzubringen. Fast ein Ding der Unmoeglichkeit und somit auch eine Sache die den Frust eher foerdert als lindert. Zu abgehackt und ohne regelmaessigen Fluss ist die Melodie. Das Resultat sind die Sonnenbrillen bestueckten, “coolen” Glotzlangweiler mit denen vor allem die heutigen US-Clubs hier und in Uebersee bestueckt sind. Wo bleibt da die Spassgesellschaft? Die hatten wir wohl eher in den 80igern.

Das, mit dem die Seele gefuettert wird, ist das was der Mensch spaeter erntet.
Die 80iger haben sie vorwiegend mit gute Laune Songs gefuettert.
Heute? Mit Frust, Gewalt und manchmal einen Klecks Frohmut.
Und was die Menschen ernten sehen wir jeden Tag auf unserer viereckigen globalen Glotze

I could be a crook or your lover
I could be the one or the other
If you’d look beneath you’d discover
You just don’t know me

Diese Stelle ist gerade praedestinierend dafuer wie falsch und supect die heutige Umwelt unserer Jugend ist und zeugt im gewissen Sinne tatsaechlich von einem gewissen Anspruch. Diese Stelle fordert mich, beziehungsweise die Jugend auf nachzudenken. Denn hinter einer schoenen Fassade koennte etwas ganz besonders gefaehrliches lauern wie z. B. Aids. Obwohl in diesen Text wohl eher von den Gefuehlen die Rede ist, als von dieser Krankheit.
Ja aber was nun?
Soll mich diese Stelle erheitern? Oder romantisch beeinflussen? Oder zum Nachdenken bringen? Letzteres ist wohl am ehesten der Fall. Es koennen auch die Partner gemeint sein die , wie in dieser Passage beschrieben, mich hinters Licht fuehren koennen. Dann ist das wohl eher wieder frustrierend oder? Und wahrscheinlich koennen wir froh sein, dass die ueberwiegende Zahl der Hoerer kein Englisch versteht oder ganz einfach nicht darauf achtet was der oder die Saengerin von sich gibt. Sonst waere gerade diese Passage ein weiterer Grund zur Gemuetsbeeinflussung mit einen Joint.

Die 80iger waren bestimmt nicht die goldenen Jahre und dieser Bericht soll auch keine Hymne auf jene darstellen, sondern eher eine Berichterstattung der Single von Christina Milian. Aber einen Beitrag um die oft so frustrierende Situtuation der heutigen Jugend wenigstens in der Disco eine Zeit lang zu vergessen leistet dieser Song garantiert nicht. Oft liegt der Anspruch eben nicht im interlektuellen Text sondern eher auf dem Grad der belanglosen Unterhaltung, auf die unsere heutige Jugend genauso ein Recht haben sollte, wie die so verwoehnte Jugend von damals.

Die 20 jaehrige Saengering fuer den Frust eines Grossteils der heutigen Jugend verantwortlich zu machen waere verwegen. Denn ihre aeusserst angenehme Erscheinung entschaedigt fuer vieles. Und wenn mir auch ihre Single nicht sonderlich gefaellt, so hat sie es wenigstens in ihren Gastrollen von Charmed und anderen Fernsehsendungen fertiggebracht mich ein wenig meines Daseins zu erfreuen und vielleicht wirds ja mit der naechsten ein bisschen besser.

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