Worte an mein Kind Testbericht

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Erfahrungsbericht von tina65

Für "Kev"

Pro:

eine Entschuldigung

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

Ja, bald ist wieder Weihnachten, vielleicht werde ich ja auch nur etwas sentimental, keine Ahnung, aber es gibt eben Dinge, die noch gesagt werden müssen. Und wieso soll ich es nicht einfach hier tun? Dieses wird ein Bericht, vielleicht ist dieses Wort einfach nicht so gut für das was ich schreiben möchte, doch was ich gerne schreiben möchte, ist für meinen Sohn Kevin gedacht. Ich habe diese Kategorie gestern durch Zufall entdeckt, als ich nur mal etwas rumgestöbert habe. Und Kevin hat am Samstag Geburtstag, er wird jetzt schon 17 Jahre alt. Wie die Zeit doch vergeht! Und am Samstag kann er sich dann meinen Brief an ihn, den ich hier schreiben werde, durch lesen. Jeder Mensch macht einmal Fehler, nicht nur einmal! Manche Menschen werden aus ihren Felhlern klug, andere nicht. Ich bin hoffentlich klug geworden. Dieser Brief ist auch noch all denjenigen gewidmet, die vielleicht einmal in ihrem Leben genauso gehandelt haben wie ich, oder so handeln werden. Verhindern kann ich es natürlich nicht, aber vielleicht kann ich damit zum Nachdenken anregen.

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Lieber Kevin!

Am 05.11.1988 bist du geboren worden mein Schatz. Blöder Anfang, was? Als ob du das nicht weißt. Von Anfang an hatten wir eine sehr innige Beziehung. Du warst mein erstes Kind, und ich dachte auch, dass du mein einziges Kind bleiben würdest. Ich habe viel mit dir unternommen, als du klein warst. Ich habe dich tag täglich mit zur Arbeit genommen, bin mit dir viel draussen gewesen, war mit dir immer bei anderen Kindern gewesen, damit du jemanden zum spielen hast. Es war so eine schöne Zeit. Ich war noch jung, habe mich nicht überfordert gefühlt, und du warst eigentlich(bis auf ein paar kleine Macken) ein sehr unkompliziertes Kind. Schwieriger wurdest du erst, als du älter wurdest. Du hattest deinen eigenen Willen. Hast immer das getan, was du wolltest. Du wurdest deinem Papa immer ähnlicher. Du warst, oder bist, genauso still wie er, genauso eigensinnig, na ja, die negativen Seiten will ich ja gar nicht aufzählen"grins". Du weißt wie ich das meine, ja? Dafür kennen wir uns ja auch schon lang genug. Als du geboren wurdest, und ich dich zum ersten mal sah, da dachte ich, der sieht aus wie "Heini", mein Onkel. Dein Köpfchen war genauso rund, dein Mund genauso groß. Und du warst laut am schreien. Nun wirst du schon 17 Jahre alt und möchtest bald den Führerschein machen.

Mein süsser Kevin! Damals konnte ich nicht ahnen, dass mal alles anders werden würde. Ich habe dir sehr weh getan. Im Jahr 2001 ging meine Ehe kaputt. Du hast bis heute nicht verstanden wieso? Wir haben doch lange darüber gesprochen. Ich habe versucht dir alles zu erkären. Damals! Du warst erst 12 Jahre alt und hast nichts verstanden, absolut nichts. Wie solltest du auch, du warst ja noch ein Kind. Von einem Tag auf den anderen habe ich dich verlassen. Wir haben immer abends zusammen gekuschelt, weißt du noch? Zusammen auf dem Sofa. Wir haben immer alles zusammen gemacht. Ich war immer bei dir. Und dann habe ich dich einfach alleine gelassen. Im Mai 2001 war ich innerlich schon von deinem Vater getrennt. Wir mußten getrennte Wege gehen. Mir blieb gar nichts anders übrig. Er hätte mein Leben mit kaputt gemacht. Mittlerweile hat Papa sich ja wieder gefangen. Aber in all den Jahren, seit wir getrennt waren, stand er wirklich manchmal am Rande des Abgrundes. Das weißt du ja selbst. Und wenn ich mit ihm zusammen geblieben wäre, hätte er mich vielleicht mit sich runter gezogen, vielleicht! Ich konnte das nicht zulassen. Und ich wollte es auch nicht zulassen, dass du alleine sein mußtest. Ich habe versucht mein möglichstes zu tun, dich schnell zu mir zu holen. Doch du warst nicht glücklich. Nicht damals, nicht im Sauerland, wo wir hingezogen sind, du warst immer traurig.

Im Juli 2001 lernte ich einen Mann kennen, mit dem ich darauf viel Zeit verbrachte, zu deinem Nachteil mein Engel, ich weiß. Dein Papa wollte einfach nicht aus unserer Wohnung ausziehen, also mußte ich gehen. Ich war viele Nächte weg, bin dann tagsüber wieder zu dir gekommen, habe hier gearbeitet, und abends bin ich wieder zu meinem Freund zurück. Du lagst dann immer alleine im Bett, wir kuschelten nicht mehr miteinander. Ich war nicht mehr da! Ich denke immer daran mein Kev. Heute, so wie damals. Ich mußte mein Leben einfach ändern. Ich bereue es zu tiefst, doch ich glaube, wenn ich in dieser Situation wieder wäre, würde ich genauso handeln. Ich mußte einfach weg. Also zog ich im November 2001 aus. Die Wohnung war leider viel zu klein für dich und mich. Zwar wohnte ich in der Nähe und sah dich jeden Tag, aber abends bliebst du immer noch allein bei deinem Papa zurück. Und wie dein Papa sich um dich gekümmert hat, darüber brauche ich ja nicht zu schreiben, das weißt du ja selbst. Manchmal kamst du mich abends besuchen. Ich lernte Micha kennen und die Zeit wurde noch schwieriger für dich. Nach einigen Monaten hielt ich es so nicht länger aus. Wir mußten eine größere Wohnung suchen. Also fanden wir schließlich das Haus im Sauerland, wo wir dann hinzogen. Ich wollte, dass du wirder glücklich bist, wieder bei mir sein kannst. Doch du hattest dich in der Zwischenzeit verändert. Du warst älter geworden, erwachsener, nicht mehr das Kind von früher. Ich hatte ja so viel versäumt.

Ich hatte gehofft, dass wir wieder zueinander finden würden, als wir ins Sauerland zogen. Doch so war es leider nicht. Es gefiel dir dort überhaupt nicht. Du kamst mit Micha nicht klar, mit der Schule nicht. Es war dir dort zu einsam, und nach weinigen Monaten wolltest du wieder zurück in die Stadt, zu deinem Papa. Ich mußte dich gehen lassen. Es tat mir so weh. Ich hatte gedacht, wir würden eine richtige Familie werden doch das war nur eine Illusion gewesen. Du zogst im Mai 2003 wieder zurück nach Essen. Micha und ich blieben alleine in diesem großen Haus zurück. Ich sah dich kaum noch. Du hattest mir versprochen, dass du an den Wochenenden uns besuchen kommen würdest, aber die Besuche wurden immer weniger. Dafür hörte ich immer mehr negative Dinge über dich. Dein Papa rief mich an, deine Oma, alle wurden mit dir nicht mehr fertig. Du warst da schon 14 Jahre alt. Du schriebst mir nachts SMS, dass du immer noch wach sein würdest. Ich hatte solche Angst, dass du absacken würdest. Ich machte mir ständig Sorgen um dich, bis ich es nicht mehr länger aushielt, und einfach aus dem Sauerland abhaute, Micha alleine ließ und nach Essen kam. Es war eine schöne Zeit. Wir wohnte zusammen in deinem Zimmer auf dem Dachboden, weißt du noch. Und du warst so anders geworden. Als ich schließlich wieder zurück ins Sauerland ging, zogen wir ja 2 Monate später auch wieder zurück nach Essen, wieder in unser altes Haus und lebten von da an wieder zusammen.

Dein Papa machte endlich Platz. Er zog aus. Und Micha und ich zogen ein! Ich hatte es mir einfacher vorgestellt. Welch eine träumerei. Das es nicht einfach werden würde, hätte mir doch klar sein müssen. Du sahst mich wohl eher als Feindin, nicht als Mutter. Ich war ja schließlich die jenige, die dich als Kind hat einfach alleine gelassen, ist weggezogen, ohne dich. Ich habe meine LIebe dir einfach entrissen. Manchmal könnte ich wahsinnig werden, wenn ich daran denke. Was habe ich dir angetan? Nun wohnen wir schon 2 Jahre wieder hier, mit dir. Es ist besser geworden, sagt mir mein Gefühl. Vielleicht verzeihst du mir ja irgendwann. Vielleicht wirst du irgendwann verstehen, wieso ich so gehandelt habe. Denn, wenn ich mit deinem Vater zusammen geblieben wäre, wären wir vielleicht jetzt alle am Ende, so wie er es ist. Du kennst ihn doch und weißt wovon ich schreibe. Ich hatte immer nur Angst, dass all die Leute, all deine Freunde einen schlechten Einfluß auf dich haben könnten, aber du bist zu stark! Du lässt dich nicht beeinflussen, das weiß ich jetzt. So labil bist du nicht. Als ich weg war, hattest du nur Angst vor dem Alleinsein. Deswegen hast du dir all diese Freunde gesucht, die dann immer bei dir waren.

Nun gehst du schon lange deinen eigenen Weg. Und ich kann nur hoffen, dass Tristan, dein Bruder, mal genauso stark sein wird wie du, genauso später einmal weiß was er will. Und sich durch nichts und niemanden davon abringen läßt. Du wirst dein Leben meistern, davon bin ich überzeugt. Nun bin ich wieder da, nun brauchst du mich aber nicht mehr. Damals, wo du mich gebraucht hättest, war ich nicht für dich da. Und das werde ich mir niemals verzeihen. Eines solltest du aber wissen, egal wo du jemals sein wirst, egal was du jemals tun wirst, ich werde immer zu dir halten, ich werde dich immer lieben, denn du bist und bleibst mein Kind.

Küsschen Tina

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PS. Lasst Eure Kinder nicht zurück, lasst sie nicht alleine. Sie können solche Dinge nicht verstehen. Ich war ja so ahnungslos. Um zu meiner Ehe was anzumerken, wieso, weshalb ich mich habe scheiden lassen, steht in einem anderen Bericht von mir. Gehört jetzt aber nicht zu diesem Bericht. Es hat seine Gründe gehabt, weswegen Kevins Vater und ich auseinander gegangen sind.

47 Bewertungen, 20 Kommentare

  • mami_online

    17.07.2006, 00:35 Uhr von mami_online
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hallo Tina... und hallo Kevin (falls er das liest). Es ist nie leicht, wenn sich ein Paar trennt, das Kinder hat. Leider ist es grundsätzlich so, dass das/die Kind/er bei einem der Partner bleiben. Und natürlich vermissen sie den anderen, das ist nicht zu

  • Estha

    31.05.2006, 14:07 Uhr von Estha
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨¨*:•. ... sh ... .•:*¨¨*:•.

  • mcsuttner

    25.04.2006, 23:19 Uhr von mcsuttner
    Bewertung: sehr hilfreich

    wow, ich bewundere deinen mut! ich hoffe für dich auf ein happy end, wenn nicht jetzt, vielleicht irgendwann.....

  • schnekuesschen

    10.04.2006, 14:29 Uhr von schnekuesschen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein klasse Bericht....LG Sandy :-)))

  • bubbelchen05

    09.04.2006, 15:04 Uhr von bubbelchen05
    Bewertung: sehr hilfreich

    Weiß nicht, was ich dazu schreiben soll... man macht im Leben wohl immer Fehler, die man später sehr bereut...

  • morla

    29.12.2005, 20:39 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich

  • gitty_goes_shopping

    26.11.2005, 10:11 Uhr von gitty_goes_shopping
    Bewertung: sehr hilfreich

    Besser ein später Brief als einer, der nie geschrieben wurde oder den Empfänger nicht erreicht hat. Ich finde den Text emotional sehr anrührend. Du schaffst damit viel Raum für Gespräche, wenn "das Gegenüber" bereit dazu ist - jetzt oder später

  • Woelfchen4

    20.11.2005, 00:02 Uhr von Woelfchen4
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schön geschrieben!

  • diana75

    13.11.2005, 19:06 Uhr von diana75
    Bewertung: sehr hilfreich

    mein Kommentar habe ich ja schon bei Ciao hinterlassen. <br/>LG diana75

  • Cicila

    09.11.2005, 22:09 Uhr von Cicila
    Bewertung: sehr hilfreich

    So schön :-) <br/>LG Cicila

  • irmi1967

    06.11.2005, 15:32 Uhr von irmi1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    ein sehr sehr schöner brief !

  • marina71

    04.11.2005, 01:14 Uhr von marina71
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr persönlich, zum Nachdenken regst du auf alle Fälle an. Alles Liebe für dich und deine Kinder. LG

  • redwomen

    03.11.2005, 20:17 Uhr von redwomen
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich denke es ist NIE einfach wenn eine wirklich liebende Mutter ihr Kind zurück lassen muss. Und wie soll man das bitte auch einem KIND erklären `??? -ich selbst möchte so eine Zeit nicht mitmachen.- Hohe Achtung vor dir und vor allem auch vor deinem Sohn.

  • Tweety30

    03.11.2005, 15:58 Uhr von Tweety30
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schön geschrieben. alles Gute euch beiden! Liebe Grüße, Tweety30!

  • Flute

    03.11.2005, 14:52 Uhr von Flute
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lg. Dunja

  • michaloew

    03.11.2005, 14:33 Uhr von michaloew
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hast du wirklich schön geschrieben mein Engelchen. Ich liebe dich wirklich sehr. Bis gleich, Küsschen

  • animaldream

    03.11.2005, 14:29 Uhr von animaldream
    Bewertung: sehr hilfreich

    stimmt nachdenklich! LG animaldream

  • der_Baer

    03.11.2005, 14:21 Uhr von der_Baer
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr eindringlich ... da kommt man ins Denken und das sollte man wohl auch <br/>lg Wolfgang

  • waltraud.d

    03.11.2005, 14:10 Uhr von waltraud.d
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schön

  • sushini

    03.11.2005, 14:00 Uhr von sushini
    Bewertung: sehr hilfreich

    klasse bericht :)