Yosemite Nationalpark Testbericht
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Erfahrungsbericht von RogerMurtaugh
Auf der Jagd nach Bigfoot
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Einzig lebender Beweis für die Existenz einer solchen Kreatur, dürfte wohl der deutsche Yeti sein, der, im Gegensatz zu seinen doch recht menschenscheuen Artgenossen, sehr kontaktfreudig ist, vereinzelt in Talk Shows auftritt und sogar Bücher veröffentlicht. Dieses zottelige Urviech hört auf den Namen Reinhold Messner! Oder habe ich da was verwechselt?
Wie auch immer, ein naher Verwandter des germanischen Alpenyeti treibt sein Unwesen jenseits des großen Teiches in den nordamerikanischen Wäldern, wenngleich es oder er bis heute noch keinem Cowboy vor den Colt bzw. vor die super moderne High-Tech-Videoüberwachungsanlage gelaufen ist. Allein einige Überlieferungen aus vergangenen Jahrhunderten, indianischen Ursprungs, lassen erahnen, daß da etwas durch die Wälder kreucht und fleucht, vor dem selbst der tapferste Indianer reiss aus nahm, sich ängstlich in seinem Tipi verkroch und infolge dessen seine Squaw oder alternativ, seine Schwiegermutter zum Feuerholz sammeln in den Wald schickte.
Dieses garstige Wesen schien bei den dortigen Ureinwohnern soviel Eindruck gemacht zu haben, daß man ihm als bald einen eigenen indianischen Namen gab, Mapinguari, oder Sasquatch, je nach Stamm und Sprache.
Nach der feindlichen Übernahme der Regionen durch die weißen Siedler, bekam der haarige Waldschrat einen neuen Namen, der bis heute seine Gültigkeit hat, Bigfoot...
All dies ging mir durch den Kopf, als meine bald schon schlechtere Hälfte und ich uns Anfang Oktober 1997 dem Yosemite-Nationalpark aus Richtung San Francisco nährten. Über die Route 140, entlang dem Merced River, der im Yosemite-Tal seinen Ursprung hat, gelangten wir nach knapp 320 km Fahrtstrecke von Frisco ausgehend, zu einem der vier Eingänge des Nationalparks, dem "Arch Rock Entrance". Dies dürfte wohl auch die imposanteste Möglichkeit sein, um den Park zu betreten, denn der erste Anblick war schlicht weg atemberaubend. Wir konnten direkt in die ca.13 km lange und nur 3 Km breite Schlucht sehen, umrandet von Granitfelsen, die bis zu 2650 m in die Höhe ragten. Ein Bild wie aus einem Hochglanzkalender.
Einige kurze Worte zur Entstehungsgeschichte dieses Fleckchen Erde, daß für viele Menschen als einer der schönsten Orte weltweit gilt.
Vor einigen Millionen Jahren befand sich im Tal ein Fluss, der mit der Zeit einen bis zu 650 Meter tiefen Canyon aushöhlte. In der Eiszeit füllte sich der Canyon bis zu seinem Rand mit Wasser und mit möglicherweise einem oder mehrere Gletschern. Sie erweiterten den Canyon an seinen schwächsten Stellen und vertieften das Yosemite-Tal. Nach der Eiszeit wurde der Boden des Tals von einem See bedeckt. Der See verschlammte im Laufe der Eiszeit und wurde zur heutigen üppigen Wiesenlandschaft, die mit Tannen bestückt und von enormen Granitgipfeln umgeben ist.
Im Jahre 1851 betraten erstmal weiße Siedler dieses Tal, daß bis dahin von Indianern bewohnt war. Schon bald erlangte das Yosemite-Tal landesweite Berühmtheit und Präsident Roosevelt unterzeichnete 1864 einen Erlass, der besagte, daß das Tal in seiner ursprünglichen Schönheit erhalten bleiben solle. Im Jahre 1890 erhielt Yosemite den Status eines Nationalparks, nach Yellowstone der zweite Nationalpark der noch jungen vereinigten Staaten von Amerika.
Für einen Eintrittspreis von 20 $ pro Auto kann man bis zu 7 Tage im Canyon verweilen, was wir leider nicht voll ausschöpfen konnten, da unsere Rundreise durch den Westen der USA auf 18 Tage begrenzt war und wir am Abend das prächtige Tal schon wieder verlassen mussten.
Die letzten Meter zum Visitors Center und dem Yosemite Village, welche im Eingangsbereich des Tales liegen, legten wir dann auch zu Fuß zurück und genossen als erstes die wunderschöne Umgebung. Die Talsohle, auf der wir uns befanden, liegt 1200 m über dem Meeresspiegel und ist über die gesamte Länge und Breite des Tals fast ebenerdig so das man ohne übermässige körperliche Anstrengung den Canyon bewandern kann.
Am beeindruckensten fand ich die fast senkrechten Granitwände, die das Tal zu beiden Seiten einschlossen und fast schon klaustrophobisch wirkten. Der 2307 m hohe "El Capitan", ein gigantischer Monolith, und die halbierte Kugel des "Half Dome" sind wohl die markantesten Merkmale des Yosemite-Parks. Diese beiden Granitgiganten bestimmen die Szenerie und bilden ein unvergessliches Panorama, daß man in der Form wohl nirgends auf der Welt ein zweites Mal findet.
Die steilen Granitwände zu beiden Seiten sind ein wahres Paradies für alle Freeclimber und Louis-Trenker-Imitatoren und selbst die alte Crew des Raumschiff Enterprise wußte die Vorzüge dieses Naturwunders zu schätzen, wenngleich Mr.Spock dann doch lieber mit Raketenstiefeln durch die Gegend düste (zu sehen in Star Trek V - Am Rande des Universums).
Bis vor wenigen Jahren tobte sich auch die Gemeinde der Base-Jumper regelmäßig am "El Capitan" aus, bis es zu einigen tödlichen Unfällen kam und die Parkverwaltung diese Veranstaltungen verbot.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in der örtlichen Lounge und einem kleinen Imbiss, machten wir uns sogleich auf, den Park auf eigene Gefahr zu erkunden. Unser Ziel waren die "Yosemite-Falls", ein Wasserfall, der sich 739 m in die Tiefe stürzt und als höchster Wasserfall Nordamerikas gilt. Auf dem 2 km langen Fußweg, der sich durch einen wunderschönen Wald erstreckt, begegneten uns unzählige Eichhörnchen, die alles andere als scheu waren.
Während ich nach wie vor von dem Gedanken beseelt war, Bigfoot höchst selbst zu fotografieren, machte sich mein Frauchen vermehrt Sorgen wegen der Warnschilder, die besagten, daß man bitte nicht mit Lebensmitteln herum hantieren solle, da die hier ansässige Bärenpopulation nichts lieber täte, als ahnungslose Touristen zu belästigen um sich an ihrer Wegzehrung zu laben, im günstigsten Fall. Mehr als 1000 aufgebrochene Autos pro Jahr lassen erahnen, daß diese pelzigen Zeitgenossen nicht nur verfressen, sondern obendrein auch noch verdammt clever sind.
Doch weder Schwarzbären noch Bigfoots kreuzten unseren Weg und so erreichten wir die "Yosemite-Falls" und wurden ein weiteres Mal enttäuscht. Der höchste Wasserfall Nordamerikas entpuppte sich als tröpfelndes Rinnsälchen, so als würde auf der obersten Klippe ein Waschbär stehen und runter pieseln. Die Erklärung folgte auf dem Fuße, denn ein netter Ranger ließ uns wissen, daß wir uns ein schlechtes Jahr für unseren Besuch ausgesucht hätten, da das Wetterphänomen El Nino dafür sorgte, daß der Sommer extrem trocken verlief und die ansonsten so imposanten Wasserfälle fast völlig ausgetrocknet seien. Ein dummer Zufall, denn ein völliges Austrocknen der Wasserfälle ist so selten wie ein 6er im Lotto...
Etwas missmutig traten wir den Rückweg zum Yosemite-Village an, um uns noch ein wenig im örtlichen Museum über die Geschichte des Parks zu informieren, als es plötzlich verdächtig im Gehölz knackte. Meine Frau war natürlich gleich am Rande eines Nervenzusammenbruchs.
"Ein Grizzly, ein Grizzly".
"Ach quatsch, hier gibts keine Grizzlys", verkündete ich ganz mannhaft und schlotternd vor Angst.
"Verdammt, dem Viech wirds egal sein, ob er ein Grizzly oder ein Schwarzbär ist, wenn er uns anfällt und auffrisst!"
Weiblische Logik!
"Jetzt mach Dir mal nicht ins Höschen. Hier rennen so viele Leute im Park herum, die haben sicher mehr Angst vor uns, als wir vor denen. Das ist sicher nur ein Eichhörnchen." Ich verbarg meine zitternden Hände hinter dem Rücken und versuchte die Contenance zu wahren.
"Ich hab aber noch nie ein Eichhörnchen grunzen hören..." Ein gutes Argument!
"Ok ok, paß auf. Ich schau mir das mal genauer an und du bleibst hier und rührst Dich nicht von der Stelle." Ich überlegte kurz und erinnerte mich wieder an die alten Indianer. Wie war das nochmal mit dem Tipi und der Squaw?
"Bist Du verrückt? Was mach ich denn, wenn das Vieh dich anfällt?" Verzweiflung in der Stimme.
"Naja, da sehe ich zwei Möglichkeiten. Entweder bleibst Du stehen und wartest bis das grunzende Eichhörnchen mich aufgefressen hat und sich dann an Dir gütlich tut oder Du rennst zurück zum Village und freust Dich darüber, daß dir eine teure Scheidung erspart bleibt."
"Idiot!"
"Ich liebe dich auch, mein Schatz."
Sprachs und verschwand im Unterholz. Ich pirschte mich also durch das Gehölz und kam der grunzenden und keuschenden Quelle immer näher. Plötzlich entdeckte ich zwischen den Sträuchern und Bäumen ein stark behaartes Etwas hinter einem Baumstamm hervorlugen. Sollte es etwa...? Nein, oder vielleicht doch? Mit zittrigen Händen machte ich die Kamera klar, jederzeit bereit den vermeintlichen Bigfoot in seiner vollen Pracht abzulichten.
Ich veränderte meine Position noch etwas und konnte nun ganz genau einen pelzigen Hintern und einen ebenso pelzigen Rücken erkennen. Aber was zum Teufel machte das Viech da bloß? In dieser gehockten Position kann man eigentlich nur auf eines schließen und tatsächlich, da saß ein Bigfoot und düngte den Boden. Wow! Ich hielt voll drauf, vergaß allerdings den Blitz auszuschalten und das wurde mir sogleich zum Verhängnis.
Das vermeintliche Urviech stieß einen überraschten Schrei aus, drehte sich in meine Richtung und ließ mich in seiner Muttersprache wissen, es wird wohl italienisch gewesen sein, daß er nicht gerade sehr erfreut darüber sei, daß ich seinen entblößten Hintern ablichte. Den schrillen Tönen und dem Wutgeschrei nach zu urteilen war besagter Herr in keinster Weise davon angetan, bei der Verrichtung seiner Notdurft gestört zu werden. Eiligen Schrittes bannte ich mir einen Weg zurück zu meiner völlig aufgelösten Frau, die noch immer völlig entnervt am Wegesrand auf meinen Todesschrei wartete. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob ihr Blick, der mich empfing, nun Erleichterung oder Enttäuschung ausdrücken sollte!
"Was ist passiert? Ich habe Schreie gehört!"
"Nichts weiter, wie ich schon sagte, ein Eichhörnchen. Ein sehr großes Eichhörnchen..."
Den Rest des Tages konnte ich nicht mehr so recht genießen, da ich mein Augenmerk ausschließlich darauf richtete, etwaigen italienisch aussehenden Touristen in großem Bogen aus dem Wege zu gehen, anstatt mich den Schönheiten der Natur zu widmen.
Aber nicht nur das Valley ist empfehlenswert, denn der Yosemite-Nationalpark erstreckt sich über 2500 Quadratkilometer und bedeckt einen der wald- und gewässerreichsten Abschnitte der Sierra Nevada.
Am südlichen Eingang stößt man z.b. auf den "Mariposa Grove", einen weniger überlaufenen Wald, in dem man die berühmten Sequoia- und Redwood-Bäume bewundern kann. Diese Mamutbäume gehören zu den ältesten und größten Bäumen der Welt, wobei vor allem der 2700 Jahre alte, 30 m breite und 64 m hohe "Grizzly Giant" ins Auge fällt.
Ebenfalls im Süden gelegen ist der "Bass Lake", eines der größten Naherholungsgebiete Kaliforniens. Der See erhielt den Namen aufgrund der unzähligen Barsche, die dort in Scharen leben. Ein Eldorado für jeden Angler und Hobbyfischer.
Die Goldgräberstadt "Mariposa" lädt ebenfalls zu einem interessanten Tagesausflug ein. Im 19.Jahrhundert eine blühende Siedlung und heute bis ins kleinste Detail rekonstruiert, so daß man hautnah nachempfinden kann, wie die Menschen vor fast 200 Jahren gelebt und gearbeitet haben, auf der Suche nach dem großen Reichtum.
Wer einen längerfristigen Aufenthalt in dieser herrlichen Gegend einplant, hat die Möglichkeit in einem der sechs ansässigen Hotels einzuchecken. Da die Kapazitäten auf 700 Zimmer begrenzt ist, empfiehlt es sich, mindestens 6 Monate vor Antritt der Reise eine Reservierung zu buchen (Preise zwischen 44 $ und 245 $ pro Übernachtung), da der Yosemite-Nationalpark sehr stark frequentiert wird. Speziell an Wochenenden und Nationalfeiertagen, gerade in den Sommermonaten, kann es zu Staus und Massenaufläufen kommen, so daß es mitunter auch passieren kann, daß der Park für weitere Besucher geschlossen wird. Alternativ gibt es auch noch ein Camping-Gelände, wobei man noch einmal speziell darauf hinweisen sollte, daß die Warnschilder bezüglich der Schwarzbären nicht umsonst dort aufgestellt wurden. Für schreckhafte und weniger naturverbundene Menschen keine wirklich sinnvolle Option.
Die optimale Reisezeit für den Yosemite Nationalpark ist das Frühjahr, da weniger Touristen und einheimische Wochenendurlauber, sowie das Tauwetter, daß die Wasserfälle in gigantische Naturschauspiele verwandelt, oder der Herbst, wenn sich die Wälder in den herrlichsten Farben präsentieren.
Unser Aufenhalt im Oktober 1997 endete leider noch am gleichen Tag und wir konnten uns beim besten Willen nicht alle Sehenswürdigkeiten anschauen, da der nächste Höhepunkt schon am nächsten Tag auf dem Programm stand, dass "Death Valley" in der Wüste Arizonas.
Was bleibt, sind Eindrücke, die selbst nach knapp 5 Jahren, die nun vergangen sind, nicht verblassen. Diese fast schon surreal anmutenden, gigantischen Felsformationen, das kleine Valley, daß wie ein kleines Paradies zwischen den Granitsteilwänden eingebettet liegt und nicht zuletzt die Fauna und Flora dieses wunderschönen Fleckchen Erde erinnern mich immer wieder daran, wie klein und unbedeutend wir Menschen doch in Wirklichkeit sind. Wer das erste Mal die Größe und Schönheit dieses Naturwunders erlebt, wird sofort in seinen Bann gezogen und der Zauber, der dich gefangen hält, wird dich ein Leben lang begleiten. Es ist wie eine Märchenwelt, fast zu schön um real zu sein.
Was den Bigfoot anbelangt, so muß ich leider berichten, daß meine Suche erfolglos blieb. Das Gesicht allerdings, das meine Frau machte, als sie die Bilder vom haarigen, nackten Hintern des italienischen Touristen sah, war mir dann doch ein großer Trost.
15 Bewertungen, 9 Kommentare
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27.03.2002, 08:38 Uhr von hpmaier
Bewertung: sehr hilfreichSuper Bericht zu einem echt tollen Park. Ich will unbedingt nochmals dort hin, wir hatten das letzte Mal nicht so gutes Wetter.....gruesse hpmaier
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20.03.2002, 14:41 Uhr von antjeeule
Bewertung: sehr hilfreichDiesen Bericht habe ich gerne noch einmal gelesen. Ich fand ihn streckenweise total witzig.
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19.03.2002, 21:37 Uhr von store_troll
Bewertung: sehr hilfreichEin wirklich toller Bericht
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15.03.2002, 12:11 Uhr von Radar
Bewertung: sehr hilfreichMein absoluter Lieblingspark!
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26.02.2002, 11:22 Uhr von C.A.McLane
Bewertung: sehr hilfreichDann wollen wir mal unserer Klickpflicht nachkommen.
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22.02.2002, 04:27 Uhr von Patrick75
Bewertung: sehr hilfreichKlasse statt Masse! Auch dieser Beitrag ist Dir wieder hervorragend gelungen! Gruß, Pat
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15.02.2002, 14:40 Uhr von Mattis01
Bewertung: sehr hilfreichSchöne Geschichte
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15.02.2002, 14:38 Uhr von MOFFt
Bewertung: sehr hilfreichDer ist sich leider in meinem USA Besuch nicht ausgegangen ... gruss MOFFt
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15.02.2002, 14:36 Uhr von ch_zocker
Bewertung: sehr hilfreichgute Meinung, kannst ja auch mal bei mir reinschauen, würde mich freuen
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