Zeitarbeit Testbericht

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Erfahrungsbericht von DustDevil

Zeitarbeit - zum Ausbeuten immer bereit

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Zunächst einmal zu mir: ich habe eine überbetriebliche Ausbildung als Bürokaufmann abgeschlossen. Damit sind meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt sehr schlecht. Nach dieser Ausbildung hat sich die Zeitarbeit angeboten. Ich informierte mich bei einigen in Frankfurt und Wiesbaden, da ich genau dazwischen wohne.

Jetzt zu den Zeitarbeitsfirmen: Im Rhein-Main Gebiet (Wiesbaden und Frankfurt incl.) gibt es bis zu 400, die für jeden einzelnen Auftrag erbarmungslos kämpfen. Durch die nachlassende Nachfrage dank der Wirtschaftskrise wird der Spießroutenlauf immer härter und gnadenloser. Zu lasten des Mitarbeiters der Zeitarbeitsfirma: er wird grottenschlecht bezahlt, unterqualifiziert und perspektivlos eingesetzt, finden die nichts: gefeuert. Trotzdem locken manche Firmen immer noch Leute.

Aus rechtlichen Gründen habe ich weder die Zeitarbeitsfirmen noch die Kunden genannt.

Zeitarbeit Nr. 1

Eine Firma, mit einem Pferd als Logo, hat mir sofort einen Vertrag angeboten, sowie ich den Abschluss vorlegte. Der Stundenlohn: 13,- DM brutto + Nettozuschuss (sehr wenig). Am Tag wo es losgehen sollte habe ich angerufen, um zu fragen, wo ich eigentlich hinsoll. Die hatten überhaupt keinen Einsatz! Mehrere Tage vergingen, da wurde ich ins Büro in Frankfurt bestellt. Der Vertrag wurde um einen Monat verzögert! Nach diesem Vorfall wechselte ich zu einer anderen Zeitarbeitsfirma in Wiesbaden. Der in Frankfurt sagte ich ab.

Zeitarbeit Nr. 2

Die in Wiesbaden zahlten 15,00 DM brutto/Stunde + 5,- DM Nettozuschuss pro Tag. (Immer noch wenig). Der Einsatz fand in einer Computerfirma statt. Die Arbeit als Datentypist war langweilig und frustrierend. Ich war in einer Gruppe mit c.a. 14-15 anderen Zeitarbeitskräften pro Gruppe, es waren 2 Gruppen. 2xWechselschichtsystem, die Arbeitszeiten 1x von 06:00 Uhr bis 14:00 Uhr und dann von 14:00 Uhr bis 22:00 Uhr. Die Fluktuation war superhoch. Jede Woche neue Leute, andere gingen. Manche hatten sich gar nicht abgemeldet, sie kamen einfach nicht mehr! Einmal kamen zwei von der Mittagspause einfach nicht zurück! Der Umgangston war stellenweise assozial bis kindisch. Eine Schl.... baggerte jeden an, den sie kriegen konnte. Provozierte pausenlos. Eines Tages stand ihr bescheurter Macker an meinem Auto und meinte ob ich ein Problem mit seiner Freundin hätte. So etwas in der Art spielte sich dort Tag täglich ab. SMS-Drohungen verschickten die zum Beispiel massenweise. Bis der Netzbetreiber manche sperrte. Zum Teil auch weil sie die Rechnungen bis 1.000,- DM gar nicht mehr zahlen konnten. Da ich meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt gut einschätzen konnte (ich hatte nämlich keine) blieb ich zähneknirschend ein ¾ Jahr.

Danach bekam ich ein paar andere kurze Einsätze. Eine Versicherung gab mich zurück, weil sie doch keine Arbeit hatten, nachdem sie 6 Zeitarbeitskräfte bestellten. Einer anderen war ich nicht schnell genug (für 15,- DM pro Stunde!). Ich flog schließlich mit 1-Monats Frist und wechselte zu einer weiteren Zeitarbeitsfirma.

Zeitarbeit Nr. 3

Bei der klappte es zunächst prima. Der Lohn: 16,- DM pro Stunde (na ja) 10, DM am Tag Netto und 200,- DM Fahrtkostenzuschuss J.Das Tätigkeitsumfeld war noch am anspruchsvollsten. Auftragsbearbeitung mit SAP R/3. Das bekannte und seriöse Unternehmen hatte ein recht angenehmes Betriebsklima. Der Einsatz war auf 4 Monate befristet. Dabei blieb es auch, mangels Arbeit. Einen weiteren Einsatz fand die Firma nicht. Gefeuert mit 2 Wochen Frist (Probezeit).


Zeitarbeit Nr. 4

Nach 2 monatiger Arbeitslosigkeit ging ich zur Zeitarbeitsfirma Nr. 4 nach Frankfurt, bei dem Beratungsgespräch sagte man mir plötzlich ich solle eine halbe Stunde warten. Es kommt ein Einsatz. Doch nicht. Man würde mich heute Nachmittag (Freitag) anrufen oder am Montag. Am Montag wurde ich schließlich um 8:30 Uhr aus dem Bett geklingelt. Ich möchte doch bitte nach Schwalbach zu einer Firma fahren. Übermüdet, gestresst und durcheinander fuhr ich nach Bad Schwalbach, genau in die verkehrte Richtung. Ich rief dort an, wo die Firma sei, dort klärte sich der Irrtum. Eine stressige Fahrt mit Handy trotz Verbot. Ich solle zur anderen Firma, nein doch nicht, halt jetzt doch. 3 Anrufe in einer halben Stunde. Nach endlosem Suchen fand ich die Firma. Superunfreundlicher und unorganisierter Empfang. Man wusste nicht wo ich hinsollte. Schickte mich durchs ganze Haus.

Der Arbeitsvertrag kam dann am Abend per Post (9,25 Euro + 5,00 Euro Netto pro Tag, ok) Am nächsten Tag (!) war ich endlich in der richtigen Gruppe führ eine EDV-Schulung. Verträge mussten in die Datenbank „Oracle“ superumständlich und aufwendig wie nur möglich erfasst werden. Fünf Unter-Programme waren dazu nötig! Danach kam ich in einen Raum mit 3 anderen Zeitarbeitern. Kein Fenster, sehr klein, Kabel lagen einfach so über dem Boden, alles überhaupt nicht zulässig! Neben mir sas ein über 100kg Fettsack, der pausenlos von seinen schwulen Beziehungen sprach! Gegenüber eine EDV-Informatikerin, 27, also Mutter PC-Theresa, die alles besser wusste und pausenlos rummekerte. Niemand hatte Ahnung, niemand konnte etwas, Alle sind blöd außer sie. Wenn bei jemanden am Computer etwas nicht klappte war er blöd, bei ihr war es dann jedes Mal ein Programmfehler. Und dann mischte sie sich in alles ein, was sie nichts anging.

In der ersten Woche flog eine Zeitarbeiterin aus einem anderen Büro eben mal im vorbeilaufen raus, einfach so ohne Grund. Die Chefin, die dies veranlasste hatte mich natürlich auf dem Kicker, schließlich wog ich keine 100 KG, bin nicht schwul und mecker auch nicht auf der Arbeit rum. Damit sind die Einstellungskriterien wohl bei dieser Firma nicht erfüllt. Die ging dann laufend aus dem Raum, kaum war sie weg, kamen bei mir Fehler vom Server. „Connection interrupt“ Non-Service-Check“ usw. Nach 3 Wochen die Mitteilung vom Chef des Hauses:“ Bitte rufen Sie Ihre Firma an“. Ich packte mittags um 12:00 Uhr meine Sachen und ging einfach. Danach sollte ich bei der Zeitarbeitsfirma selbst arbeiten und hatte am selben Tag ein Vorstellungsgespräch im Ffm-Offenbach. Am Empfang teilte man mir mit, dass ich schon abgesagt wurde. 2 Tage später hatte ich einen neuen Einsatz irgendwo hinter dem kleinen Feldberg. Postbearbeitung bei einer unseriösen Gewinn-Spiel Firma. Die Eingangspost: „Leckt mich am Arsch“, “Fickt euch“ usw. Nach 5 Stunden sagte man mir, dass es das war. Keine Arbeit, dann flog ich innerhalb von 2 Wochen.

Danach hatte ich einen befristeten Vertrag bei einer großen, seriösen Firma. Leider nur für ein halbes Jahr.





Zeitarbeit Nr. 5

Dann ging ich notgedrungen zur Zeitarbeitsfirma Nr.5 in Wiesbaden. Trotz Termin musste ich eine ¾ Stunde warten. Das Auto stand im Parkhaus, ich kam in die nächste Stunde. Ein paar Tage später hatte der angerufen. Vorstellungsgespräch am Montag morgen um 8:30 Uhr in Langen (50km Entfernung von mir!) Ich fuhr im Januar 2003 trotz Unwetterwarnung mit 60-70 km/h auf einer glatten, verschneiten Autobahn und dann Landstraße dahin. Morgen geht es nach Frankfurt sagte der. Erfolg. Zuhause schließlich rief die Zeitarbeitsfirma an, bestellte mich nach Wiesbaden zum Vertrag. Per Post wäre nicht möglich.

Jetzt der Lohn: Einstellung ab Dienstag. Stundenlohn 6,50 Euro und 7,50 Euro netto pro Tag, für die fast 100km stressige und gefährliche Fahrt sah ich nichts! (Eine absolute Frechheit!)

Am nächsten Tag Frankfurt mit der S-Bahn. Zum Hbf in Ffm 35 min. 5 Min warten und umsteigen, 2 min weitere Fahrt, 5 min Fußweg, dann da. Bei einer anderen Firma.

Ich wurde eingearbeitet in einen PC-Job. Störfälle bei Postautomaten kontrollieren. Sehr stressig, sehr viel, sehr unorganisiert. Die Leute waren ok. Die Entfernung zum Wohnort, 35 km. Angesichts der Spritpreise entschied ich mich eine RMV-Monatskarte zu kaufen. 92,50 Euro. Nach einer Woche erhielt ich Montagmorgens um 07:00UHR (!) einen Anruf von der Zeitarbeits-Firma, ich wäre abbestellt worden! Ich ging trotzdem hin. Man wusste von nichts. Am Dienstag kam ich von der Mittagspause, da sagte man mir es und weigerte sich den Tätigkeitsnachweis zu unterschreiben! Ich packte meine Sachen und... am Nachmittag in Wiesbaden bei der Zeitarbeitsfirma. Stundenlanges warten, der Vertrag wurde einfach aufgehoben. Andernfalls drohte man mir mit Einsätzen in Köln und Saarbrücken.

Jetzt bin ich arbeistlos, das Arbeitsamt will mich zu weiteren Zeitarbeitsfirmen schicken. Um mein Geld nicht zu gefährden gehe ich hin und zeige KEIN Interesse.

Ein Bekannter erlebte hingegen folgendes: da er nach der Lehre arbeitslos war, ging er zu einer Zeitarbeitsfirma nach Wiesbaden. Ein Vorstellungsgespräch am Frankfurter Flughafen wurde dem gelernten Lagerfacharbeiter abgesagt. Er wurde in Wiesbaden eingesetzt: 13-DM pro Stunde L, schlechtes Betriebsklima L, nach 4 Wochen Arbeit keine Arbeit mehr, einfach abbestellt L, gefeuert J. Denn er hatte ein weiteres Zeitarbeits-Angebot in Frankfurt. Am Flughafen. Er unterschrieb den Vertrag (16,- DM pro Stunde J). Dann (Schock) erst mal Vorstellungsgespräch. Am Montag sage man ihm Bescheid. Nachdem am Montag Nachmittag immer noch kein Anruf kam, rief er an. Er sei durchgefallen und werde wieder gekündigt. Kein Geld. Er hatte großes Glück, denn er fand eine feste Stelle. Ich habe schon öfters Leute getroffen, die Zeitarbeitsfirma wechselten, mangels Einsatz und letzte Woche eine Frau, die nach fast 2 Jahren mangels Einsatz flog! Jetzt suche ich auch eine feste Stelle. Und Zeitarbeit... nie mehr wieder!

15 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Clarinetta2

    29.04.2007, 15:16 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, wird sich nicht positiv auf Bewerbungen auswirken

  • campimo

    29.04.2007, 13:12 Uhr von campimo
    Bewertung: sehr hilfreich

    *°* SH & LG *°*