Zeitungsausträger/in Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Einstellungschancen:  sehr gut
  • Aufstiegschancen:  sehr schlecht
  • Verdienstmöglichkeiten:  durchschnittlich
  • Sozialleistungen:  schlecht

Erfahrungsbericht von fledermaeuse

Ja bin ich denn verrückt?

3
  • Einstellungschancen:  sehr gut
  • Aufstiegschancen:  sehr schlecht
  • Verdienstmöglichkeiten:  durchschnittlich
  • Sozialleistungen:  schlecht

Pro:

man ist an der frischen luft

Kontra:

bei wind und wetter unterwegs

Empfehlung:

Ja

••• Vorwort: •••

Einige werden es ja mitbekommen haben, das ich zu den vielen Tausenden von Menschen gehöre, die zurzeit Arbeitslos sind. Seit geraumer Zeit hat man mir nun mitgeteilt, das ich eine Umschulung bekomme, aber die erst irgendwann nächstes Jahr beginnen wird... alles natürlich nur mündlich und sehr schwammig.
Nur was tut man in der Zwischenzeit? Das Arbeitslosengeld ist knapp bemessen und als ungelernte einen Job zu bekommen ist noch schwerer, bzw. man büßt unheimlich an Geld ein und damit geht es wieder ans Arbeitslosengeld und schon wird es hinten und vorne eng ohne Ende. Vieles ist zu beachten, wenn man sich einen Nebenjob sucht und das erste was ich anstrebte, war ein Minijob.
Laut Arbeitsamt darf man sich noch 143 Euro nebenher dazu verdienen ohne es dem Arbeitsamt zu melden, da ich leider noch keinen 400 Euro Job gefunden hatte, entschied ich mich eine Weile Zeitungen auszutragen.

Einige werden nun sagen, das dies ein Job für Schüler oder Rentner ist usw. und das dabei viel zu wenig rum kommt, aber ein wenig mehr Geld in der Tasche erleichtert einiges und außerdem ist es nicht leicht, wenn man Arbeitslos ist, auch wenn das einige anders sehen, aber das wäre jetzt ein ganz anderes Thema ;o)

Ich möchte Euch ja meine Erfahrungen als Zeitungsausträgerin mitteilen. Ich habe es zwar nicht lange gemacht, aber ich denke die Erfahrung die ich machen durfte reicht vollkommen ;o)



••• Bewerbung: •••

Wirklich bewerben muss man sich eigentlich nicht. Ich habe meinen ‚Job’ über unser Käseblättchen bekommen. Man suchte da für unseren Ort ein paar Austräger für die Zeitung XYZ. Man sollte einfach anrufen und das machte ich dann auch. Ein netter Herr am Telefon sagte mir den Bezirk wo ich verteile und nahm Name und Adresse von mir auf und noch am selben Tag kam bei mir jemand vorbei, der mir die wichtigsten Unterlagen in die Hand drückte.

Als erstes natürlich ein paar Verhaltensregeln wie und wo man austeilt, dann einen Bezirksplan wo verzeichnet war, wo ich meine Zeitungen und wie viele vorfindet zum verteilen und einen Stadtplan von diesem Bezirk.

Dann gab es noch eine besagt schwarze Liste. Hier fand man Namen und Adressen von Leuten, die keine kostenlose Zeitung wünschen und dies nicht am Briefkasten stehen haben und mächtig Stress machen, wenn sie eine Zeitung vorfinden.. na ja.. bei Reklame kann ich es noch verstehen, aber nicht bei einer Zeitung die, die neusten Nachrichten aus der Umgebung bereithält.

Dann liegt noch ein Plan dabei wie abgerechnet wird und schon kann es losgehen. Ganz problemlos und die Finanzen werden über einen Scheck geregelt.
Hier hat man also wirklich nichts zu befürchten und ich denke bis hierher schafft es jeder ohne große Probleme und Anstrengung.
Ich persönlich war sehr überrascht das alles so ohne Papierkram über die Bühne läuft. Kündigen kann man auch wie man will, entweder schriftlich oder anrufen, aber entlassen werden kann man natürlich auch, wenn man sich etwas zu Schulden kommen lässt. Das mag irr klingen bei dem Job, aber es gibt da einiges was nicht erlaubt ist und zur Kündigung führt, aber dazu später mehr.



••• Verdienst: •••

Ich kann bei dem Verdienst nur von dem ausgehen was ich bekommen sollte und das war ein gestaffelter Betrag der sich aus dem Gewicht der Zeitung einschließlich Beigaben ergibt.

1 g - 120 g = 0,019 Euro
121 g – 130 g = 0,0195 Euro
131 g – 140 g = 0,20 Euro
und so weiter und so weiter.

Ich hatte einen Bezirk mit 650 Zeitungen, da kann man sich ausrechnen das nicht viel zusammenkommt, wenn man einberechnet wie lange man unterwegs ist. Mein Tour dauerte in etwa 3 Stunden und dann war man schnell. Ich hatte die Ecke vom Ort, wo zig Sackgassen zu finden sind und man so eigentlich immer den doppelten Weg zurücklegte und nicht wirklich immer so laufen konnte wie man wollte.

Mir persönlich war es egal, da ich eh sonst nichts zu tun hatte und so wenigstens an die frische Luft kam, aber mehr als ein kleines Taschengeld kommt so nicht zusammen.

Wenn man Glück hatte konnte man nach Absprache Samstags noch ein paar Werbeprospekte verteilen, die genauso abgerechnet wurde, aber wesentlich weniger waren, da sehr viele bei uns im Ort keine Werbung wünschen.. der Weg und die Zeit bleibt aber trotzdem dieselbe und das muss man immer mit einbeziehen. Man sieht.. reich wird man hier nicht. Ich weiß allerdings nicht wie es mit anderen kostenlosen oder gar abonnierten Zeitungen ist. Hier kann der Verdienst unter Umständen anders gelagert sein.



••• Umsetzung und die Tat: •••

Mein ‚erstes’ Mal war wirklich schrecklich. Ich kannte die Strassen nicht und musste ständig nachschauen wo ich bin etc. ;o) Ich war wirklich total wirr im Kopf, aber so nach und nach legte sich das ganze. Man hat einige Dinge zu befolgen. Sicherlich ist es nicht schwer eine Zeitung in den Kasten zu werfen, aber hier sollte man drauf achten was die Leute am Briefkasten stehen habe. Werbung nein bedeutet das man eine kostenlose Zeitung einwirft, da es ja keine Werbung ist ;o) Steht allerdings etwas von ‚keiner kostenloser Zeitung’, dann sollte man dies auch bitte unterlassen, da es einige Menschen gibt, die hier richtig kiebig werden. Mir ist es am ersten Tag passiert, das ich die schwarze Liste nicht beachtet hatte vor lauter hierhin und dahin und mir lief ein aufgebrachter Mann hinterher und beschimpfte mich und schmiss mir die Zeitung vor die Füße... tja.. da guckt man dann nur doof ;o)

Große Wohnblöcke hatte ich nicht dabei... es waren eher alles Einfamilienhäuser, aber ein paar Siedlungen gab es, wo man die Zeitungen in extra Behälter füllte und man gebeten wurde dort nichts in die Briefkästen zu füllen, da sie einfach zu klein waren. Ich fand das immer praktisch. So wurde man schnell mal in einer Sekunde 50 Zeitungen los, aber diese Bereiche waren sehr rar gesät und die Einzelhaushalte überwogen in meinem Bereich.

Hier hatte man nun die Möglichkeit die Zeitung in den Briefkasten zu stopfen was allerdings manchmal gar nicht einfach ist, wenn an dem Tag schon 3 verteilt wurden und ich mit meiner 4. noch ankam und der Briefkasten überquoll und dann noch evtl. alles aufgeweicht war, weil es regnete. Leute mit extra Zeitungsfach schloss ich natürlich sofort ins Herz ;o)

Große Begegnungen mit Hunden hatte ich glücklicherweise keine, aber ich gestehe das ich Schuhe mit Stahlkappen anhatte ;o)
Hin und wieder trifft man auf Anwohner und bei den ersten Runden ist mir passiert, das viele ältere Menschen das Gespräch gesucht haben. Sicherlich nett, aber so kommt man nicht über die Runden ;o) Eine Dame fiel sogar vor meinen Augen im Garten um... ich habe also noch eine gute Tat begangen indem ich sie wieder aufstellte und ins Haus begleitete und Platzwunden versorgte.. auch so was kann einem passieren ;o)

Man sollte bevor man losläuft auf alle Fälle seine Zeitungen kontrollieren die man dort an einer Ecke stehen hat. Dort findet man auch einen Packzettel mit seinen Daten drauf und was man verdient auf der Tour. Diesen Zettel sollte man sich aufbewahren da er ja in etwa mit einer Abrechnung gleichzusetzen ist.

Da wo man die Zeitungen in Empfang nimmt, sollte man übrigens keinen Müll hinterlassen und wenn einer auf die Idee kommt seine Zeitungen zu entsorgen und in eine Mülltonne oder gar im Wald zu entsorgen, der sollte sich das mehrmals überlegen. Zum einen bekommt man kein Geld ausgezahlt wenn es rauskommt, bekommt man unter Umständen noch eine Anzeige wegen Umweltverschmutzung.
Nun könnte ein schlauer Mensch hergehen und sagen das dies eh keiner merkt.. tja.. da kann ich widersprechen, da ich zur Zeit in einem Call – Center arbeite, die genau solche Sünder ausfindig macht, aber dazu irgendwann ein anderer Bericht ;o)
Sollte jemand so seine Zeitungen loswerden, dann ist vorbei mit dem Nebenjob und man sollte sich schon mal etwas anderes suchen.

Auch ich habe etwas in meinem Vertrag übersehen. Man sagte mir am Telefon, das ich jederzeit aussteigen kann und das tat ich dann auch.. tja.. im Belehrungsschreiben steht, das man zwei Wochen vorher kündigen muss um sein Geld zu bekommen und in der Zeit soll man weiter die Zeitungen austragen. Das tat ich nicht, weil es Gründe gab und somit bekam ich null Koma Nichts und habe für diesen Betrieb kostenlos die Zeitungen verteilt. Im Moment sind wir uns darüber ein wenig am streiten und man wird wahrscheinlich mal eine Ausnahme machen da meine Gründe gesundheitlich bedingt waren.

Jetzt wird sich jeder an den Kopf packen und fragen was denn am Zeitungsaustragen so schwer war das man gesundheitliche Probleme bekommt... so würde ich auch denken, wenn mein Rücken nicht geschädigt wäre und genau der war es der sehr schnell Probleme machte. Mein lädierter, operierter Rücken mochte das ständige bücken zu den Briefkästen einfach nicht. Leider gab es selten Briefkästen die in angenehmer Höhe waren und wenn ich nach Hause kam war mein Rücken ein reines Reibeisen und ich konnte mich kaum noch bewegen. Im ersten Moment dachte ich das es einfach die ungewohnte Tätigkeit war, aber irgendwann ging ich dann doch mal zum Arzt da mir das seltsam vorkam und der bekam bald einen Schlag als er mich untersuchte. Seine Frage lautete als erstes ob ich nun doch wieder in meinem alten Job arbeite und als ich sagte was ich mache, bekam er bald einen Schreikrampf. Bücken, heben, tragen und dann noch etwas kühleres Wetter.. tödlich für meinen Rücken und vorbei war es mit den paar Euros nebenher.

All das muss man sich bewusst sein und ich bin mir sehr bewusst das einige meinem Text nicht richtig folgen können, aber so war in etwa der Ablauf und er wäre es immer noch, wenn mein Rücken nicht nein gesagt hätte.



••• Schlusswort: •••

Wenn man sich ein kleines Zubrot verdienen möchte und körperlich fit ist, dann kann man hier problemlos etwas machen für das man nichts lernen muss und wo man auch niemanden Rechenschaft ablegen muss. Eine einfache Tätigkeit die sicherlich nicht viel Geld bringt, aber einem schon mal etwas über die Runden helfen kann. Für wen der Nebenjob nun geeignet ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wäre mein Rücken nicht so störrisch dann hätte ich gerne das ganze weiter gemacht bis meine Umschulung beginnt, aber so ist es leider Essig.

Ach ja.. angepasste Kleidung .. darauf sollte man auch achten. Man hat mit Regen, Hitze, Kälte und sonstigem zu rechnen und man kann nicht einfach sagen das man es einfach am nächsten Tag verteilt. Man hat vorgegebene Zeiten, bzw. Tage wo die Zeitung verteilt sein muss.

Man muss Zeit investieren, aber wenn man die hat, kann man den Nebenjob weiterempfehlen. Ich hätte mir mehr zu Beginn Gedanken darüber machen müssen, aber man lernt nie aus und ich habe einen netten anderen Nebenjob gefunden ( Haushaltsumfragen für die Stadtverwaltung ) und sogar noch einen 400 Euro Job als Call Center – Agentin, aber dazu später irgendwann mehr ;o)

Ich hoffe ich konnte Euch einen kleinen Einblick in diesen Nebenjob gewähren und vielleicht kennt der ein oder andere ja die Tücken dieser Tätigkeit ;o)

In diesem Sinne Eure © fledermaeuse alias PunkyLady

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