Zodiac Testbericht

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Erfahrungsbericht von theConsultant

Die Grüne Alternative

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Schon vom weiten fällt die von innen zugewachsene Schaufensterfront mit den kleinen Lampen auf, die abends ein sanftes Licht ausstrahlen. Ein ehemaliges Ladengeschäft, das jetzt zu einer Wohnung umgewidmet wurde? Nein, ein Restaurant, das über die Grenzen von Essen hinaus einen guten Ruf hat – das Zodiac in der Witteringstraße in Essen Rüttenscheid.

Vegetarisch und Vollwert ist die Devise. Und international. Nein, nicht jene Form „internationaler Küche“ wie falschen Zutaten - wie etwa Wiener Schnitzel aus Schweinefleisch, oder dem im ganzen Ostblock so beliebten „Chicken Kiev“. Der Stil erinnert mehr an das Äquivalent von „Weltmusik“, dem Nachfolger des Folks der Siebziger Jahre. Also „Weltküche“?

Vom U-Bahnhof Saalbau kommend laufe ich die Baumstraße entlang und am Ende liegt dann das Zodiac. Oder auch am Ende der von-Schmoller-Straße, der Cecilienstraße, der Emilienstraße. Sieht man von den großen Durchgangsstraßen ab, sind in Rüttenscheid das Geflecht der Straßen und die Vielfalt ihrer Namen schon recht unübersichtlich.

Ich stoße die Glastüre auf (ja, das muss mal ein Ladengeschäft gewesen sein – Mode vielleicht?) und schaue durch die Durchreiche gleich in die Küche. Ein paar Schritte weiter, und ich bin mitten im Dschungel. Nicht nur an den großen Fensterflächen, auch von der Decke herunter hängen meterlange Lianen. Wer es genau wissen will: Efeututen mit ihren grün-weiß gefleckten Blättern.

Ein langer, ziemlich schmaler Raum – durch einen Spiegel am Ende noch weiter optisch gestreckt, hölzerne Querbalken, die Anordnung der Tische – im ersten Moment denke ich, es ist alles besetzt, als ich um 19.30 das Lokal betrete. So frage ich denn die Bedienung, die an der Theke steht, ob denn noch Platz sei und wo ich mich setzen könne. Die meint aber ganz unbekümmert, wo immer ich wolle, es seien noch genug Tische frei.

Ich finde ein hübsches rundes Tischchen, schäle mich aus meiner Winterjacke und lasse mich auf einem der Eichenstühle mit Binsengeflecht nieder. Sagte ich „Tischchen“? Sein Durchmesser ist zwar nur 70 cm, aber die Platte ist locker 10 cm dick – eine gesägte Baumscheibe.

Die anderen Tische, auch die rechteckigen, sind ebenfalls stabil. Die Wände sind weiß gekalkt und mit Fachwerkstrukturen in heller Eiche untergliedert. War das hier mal früher eine Trachtenstube? Wer weiß, jetzt wirkt es trotz der vielen Eiche keineswegs „altdeutsch-rustikal“. Dafür sorgt nicht nur das unbändige Pflanzengewucher, sondern auch die Dekos: orientalische Öllämpchen, flache Holzschnitzereien, und auch aufgemalt an der Decke, Symbole der 12 Sternzeichen. Der Zodiak! Vegetarische Gerichte aus 12 Ländern – und seit mehr als 12 Jahren, wie mir ein kleines, sehr gekonnt gemachtes Faltblatt verrät.

Ich sitze kaum, da bringt mir die aufmerksame Bedienung schon die Speisenkarte. Die Legende ist hinten. Die ursprüngliche Herkunft der Gerichte ist jeweils durch die internationalen KfZ-Kennzeichen markiert: Spanien, Italien, Frankreich, Griechenland, Marokko, Libanon, Iran, China, USA, Thailand ... Dann gibt es noch ein Lindenblatt-Symbol (für vegan) und ein Kleeblatt für „vegane Zubereitung möglich“.

Die Auswahl an Vorspeisen, Suppen, Salaten, Hauptgerichten und Desserts ist klein – nicht in jeder Kategorie sind alle 12 Länder vertreten. Die Preise sind moderat, so von 2 bis 10 Euro. Auch bei den Getränken verarmt man nicht – etwa anderthalb Seiten mit verschiedenen offenen Weinen, keiner über 4 Euro; als Bier gibt’s die Biomarken Pinkus und Lambsbock. Ich wage mich aber an ein Dugh – ein persisches Getränk aus Jogurt mit Kräutern (hauptsächlich Minze) und Sprudelwasser. Das große Glas kostet 3 Euro. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass hierfür Demeter Jogurt verwendet wurde.

Und weil ich experimentierfreudig bin und mich nicht so recht entscheiden kann, bestelle ich einfach das Tagesgericht zu 15 Euro. Auf dem großen flachen Teller, den man mir nach gar nicht langer Zeit bringt, finde ich:

  • knackigen Salat, mit feinen Sprossen gekrönt und locker umhüllt von Radiccioblättern, die aber hier freundlicherweise gar nicht bitter sind;
  • ein Vollkorngemüsereiskonstrukt: unten Brotteig, dann Champignons, Vollkornreis mit gebratenen Gemüsestückchen, das ganze als Halbkugel geformt und leicht mit Käse überbacken;
  • gedünsteten Blattspinat.

Alles ist hervorragend gewürzt, aber keineswegs zu salzig und auch nicht zu scharf. Das merke ich nicht nur beim Essen – auch später in der Nacht sollte ich nicht mit Durst aufwachen, wie es mir sonst nach abendlichen orientalischen Genüssen schon mal vorkam.

Man hatte mir nach der Bestellung nicht die Speisenkarte wieder weggenommen, sondern ließmich ruhig ein wenig darin lesen. Sie ist ja auch hübsch anzusehen, jede Seite ist mit unterschiedlichen orintalischen Bordüren geschmückt. Zwei Blätter stellen einmal nicht Speisen und Getränke vor sondern persische oder arabische Gedichte, dreisprachig in Englisch, Deutsch und Arabisch.

Mutig geworden wage ich mich sogar an eine persische Nachspeise, Ranginak mit Namen: Vollkornteig mt Nüssen, Datteln und Honig gesüßt. Erfreulicherweise nicht so teuflisch süß wie die meisten anderne Desserts aus der Region zwischen Türkei und Indien, sondern eher kernig im Geschmack, und eine schöne Abrundung des Mahls.

Mittlerweise ist es kurz vor neun, das Lokal lichtet sich etwas. Wer auf gesundes Essen wert legt, der isst ja meist nicht so spät, und in der Mitte der Woche schon gar nicht. Ich will auch schon weg, und bekomme meine Rechnung zusammen mit einem Tellerchen voll Fruchtbonbons Marke „Naturata“.

Da habe ich aber meine Rechnung ohne den Wirt gemacht! Denn kaum hatte ich bezahlt und wollte mich, mit Zitronenbonbon im Mund, erheben, da kommt er auch schon an meinen Tisch und fragt, ob ich nicht einen Kaffee möchte oder einen Schnaps. Na gut, dann noch einen Capuccino auf Kosten des Hauses hinterher. Der kommt ganz schnell, mit einer mächtigen Schaumkrone, aber der Kaffee darunter schmeckt schon eher nach Getreidekaffee. Aber zusammen mit ein paar Löffelchen Rapadura Rohrrohzucker wird aus dem Muckefuck ein köstlich-aromatisches Getränk.

Im Zodiac werde ich wirklich wie ein Gast behandelt und nicht wie ein zahlender Kunde. Bevor ich dann gehen darf, muss ich doch noch einen „Schnaps“ trinken. Ich wähle einen 7-Sterne Metaxa. Der kommt in einem ganz heißen Cognacschwenker, und ich bemühe mich redlich, den sich heftig verflüchtigenden Alkohol wenigstens zu inhalieren, wenn er schon meint, seinen Aggregatzustand ändern zu müssen.

FAZIT: da muss ich wieder hin.

+++++

ZODIAC – Die andere Küche. Freitag bis Mittwoch 18 bis 24 Uhr.
Witteringstr. 41, 45130 Essen-Rüttenscheid, Tel. 0201-771212, leider keine Webseite oder eMail.

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